Argumente für den Einsatz von Krimis im Spanischunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Krimi als literarische Gattung

3. Argumente für den Einsatz von Krimis im Spanischunterricht

4. Didaktische Lernkrimis, authentische Originaltexte oder adaptierte Versionen von Originaltexten?

5. Anregungen der Rezeptionsästhetik für eine kreative Textarbeit

6. Leseraktivität und -kreativität fördernde Unterrichtsverfahren

7. Abschließende Bemerkung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Tatsache, dass Schüler1 leider oftmals immer weniger lesen und sich kaum noch für das Lesen motivieren lassen, ist nicht nur ein Problem des Spanischunterrichts. Diese Hausarbeit wird daher zeigen, wie wichtig es ist, dass man den Schülern bei der Unterrichtsgestaltung ein Mitspracherecht zugesteht. Mit Krimis bietet sich dem Lehrer die Möglichkeit, aus Schülern Ermittler und Detektive zu machen. Dies motiviert sie zum Lesen und sie können kooperativ den Fall lösen. In vielen Klassen wird immer noch traditionell in Form von Einzelarbeit unterrichtet und Gespräche mit dem Nachbarn aufgrund disziplinärer Maßnahmen unterbunden. Bei der Integration eines Krimis bieten sich jedoch viele kreative Aufgaben in Partner- und Gruppenarbeit an, was wiederum die sozialen Kompetenzen der Schüler fördert. Des Weiteren wird gezeigt, wie man pre-reading, while-reading und post-reading activities mit kreativen Aufgaben kombinieren kann. Dabei erhebe ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, es handelt sich in dieser Hausarbeit nur um exemplarische Darstellungen.

Zunächst werde ich in Kapitel 2 auf die literarische Gattung eingehen, anschließend werde ich mich in Kapitel 3 mit den Argumenten für den Einsatz von Krimis im Spanischunterricht beschäftigen. Woraufhin es in Kapitel 4 um die Frage Didaktische Lernkrimis, authentische Originaltexte oder adaptierte Versionen von Originaltexten? Geht. Kapitel 5 handelt von den Anregungen der Rezeptionsästhetik für eine kreative Textarbeit, woraus sich in Kapitel 6 Leseraktivität und -kreativität fördernde Unterrichtsverfahren ableiten lassen. Abschließend werde ich in meinem Fazit, ein reflexionsartiges Resümee ziehen.

2. Der Krimi als literarische Gattung

Um den Krimi in eine literarische Gattung einordnen zu können, gehe ich im Folgenden auf die literarische und literaturdidaktische Bewertung des Krimis und seine historische Entwicklung ein. Nach Volkmann (2003) lässt sich sagen, dass es sich bei der Kriminalliteratur um eine Variante der Verbrechensliteratur handelt. Ihm zufolge zeichnen sich gute Krimis dadurch aus, dass sie die typischen Grundprinzipien variieren oder auch unterlaufen. Dies führt zu einem ästhetischen Reiz beim Leser. Weniger gelungene Krimis halten an den Grundprinzipien weitestgehend fest und verändern diese nur geringfügig (vgl. ebd., 245). Krimis haben sich im In- und Ausland von einer „Schundliteratur“ zu einer etablierten literarischen Gattung entwickelt und auch im Bereich der Literaturdidaktik haben die Krimis an Ansehen gewonnen und werden mittlerweile in den Lehrplänen für den Fremdsprachenunterricht berücksichtigt bzw. empfohlen. Des Weiteren ist anzumerken, dass sich Krimis auch bei den Schulbuch Verlagen etabliert haben und dort zum festen Bestandteil gehören (vgl. Caspari/Enter, 2003, 242; Volkmann, 2003, 245).

