Contest Design und das Modell einer europäischen Superliga im Fußball


Masterarbeit, 2016

72 Seiten, Note: 2,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Besonderheiten eines Sportwettbewerbs
2.1 Winner-Take-All-Market
2.2 Coopetition
2.3 Louis Schmeling Paradox

3 Sportnachfrage
3.1 Determinanten der Sportnachfrage im Fußball
3.2 Uncertainty of Outcome-Hypothese

4 Competitive Balance als Zielfunktion einer Fußballliga
4.1 Dimensionen von Competitive Balance
4.2 Messung & Einflussfaktoren

5 Competitive Balance-Das Problem europäischer Fußballligen?
5.1 Within Season Uncertainty of Outcome
5.2 Between Season Uncertainty of Outcome

6 Contest Design
6.1 Contest Systeme
6.1.1 Elimination Tournament & Robin Round Tournament
6.1.2 Multi-Stage-Tournament
6.2 Prämienanreizsysteme

7 Contest Success Function

8 Contest Design einer europäischen Superliga
8.1 Vision europäische Superliga
8.2 Das Modell einer Europäischen Superliga
8.3 Auswirkungen einer Superliga

9 Fazit

10 Das Schreckgespenst der europäischen Fankultur

Literaturverzeichnis

Vorwort

„In European football uncertainty of outcome has become more of a myth than a reality in the past decade“

(Wladimir Andreff and Gael Raballand)

Wie im vergangenen Jahr heißen die Meister der größten europäischen Fußballligen auch 2016 FC Bayern München, FC Barcelona, Paris St. Germain und Juventus Turin. Die einzige Ausnahme bildet der amtierende Meister der englischen Premier League Leicester City Football Club, der zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte die englische Meisterschaft gewinnen konnte. Erst im Jahr 2014 war Leicester City aus der zweiten englischen Liga aufgestiegen. In ihrer ersten Premier League Saison stand Leicester City bis zum 30.Spieltag auf dem letzten Tabellenplatz und sicherte sich am Ende nur knapp den Klassenerhalt. In der abgelaufenen Saison 2015/2016 passierte anschließend jedoch historisches, das die Fußballfans in ganz Europa begeisterte. Denn ab dem 23. Spieltag wurde Leicester City bis zum Ende der Saison nicht mehr vom ersten Tabellenplatz verdrängt. Leicester City setzte sich dabei gegen Favoriten wie Manchester City, Arsenal London und die Tottenham Hotspurs durch. Vor Beginn der Saison war dieser Ausgang in Bezug auf den Wettkampf der englischen Meisterschaft nicht absehbar. Die Wahrscheinlichkeit, dass Leicester City englischer Meister werden würde, wurde von englischen Wettbüros mit einer Quote von 5000:1 eingestuft. Damit war es wahrscheinlicher, dass Barack Obama erklärt, dass die USA niemals auf dem Mond gelandet sind als der Meistertitel von Leicester City. Die Unvorhersehbarkeit eines sportlichen Wettkampfs wird in der Sportökonomie als Uncertainty oft Outcome Hypothese bezeichnet. Danach ist ein Wettkampf für die Zuschauer besonders attraktiv, wenn im Vorhinein nicht absehbar ist, wer gewinnen wird. Dieser Zustand kann aber nur dann eintreten, wenn der sportliche Wettbewerb möglichst ausgeglichen ist und somit alle Mannschaften eine identische Gewinnwahrscheinlichkeit haben.[1]

Zusammengefasst wird dieser Umstand mit dem Begriff Competitive Balance. Die Interaktion zwischen der Uncertainty of Outcome Hypothese und Competitive Balance wird Allgemein als wichtigste Determinante in Bezug auf die Nachfrage nach einem sportlochen Wettbewerb gesehen. Die Zuschauerzahlen der fünf großen europäischen Fußballligen sind in den letzten zehn Jahren durchschnittlich gestiegen. Vor allem in Deutschland hat die Anzahl der Fußballfans, die ein Spiel im Stadion verfolgen, stark zugenommen.[2] Die Frage ist nun: Können die steigenden Zuschauerzahlen ein Indiz dafür sein, dass entgegen der eigentlichen Intuition die europäischen Fußballligen über ein ausgeprägtes sportliches Gleichgewicht verfügen? Die Antwort lautet: Nein. Denn trotz dieser Fakten und dem Ausnahmefall Leicester City, liegt die Vermutung nahe, dass alle europäischen Fußballligen von einzelnen Teams dominiert werden. Der Grund dafür ist die Konzentration der Meisterschaftstitel auf einzelne wenige Mannschaften. Hinzukommt, dass die steigenden Zuschauerzahlen vor allem auf den Ausbau von Stadien im Zuge von Europa- und Weltmeisterschaften zurückzuführen sind. Außerdem ist anzunehmen, dass die Nachfrage nach Fußball in Europa unelastisch ist, da dieser in erster Linie durch eine tiefe Verwurzelung von Tradition und Fanverhalten geprägt ist. Ein weiteres besonderes Merkmal des europäischen Fußballs ist das Wettbewerbsdesign. Dabei handelt es sich um ein offenes System, das in Form eines Round Robin Tournament gespielt wird. Anzumerken ist des Weiteren, dass es pro Land eine Liga gibt, sowie einen nationalen Pokalwettbewerb gibt. Zudem werden zwei länderübergreifende Pokalwettbewerbe in Form der UEFA Europa League und der UEFA Champions League ausgetragen. Die ausgeprägte sportliche und wirtschaftliche Dominanz einzelner Vereine wird zunehmend auf eben dieses Wettbewerbsdesign zurückgeführt. Im Zuge dessen rückt die Diskussion um die Idee einer europäischen Superliga immer stärker in den Fokus bei der Organisation des europäischen Fußballs. Ob eine solche Liga einen Ausweg aus der Konzentration von sportlicher und wirtschaftlicher Dominanz einzelner Vereine darstellen kann, gilt es in dieser Arbeit zu klären.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Fußball als Mittelpunkt vier verschiedener Märkte

