Wie im vergangenen Jahr heißen die Meister der größten europäischen Fußballligen auch 2016 FC Bayern München, FC Barcelona, Paris St. Germain und Juventus Turin. Die einzige Ausnahme bildet der amtierende Meister der englischen Premier League Leicester City Football Club, der zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte die englische Meisterschaft gewinnen konnte. Erst im Jahr 2014 war Leicester City aus der zweiten englischen Liga aufgestiegen. In ihrer ersten Premier League Saison stand Leicester City bis zum 30.Spieltag auf dem letzten Tabellenplatz und sicherte sich am Ende nur knapp den Klassenerhalt. In der abgelaufenen Saison 2015/2016 passierte anschließend jedoch historisches, das die Fußballfans in ganz Europa begeisterte. Denn ab dem 23. Spieltag wurde Leicester City bis zum Ende der Saison nicht mehr vom ersten Tabellenplatz verdrängt. Leicester City setzte sich dabei gegen Favoriten wie Manchester City, Arsenal London und die Tottenham Hotspurs durch. Vor Beginn der Saison war dieser Ausgang in Bezug auf den Wettkampf der englischen Meisterschaft nicht absehbar. Die Wahrscheinlichkeit, dass Leicester City englischer Meister werden würde, wurde von englischen Wettbüros mit einer Quote von 5000:1 eingestuft. Damit war es wahrscheinlicher, dass Barack Obama erklärt, dass die USA niemals auf dem Mond gelandet sind als der Meistertitel von Leicester City. Die Unvorhersehbarkeit eines sportlichen Wettkampfs wird in der Sportökonomie als Uncertainty oft Outcome Hypothese bezeichnet. Danach ist ein Wettkampf für die Zuschauer besonders attraktiv, wenn im Vorhinein nicht absehbar ist, wer gewinnen wird. Dieser Zustand kann aber nur dann eintreten, wenn der sportliche Wettbewerb möglichst ausgeglichen ist und somit alle Mannschaften eine identische Gewinnwahrscheinlichkeit haben.
Im Rahmen dieser Masterarbeit soll der Status quo der europäischen Profifußballligen im Hinblick auf Competitive Balance untersucht werden. Unter der Zielfunktion eines ausgeglichenen sportlichen Wettbewerbs soll anschließend die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Gründung einer europäischen Superliga als Ersatz für den Wettbewerb nationaler Fußballligen und internationaler Pokalwettbewerbe beantwortet werden. Der Schwerpunkt dieser Analyse liegt auf dem Wettbewerbsdesign europäischer Fußballligen und dessen Auswirkungen auf Competitive Balance. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Besonderheiten eines Sportwettbewerbs
2.1 Winner-Take-All-Market
2.2 Coopetition
2.3 Louis Schmeling Paradox
3 Sportnachfrage
3.1 Determinanten der Sportnachfrage im Fußball
3.2 Uncertainty of Outcome-Hypothese
4 Competitive Balance als Zielfunktion einer Fußballliga
4.1 Dimensionen von Competitive Balance
4.2 Messung & Einflussfaktoren
5 Competitive Balance-Das Problem europäischer Fußballligen?
5.1 Within Season Uncertainty of Outcome
5.2 Between Season Uncertainty of Outcome
6 Contest Design
6.1 Contest Systeme
6.1.1 Elimination Tournament & Robin Round Tournament
6.1.2 Multi-Stage-Tournament
6.2 Prämienanreizsysteme
7 Contest Success Function
8 Contest Design einer europäischen Superliga
8.1 Vision europäische Superliga
8.2 Das Modell einer Europäischen Superliga
8.3 Auswirkungen einer Superliga
9 Fazit
10 Das Schreckgespenst der europäischen Fankultur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Status quo der europäischen Profifußballligen in Bezug auf Competitive Balance und analysiert, ob die Gründung einer europäischen Superliga als Ersatz für bestehende nationale Ligen und internationale Pokalwettbewerbe eine sinnvolle Lösung für die bestehende sportliche und wirtschaftliche Dominanz weniger Vereine darstellen kann.
- Analyse der Besonderheiten und ökonomischen Logik von Sportwettbewerben.
- Untersuchung der Determinanten der Sportnachfrage und der "Uncertainty of Outcome"-Hypothese.
- Evaluierung von Competitive Balance in europäischen Fußballligen mittels verschiedener Messindikatoren.
- Bewertung verschiedener "Contest Design"-Modelle und deren Einfluss auf den Wettbewerb.
- Konstruktion eines fiktiven Modells einer europäischen Superliga und Diskussion der Auswirkungen auf Fankultur und Wettbewerb.
Auszug aus dem Buch
2.1 Winner-Take-All-Market
George A. Akerlof benutzte zur Modellierung eines sportlichen Wettkampfes die Metapher eines Rattenrennens. Dabei duellieren sich mehrere Ratten in einem Rennen um ein Stück Käse, das nur der Sieger bekommt. Die übrigen Ratten gehen leer aus. Es ist sinnvoll maximalen Einsatz zu zeigen, auch wenn in diesem Fall der Einsatz höher ist als der zu erzielende Ertrag durch das gewonnene Stück Käse. Das heißt, die Ratten steigern ihren Inputeinsatz mit steigender Renngeschwindigkeit, während sich der Wert des Käses nicht ändert. Grund für diese Verhaltensweise ist, dass in sportlichen Wettkämpfen das Produkt mit der höchsten Qualität bevorzugt wird. Konkret bedeutet das, dass der Gewinner für seinen Sieg eine Prämie erhält und der Verlierer nichts bekommt.
