Die totale Institution Segelschiff als abenteuer- und erlebnispädagogisches Medium


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

10 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen
2.1 Totale Institution
2.2 Abenteuer- und erlebnispädagogisches Medium

3 Segelschiffes als totale Institution

4 Segelschiffs als abenteuer- und erlebnispädagogisches Medium

5 Bedeutung der Merkmale der totalen Institution für die Abenteuer- und Erlebnispädagogik (Fazit)

Literaturliste

1 Einleitung

Um die Schifffahrt und das Meer existieren von jeher Mythen und Sagen mit abenteuerlichem Charakter. Dieser Zauber, sowie eine Fortbewegungsart, die veraltet scheint, erzeugen eine große Motivation zur Durchführung eines Segeltörns bei Jugendlichen. Zusätzlich hat das Segeln immer noch den Anschein, ein Privileg zu sein, was nicht für jedermann offen zugänglich ist. Das Segeln in Gruppen zu therapeutischen und abenteuer- und erlebnispädagogischen Zwecken hat schon lange Tradition. Anfangs nutzte Kurt Hahn es in der englischen Schule Gordons-town als wichtiges Mittel zur Charakterbildung von Jugendlichen. Die bekannteste Anwendung zur Erziehung findet man heute beim Segeln mit der Gorch Fock, auf der die Offiziersausbildung der Marine stattfindet.

Aber was genau sind die Gegebenheiten, welche ein Segelboot gerade für die Abenteuer- und Erlebnispädagogik besonders interessant machen?

2 Definitionen

2.1 Totale Institution

„Eine totale Institution lässt sich als Wohn- und Arbeitsstätte einer Vielzahl ähnlich gestellter Individuen definieren, die für längere Zeit von der übrigen Gesellschaft abgeschnitten sind und miteinander ein abgeschlossenes, formal reglementiertes Leben führen.“ (Goffmann 19814, S.11)

Goffmann unterteilt in seiner Beschreibung in freiwillige und unfreiwillige Institutionen. Wobei es sich bei der ersten Form zum Beispiel um soziale Einrichtungen, Wohnheime und Ämter handelt, bei denen ein Zutritt jederzeit möglich und ein wechselndes Publikum vorhanden ist. Bei den Bediensteten handelt es sich aber um eine Wohn- und Arbeitswelt mit seltenem Wechsel der Beteiligten. Eine besondere Form stellen hierbei Interessengemeinschaften dar, die nach speziellen Auswahlkriterien ihre Mitglieder bestimmen.

Entgegen dieser Form steht die unfreiwillige Institution (= totale Institution), wie sämtliche Arten von Verwahrungsanstalten. Aber auch Kasernen, Internate und Schiffe sind hier einzuordnen. Es besteht nicht mehr die Freiheit, die Institution verlassen oder die Wahl, sich überhaupt erst in diese Institution begeben zu können. Es handelt sich dabei um Anstalten:

- Zur Führsorge für unselbstständige und harmlos Menschen;
- Zur Führsorge für unselbständige Menschen, die unbeabsichtigt eine Gefahr der Gemeinschaft darstellen;
- Zur Verwahrung von Menschen, die absichtlich eine Gefahr darstellen;
- Zur Effektivierung arbeitsähnlicher Aufgaben, die sich nur unter den gegebenen institutionellen Bedingungen erreichen lassen;
- Zur Unterbringung von Flüchtlingen der Gesellschaft, die gleichzeitig einer religiösen Ausbildung dienen, wie Abteien, Klöster.

Weiterhin werde ich nun auf allgemeine Merkmale von totalen Institutionen eingehen. Dabei beziehe ich mich erneut auf die Darstellungen Goffmanns. Allerdings führt er an, dass keine dieser Merkmale ausschließlich in totalen Institutionen zu finden sind. Bezeichnend ist aber, dass man eine Großzahl dieser Merkmale zusammen wiederentdecken kann.

Alle Angeleigenheiten des Lebens (Wohnen/Freizeit, Arbeiten, Schlafen) finden an der selben Stelle und unter derselben Autorität statt.

Diese Angelegenheiten werden von den Mitgliedern in unmittelbarer Gesellschaft einer Gruppe von Schicksalsgenossen (die alle die gleiche Behandlung erfahren) durchgeführt.

Es existiert eine exakte Planung des Arbeitsalltages, die durch Regeln von Funktionären aufge-stellt wurde.

Alle erzwungenen Tätigkeiten sollen dazu dienen, das Ziel der Institution zu erreichen.

Die Hierarchie zwischen „Insassen“ und Personal[1] ist nicht als allgemeines Merkmal zu be-trachten. Sie ist je nach Art der totalen Institution und dessen Zielverfolgung unterschiedlich. Interessant zu beobachten sind die daraus resultierenden Kommunikationsformen zwischen den beiden Parteien. So kann es zu Vorenthaltung von Informationen kommen, wodurch eine Distanz von Personal und „Insassen“ erreicht wird. Zusätzlich kann der Anschein entstehen, dass die Institution Eigentum des Personals ist.

„Für gewöhnlich ist das Leben unserer Gesellschaft so organisiert, dass die Autorität des Arbeits-platzes für den Arbeitnehmer mit dem Erhalt des Lohnes endet;...“ (Goffmann 19814, S.21) was er nun mit ihm in seiner Freizeit anstellt, ist ihm überlassen. In einer totalen Institution muss aber selbst diese freie Zeit vorgeplant und strukturiert werden, um das Ziel der Institution erreichen zu können. Die Arbeitsmotivation und die Sinngebung verändert sich also im Vergleich zur offenen Gesellschaft, was durch ein bestimmtes Arbeitssystem stark demoralisierend wirken kann.

[...]


[1] Goffmann 19814 benutzt die Bezeichnung Stab für die von mir als Personal dargestellte Personengruppe, S.19-20

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die totale Institution Segelschiff als abenteuer- und erlebnispädagogisches Medium
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Sportwissenschaft und Mototlogie)
Veranstaltung
Abenteuer- und Erlebnispädagogik - Grundlagen
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2005
Seiten
10
Katalognummer
V35017
ISBN (eBook)
9783638350723
ISBN (Buch)
9783640203277
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Institution, Segelschiff, Medium, Abenteuer-, Erlebnispädagogik, Grundlagen
Arbeit zitieren
Stephan Hoppe (Autor), 2005, Die totale Institution Segelschiff als abenteuer- und erlebnispädagogisches Medium, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35017

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