Abbildung 2: Lorenzkurve Liga A, B, C & D

Abbildung 3: Contest Systeme im europäischen Fußball

Abbildung 4: Elimination Tournament DFB-Pokal Saison 2015/2016

Abbildung 5: Contest System UEFA Champions League (Teil 1)

Abbildung 6: Contest System UEFA Champions League (Teil 2)

Abbildung 7: Nachfrageeffekt bei Superliga-tauglichen Mannschaften

Abbildung 8: Nachfrageeffekt bei Superliga-tauglichen Mannschaften

Abbildung 9: Einfluss einer Superliga auf CB einer nationalen Liga

Abbildung 10: „Blackbox“-Europäische Superliga

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Abschlusstabellen und Gini-Koeffizient der Ligen A, B, C & D

Tabelle 2: Durchschnittlicher Wert Null/Scully Index im Zeitraum von 1996-2008

Tabelle 3: HHI der „Big-Five“ Fußballligen im Zeitraum von 2005-2016

Tabelle 4: HHI UEFA Champions League und UEFA Europa League im Zeitraum von 2005-2016

Tabelle 5: Bundesligaabschlusstabelle Saison 2015/2016.

Tabelle 6: Anreizwirkung bei nicht differenzierter Prämienstruktur

Tabelle 7: Optimaler Einsatz und Gesamteinsatz im Tullock-Modell zweier gleichberechtigter Spieler

Tabelle 8: Gesamteinsatz bei Eliminationswettbewerben und Rundenturnieren

Tabelle 9: Anreizwirkung bei nicht differenzierter Prämienstruktur

Tabelle 10: Anreizwirkung bei differenzierter Prämienstruktur

Tabelle 11: Aufteilung in Northern, Western und Central Conference

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Im Rahmen dieser Masterarbeit soll der Status quo der europäischen Profifußballligen im Hinblick auf Competitive Balance untersucht werden. Unter der Zielfunktion eines ausgeglichenen sportlichen Wettbewerbs soll anschließend die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Gründung einer europäischen Superliga als Ersatz für den Wettbewerb nationaler Fußballligen und internationaler Pokalwettbewerbe beantwortet werden. Der Schwerpunkt dieser Analyse liegt auf dem Wettbewerbsdesign europäischer Fußballligen und dessen Auswirkungen auf Competitive Balance.

Die Einleitung in diese Masterarbeit erfolgt über eine kurze Einführung in die Geschichte der Sportökonomie und geht anschließend in die Aufführung der Besonderheiten eines sportlichen Wettkampfes über. Konkret wird dabei auf die Begriffe Winner-Take-All-Market, Coopetition und Louis Schmelling Paradox eingegangen. Um im darauf folgenden Abschnitt auf die wichtigsten Determinanten der Sportnachfrage einzugehen. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang der Faktor Spannung und die damit implizierte Uncertainty of outcome-Hypothese.

Mit dem nächsten Abschnitt wird der erste von drei Schwerpunkten dieser Masterarbeit gelegt. Inhaltlich umfasst er die Definition, die Messung und die Herausarbeitung von Einflussfaktoren von Competitive Balance. Anschließend werden diese theoretisch vorgestellten Grundlagen praktisch auf die Ebene des europäischen Fußballs angewandt. Dabei geht es vor allem darum, mittelfristige und langfristige Tendenzen im Hinblick auf Competitive Balance zu untersuchen. Faktisch wird die Frage beantwortet, ob ein unausgeglichener Wettbewerb ein Problem europäischer Fußballligen darstellt.

Der zweite Schwerpunkt folgt im nächsten Abschnitt und fasst sich unter dem Begriff Contest Design zusammen. Dabei wird Contest Design in zwei Kategorien eingeordnet und zwar in Contest Systeme und die Ausgestaltung von Prämienanreizsystemen. Zunächst werden die unterschiedlichen Ausprägungen von Contest Systemen vorgestellt. Dabei wird zwischen K.O.-Systemen, Round Robin Tournament und Multi-Stage-Tournaments differenziert. Im Anschluss wird eben diese vorgestellte Theorie auf den Fußball angewandt. Zur Untermalung und beispielhaften Hervorhebung werden im Zuge dessen die Contest Systeme der Fußballbundesliga und der UEFA Champions League analysiert. Darauf folgend wird auf die Möglichkeit in einem Wettbewerb eine oder mehrere Preise zu vergeben eingegangen, um anschließend erneut Bezug auf die Fußballbundesliga zu nehmen. Die Frage, die sich dann jedoch stellt ist: Wie kann der Einfluss des Contest Design auf Competitive Balance untersucht werden. Die Antwort auf diese Frage soll der darauffolgende Abschnitt gegeben, in dem die so genannte Contest Success Function vorgestellt wird. Zur Verdeutlichung der daraus entstehenden Implikationen wird das Rent-Seeking Modell von Gordon Tullock vorgestellt.

Anschließend folgt der dritte Schwerpunkt dieser Masterarbeit, in dem es darum geht die Frage zu beantworten, wie das Contest Design Einfluss auf den Einsatz einzelner Teilnehmer in einem Wettbewerb nehmen kann, um ein sportliches Gleichgewicht herzustellen. Im Mittelpunkt dieser Analyse steht die Wechselwirkung zwischen Contest Design und Competitive Balance. Mithilfe unterschiedlicher Ansätze, denen das Modell einer CSF zu Grunde liegt, werden in diesem Zusammenhang die Organisationsform, das Prämienanreizsystem und die optimale Größe einer Liga analysiert. Als Ergebnis wird am Ende jedes Abschnitts eine Empfehlung in Bezug auf das Contest Design einer europäischen Superliga formuliert. Im Anschluss daran wird schließlich beispielhaft das Modell einer europäischen Superliga entwickelt, dem ein „umgekehrtes“ Multi-Stage-Tournament zu Grude gelegt wird. Darauf folgend werden Auswirkungen durch die Gründung einer Superliga für nationale Ligen, Superliga-taugliche und nicht Superliga-taugliche Vereine diskutiert. Im vorletzten Abschnitt dieser Masterarbeit wird ein analytisches Fazit gezogen, dass die Übertragbarkeit eines in der Theorie entwickelten Modells auf den tatsächlichen Wettbewerb des europäischen Fußballs hinterfragt. Zur Abrundung der vorangegangen Analysen wird abschließend eine Bewertung der Einführung einer europäischen Superliga aus der Perspektive eines Fußballfans gezogen.

