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Sexualität und Partnerschaft in den Lagern des Gulag

Titre: Sexualität und Partnerschaft in den Lagern des Gulag

Dossier / Travail , 2015 , 23 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Sebastian Flock (Auteur)

Histoire - Divers
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Résumé Extrait Résumé des informations

Einen bisher nur wenig erforschten Bereich der Geschichte des Gulag-Systems stellen die Themen Sexualität und Partnerschaft dar. Verwertbare Informationen dazu lassen sich nur unzureichend in den russischen Archiven finden. Sie müssen vor allem den Memoiren und literarischen Werken der Überlebenden entnommen werden. Geschlechtliche Kontakte zwischen den Gefangenen waren in den Lagern streng verboten. Einzelne Berichte ehemaliger Lagerhäftlinge beweisen jedoch, dass sich über dieses Verbot hinweggesetzt wurde. Das Problem bei dieser Thematik ist allerdings, dass Erinnerungen diesbezüglich aufgrund gesellschaftlicher Tabuisierung oft von Schamgefühlen überlagert sind. Dies führt dazu, dass Aspekte aus den Bereichen Sexualität, Prostitution und Vergewaltigungen entweder nicht erinnerbar sind oder ausgelassen werden. Dies scheint insbesondere für Berichte über gleichgeschlechtliche Kontakte und sexuelle Gewalt gegen Männer zu gelten. Weiterhin muss bedacht werden, dass Berichte über sexuelle Gewalt auch traumatisierende Erlebnisse beinhalten, welche die Erinnerung des Autors oder der Autorin beeinflussen können. Es ist deshalb davon auszugehen, dass viele ehemalige Häftlinge den Bereich der Sexualität aus ihren Memoiren ausklammern. Dies wiederum erschwert die Suche nach verwertbarem Material und ist ein Grund dafür, dass dieser Aspekt der russischen Geschichte bisher nur wenig erforscht ist.
Mit der vorliegenden Arbeit möchte ich daher einen Beitrag zur Erforschung dieses Themas leisten. Dabei soll geklärt werden, welchen Stellenwert Sexualität und Partnerschaft im Alltag der Häftlinge einnahmen, wer damit in Kontakt kam, davon profitierte, darunter litt und welche Folgen daraus resultierten. Außerdem soll untersucht werden, welche Funktionen der Sexualität in ihren Ausformungen zugeschrieben wurden und wie das Wachpersonal sowie die Lageradministration mit dem sexuellen Verlangen der Häftlinge sowie deren Verlangen nach einer Partnerschaft umgingen. Da, wie bereits erwähnt, offizielle Dokumente nur wenig Auskunft über diesen Aspekt des Lageralltages geben können, basiert diese Arbeit zu einem großen Teil auf den Erinnerungen und Aussagen ehemaliger Häftlinge. Deren literarische Werke und die von verschiedenen Historikern mit ihnen geführten Interviews bieten eine gute Grundlage zur Erforschung dieser Thematik.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sexuelle Gewalt

2.1 Kriminelle und politische Gefangene

2.2 Sexuelle Gewalterfahrungen weiblicher Häftlinge

2.3 Sexuelle Gewalterfahrungen männlicher Häftlinge

2.4 Zur Rolle des Wachpersonals und der Lagerleitung

3 Prostitution

3.1 Prostitution unter weiblichen Häftlingen

3.2 Prostitution unter männlichen Häftlingen

4 Einvernehmliche Beziehungen

5 Folgen geschlechtlicher Kontakte

5.1 Geschlechtskrankheiten

5.2 Schwangerschaft und Geburt

6 Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Stellenwert von Sexualität und Partnerschaft im Alltag sowjetischer Lagerhäftlinge. Es soll geklärt werden, inwieweit diese Bereiche als Mittel der Gewalt, des Überlebens oder als Rückzugsort dienten, wer von diesen Kontakten profitierte oder darunter litt und wie die Lageradministration auf die sexuellen Verhältnisse reagierte.

  • Strukturelle Analyse von sexueller Gewalt gegen weibliche und männliche Häftlinge
  • Untersuchung von Prostitution als Überlebensstrategie und deren ökonomische Grundlagen
  • Rolle des Wachpersonals bei der Duldung oder Ausübung sexueller Nötigung
  • Die Bedeutung einvernehmlicher Beziehungen als Stütze im Lageralltag
  • Folgen geschlechtlicher Kontakte (Krankheiten, Schwangerschaften und Kindeswohl)

Auszug aus dem Buch

2.4 Zur Rolle des Wachpersonals und der Lagerleitung

Es lässt sich also feststellen, dass Vergewaltigungen von Männern und Frauen durch Mithäftlinge zum Lageralltag gehörten. Sowohl die Lagerleitung als auch das Wachpersonal müssen dementsprechend darüber Bescheid gewusst haben. Dies wird auch in den Berichten der ehemaligen Häftlinge sowie in offiziellen Dokumenten bestätigt. Trotz dieses Wissens bot die Administration kaum Schutz vor sexuellen Übergriffen. Hilfesuchende Frauen wurden abgewiesen und ausgelacht. Gustaw Herling-Grudziński berichtet in seinen Erinnerungen, wie acht Männer eine Frau vergewaltigten. Als sich der vierte Täter an ihr vergehen wollte, schrie die diensthabende Wache vom Turm aus nur: „Aber, Männer, was macht ihr denn da? Schämt ihr euch nicht?“ Die Täter zogen ihr Opfer daraufhin aus Sichtweite der Wache und konnten mit der Vergewaltigung ungestört fortfahren. Andere Quellen berichten davon, wie die Wachen von den Gefangenen bestochen oder mit Alkohol betrunken gemacht wurden, um in aller Ruhe über die weiblichen Opfer herfallen zu können. Strafrechtlich verfolgt wurden die Täter eher selten. Vielmehr wurden ihre Handlungen stillschweigend geduldet, sodass es keinen Anlass für die Vergewaltiger gab, ihr Tun zu unterlassen. Anne Applebaum liegt daher nicht falsch, wenn sie betont, dass die Vergewaltigungen zwar nicht von Moskau angeordnet, aber wissend in Kauf genommen wurden.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einführung erläutert die Bedeutung literarischer Zeitzeugenberichte für die Erforschung der Lebenswelt im Gulag und grenzt die Fragestellung zur Sexualität und Partnerschaft ein.