Der Einsatz des Verlierers stellt so genannte sunk cost dar. Es handelt sich um Kosten, die bereits entstanden sind und nicht rückgängig gemacht werden können. Aus diesen Annahmen heraus lassen sich zwei Schlussfolgerungen ziehen: Erstens bei einem Sportwettbewerb handelt es sich um einen Winner-Take-All-Market und zweitens, dass ein sportlicher Wettkampf spieltheoretisch als Nullsummenspiel interpretiert werden kann. Bei einem Nullsummenspiel ergibt die Summe der Payoffs aller Spieler ausschließlich null. Das bedeutet, der Vorteil des einen Spielers zum Nachteil des Anderen wird. In einer Sportliga wird dies deutlich durch den positionalen Wettbewerb in Form einer Tabelle. Jede tabellarische Verbesserung einer Mannschaft hat zwangsläufig die Verschlechterung mindestens einer anderen Mannschaft zur Folge. In der Realität jedoch ist die Prämienstruktur sportlicher Wettkämpfe oftmals so ausgestaltet, dass mehrere Preise vergeben werden, so dass die Annahme eines reinen Winner-Take-All-Market angezweifelt werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Competitive Balance im europäischen Profifußball und Vorstellung der Forschungsfrage zur Sinnhaftigkeit einer Superliga.
2 Besonderheiten eines Sportwettbewerbs: Darstellung ökonomischer Grundkonzepte wie Winner-Take-All-Märkte, Coopetition und das Louis-Schmeling-Paradox im sportlichen Kontext.
3 Sportnachfrage: Analyse der Faktoren, die die Nachfrage nach Fußballspielen bestimmen, insbesondere die Bedeutung der Spannung durch die Uncertainty of Outcome-Hypothese.
4 Competitive Balance als Zielfunktion einer Fußballliga: Definition und Operationalisierung von Competitive Balance sowie Diskussion geeigneter Messgrößen.
5 Competitive Balance-Das Problem europäischer Fußballligen?: Praktische Untersuchung des sportlichen Gleichgewichts in europäischen Ligen mittels Datenanalysen und statistischen Indikatoren.
6 Contest Design: Erläuterung der verschiedenen Wettbewerbssysteme wie Round Robin und Elimination Tournaments sowie deren Auswirkungen auf den sportlichen Wettkampf.
7 Contest Success Function: Vorstellung des theoretischen Modells der Contest Success Function zur Identifikation von Einflussvariablen auf den Wettbewerbsausgang.
8 Contest Design einer europäischen Superliga: Entwurf eines Modells für eine europäische Superliga unter Berücksichtigung von Anreizsystemen, Ligagröße und Wettbewerbsdesign.
9 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und kritische Reflexion über die Umsetzbarkeit und Auswirkungen eines solchen Modells.
10 Das Schreckgespenst der europäischen Fankultur: Analyse der Konsequenzen einer Superliga aus der Perspektive des Fußballfans mit Fokus auf Tradition und Fankultur.
Schlüsselwörter
Competitive Balance, Fußball, Sportökonomie, Superliga, Wettbewerbsdesign, Contest Success Function, Uncertainty of Outcome, Winner-Take-All, Coopetition, Fankultur, Prämienanreizsysteme, Ligagröße, ökonomische Modellierung, Spielstärke, sportliches Gleichgewicht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Status quo der europäischen Fußballligen im Hinblick auf ihre Wettbewerbsausgeglichenheit (Competitive Balance) und bewertet die Idee einer europäischen Superliga als alternative Organisationsform.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt Themen wie die ökonomischen Besonderheiten des Sports, die Nachfragedeterminanten, die Messung von Wettbewerbsintensität sowie die Gestaltung von Wettbewerbssystemen und Anreizstrukturen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis einer ökonomischen Analyse zu klären, ob eine europäische Superliga eine Lösung für die Konzentration von sportlicher und wirtschaftlicher Dominanz auf wenige Vereine bieten kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit nutzt theoretische Modelle der Sportökonomie, insbesondere die Contest Success Function (CSF) nach Tullock sowie Ansätze zum Wettbewerbsdesign, um verschiedene Szenarien zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Fundierung, eine empirische Analyse der bestehenden europäischen Ligen und die Konstruktion eines fiktiven Superliga-Modells mit anschließender Wirkungsanalyse.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Competitive Balance, Contest Design, Uncertainty of Outcome-Hypothese, sowie die ökonomische Modellierung von Anreizsystemen im Sport.
Warum wird Leicester City im Vorwort als Beispiel herangezogen?
Leicester City dient als prominentes Beispiel für einen unvorhersehbaren sportlichen Erfolg, der die "Uncertainty of Outcome"-Hypothese unterstreicht, aber gleichzeitig als Ausnahme die allgemeine Dominanz weniger Top-Clubs verdeutlicht.
Wie unterscheidet sich das vorgeschlagene Superliga-Modell von bestehenden Systemen?
Das vorgeschlagene Modell nutzt ein "umgekehrtes" Multi-Stage-Tournament (Elimination gefolgt von Round Robin), um sowohl kurzfristige Spannung als auch langfristige relative Leistungsstärke abzubilden.
Welche Rolle spielt die Fankultur in dieser Arbeit?
Die Fankultur wird als entscheidende Komponente der Primärnachfrage identifiziert, deren Gefährdung durch eine Superliga (z.B. durch Distanzen und Verlust von Tradition) als gewichtiges Argument gegen das Modell angeführt wird.
Wie lautet die abschließende Bewertung der Autorin zum Superliga-Modell?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass ein "perfektes" Modell zur Herstellung von Competitive Balance nicht existiert und eine Superliga die zugrunde liegenden Probleme auf der Angebotsseite nicht lösen kann.
- Citation du texte
- Vanessa Fritz (Auteur), 2016, Contest Design und das Modell einer europäischen Superliga im Fußball, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351238