Um die Schifffahrt und das Meer existieren von jeher Mythen und Sagen mit abenteuerlichem Charakter. Dieser Zauber, sowie eine Fortbewegungsart, die veraltet scheint, erzeugen eine große Motivation zur Durchführung eines Segeltörns bei Jugendlichen. Zusätzlich hat das Segeln immer noch den Anschein, ein Privileg zu sein, was nicht für jedermann offen zugänglich ist. Das Segeln in Gruppen zu therapeutischen und abenteuer- und erlebnispädagogischen Zwecken hat schon lange Tradition. Anfangs nutzte Kurt Hahn es in der englischen Schule Gordons-town als wichtiges Mittel zur Charakterbildung von Jugendlichen. Die bekannteste Anwendung zur Erziehung findet man heute beim Segeln mit der Gorch Fock, auf der die Offiziersausbildung der Marine stattfindet.
Aber was genau sind die Gegebenheiten, welche ein Segelboot gerade für die Abenteuer- und Erlebnispädagogik besonders interessant machen?
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DEFINITIONEN
2.1 Totale Institution
2.2 Abenteuer- und erlebnispäda gogisches Medium
3 SEGELSCHIFFES ALS TOTALE INSTITUTION
4 SEGELSCHIFFS ALS ABENTEUER- UND ERLEBNISPÄDAGOGISCHES MEDIUM
5 BEDEUTUNG DER MERKMALE DER TOTALEN INSTITUTION FÜR DIE ABENTEUER- UND ERLEBNISPÄDAGOGIK (FAZIT)
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das Segelschiff als "totale Institution" im Kontext der Abenteuer- und Erlebnispädagogik. Das primäre Ziel ist es, den pädagogischen Wert der besonderen Lebensbedingungen an Bord zu analysieren und zu hinterfragen, inwieweit die Merkmale totaler Institutionen für Lernprozesse und die soziale Entwicklung von Jugendlichen förderlich sind.
- Charakterisierung des Segelschiffs als totale Institution nach Goffman.
- Analyse des Einflusses räumlicher und zeitlicher Abgeschiedenheit auf die Teilnehmer.
- Bewertung von Organisationsstrukturen und hierarchischen Prozessen an Bord.
- Identifikation von Risiken und pädagogischen Chancen durch erlebnispädagogische Settings.
- Transferierbarkeit von an Bord erworbenen sozialen Kompetenzen in den gesellschaftlichen Alltag.
Auszug aus dem Buch
3 Segelschiffes als totale Institution
Dass ein Schiff den Charakter einer totalen Institution hat, wurde im Kapitel 2.1 deutlich dargestellt. Aber um was für eine Art Schiff soll es sich bei dieser Betrachtung genau handeln? Vorschnell könnte man behaupten, dass Schiff gleich Schiff ist. Allerdings existieren gewaltige Unterschiede. So sind beispielsweise verschiedene Motivationsantriebe bei der Besatzung auf verschiedenen Schiffen vorhanden. Es wird ein ganz anderes Arbeitsklima im Bereich der Berufsschifffahrt herrschen, in der keine Segelschiffe, sonder Ozeanriesen als Institution dienen. Dabei handelt es sich um eine freiwillige aber auch zugleich unfreiwillige Institution, da zwar niemand gezwungen wird, auf so einem Ozeanriesen zu arbeiten, allerdings eine Notwendigkeit schon aus finanziellen Gründen vorhanden ist. Die Institution soll hier der Verbesserung der Arbeitseffektivität dienen.
„Am schwächsten ausgeprägt sind die Merkmale totaler Institutionen bei Fähren und lokalen Passagierschiffen. Sie laufen relativ häufig einen Hafen an...“ (LISCH 1976, S. 39). Den Passagieren bleibt also die Möglichkeit, über die Grenzen der Institution mit anderen zu kommunizieren. Der Aufenthalt in der Institution ist relativ kurz.
Ähnlich stellt sich die Situation von Sportsegelbooten mit zwei bis vier Seeleuten als Besatzung dar. Eine echte Trennung zur Gesellschaft ist nicht vorhanden (mehrtägige Wettfahrten ausgeschlossen). Trotzdem besteht während der Fahrt ein Abhängigkeitsverhältnis unter der Besatzung. Gerade die Anforderungen einer Wettfahrt führen dann oft zu extremen Verhaltensmustern.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der erlebnispädagogischen Nutzung von Segelschiffen und deren Tradition in der Charakterbildung.
2 DEFINITIONEN: Theoretische Herleitung des Begriffs der totalen Institution sowie Definition des Segelschiffs als abenteuer- und erlebnispädagogisches Medium.
3 SEGELSCHIFFES ALS TOTALE INSTITUTION: Differenzierung zwischen verschiedenen Schiffstypen und Analyse der Bedingungen, unter denen ein Segelschiff als totale Institution fungiert.
4 SEGELSCHIFFS ALS ABENTEUER- UND ERLEBNISPÄDAGOGISCHES MEDIUM: Untersuchung der pädagogischen Vorteile des "Unterwegsseins" und der Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung und soziale Verantwortung der Teilnehmer.
5 BEDEUTUNG DER MERKMALE DER TOTALEN INSTITUTION FÜR DIE ABENTEUER- UND ERLEBNISPÄDAGOGIK (FAZIT): Kritische Reflexion der pädagogischen Chancen und Risiken durch die Abgeschiedenheit und Hierarchiestruktur an Bord.
Schlüsselwörter
Segelschiff, totale Institution, Abenteuerpädagogik, Erlebnispädagogik, soziale Deprivation, Erziehung, Charakterbildung, Sozialtherapie, Gruppendynamik, Selbstverantwortung, Segeltörn, Soziale Qualifikation, Pädagogischer Wert, Fremdverantwortung, Resozialisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie das Segelschiff als "totale Institution" pädagogisch genutzt werden kann, um Lernprozesse und die soziale Entwicklung von Jugendlichen zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Mittelpunkt stehen die Soziologie der totalen Institution nach Goffman, die Erlebnispädagogik im maritimen Kontext und die praktischen Anforderungen an eine erzieherische Segelfahrt.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die spezifischen Merkmale eines Segelschiffs als totale Institution aufzuzeigen und deren Nutzen sowie Gefahren für die allgemeine Abenteuer- und Erlebnispädagogik zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse und setzt diese in Bezug zu pädagogischen Projektberichten, um die Wirkungsweise des Mediums Segelschiff zu begründen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition, die Anwendung des Begriffs der totalen Institution auf Segelschiffe sowie die Herausarbeitung der pädagogischen Potenziale von Segeltörns.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie totale Institution, Abenteuerpädagogik, Segelschiff, soziale Qualifikation und pädagogische Intervention beschreiben.
Warum wird das Segelschiff als "totale Institution" bezeichnet?
Weil die Teilnehmer auf dem Schiff über einen längeren Zeitraum von der übrigen Gesellschaft abgeschnitten sind, die Lebensbereiche Wohnen, Arbeiten und Schlafen an einem Ort stattfinden und die Tagesabläufe formal reglementiert sind.
Welche Risiken sieht der Autor bei dieser pädagogischen Methode?
Der Autor warnt vor einer möglichen Entfremdung von der Gesellschaft bei zu langen Fahrten und kritisiert, dass eine zu starre Kommandostruktur den eigentlichen pädagogischen Lernprozess der Selbsterfahrung behindern könnte.
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- Stephan Hoppe (Author), 2005, Die totale Institution Segelschiff als abenteuer- und erlebnispädagogisches Medium, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35017