Evangelikale Mission im Kontext von Entwicklungszusammenarbeit

Eine kritische Untersuchung


Hausarbeit, 2011

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Evangelikale Mission
2.1 Mission und ihre biblische Begründung
2.2 Historische Entwicklung der Mission
2.3 Evangelikal
2.4 Ganzheitliche Mission als Konzept der evangelikalen Mission

3. Eigene Bewertung

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

"Bereit sein, für Gott zu sterben: Das klingt vertraut - bei islamischen Fundamentalisten. Doch auch für radikale Christen scheint das zu gelten."1 Vor Allem diese Aussage aus einem Beitrag des Fernsehmagazins „Frontal21“ (ZDF) vom 4. August 2009 löste im Nachhinein eine große Protestwelle aus. Der Beitrag setzt sich kritisch mit der sogenannten evangelikalen Mission in Entwicklungsländern auseinander und wirft dieser u.a. vor, Missionare unwissentlich gefährlichen Risiken auszusetzen -Missionseinsätze werden nach dem Beitrag gewissermaßen als „Adventuretrip [...] auf freikirchlich“2 beworben - oder die Verbreitung des Evangeliums unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe durchzuführen.

Dieser Beitrag und die daraus resultierende Debatte3 haben mich dazu veranlasst, mich näher mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.

In meiner Arbeit werde ich der Frage nachgehen, was evangelikale Mission bedeutet und untersuchen, inwiefern die Kritik, evangelikale Mission würde „humanitäre Hilfe und Mission [...] miteinander vermischen“4 zutrifft und im Kontext von Entwicklungszusammenarbeit problematisch anzusehen ist.

Zuerst werde ich hierfür versuchen, die Begriffe „Mission“ und „Evangelikal“ zu erläutern bzw. definieren, um daran anschließend zu untersuchen, was evangelikale Mission im Gegensatz zu allgemein verstandener Mission kennzeichnet. Hierbei be-ziehe ich mir nur auf deutsche Organisationen, die den Anspruch haben auch huma-nitäre Hilfe zu leisten - also nach dem evangelikalem Konzept der „ganzheitlichen Mission“ handeln. Dies beinhaltet die Überprüfung, inwieweit die vorgeworfene Verknüpfung zwischen entwicklungspolitischen und missionarischen Anteilen zutrifft. Diesen Zusammenhang möchte ich anschließend bewerten und in einem Fazit die Ergebnisse zusammenfassen und hieraus mögliche Konsequenzen herleiten.

2. Evangelikale Mission

2.1 Mission und ihre biblische Begründung:

Mission bezeichnet allgemein die Verkündigung der „guten Nachricht“ bzw. die Ver-breitung des christlichen Glaubens durch sogenannte „Missionare“. Der Ausgangs-punkt hierfür liegt in der Bibel, in der an verschiedenen Stellen immer wieder die Aufforderung zur Mission steht. Zentral ist hierbei der Missionsbefehl Jesu gegen-über seinen Jüngern, der in allen vier Evangelien nieder geschrieben ist: „Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Ge-schöpfen!“5 Im Matthäus-Evangelium ist dies zusätzlich mit dem Auftrag zur Taufe aller Menschen verknüpft.6 Auch im Alten Testament heißt es „Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen“7. Die Bibelverse verdeutlichen den universa-len Anspruch Gottes, der eben dadurch einen elementaren Aspekt der Mission dar-stellt.8

2.2 Historische Entwicklung der Mission:

Mission im weitesten Sinn ging erstmals durch die überwiegend katholisch motivier-ten Kreuzzüge um 1200 über den europäischen Kontinent hinaus. Von Beginn der Kolonialisierung im 15. Jahrhundert an hing diese eng mit der Mis-sion zusammen. Die katholische und - ab dem 18. Jahrhundert auch - evangelische Missionsbewegung lag also darin begründet, dass die Kolonialmächte neben der ter-ritorialen Besetzung, ihre staatliche Autorität auch durch die Schaffung eines homo-genen Staatsvolkes erreichen wollten. In diesem Zusammenhang ist die Missionsge-schichte sehr umstritten - so beschreibt z.B. von Paczensky die Missionare der da-maligen Zeit als „Verbündete des Kolonialismus, oft sogar grausame[sic]“9. Die Pioniermission in Ländern ohne vorherige Kontakte zur christlichen Religion wird bis heute zunehmend durch eine sogenannte „Weltmission“ abgelöst. Das be-deutet, dass sich die einseitige Mission westlicher Staaten in den Entwicklungslän-dern immer mehr zu einer wechselseitigen Zusammenarbeit der Kirchen entwickelt.