2 Besonderheiten eines Sportwettbewerbs

Ein sportlicher Wettkampf ist etwas Besonderes. Dieses erkannte Simon Rottenberg als einer der Ersten Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. Seine Arbeit „The Baseball Players’ Labour Market“ aus dem Jahr 1956 legte den Grundstein für die Entstehung einer eigenen Ökonomie des Sports. Sie stellt zum ersten Mal eine ökonomische Betrachtung des Sports her. Dabei lag der Fokus seiner Untersuchungen auf dem Arbeits- bzw. Spielermarkt des American Baseball. Die Schlussfolgerungen, die Rottenberg aus seiner Untersuchung gezogen hat, sind bis heute gültig. Nach der Veröffentlichung seiner Arbeit kam es zu einer Intensivierung sportökonomischer Forschung vor allem in den USA. 1971 entwickelten El-Hodiri und Quirk ein mathematisches Modell in Form einer n-Team Liga. Letztendlich bewiesen sie, dass ein perfekt ausgeglichener Wettbewerb unter der Prämisse der Profitmaximierung möglich ist.[3] Etwas mehr als zwanzig Jahre später folgte die Weiterentwicklung dieses Modells durch John Vrooman. Dieser untersuchte den Einfluss von regulierenden Instrumenten wie Salary Caps auf einen Sportwettbewerb. Eine weitere wegweisende Arbeit der Sportökonomie stellt der Beitrag der europäischen Professoren Stefan Késenne und Stefan Szymanski dar, in dem sie versuchten das amerikanische Modell auf die europäische Ebene zu übertragen. Neben diesen analytischen Untersuchungen gibt es außerdem einige Arbeiten, die einen empirischen Schwerpunkt setzen. Im Mittelpunkt dieser Forschung steht zu meist die Definition und Messbarkeit von Wettbewerbsintensität bei sportlichen Wettkämpfen. Hierbei werden anhand von statistischer Signifikanz Aussagen über einzelne Zusammenhänge zwischen Regeln und Auswirkungen im Sport getroffen. Ausgangspunkt dieser Untersuchungen ist dabei die von Rottenberg geprägte Uncertainty of Outcome Hypothese. Diese stellt eine Spirale dar, wonach sich eine geringe Wettbewerbsintensität negativ auf das Interesse der Zuschauer auswirkt.[4] Hervorzuhebende Autoren aus diesem Bereich sind Andrew Zimbalist und John Vrooman.

Mit seiner Arbeit „Theory of The Beautiful Game“ stellt Vrooman die Frage: Wie ein sportlicher Wettbewerb optimal ausgestaltet sein müsste? Ähnlich wie Szymanski im Jahr 2007 entwickelt er dabei ein Modell, das die Idee einer europäischen Superliga zur Diskussion stellt.[5] Im nachfolgenden Abschnitt werden die in der Sportökonomie herausgearbeiteten Besonderheiten eines Wettbewerbs vorgestellt.

2.1 Winner-Take-All-Market

George A. Akerlof benutzte zur Modellierung eines sportlichen Wettkampfes die Metapher eines Rattenrennens. Dabei duellieren sich mehrere Ratten in einem Rennen um ein Stück Käse, das nur der Sieger bekommt. Die übrigen Ratten gehen leer aus. Es ist sinnvoll maximalen Einsatz zu zeigen, auch wenn in diesem Fall der Einsatz höher ist als der zu erzielende Ertrag durch das gewonnene Stück Käse. Das heißt, die Ratten steigern ihren Inputeinsatz mit steigender Renngeschwindigkeit, während sich der Wert des Käses nicht ändert.[6] Grund für diese Verhaltensweise ist, dass in sportlichen Wettkämpfen das Produkt mit der höchsten Qualität bevorzugt wird. Konkret bedeutet das, dass der Gewinner für seinen Sieg eine Prämie erhält und der Verlierer nichts bekommt. Der Einsatz des Verlierers stellt so genannte sunk cost dar. Es handelt sich um Kosten, die bereits entstanden sind und nicht rückgängig gemacht werden können. Aus diesen Annahmen heraus lassen sich zwei Schlussfolgerungen ziehen: Erstens bei einem Sportwettbewerb handelt es sich um einen Winner-Take-All-Market und zweitens, dass ein sportlicher Wettkampf spieltheoretisch als Nullsummenspiel interpretiert werden kann. Bei einem Nullsummenspiel ergibt die Summe der Payoffs aller Spieler ausschließlich null. Das bedeutet, der Vorteil des einen Spielers zum Nachteil des Anderen wird. In einer Sportliga wird dies deutlich durch den positionalen Wettbewerb in Form einer Tabelle. Jede tabellarische Verbesserung einer Mannschaft hat zwangsläufig die Verschlechterung mindestens einer anderen Mannschaft zur Folge.[7] In der Realität jedoch ist die Prämienstruktur sportlicher Wettkämpfe oftmals so ausgestaltet, dass mehrere Preise vergeben werden, so dass die Annahme eines reinen Winner-Take-All-Market angezweifelt werden kann. Ebenso fragwürdig ist die Interpretation als ein Nullsummenspiel, denn dies würde implizieren, dass ein Sportwettbewerb ein nicht-kooperativer Wettbewerb ist. Doch, ist es nicht das Ziel der Teilnehmer eines sportlichen Wettbewerbs ein gemeinsames Produkt herzustellen?

