Der Mensch ist täglich einer großen Informationsflut ausgesetzt, denn zum einen wird von der Gesellschaft erwartet, dass jeder Bürger über aktuelle Themen informiert ist, zum anderen möchte der Mensch selbst seinen Wissensstand erweitern und holt sich regelmäßig Informationen dafür ein. Die Auswahl bei der Informationsbeschaffung ist groß, da die Verbreitung über verschiedene Kanäle wie Zeitungen, Fernsehen, Radio oder das Internet stattfindet. Doch woher kommen diese Informationen?
Für die regelmäßige Berichterstattung sind Journalisten verantwortlich, die Themen auswählen, verarbeiten und veröffentlichen. Allerdings recherchieren Journalisten nicht nur selbst, sondern erhalten Angebote oder sogar Artikel schon von Public Relations-Leuten (PR) vorverfasst. Aus dem Grund ist es nicht ungewöhnlich, dass dem Journalismus vermehrt vorgeworfen wird, er sei nicht unabhängig und würde sich von Öffentlichkeitsarbeitern über die Themen und das Timing der Berichterstattung bestimmen lassen. So soll der Anteil von PR-Artikeln in Regionalzeitungen in den vergangenen Jahren stark angestiegen sein. 9% aller Berichte würden auf PR-Texte zurückzuführen sein. Außerdem ist die Anzahl der PR-Akteure im Verhältnis zu den Journalisten stark angestiegen. Es sei zwar schwierig über die Größe der Branche zu berichten, da es keine verbindlichen Zahlen der PR-Akteure gibt, aber werden dennoch die beiden Berufe gegenüber gestellt, so wurden 80.000 Journalisten und circa 50.000 bis 55.000 PR-Praktiker in Deutschland vermutet. Die Tendenz geht sogar zu einem weiteren Anstieg.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Public Relations
2.1 Begriffserklärung
2.2 Aufgaben und Ziele
3 Journalismus
3.1 Begriffserklärung
3.2 Aufgaben und Ziele
4 Intersystembeziehung von Public Relations und Journalismus
4.1 Theoretische Ansätze
4.1.1 Die Determinationsthese
4.1.2 Die Medialisierungsthese
4.1.3 Die Interdependenzthese
4.1.4 Das Intereffikationsmodell
5 Der Einfluss von Public Relations auf eine deutsche Tageszeitung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Public Relations (PR) und Journalismus, um zu klären, inwieweit der Einfluss von PR-Aktivitäten die Unabhängigkeit und Objektivität der journalistischen Berichterstattung gefährdet.
- Definition und Aufgabenfelder von Public Relations
- Funktionen und Anforderungen an den Journalismus
- Theoretische Modelle der Intersystembeziehung (z. B. Determinationsthese, Intereffikationsmodell)
- Empirische Untersuchung des PR-Einflusses am Fallbeispiel der Thüringer Allgemeine
- Reflektion über journalistische Qualitätsstandards und den Einfluss wirtschaftlichen Drucks
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Die Determinationsthese
Die Determinationsthese sagt aus, dass die journalistische Berichterstattung durch Öffentlichkeitsarbeit, wie Pressekonferenzen, stark beeinflusst wird. Als wichtigste Vertreterin dieser These wird Barbara Baerns aufgeführt. Bei ihren Untersuchungen im Jahre 1984 kam Baerns zu dem Ergebnis, dass bei den untersuchten Presseagenturen im Durchschnitt 59% der Meldungen auf PR-Texte zurückzuführen waren.
In Bezug auf dieses Ergebnis meint Baerns, dass Öffentlichkeitsarbeit die Macht über die Themen und das Timing in der Berichterstattung hat. Dieses Phänomen sei bei Pressekonferenzen gut zu beobachten. Unmittelbar nach der Veranstaltung (Timing) wird in den Medien über den Inhalt (Themen) berichtet. Öffentlichkeitsarbeit sei somit in der Lage den Journalismus zu behindern.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung der zunehmenden Informationsflut und den wachsenden Einfluss von PR auf den Journalismus ein, formuliert die Forschungsfrage und erläutert den Aufbau der Arbeit.
2 Public Relations: Hier werden der Begriff PR definiert, die vier Stufen der strategischen Planung nach Bernays erläutert und die verschiedenen Aufgabenfelder wie zielgruppen-, themen- und instrumentalorientierte PR beschrieben.
3 Journalismus: Dieses Kapitel definiert den Journalismus, beleuchtet dessen gesellschaftliche Funktionen sowie Aufgaben und thematisiert die Herausforderungen durch berufsethische Regeln, wie sie im Pressekodex verankert sind.
4 Intersystembeziehung von Public Relations und Journalismus: Hier werden theoretische Ansätze zur Verflechtung beider Bereiche vorgestellt, darunter die Determinationsthese, Medialisierungsthese, Interdependenzthese und das Intereffikationsmodell.
5 Der Einfluss von Public Relations auf eine deutsche Tageszeitung: Anhand einer Fallstudie der "Thüringer Allgemeine" werden mittels teilnehmender Beobachtung, Interviews und einer Input-Output-Analyse die tatsächlichen Auswirkungen von PR-Quellen auf die journalistische Arbeit untersucht.
6 Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, wonach die befürchtete Determinierung nicht in vollem Umfang bestätigt werden kann, PR jedoch das Timing der Berichterstattung beeinflusst.
Schlüsselwörter
Public Relations, Journalismus, Determinationsthese, Intereffikationsmodell, Medienethik, Pressearbeit, Medienberichterstattung, Öffentlichkeitsarbeit, Journalistische Unabhängigkeit, Kommunikation, Redaktion, Fallstudie, Mediensystem, Themenmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das wechselseitige Verhältnis zwischen Public Relations und dem Journalismus und untersucht, ob PR die journalistische Unabhängigkeit durch eine gezielte Beeinflussung der Berichterstattung gefährdet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Grundlagen von PR und Journalismus, deren theoretische Intersystembeziehung sowie die empirische Analyse ihres Zusammenspiels in der tagesaktuellen Medienpraxis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es herauszufinden, ob Journalisten ihre Rezipienten noch objektiv informieren können oder ob die Einflussnahme durch PR-Akteure die redaktionelle Unabhängigkeit untergräbt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Sekundärauswertung einer Fallstudie (Thüringer Allgemeine), welche die Methoden der teilnehmenden Beobachtung, Leitfadeninterviews und eine Input-Output-Analyse kombinierte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Darstellung verschiedener Kommunikationsmodelle zur PR-Journalismus-Beziehung und eine konkrete Fallstudie zur Übernahmequote von PR-Quellen in Zeitungsressorts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Determinationsthese, Intereffikationsmodell, Medienethik, Öffentlichkeitsarbeit und journalistische Unabhängigkeit geprägt.
Welche Rolle spielt die Determinationsthese in der Arbeit?
Die Determinationsthese dient als ein zentraler theoretischer Erklärungsansatz, der besagt, dass PR-Maßnahmen (wie Pressekonferenzen) die journalistische Berichterstattung in Themenwahl und Timing maßgeblich steuern.
Zu welchem Ergebnis kommt die Fallstudie über die Thüringer Allgemeine?
Die Studie ergab, dass die befürchtete vollständige Determinierung ausbleibt, jedoch PR das Timing der Berichterstattung beeinflussen kann und Journalisten unter wirtschaftlichem Druck eher zu PR-Quellen greifen.
- Arbeit zitieren
- Tania Tammling (Autor:in), 2013, Der Einfluss von Public Relations auf die journalistische Berichterstattung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346979