Diese Arbeit beschreibt die Entstehung der Bürgerwehrtradition in den USA, ihre Entwicklung und ihren langsamen Niedergang. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Motivation der Menschen gelegt, die den Anspruch erhoben haben, das Recht in die eigene Hand nehmen zu dürfen.
Die Geschichte der USA ist eine Geschichte der Gewalt. Bewaffnete Auseinandersetzungen haben die Nation geformt und deren Verlauf bestimmt, von den Indianerkriegen über die amerikanische Revolution bis weit über den Sezessionskrieg hinaus. Aufstände, Klassenunruhen, Rassenspannungen und politische Revolutionen, verbunden mit einem tiefen Misstrauen gegen einen als schwach und unfähig empfundenen Staat haben einen Hang zum gewaltsamen interpersonalen Konflikt entstehen lassen. »Wachsamkeit« (vigilantism) und die stetige Bereitschaft, sich eigenhändig und gewaltsam vor Gefahren zu schützen, ist bis heute untrennbar mit dem Selbstverständnis der amerikanischen Bevölkerung verbunden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
1. Problemaufriss
2. Gang der Darstellung
II. Begriffsbestimmungen
III. Kolonialzeit und Frontier
IV. Der Übergang zum Neovigilantismus
1. Die San Francisco Regulators
2. Das Plädoyer der Vigilanten
V. Das nationale Verbrechen
1. Der Kampf um die Deutungshoheit
2. “The anger of the people knew no bounds”
VI. Die Antwort des Staates
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die historische Entstehung, Entwicklung und den langsamen Niedergang der Bürgerwehrtradition in den USA. Dabei untersucht sie die Motivation hinter der Selbstjustiz, hinterfragt den Legitimationsdiskurs von Befürwortern und analysiert das Spannungsverhältnis zwischen extralegaler Gewalt und staatlichem Gewaltmonopol sowie deren soziale Auswirkungen.
- Historische Wurzeln von Vigilantismus und Lynchjustiz in den USA
- Transformation vom klassischen Vigilantismus zum Neovigilantismus
- Die Rolle der Sklaverei und rassistische Motivationsstrukturen im Süden
- Der Legitimationsdiskurs und die Rolle des Staates im Umgang mit Mobgewalt
Auszug aus dem Buch
Die San Francisco Regulators
Das San Francisco Regulator Comittee von 1856 markiert diese Kehrtwende von einem zweckgebundenen zu einem politischen und opportunistischen Vigilantismus. Es wurde gleichsam aus den Spannungen der raschen Urbanisierung geboren und stellte den Versuch dar, diese Probleme in den Griff zu bekommen. In der Mitte des 19. Jahrhunderts war San Francisco eine sozial äußerst heterogene Stadt. Auswanderer aller Welt waren hier zu finden, wie auch Anhänger verschiedener Religionen und politischer Lager, und die Spannungen zwischen ihnen waren beträchtlich. Der dominante Flügel der demokratischen Partei unter David C. Broderick, von den Zeitgenossen die »Broderick-Maschine« genannt, war berüchtigt für eine korrupte und autokratische Führung der Stadt.
Eine kleine Armee bezahlter shoulder striker, wüste Schläger Irisch-katholischer Abstammung, war für das Stopfen von Wahlurnen, fälschen von Wahlergebnissen und die Einschüchterung politischer Gegner verantwortlich. Die explodierende Zuwanderung und der damit verbundene rasante Städtebau waren ein idealer Nährboden für Korruption und schamlose Bereicherung. Massige Honorare, ungezügelte Bestechungen, eine galoppierende Stadtverschuldung, die Abwertung von Anleihen und steigende Steuern waren die Anzeichen eines rapide herannahenden Bankrotts. Bis 1855 waren die Haushaltsausgaben auf 2,500,000$ emporgeschnellt. Das Komitee formte sich, nachdem der bekannte Redakteur James King, der seine Leser jahrelang mit angeblichen Horrorszenarien einer ungezügelten Kriminalität in Atem gehalten hatte, selbst Opfer eines Gewaltverbrechens wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die Geschichte der Gewalt in den USA und Vorstellung der Forschungsfrage zur Bürgerwehrtradition.
II. Begriffsbestimmungen: Analyse der methodischen Schwierigkeiten und Klärung der zentralen Begriffe Lynchen und Vigilantismus.
III. Kolonialzeit und Frontier: Untersuchung der frühen Formen von Volksjustiz und Gefahrenabwehr im Kontext der Besiedlung.
IV. Der Übergang zum Neovigilantismus: Darstellung der Entwicklung hin zu politisch instrumentalisierten Bürgerkomitees am Beispiel von San Francisco.
V. Das nationale Verbrechen: Analyse des rassistisch motivierten Terrors im Süden und des Zusammenhangs mit der Sklaverei.
VI. Die Antwort des Staates: Erörterung der staatlichen Reaktionen auf Mobgewalt und der Faktoren, die zum Rückgang der Lynchjustiz führten.
Schlüsselwörter
USA, Vigilantismus, Lynchjustiz, Bürgerwehr, Gewaltmonopol, Sklaverei, Rassismus, Frontier, Reconstruction, Mobgewalt, Volksjustiz, Strafjustiz, Südstaaten, Sezessionskrieg, Rechtsstaatlichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und den Niedergang der Bürgerwehrtradition und der Lynchjustiz in den USA unter Berücksichtigung politischer und sozialer Faktoren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von der frühen Kolonialzeit über den Frontier-Vigilantismus bis hin zum rassistisch geprägten Neovigilantismus im Süden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Analyse der Legitimationsargumente für Selbstjustiz und die Untersuchung, inwieweit staatliche Institutionen auf die Herausforderung durch Mobgewalt reagierten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-thematische Analyse, die auf einer Auswertung zeitgenössischer Quellen und historischer Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch und thematisch: Von der frühen Kolonialzeit und der Frontier-Zeit über den Übergang zum politischen Vigilantismus bis hin zum sogenannten nationalen Verbrechen der rassistischen Lynchjustiz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Vigilantismus, Lynchjustiz, Mobgewalt, Sklaverei, rassistischer Terror und das staatliche Gewaltmonopol.
Welche Rolle spielte die Sklaverei für die Entwicklung der Lynchjustiz?
Die Sklaverei bildete den Nährboden für rassistisch motivierte Gewalt und ein System, in dem Weiße glaubten, die Vorherrschaft durch extralegale Maßnahmen sichern zu müssen.
Warum war es für den Staat so schwer, gegen die Lynchjustiz vorzugehen?
Viele Senatoren, Richter und Polizeibeamte sympathisierten mit den Vigilanten oder teilten deren rassistische Vorurteile, was ein konsequentes Eingreifen gegen die Mobgewalt erschwerte.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2016, Die extralegale Exekutive. Lynchjustiz und Vigilantismus in den USA, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346891