2.2 Coopetition

„ In law the sports team is a firm. But it is not a firm in the economist’s sense. A single team cannot supply the entire market-if it did it would have no one to play.“

(Walter C. Neal)

Coopetition ist ein Kunstwort, das sich aus den Worten Cooperation und Competition zusammensetzt. Es wurde von Raymond Noorda geprägt und beschreibt das Markphänomen bei dem eine Dualität zwischen Kooperation und Wettbewerb besteht. Dabei wird das Handeln der Marktteilnehmer beeinflusst, ohne dass sie explizit miteinander kooperieren.[8] Dass heißt es handelt sich in diesem Fall nicht um ein Nullsummenspiel. Explizit weitergeführt wurde diese Interpretation von John von Neumann und Oskar Morgenstern in ihrem Buch „Theory of Games and Economic Behavior“ aus dem Jahr 1944. Im Jahr 1955 entwickelt John Nash dazu ein passendes Lösungskonzept, das sogenannte Nash Gleichgewicht. Es gibt die Kombination von Strategien an, bei der jeder Spieler genau eine Strategie wählt, von der es für keinen Spieler sinnvoll ist, abzuweichen. Die Strategiewahl der Spieler ist die gegenseitig beste Antwort. Übertragen auf den Wettkampf in einer Sportliga lässt sich feststellen, dass eine Notwendigkeit von Kooperation besteht. Die Mannschaften einer Liga befinden sich zwar einerseits im Wettbewerb miteinander, sie haben jedoch auch andererseits ein gemeinsames Interesse daran, ein Produkt in Form einer spannenden und attraktiven Liga herzustellen. Mit der Notwendigkeit von Konkurrenz in der Produktion beschreibt Walter C. Neal den Zustand, dass es „ohne Gegner keinen Wettkampf“ gibt.[9] Die Akteure sind bis zu einem gewissen Grad gezwungen, miteinander zu kooperieren. Dies unterstreicht den Unterschied einer Sportliga zu einem herkömmlichen Unternehmen. Denn ein herkömmliches Unternehmen ist immer darauf bedacht so wenig Konkurrenten wie möglich zu haben und im Idealfall als Monopol den Markt zu dominieren. Im Mittelpunkt einer Sportliga steht das gemeinsam hergestellte Produkt des sportlichen Wettkampfs. Ein weiterer Unterschied spiegelt sich in der Annahme wider, dass sportliche Wettkämpfe möglichst knapp ausgehen müssen, um einen angemessen Spannungsgrad für das Zuschauerinteresse herzustellen.[10] Gewöhnliche Unternehmen hingegen profitieren vor allem dann, wenn sie keine oder möglichst schwache Konkurrenz haben. Ein Sportler oder eine Mannschaft in einer Sportliga ist jedoch auf möglich starke Konkurrenz angewiesen, um maximale Einnahmen zu erzielen. Dieses Phänomen beschreibt das Louis-Schmeling-Paradox.[11]

2.3 Louis Schmeling Paradox

Ein Paradoxon ist eine Aussage, die den allgemein herrschenden Annahmen widerspricht. Das Louis Schmeling Paradox beschreibt das existentielle Vorhandensein von gleichwertigen Gegnern und damit das Widerstreben einer Monopolstellung am Markt. Der Ursprung dieses Begriffs geht auf einen Boxkampf zwischen Max Schmeling und dem damalig amtierenden Weltmeister Joe Louis zurück. Dabei besiegte Schmeling Louis, der zuvor fast all seine Gegner mit K.O.-Siegen bezwungen hatte, überraschenderweise. Erst durch die Niederlage von Louis entwickelte sich Mitte der 19. Jahrhunderts der Boxsport wieder zu einer spannenden und wirtschaftlich erfolgreichen Sportart.[12] Es lässt sich festhalten: Je schwächer der Gegner, desto geringer ist die erzeugte Wertschöpfung und da die Wertschöpfung ein Resultat aller Inputs ist, ist die Stärke aller sportlichen Kontrahenten von gleicher Bedeutung. Daher ist es ökonomisch falsch, das Wertgrenzprodukt anhand des sportlichen Erfolges zu messen. Der Beitrag des Siegers ist nicht größer als der des Verlierers, da der Sieger auf den Verlierer angewiesen ist. Es ist demnach anzunehmen, dass sich die Qualität eines sportlichen Wettbewerbs durch die absolute Leistung der Kontrahenten, der sportlichen Ausgeglichenheit und der Integrität und Fairness zusammensetzt. Eben diese Qualität ist eine entscheidende Determinante für die Nachfrage nach sportlichen Wettbewerben.

3 Sportnachfrage

Die Nachfrage nach Sport kann vielschichtig interpretiert werden. Darunter verstanden werden kann die Nachfrage von Sporttreibenden nach Sportangeboten, die Nachfrage der Werbeindustrie nach Werbeflächen beispielsweise auf dem Trikot einer Fußballmannschaft, die Nachfrage von Medien nach Übertragungsrechten oder auch die Nachfrage von Fans einer bestimmten Sportart nach sportlichen Wettkämpfen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Fußball als Mittelpunkt vier verschiedener Märkte

Quelle: In Anlehnung an Vöpel, H. (2011) p.7.

Liegt der Fokus der Sportnachfrage im Speziellen auf dem Fußballmarkt, so kann festgestellt werden, dass es sich hierbei um eine Interaktionsplattform verschiedener Marktseiten handelt. Stadionbesucher und Fernsehzuschauer bilden die primäre Nachfrage nach dem Produkt Fußball. Durch „Stadion Attendance“ kann die Nachfrage nach Fußball anhand der verkauften Plätze gemessen werden. Dabei können einzelne Gruppen separiert werden, so dass es zu einer Preisdiskriminierung kommt. Zudem besteht eine Kapazitätsgrenze durch die jeweilige Stadiongröße eines Vereins.