Auf die Frage, wie die Gattung Krimi entstanden ist, kann aus geistesgeschichtlicher Perspektive die Antwort im 18. Jahrhundert, „nachdem die alte Vorstellung von der Aufklärung des Verbrechens als einer Sache Gottes durch die Vorstellung von der vollen Zuständigkeit und Verantwortung des Menschen bei Aufklärung und Sühne ersetzt war“ (Suerbaum, 1984, 33) gegeben werden. So beruhten die ersten Krimis tatsächlich auf wahren Begebenheiten. Als Begründer der Gattung Krimi gilt Edgar Allan Poe, obwohl die Grundelemente seiner Geschichten eher in die Gattungstypik der Detektivgeschichten fallen (vgl. Volkmann, 2003, 246). Poe erfindet in seinen Geschichten einen Detektiv, der innerhalb eines ungeahnten Zusammenhangs ein kriminalistisches Rätsel logisch löst (vgl. ebd., 246). Die Grundelemente einer Detektivgeschichte sind in dieser Hausarbeit synonym zu den Grundelementen eines Krimis. Jedoch unterscheidet Nusser (1980) in der Kriminalliteratur zwischen Detektiverzählung und Thriller. In einer Detektiverzählung löse der Detektiv den Fall mit analytischen und systematischen Mitteln. Der Spannungsaufbau verlaufe kontinuierlich bis zur Falllösung. Bei einem Thriller hingegen seien alle Protagonisten aktiv und es fände eine Aneinanderreihung aktionsreicher Szenen statt. Des Weiteren gäbe es mehrere Spannungskurven. Dennoch ist und bleibt das Grundprinzip des Krimis „das Widerspiel zwischen Imitation und Innovation, die Spannung zwischen der erwarteten Wiederkehr und der überraschenden Abwandlung“, so Nusser (1980, 11).

Seit Edgar Allan Poe gab es bis zur Gegenwart viele verschiedene Tendenzen im Bereich der Detektiverzählung. Von 1890 bis 1920 ging die Tendenz dazu, Detektiverzählungen als „short stories“ zu schreiben. Ein Prägender Autor dieser Zeit war Sir Arthur Conan Doyle (1859-1930) mit seinem exzentrisch-genialen Detektiv Sherlock Holmes und dessen Assistent Watson. In den 20er und 30er Jahren wurden dann eher Detektivromane geschrieben. Agatha Christie schrieb „die Detektivgeschichte als reines und streng gefügtes Puzzlespiel“ (Symons, 1972, 98) und gab dem Detektiv, als ein unauffälliger und doch intelligenter Durchschnittsmensch mit sympathischen Macken, ein neues Gesicht (vgl. Volkmann, 2003, 247).

Neben den Detektivromanen etablierten sich auch die psychologischen Kriminalromane. Dorothy Sayers (1893-1957) hat diese Tendenz geprägt. Bei ihr stehen die psychologischen Charaktere und Milieus im Vordergrund, während der Detektiv und das Verbrechen im Hintergrund sind. Als weitere Tendenzen sind die hard-boiled school und der Polizeikrimi zu nennen. Die hard-boiled school ist gekennzeichnet durch einen knallharten Detektiv, eine brutale Handlung und eine misstrauische und zynische Weltansicht, in der viel Korruption und Verbrechen vorkommt. Bei den Polizeikrimis hingegen spielen eher sozialkritische Aspekte eine Rolle. Die jüngsten Tendenzen der Detektiverzählung weisen ein großes Interesse am Privatleben des Ermittlers auf. Des Weiteren erstrecken sich unkonventionelle Ermittlungsmethoden großer Beliebtheit. Meist ist die Tat und der Tathergang bekannt und die Ermittlung bzw. Überführung des Täters steht im Mittelpunkt.

3. Argumente für den Einsatz von Krimis im Spanischunterricht

Auf die Frage warum Krimis im Spanischunterricht gelesen werden sollten, geben Daniela Caspari und Hans Enter (2003, 242 f.) Antworten:

1. Schüler beschäftigen sich täglich mit Krimis in Form von Hörbüchern, Filmen etc., daher kann man damit an ihre Lebenswirklichkeit anknüpfen und sie so zum Lesen motivieren.
2. Die Schüler können Texte lesen, die es auch in ihrer jeweiligen Zielkultur zu lesen gibt.
3. Das Leseverstehen wird gefördert, da ihr Wissen über Krimis „ top-down “ Prozesse begünstigt und die Schüler dennoch den Text (Krimi) genau dekodieren („ bottom-up “) müssen, wenn sie die Tat aufklären wollen. Zudem werden sie für ein detaillierteres Lesen sensibilisiert.
4. Der Lehrer hat viele Auswahlmöglichkeiten bzgl. der Länge und der Art der Krimis (Comics, Filme usw.). Oft kann er auch verschiedene Realisierungsformen von einem Werk miteinander vergleichen, z.B. Buch mit Film.
5. Landeskunde und interkulturelles Verstehen können vermittelt werden, da Krimis die Wirklichkeit eines Landes bzw. einer Gesellschaft aus einer subjektiven Perspektive (aus der Perspektive des Autors) konzipieren. Außerdem muss die Detektivfigur (und damit auch der Leser) Prozesse des Fremdverstehens (Hineinversetzen in fremde Personen, Milieus und Tatbestände; Finden von Beweisen, um Hypothesen bestätigen oder verwerfen zu können) meistern, um den Fall lösen zu können.
6. Krimis eignen sich zum fächerverbindenden und -übergreifenden Unterricht, z.B. Spanischunterricht und Deutschunterricht.