Ein Beleg hierfür ist u.a., dass Gemeinden der Evangelischen Kirche in Deutsch- land(i.F.: EKD) immer häufiger mit Partnerkirchen zusammen arbeiten.10 Diese Zu-sammenarbeit besteht im Wesentlichen aus finanzieller Unterstützung, beinhaltet aber auch einen Austausch kultureller Art bzw. zu Glaubensfragen. Hier wird erst-mals die zunehmende Verknüpfung von Mission und praktischer Entwicklungshilfe deutlich. Z.B. gibt das evangelische Missionswerk in Südwestdeutschland unter sei-nen wichtigsten Aufgaben, die Bekämpfung von HIV bzw. AIDS und den Einsatz für Gleichberechtigung an.11

Ein weiterer Aspekt des modernen Verständnis von Mission ist die zunehmende „Inlandsmission“, bei der die westlichen Kirchen die Säkularisierung moderner Gesellschaft aufgreifen und Mission von daher auch als nationale Herausforderung wahrnehmen. Hierbei wird dann von Evangelisierung bzw. Evangelisation gesprochen. Es lässt sich also eine Wandlung des Missionsbegriffes feststellen, die ebenso die sogenannte evangelikale Mission betrifft.12

2.3 Evangelikal:

Die Bezeichnung „evangelikal“ wird sehr unterschiedlich aufgefasst und kann dem-nach nicht eindeutig definiert werden. Sie bezeichnet in Abgrenzung zum Begriff „evangelisch“ keine Konfession, sondern eine Bewegung innerhalb des Christentums, der in Deutschland schätzungsweise 1,3mio. Christen angehören13. Diese zeichnen sich in erster Linie durch eine starke Frömmigkeit aus; für eine genauere Eingren-zung lassen sich tendenzielle Kriterien aufstellen, die jedoch nicht als notwendige Bedingungen zu verstehen sind. Dazu zählen eine starke Berufung auf die Bibel, die unmittelbar als Wort Gottes gesehen und demnach einschließlich kontroverser Stellen (bzgl. Homosxualität, Gleichberechtigung o.ä.14 ) wörtlich ausgelegt wird, oder der Bekehrungsgedanke, nachdem man vorgegebene Glaubensinhalte15 für sich anneh-men und in einer bestimmten Form bezeugen muss, um Christ zu sein. Weiter wer-den andere Religionen als Irrwege und landeskirchliche Mitchristen häufig als „Na- menschristen“ verschmäht. Der damit einhergehende Absolutheitsanspruch ist wiede- rum biblisch begründet: „Wer an ihn [Jesus Christus, d.V.] glaubt, wird nicht gerich-tet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes geglaubt hat.“16 Diese Sichtweise der ausnahmslosen Unterteilung in „gut und böse“ entspricht der eines dualistischen Weltbildes. Zusätz-lich wird Mission als ein zentraler Aspekt christlicher Lebensführung verstanden, d.h. neben organisierter Mission vor allem in der „dritten Welt“ beinhaltet dies auch die Forderung an den Einzelnen seinen Glauben in seinem persönlichen Umfeld zu be-zeugen und zu verbreiten.

Das beschriebene evangelikale Verständnis des christlichen Glaubens lässt die Frage aufkommen, inwieweit es sich hierbei um Fundamentalismus handelt. Die Pfarrerin Kathinka Kaden versteht Fundamentalismus als „das wortwörtliche Bibelverständnis, die theologische Enge, das Ausschalten der kritischen Vernunft, dass sie [die Evange-likalen, d.V.] für den historischen Kontext der Heiligen Schrift nicht offen sind“.17 Diese Auffassung von Fundamentalismus trifft auf die evangelikale Bewegung zu. Gleichzeitig gibt es auch Positionen, die als Bedingung für Fundamentalismus zu-sätzlich eine gewaltbereite Verteidigung fundamentaler Inhalte sehen, was den Evan-gelikalen nicht attestiert werden kann.