Die Zuschauernachfrage stellt einen Teil der Unterhaltungsnachfrage dar. Dass heißt, dass das heterogene Gut Gegenstand einer ökonomischen Transaktion wird, welche im Mittelpunkt einer Fußballliga steht. Dabei entsteht ein Einfluss auf den Markt für Fernsehrechte, den Werbemarkt und den Markt für Merchandising und Ticketing.[13]

3.1 Determinanten der Sportnachfrage im Fußball

Die Haushaltstheorie in Form einer Nutzenmaximierung der Konsumenten unter Berücksichtigung von Budgetrestriktionen und Opportunitätskosten bildet die Basis, um einzelne Determinanten der Sportnachfrage zu definieren. Vereine stellen auf Grund ihrer räumlichen Distanz zu anderen Wettbewerbern und der ausgeprägten Konsumloyalität lokale Monopole dar. Daraus leitet sich die Annahme ab, dass die Preiselastizität im Fußball stark abnehmend ist. Die Preiselaszität gibt an, wie stark die Nachfrage nach einem Produkt auf eine Änderung des Preises reagiert. In der Realität zeigt sich, dass die Preiselastizität kleiner eins ist. Dies bedeutet, dass die Nachfrage nach dem Produkt Fußball wenig elastisch ist. Eine Änderung des Preises um ein Prozent bewirkt eine Änderung der Nachfrage um weniger als einen Prozent. Um diese Wechselwirkung zu erklären können unterschiedliche Ansätze gewählt werden. Noll und Scully führen sie auf die Kostenstruktur eines Fußballklubs zurück.[14] Diese wird von Fixkosten dominiert und weist geringe Grenzkosten im inelastischen Bereich der Nachfrage auf. Im Zuge dieser Interpretation wies Fort 2006 jedoch auf die mittel- und langfristige Flexibilität der Gesamt- und Grenzkosten hin. Im Vergleich dazu kann auch über die Theorie der Preissetzung im elastischen Bereich der Nachfrage argumentiert werden.[15] Eine solche Preissetzung ist ausschließlich dann zu erwarten, wenn der Eintrittskartenverkauf die einzige Erlösquelle eines Fußballvereins darstellt. Auch diese Interpretation kritisiert Fort stark mit dem Hinweis auf weitere Erlösquellen durch TV-Rechte oder durch Sponsoring und Merchandising. Im Hinblick auf die Preiselastizität muss außerdem zwischen Saisondauerkarten und Einzeltickets für bestimmte Spiele differenziert werden.

Dabei kann angenommen werden, dass die Nachfrage nach Dauerkarten durch loyalere Fans im Vergleich zu Fans eines Einzeltickets repräsentiert wird, da sich diese schon vor Beginn der Saison dafür entscheiden, alle Spiele ihrer Mannschaft zu besuchen. Eine damit implizierte geringere Preiselastizität lässt für den Monopolisten die Möglichkeit entstehen einen dementsprechend höheren Preis einzufordern. In der Realität jedoch erhalten die Nachfrager nach Dauerkarten einen deutlich günstigeren Preis als die Nachfrager eines einzelnen Spiels. Der Grund hierfür liegt in der deutlichen größeren Unsicherheit über die Qualität des Produkts. Über die Einkommenselastizität lässt sich im Vergleich zur Preiselastizität keine allgemeingültige Aussage machen. Dies hat vordergründig zwei Gründe: Zunächst einmal ist anzunehmen, dass sich die Einkommenselastizität mit sich ändernden Einkommen verändert und damit einher geht eine unterschiedliche Interpretation einer Sportveranstaltung als ein inferiores, ein normales oder auch ein Luxusgut. Im Fußball beispielsweise können Stehplatzkarten ein inferiores Gut und Karten für den VIP Bereich ein superiores Gut darstellen.[16] Eine weitere Determinante der Sportnachfrage im Fußball ist die so genannte Kreuzpreiselastizität und damit die Frage nach der Verfügbarkeit und Preisen von Substituten. Ein direktes Substitut eines Fußballspiels stellt die Übertragung dieses Spiels im Fernsehen dar. Bei einer anderen Sportveranstaltung oder einem anderweitigen Unterhaltungsangebot wird hingegen von einem indirekten Substitut gesprochen. Dabei ist anzunehmen, dass die Kreuzpreiselastizität zwischen zwei Fußballspielen oder eine TV-Übertragung größer ist als zwischen einem Fußballspiel und einem anderen alternativen Unterhaltungsangebot. Im Fußball steht in diesem Fall vor allem der so genannte Kanibalisierungseffekt im Fokus. Darunter wird eine hohe Kreuzpreiselastizität zwischen einem Stadionbesuch und einer Fernsehübertragung verstanden. Um diesen Effekt entgegen zu wirken, gab es in der amerikanischen Profiliga NFL bis zum Jahr 2014 die „Blackout-Regel“, die besagte, dass Spiele der NFL im regionalen Fernsehen nicht ausgestrahlt werden durften, wenn das Spiel nicht 72 Stunden vor Beginn ausverkauft war. Im deutschen Fußball ist der Kanibalisierungseffekt der Grund dafür, dass die DFL und der DFB beschlossen haben keine Sonntagsspiele vor 15.30 Uhr anzusetzen, um eine Kanibalisierung mit Spielen der Amateurligen zu verhindern.[17] Eng mit der Kreuzpreiselastizität verbunden ist der sogenannte Netzwerkeffekt. Dieser fördert die Konzentration der Nachfrage auf wenige Veranstaltungen auf Grund der Präferenz für soziale Interaktion. Im Mittelpunkt steht die Partizipation eines gemeinschaftlichen Erlebnisses. Hinzu kommt außerdem die Präferenz für die Medienpräsenz von so genannte „Superstars“. Es gilt, je mehr Fans ein Superstar hat, umso mehr Nutzen stiftet er als Gesprächsthema und als Komplementärgut in Form von Medienpräsenz. Das Zusammenspiel zwischen der Präferenz für außerordentliches Talent und einer überproportionalen Zahlungsbereitschaft stellt eine weitere Determinante der Nachfrage nach dem Produkt Fußball dar. Dabei ist zu beachten, dass außerordentliches Talent knapp ist und nur eingeschränkt aufgrund unterschiedlicher Talentniveaus substituiert werden kann. Daraus ergibt sich die Konsequenz, dass so genannte „Superstars“ wie Christiano Ronaldo und Lionel Messi monopolähnliche Renten erzielen können und dementsprechend über ein hohes Maß an Markmacht verfügen. Dahingestellt sei allerdings die Frage, ob Christiano Ronaldo, der im Jahr 20 Prozent mehr als Lionel Messi und das Dreizehnfache im Vergleich zu Toni Kroos verdient, so viel talentierter ist als Messi oder Kroos? Oder liegt es an der Annahme, dass vor allem „Superstars“ ein entscheidender Faktor für die Spannung eines Fußballspiels sein können?[18]