Auch Nusser (1980, 179) und Suerbaum (1984, 49 u. 64) teilen die Argumentation von Caspari und Enter (2003, 242 f.). So enthalten auch für Nusser (1980, 179) Krimis wichtige „gesellschaftskritische und aufklärerische Aspekte“. Daraus folgend sind durch Krimis Einblicke in die unzugänglichen Milieus und die Lebensbereiche der Gesellschaft der Zielkultur möglich. Suerbaum (1984, 49) bezeichnet dies als „eine Literatur, die unter dem Mantel der Fiktion Einblicke in die Bereiche gibt, die sich vor dem Interesse der Öffentlichkeit verschließen und ihre Interna geheim halten“. Des Weiteren können Krimis Einblicke in die „Grammatik des Erzählens“ (Suerbaum, 1984, S. 64) geben. Darüber hinaus kann wie bereits angesprochen der Schüler zum Lesen motiviert werden, so dass er sich auch außerhalb der Schule mit Literatur beschäftigt. Infolgedessen wird sein Lesen sozialisiert und er kann längere Texte selbstständig dekodieren. Der Krimileser wird zu einem scharfsinnigen und systematischen Denken angeregt und seine ästhetische Urteilskraft wird gefördert. Umberto Eco (1984, 64) erkennt im Krimi sogar eine Beziehung zwischen Metaphysik und Philosophie, denn „letzten Endes ist die Grundfrage aller Philosophie (und jeder Psychoanalyse) die gleiche wie die Grundfrage des Kriminalromans: Wer ist der Schuldige?“ Der Unterschied besteht lediglich darin, dass es im Krimi häufig eine Antwort auf diese Frage gibt.

4. Didaktische Lernkrimis, authentische Originaltexte oder adaptierte Versionen von Originaltexten?

Auf Spanisch reicht das Wort „depende“ für die Beantwortung dieser Frage. Auf Deutsch übersetzt heißt dies soviel wie, „es kommt darauf an“. Die Fragestellung zielt in dieser Hausarbeit nicht darauf ab, zu analysieren, ob im Spanischunterricht nur noch mit didaktischen Lernkrimis, mit authentischen Originaltexten oder aber nur mit adaptierten Versionen von Originaltexten gearbeitet werden soll. Vielmehr geht es darum zu erkennen, welche Aspekte man bei der Auswahl und Integration didaktischer Lernkrimis bzw. authentischer und adaptierter Originaltexte in den Spanischunterricht berücksichtigen muss.

Zunächst sollte gesagt werden, dass sich das „Leseverhalten“ der Schüler und ihr „Zugang“ zur Literatur verändert haben. Aber auch die „staatlichen“ Stellen haben sich bzgl. Literaturempfehlungen für den Fremdsprachenunterricht zurückgenommen, sodass der Lehrer hat mehr Entscheidungsfreiheit bei der Literaturauswahl. Zudem hat sich die Ausbildung der Fremdsprachenlehrer an den Universitäten und im Referendariat verändert. Dies hat zur Folge, dass sich der Fremdsprachenunterricht selbst auch gewandelt hat. Die Schüler arbeiten heutzutage mehr mit elektronischen Medien, wie z.B. dem Computer, und lesen v. a. im Internet, statt zu einem Buch zu greifen. Allerdings schließt das eine das andere nicht aus.

[...]


1 Auf geschlechtsspezifische Formulierungen wird in dieser Arbeit aus Gründen der Lesbarkeit verzichtet. Es wird stets die männliche Form genannt. Ausnahmen sind für das Textverständnis notwendige geschlechtsspezifische Unterscheidungen. Gleiches gilt für das Wort Lehrer.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Argumente für den Einsatz von Krimis im Spanischunterricht
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Romanische Sprachen und Literaturen)
Veranstaltung
Krimis im Spanischunterricht
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
12
Katalognummer
V351344
ISBN (eBook)
9783668373358
ISBN (Buch)
9783668373365
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Krimi, Krimis im Spanischunterricht, Medien im Spanischunterricht, didaktische Lernkrimis, authentische Originaltexte
Arbeit zitieren
Andreas Burkart (Autor), 2012, Argumente für den Einsatz von Krimis im Spanischunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351344

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