2 Sexuelle Gewalt: Das Kapitel analysiert die allgegenwärtige sexuelle Gewalt gegen weibliche und männliche Häftlinge, die Rolle der Lagerhierarchien und die aktive sowie passive Beteiligung des Lagerpersonals.

3 Prostitution: Hier wird Prostitution als oft erzwungene Überlebensstrategie untersucht, wobei zwischen den Bedingungen für Frauen und der sozialen Ausgrenzung männlicher Prostituierter unterschieden wird.

4 Einvernehmliche Beziehungen: Dieses Kapitel betrachtet seltene, teils aus Liebe entstandene Partnerschaften, die Schutz und Hoffnung inmitten der Lagerbedingungen boten.

5 Folgen geschlechtlicher Kontakte: Die Untersuchung befasst sich mit den medizinischen und sozialen Konsequenzen, insbesondere Geschlechtskrankheiten sowie den Bedingungen für Schwangere und Kinder im Lagersystem.

6 Zusammenfassung: Abschließend werden die zentralen Erkenntnisse gebündelt, wobei die Ambivalenz zwischen sexualisierter Gewalt und der Suche nach menschlicher Nähe im Gulag betont wird.

Schlüsselwörter

Gulag, Sowjetunion, Sexuelle Gewalt, Prostitution, Lagerhierarchie, Haftbedingungen, Zeitzeugenberichte, Vergewaltigung, Einvernehmliche Beziehungen, Geschlechtskrankheiten, Schwangerschaft, Lageradministration, Häftlinge, Überlebensstrategien, Stalinismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht das bisher wenig beachtete Thema Sexualität und Partnerschaft im sowjetischen Lagersystem (Gulag) zwischen 1917 und 1953.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf sexueller Gewalt, Zwangsprostitution, der Rolle des Wachpersonals bei sexuellen Übergriffen sowie der Bedeutung einvernehmlicher Partnerschaften als Stütze für die Gefangenen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, den Stellenwert von Sexualität im Alltag der Lagerinsassen zu klären und zu untersuchen, wie Häftlinge, Lagerpersonal und die Administration mit diesen Aspekten interagierten.

Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?

Da offizielle Dokumente kaum Einblicke in die private Lebenswelt bieten, basiert die Arbeit maßgeblich auf der Analyse von Memoiren, literarischen Werken Überlebender und existierenden Interviews.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil ist in vier Themenbereiche gegliedert: Sexuelle Gewalt, Prostitution, einvernehmliche Beziehungen sowie die physischen Folgen wie Krankheiten und Schwangerschaften.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Wesentliche Begriffe sind Gulag, sexuelle Gewalt, Prostitution, Überlebensstrategien, Lagerhierarchien und Zeitzeugenberichte.

Warum wurde Prostitution im Gulag oft als notwendiges Übel betrachtet?

Aufgrund der unmenschlichen existenziellen Lagerbedingungen sahen sich viele Häftlinge gezwungen, sexuelle Dienste gegen Nahrung oder Arbeitserleichterungen zu tauschen, um ihr Überleben zu sichern.

Welche Rolle spielte die Lagerleitung bei sexueller Gewalt?

Die Lageradministration duldete sexuelle Übergriffe meist stillschweigend oder setzte sie sogar bewusst als Disziplinierungsmaßnahme gegen politische Gefangene ein, um Lagerhierarchien zu festigen.

Wie unterschied sich die Behandlung einvernehmlicher Beziehungen durch die Lagerleitung?

Offizielle Stellen betrachteten diese Beziehungen als Störung; wurden sie bekannt, drohten den Beteiligten oft Strafmaßnahmen wie Isolationshaft oder der Abtransport in andere Lager.

Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Quellenlage?

Der Autor stellt fest, dass aufgrund von Scham und Tabuisierung viele Erlebnisse – besonders im Bereich gleichgeschlechtlicher Kontakte – vermutlich niemals dokumentiert werden und daher große Forschungslücken bestehen bleiben.

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Résumé des informations

Titre
Sexualität und Partnerschaft in den Lagern des Gulag
Université
http://www.uni-jena.de/  (Historisches Institut)
Cours
Fortschritt durch Gewalt? Probleme der Stalinismusforschung
Note
1,3
Auteur
Sebastian Flock (Auteur)
Année de publication
2015
Pages
23
N° de catalogue
V346930
ISBN (ebook)
9783668361393
ISBN (Livre)
9783668361409
Langue
allemand
mots-clé
sexualität partnerschaft lagern gulag
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Sebastian Flock (Auteur), 2015, Sexualität und Partnerschaft in den Lagern des Gulag, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346930
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Extrait de  23  pages
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