3.2 Uncertainty of Outcome-Hypothese

Der wichtigste Determinante in Bezug auf die Nachfrage nach dem Produkt Fußball, ist die durch ein Fußballspiel erzeugte Spannung. Durch sie wird der Grenznutzen der Zuschauer erhöht und die Nachfrage steigt. Unter Spannung ist in diesem Fall die Unsicherheit über den Ausgang des Spiels zu verstehen. In der Sportökonomie wird dieser Zustand unter dem Begriff Uncertainty of Outcome-Hypothese zusammengefasst. Es ist die relative Wettbewerbsfähigkeit, die besagt, dass je ausgeglichener der Wettbewerb zwischen den einzelnen Akteuren ist, desto schwieriger lässt sich der Ausgang eines sportlichen Wettkampfes prognostizieren und umso größer ist die Spannung. Das Ziel einer Fußballiga sollte demnach ein möglichst ausgeglichener Wettbewerb sein, um eine maximale Nachfrage zu erzielen . [19]

4 Competitive Balance als Zielfunktion einer Fußballliga

“The nature of the industry is such that competitors must be of approximately equal size if any are to be successful; this seems to be a unique attribute of professional competitive sports“

(Rottenberg, 1956)

Jeder Fußballklub präferiert einen Sieg gegenüber einer Niederlage. Darauf folgend wird ein knapper Sieg einem deutlichen Sieg vorgezogen. Die Unsicherheit über den Ausgang eines Spiels ist demnach ein fester Bestandteil der Zielfunktion einer Fußballliga. Die entscheidende Restriktion um dieses Ziel zu erfüllen ist unter dem Begriff Competitive Balance zusammengefasst. Dieser beschreibt die Ausgeglichenheit eines sportlichen Wettbewerbs. Einen Einfluss auf diesen Zustand kann zum einen eine „Saison-Komponente“ aber auch eine „Team-Komponente“ haben.[20]

Konkret stehen dabei zwei Fragen im Vordergrund:

1. Wie groß ist der Leistungsunterschied zwischen den einzelnen Mannschaften innerhalb einer Liga?
2. Können die Teams ihre Leistung jede Saison reproduzieren?

4.1 Dimensionen von Competitive Balance

Competitive Balance lässt sich in drei Dimensionen unterteilen. Match-Uncertainty of outcome beschreibt die Unsicherheit über den Ausgang eines einzelnen Spiels. Das Ziel ist es, dass die Teilnehmer eines Wettkampfs identische Siegwahrscheinlichkeiten aufweisen. Diese Zusammensetzung der Saisonabschlusstabelle und damit die durchschnittliche Ergebnisunsicherheit aller Spiele einer Liga umfasst die Within-Season Uncertainty of outcome Dimension. Entscheidender Faktor ist dabei die Reichweite der Mannschaften zu einander. In der langen Frist wird Competitive Balance durch die Dimension Between-Season Uncertainty of Outcome beschrieben.

In diesem Fall steht die Dominanz einzelner Teams über mehrere Spielzeiten im Fokus. Entscheidend ist die saisonübergreifende Erfolgswahrscheinlichkeit und damit die relativen Positionen einzelner Mannschaften über mehrere Perioden.[21] Um die Intensität einer Fußballliga zu messen, gibt es eine Vielzahl von Disparitätskonzentrations- und Dominanzmaße. Maße zur Messung der Unternehmenskonzentration, wie zum Beispiel der Gini-Koeffizient, können dabei bis zu einem gewissen Grad geeignet sein oder auch deskriptive Maße wie beispielweise die Untersuchung von Ranghäufigkeiten.

4.2 Messung & Einflussfaktoren

Match-Uncertainty of outcome kann anhand einer Binomialverteilung gemessen werden p beschreibt dabei die Wahrscheinlichkeit, dass die Heimmannschaft gewinnt und 1-p gibt die Siegwahrscheinlichkeit des Auswärtsteams an. Ein Spiel ist dann ausgeglichen, wenn die Siegquote 0,5 beträgt. Eine Abweichung von diesem Wert führt immer zu einer Reduktion der Competitive Balance. Bei der Interpretation eines solchen Ergebnisses ist jedoch kritisch zu beachten, dass die Möglichkeit eines Unentschiedens oder der Aspekt eines möglichen Heimvorteils außer Acht gelassen werden.[22]

Die Ordnungskriterien der Within-Season Uncertainty of Outcome Dimension sind erreichte Anzahl an Punkten, die Siegquoten oder auch die Spannweite einzelner Mannschaften zueinander. Die Spannweite ist ein grober Indikator für die Intensität einer Fußballliga, da beispielweise im Hinblick auf die Bundesliga nur 2 von 18 Mannschaften als Merkmal in diesen Indikator mit einfließen würden. Um bei einer Messung Ausreißer zu vermeiden, empfiehlt sich die Verwendung von Interquartilsabständen. Der Grund hierfür ist, dass mit wachsender Teilnehmerzahl auch die Anzahl der zu vergebenden Punkte steigt, was wiederum bedeutet, dass die Spannweite zwischen Ersten und Letzten größer wird. Quartilsabstände stellen eine bessere Vergleichbarkeit her. Interquartilsabstände angewandt auf die Bundesliga in Form von IQR=x0,75-x0,25 würden den Abstand zwischen den 4,5 und 13,5 Platzierten abbilden. Dies ist eine relativ gute Spannweite zwischen sportlich interessanten Tabellenregionen.