Ausgehend von dieser Debatte und dem von mir als radikal herausgestellten Glaubensverständnisses lässt sich zumindest eine Nähe des Evangelikalismus zum Fundamentalismus feststellen, die gerade im Bezug auf die praktizierte Mission Konfliktpotenzial besitzt.

Aus dieser theoretischen Eingrenzung, selbst wenn sie von Anhängern dieser Glaubensrichtung so ausgesprochen wird, muss aber in der Praxis auch eine dementsprechende Lebensweise hervorgehen - was nur in einem größerem Umfang empirisch zu überprüfen wäre - damit mit dieser Eingrenzung gearbeitet werden kann. Diese Entsprechung setze ich in der weiteren Arbeit hypothetisch voraus.

[...]


1 ZDF, Frontal21(04.08.2009): „Sterben für Gott - Missionieren als Abenteuer“, als Filmdatei online unter: http://www.youtube.com/watch?v=GGC7rqaNwE0, abgerufen am 16.02.2011

2 Schmid, G.(Sekteninformationszentrum Zürich): Ebd.

3 Kritik kirchlicher Seite richtet sich überwiegend gegen die einleitend zitierte Abmoderation des Beitrages, die Art und Weise der Recherche, bei der u.a. mit verdeckter Kamera gedreht wurde und den Vorwurf „Entwicklungshilfe“ und Mission würde vermischt werden. Vgl. ebd.

4 Ebd.

5 Markus 16, 15. Hier und im Folgenden wird nach der Einheits-Übersetzung zitiert.

6 Vgl. Matthäus 28,18-20

7 Genesis 12,13

8 Für 2.2: Vgl. Langhorst, P.(1996): Kirche und Entwicklungsproblematik. Paderborn: Schöningh. S.55-78, 1. Aufl. (Künftig zitiert: Langhorst: Entwicklungsproblematik)

9 von Paczensky, G.(2000): Verbrechen im Namen Christi. Mission und Kolonialisierung. München: Orbis. Umschlagtext, 1. Aufl.

10 Vgl. Auflistung der Partnerkirchen der EKD, online unter: http://www.staatskirchenrecht.de/ international/partnerkirchen/index.html, abgerufen am 21.02.2011

11 Evangelisches Missionswerk in Südwestdeutschland: http://www.ems-online.org/mission-und- partnerschaft/, abgerufen am 21.02.2011

12 Für 2.3: Vgl. Tidball, D.(1999): Reizwort Evangelikal. Entwicklung einer Frömmigkeitsbewegung. Stuttgart: Ed. Anker. S.19ff, 1. Aufl.

13 Vgl. Oppermann, M.(2005): „30. Evangelischer Kirchentag - Erweckung und Wiedergeburt.“ In: „Die Zeit“ Nr. 22, S. 10

14 Vgl. Lev 20,13 oder 1Kor 14,35

15 Gemeint ist hier z.B. die Anerkennung der eigenen Sündhaftigkeit, den Glauben an den stellvertretenden Opfertod Jesu, seine Auferstehung, Wiederkunft, den heiligen Geist, usw. Dementsprechend wird von Evangelikalen u.a. auch die Kindstaufe überwiegend nicht anerkannt.

16 Johannes 3, 18

17 Kaden, K. In: Evangelikale schüchtern massiv ein. „die tageszeitung“ vom 01.03.2009, online unter: http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/evangelikale-schuechtern-massiv-ein/, abgerufen am 24.02.2011

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Evangelikale Mission im Kontext von Entwicklungszusammenarbeit
Untertitel
Eine kritische Untersuchung
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Politikwissenschaften)
Veranstaltung
Einführung in die Entwicklungspolitik
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V350528
ISBN (eBook)
9783668371019
ISBN (Buch)
9783668371026
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
evangelikale, mission, kontext, entwicklungszusammenarbeit, eine, untersuchung
Arbeit zitieren
Heiko Bohlen (Autor), 2011, Evangelikale Mission im Kontext von Entwicklungszusammenarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350528

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