Er deckt sowohl die Qualifikation für die Superwettbewerbe als auch die Plätze im Wettbewerb um den Abstieg ab.[23] Ein weiteres Maß zur Messung der mittelfristigen Wettbewerbsintensität in einer Fußballliga ist der sogenannte Noll/Scully Index. Dieser gibt an, wie stark die Gewinnchance einer Mannschaft von der „idealen“ Gewinnchance abweicht. Nimmt der Noll/Scully Index einen Wert von eins an, so ist eine Liga vollkommen ausgeglichen und die Gewinnchance aller Mannschaften entspricht der „idealen“ Siegwahrscheinlichkeit. Es gilt: Je größer der Noll/Scully Index, desto unausgeglichener ist der Wettbewerb einer Liga.[24] Der Gini-Koeffizient abgeleitet aus der Lorenzkurve ist ebenfalls zur Messung einer mittelfristigen Konzentration von sportlicher Dominanz in einer Liga geeignet. Dabei liegt der Wertebereich dieses Koeffizienten zwischen Null und kleiner Eins, wobei Null einer absoluten Gleichverteilung entspricht. Problematisch im Hinblick auf die Verwendung des Gini-Koeffizienten ist, dass es zu keiner Anpassung kommt, wenn sich die Summe insgesamt nicht verändert, aber die Anzahl der Marktteilnehmer, die alle den selben Anteil haben. Generell ist bei allen Maßen zu Messung der Within-Season Uncertainty of outcome Dimension kritisch anzumerken, dass sie ausschließlich relative Abstände der Teams zueinander betrachten, Positionen keine Rolle spielen und sie zusätzlich nicht erfassen, ob ein einzelnes Spiel „spannend“ war oder nicht.[25]

Auch Maße zur Untersuchung der langfristigen Wettbewerbsintensität lösen diese Probleme nicht. Um die Between-Season Uncertainty of Outcome zu messen gibt es beispielsweise die Möglichkeit den HHI zur Konzentration von Meisterschaftstiteln zu betrachten. Der maximale Wert den der HHI annehmen kann ist eins und entspricht einer vollkommen unausgeglichenen Liga. Ist die Liga hingegen ausgeglichen, so entspricht der HHI einem Wert von 1/N.[26] Ein weiteres Mittel zu Bestimmung von Competitive Balance im Hinblick auf die lange Frist sind so genannten Entropie Maße. Das Ziel ist es dabei, dass der Wettbewerb in allen Tabellenregionen möglichst lange spannend bleibt. Um dies zu untersuchen wird eine „geordnete Punkteverteilung“ angewandt.

Dabei wird beispielsweise angenommen, dass zwischen jedem Verein ein Abstand von zwei Punkten herrscht, was bedeutet, dass jede Mannschaft eine andere Mannschaft überholen kann oder überholt werden kann. Diese als optimal angenommene Punkteverteilung wird anschließend mit der tatsächlich erhaltenen Punkteverteilung ins Verhältnis gesetzt und eine Form von Unordnung ermittelt.[27] Zur Herstellung und bei der Betrachtung von Competitive Balance dürfen jedoch auch weiche Faktoren wie zum Beispiel Stadiongröße oder die Nähe der Fans zum Spielfeldrand nicht außer Acht gelassen werden. Bei der Nachfragewirkung in Bezug auf eine hohe Ergebnisunsicherheit muss jedoch unterschieden werden, ob die Unsicherheit selbst in den Präferenzen der Konsumenten enthalten ist oder ob sich die Unsicherheit und Ausgeglichenheit implizieren.[28] Es kann festgehalten werden, dass es keinen perfekten Indikator zur Messung der Wettbewerbsintensität einer Fußballliga gibt. Da immer nur eine Annäherung an einen Wert für eine einzelne Dimension ermittelt werden kann. Die Lösung dieses Problems liegt in der Verwendung einer Vielzahl von verschiedenen Maßen, um möglichst viele Einzelbestandteile der Competitive Balance zu erfassen. Um also festzustellen, ob die europäischen Fußballligen ein Problem in Bezug auf Competitive Balance haben, sollten mehrere Indikatoren untersucht werden.

5 Competitive Balance-Das Problem europäischer Fußballligen?

„Ein ausgeglichener Wettbewerb, moderne Stadien, attraktiver Fußball, professionelles Wirtschaften und großartig aufspielende Stars sind die Erfolgsgaranten der ,Bundesliga“ (Dr. Reinhard Rauball)

Der europäische Fußball hat eine Reihe von Problemen, die hauptsächlich im der Ausgestaltung seines Wettbewerbes begründet sind. Diese Probleme umfassen die Explosion von Transfersummen und Spielergehältern im letzten Jahrzehnt, das Problem der Hyperaktivität, die zunehmende Förderung von Abwanderungstendenzen und die Konzentration von „Superstars“ bei einzelnen Vereinen, sowie das Fehlen einer glaubhaften und übergreifenden Instanz, die den Wettbewerb entsprechend reguliert. In den folgenden Abschnitten soll der Frage nachgegangen werden, ob in den europäischen Fußballligen ein sportliches Gleichgewicht nachgewiesen werden kann. Der Schwerpunkt dieser Analyse soll dabei nicht auf der Match-Uncertainty of outcome Dimension und damit dem Ausgang eines einzelnen Spiels liegen, sondern auf mittel- und langfristigen Entwicklungen und Tendenzen.

5.1 Within Season Uncertainty of Outcome

In der Saison 2015/2016 ist Bayern München mit 10 Punkten Abstand auf Borussia Dortmund Deutscher Meister geworden. In der Serie A betrug der Abstand zwischen Juventus Turin und dem SSC Neapel 9 Punkte und Leicester City und Arsenal London trennten am 38.Spieltag ebenfalls 10 Punkte. Diese großen Punkteabstände zwischen Meister und Vizemeister deuten darauf hin, dass der Wettkampf um den Meisterschaftstitel in diesen Ligen nicht sehr spannend war. Ist diese Entwicklung zurückzuführen auf ein fehlendes sportliches Gleichgewicht in den europäischen Fußballligen oder kann es bei der Interpretation von Reichweiten einzelner Teams zueinander zu Fehleimschätzungen hinsichtlich Competitive Balance kommen? Um dieser Frage nachzugehen, werden im Folgenden vier Szenarien einer möglichen Punkteverteilung in einer Liga vorgestellt, um anschließend nach der Ermittlung des Gini-Koeffizienten zu einer Einschätzung im Hinblick auf die mittelfristige Spannung und sportliche Ausgeglichenheit zu kommen. Es wird dabei angenommen, dass es sich jeweils um eine Liga mit einem offenen System, 18 teilnehmenden Mannschaften, die jeweils in der Hin- und Rückrunde einmal gegeneinander antreten, handelt. Im ersten Fall besteht die Liga A aus einem Meister „Bayern München“, der alle seine Spiele gewinnt. Alle anderen Mannschaften siegen gegen in der Tabelle schlechter platzierte Mannschaften und verlieren gegen besser platzierte Teams. Auch in Liga B wird angenommen, dass „Bayern München“ ausschließlich siegen wird. Im Vergleich zu Liga A enden alle anderen Spiele mit einem Unentschieden. Liga C bildet den vermeintlichen Idealfall einer ausgeglichenen Liga ab, in der alle Spiele mit einem Unentschieden enden. Das würde bedeuten, dass alle Mannschaften die gleiche Gewinnwahrscheinlichkeit haben und die gleiche Anzahl an Punkten am Ende der Saison aufweisen. Der letzte Fall, der in dieser Analyse betrachtet werden soll, ist die Punkteverteilung der aktuellen Bundesliga Saison 2015/2016 und wird durch Liga D abgebildet.

Es ergeben sich folgende Abschlusstabellen für Liga A bis C:

Tabelle 1 : Abschlusstabellen und Gini-Koeffizient der Ligen A, B, C & D

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

[...]


[1] Rottenberg, S. , 1956, “The Baseball Players’ Labor Market” Journal of Political Economy, Vol. 64, No. 3, p. 246.

[2] Rheinische Poste (2016) Zuschauer-Entwicklung der besten Ligen Europas, http://www.rp-online.de/sport/fussball/zuschauer-entwicklung-der-besten-ligen-europas-bid-1.570465 (13.7.2016)

[3] El Hodiri, M and J. Quirk, 1971, “An Economic Model of a Professional Sports League“The Journal of Political Economy, Vol. 79, No. 6., pp. 1302-1319.

[4] Rottenberg, S., 1956, pp. 246.

[5] Dietl, H., 2010, „Besonderheiten des Sports‐Was rechtfertigt eine "eigene Ökonomik"?“Working Paper No. 137, Institute for Strategy and Business Economics University of Zurich.

[6] Akerlof, G. 1976, „The Economics of Caste and oft the Rat Race and Other Woeful Tales“The Quarterly Journal of Economics Vol. 90, No. 4, p. 603.

[7] Szymanski, S., 2003, “The Economic Design of Sporting Contests” Journal of Economic Literature,
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[8] Brandenburger A. and B. J. Nalebuff, 1996, Co-Opetition, New York: Doubleday, pp 11-15.

[9] Neale, W. C ., 1964, "The peculiar economics of professional sports: A contribution to the theory of the firm in sporting competition and in market competition."The Quarterly Journal of Economics, Vol. 78, No. 1, p. 11.

[10] Neale, W. C ., 1964, pp. 2-3.

[11] Humphreys, B. and L. Zhou, 2015, "The Louis-Schmeling Paradox and the League Standing Effect Reconsidered."The Journal of Sports Economics, Vol. 16, No. 8, pp. 835-837.

[12] Neale, W. C ., 1964, pp. 1-2.

[13] Vöpel, H., 2011 “Fußball-Management Mikroökonomische und spieltheoretische Modellierung von Managemententscheidungen im Profifußball“, Hamburgisches Welt Wirtschaftsinstitut, Report Nr.17, pp. 7-8.

[14] Fort, R. D., 2004a “Inelastic sports pricing” Managerial and Decision Economics, Vol. 25, No.2, pp. 87-90.

[15] Borland, J. and R. Macdonald, 2003 „Demand for Sport“Oxford of Economic Policy, Vol. 19, No. 4, pp. 485-486.

[16] Borland, J. and R. Macdonald, 2003, pp.489-490.

[17] Borland, J. and R. Macdonald, 2003, pp. 489-491.

[18] Rosen, S., 1981, „The Economics of Superstars“The American Economic Review, Vol. 71, No. 5, pp. 845-847.

[19] Simmons, R., 2006, The demand for spectator sports. In Handbook on the economics of sport. editors: Andreff , W. & S. Szymanski, Cheltenham: Edward Elgar, pp. 77–89.

[20] Humphreys, B. R., 2002, „Alternative Measures of Competitive Balance in Sports Leagues“Journal of Sports Economics, Vol. 3 No. 2, p. 133.

[21] Borland, J. and R. Macdonald, 2003, pp. 485-487

[22] Zimbalist, A.S., 2002, “Competitive balance in sports leagues: an introduction” Journal of Sports Economics, Vol. 3, p. 141.

[23] Feddersen, Arne (2008a): Steuerungsmöglichkeiten der Wettbewerbsintensität: Eine ökonomische Analyse sportpolitischer Regulierungen. Berlin: Duncker & Humblot pp.20-23.

[24] Scully, G. (1995) The Market Structure of Sports, Chicago: The University of Chicago Press.

[25] Humphreys, B. R., 2002, pp. 134-137.

[26] Humphreys, B. R., 2002, p. 135.

[27] Heinemann, M., 2008, „Messung und Darstellung von Ungleichheit“Working Paper Series in Economics, No. 108, University of Lüneburg, pp. 29-32.

[28] Groot, L., 2008, E conomics, Uncertainty and European Football: Trends in Competitive Balance, Cheltenham: Edward Elgar, p. 54.

Ende der Leseprobe aus 72 Seiten

Details

Titel
Contest Design und das Modell einer europäischen Superliga im Fußball
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,6
Autor
Jahr
2016
Seiten
72
Katalognummer
V351238
ISBN (eBook)
9783668381537
Dateigröße
1254 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
contest, design, modell, superliga, fußball
Arbeit zitieren
Vanessa Fritz (Autor), 2016, Contest Design und das Modell einer europäischen Superliga im Fußball, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351238

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