Der Einsatz der Item Response Theorie im computergestützten adaptiven Testen zur persönlichkeitsbasierten Personalauswahl


Hausarbeit, 2016

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Testtheoretische Grundlagen
2.1 Die Klassische Testtheorie
2.1.1 Axiome der KTT
2.1.2 Grenzen der KTT
2.2 Die Item Response Theorie
2.2.1 Kernannahmen der IRT
2.2.2 Dichotome Messmodelle: Das Rasch-Modell
2.2.3 Polytome Messmodelle: Das ordinale Rasch-Modell
2.3 Computergestütztes adaptives Testen
2.3.1 Itemauswahl zu Beginn der Testung
2.3.2 Itemauswahl während der Testung
2.3.3 Kriterien für die Beendigung der Testung
2.4 Der Einsatz der IRT zur Persönlichkeitsmessung

3 Stand der Forschung und Einsatz in der Praxis
3.1 Rückschau auf die IRT-CAT Persönlichkeitsforschung
3.2 Überblick über den aktuellen Stand der Forschung
3.3 Verfügbare Instrumente und ihre empirische Bewährung in der Praxis

4 Diskussion
4.1 Methodische Schwächen und Grenzen dieser Hausarbeit
4.2 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die ICC des Rasch Modells

Abbildung 2: Die Kategoriefunktionen für ein vierkategorielles Item

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Die Digitalisierung verändert nicht nur unser Mediennutzungsverhalten grundlegend, sie wirkt sich auch auf den Rekrutierungsprozess aus“ („Das Recruiting der Zukunft – ein Blick über den Tellerrand | REthink Recruiting“, o. J.), heißt es im aktuellen Recruiting Blog von StepStone, der führenden Online-Jobbörse in Deutschland. Auch Personalabteilungen setzen bei ihrer Talentsuche und der Personalauswahl verstärkt auf das Internet, zum einen um die Administration der psychologischen Testverfahren zur Auswahl zu verschlanken und auch für psychologische Laien handhabbar zu gestalten (Steiner, 2009), zum anderen aber auch um die Bewerber auf einem ihnen angenehmen und effizienten Kommunikationskanal anzusprechen. Maßgeschneidertes, adaptives Online-Testen im Bereich der kognitiven Leistungsfähigkeit zur Bewerbervorauswahl hat sich in vielen Unternehmen bereits bewährt. Neben der Einschätzung der kognitiven Leistungsfähigkeit spielt auch die Testung der Persönlichkeit der Bewerber eine zunehmend wichtige Rolle. Die verschiedenen Persönlichkeitsfacetten korrelieren mit vielen berufsrelevanten Bestimmungsstücken, u.a. dem langfristigem Berufserfolg (Judge & Higgins, 1999), dem Verbleib im Unternehmen (Timmerman, 2006), gesundheitsförderlichem Verhalten (Bogg & Roberts, 2004) sowie der beruflichen Leistung (Barrick, Mount & Judge, 2001), dem organizational citizenship und kontraproduktivem Arbeitsverhalten (Berry, Ones & Sackett, 2007). Diese Arbeit widmet sich der Frage, ob und wie auch die traditionelle Testung der Persönlichkeit, analog der Diagnostik kognitiver Leistungsfähigkeit, computergestützt und adaptiv erfolgen kann. Ein spezieller Schwerpunkt wird auf die testtheoretische Fundierung durch die Item Response Theorie (IRT) und die Darstellung der Grundprinzipien des computergestützten adaptiven Testens (CAT) gelegt. Mit dieser theoretischen Fundierung erfolgt eine Zusammenschau des aktuellen Stands der Forschung zum CAT von Persönlichkeitsmerkmalen. Ein Blick in die Praxis zeigt, inwiefern sich der Einsatz entsprechender Instrumente bereits empirisch bewährt hat. Dabei interessieren besonders die unterschiedlichen Blickwinkel auf die Validität eines solchen Vorgehens. Abschließend werden noch Vor- und Nachteile dieses Zugangs zur Testung von Persönlichkeit diskutiert und Möglichkeiten für weitere Forschung aufgezeigt.

2 Testtheoretische Grundlagen

Jedem psychologischen Testverfahren liegt eine Testtheorie zugrunde. So ist Persönlichkeit ein Konstrukt, das nicht direkt beobachtet oder gemessen werden kann. Hierzu benötigt man manifeste Indikatoren, mit deren Hilfe Rückschlüsse auf die zugrundeliegenden Eigenschaften einer Person gezogen werden können (Bühner, 2010). Testtheorien beziehen sich genau auf diesen Zusammenhang zwischen dem zu erfassenden, nicht unmittelbar beobachtbaren Merkmal und dem gezeigten Testverhalten der Versuchsperson (Rost, 2004). Die Indikatoren hierfür sind Items, die verschiedene Facetten von Persönlichkeitsmerkmalen erfassen und dabei untereinander korreliert sind. Diese Interkorrelationen werden durch das latente, zu erfassende Konstrukt begründet (Moosbrugger & Kelava, 2011). Im folgenden Kapitel werden die theoretischen Grundlagen von zwei verschiedenen Testtheorien und die zentralen Begriffe dieser Arbeit erläutert. Die Grundzüge der Klassischen Testtheorie (KTT) werden kurz umrissen und, in Abgrenzung dazu, die Item Response Theorie (IRT) ausführlicher dargestellt, da die weiteren Ausführungen dieser Hausarbeit auf der IRT basieren.

2.1 Die Klassische Testtheorie

Die KTT ist im Vergleich zur IRT die ältere Testtheorie, deren Ursprung bis zum Beginn des vergangenen Jahrhunderts zurückreicht. Sie geht aus der Arbeit von Spearman (1907) hervor und gilt seit dem Boom psychometrischer Tests in den 1930er Jahren bis heute als Maß der Dinge in der Testentwicklung (Becker, 2004). Rost (2004) und Moosbrugger und Kelava (2011) bezeichnen die KTT im Wesentlichen als eine „Messfehler-Theorie“. Mit dieser Bezeichnung wird der Kernannahme der KTT Ausdruck verliehen, dass sich der erhobene Messwert einer Testperson in einem Item immer aus zwei Bestandteilen zusammensetzt. Zum einen aus dem true score, der tatsächlichen, wahren Ausprägung des untersuchten Merkmals, zum anderen aus einem zufälligen Messfehler (Moosbrugger & Kelava, 2011).

2.1.1 Axiome der KTT

Um feststellen zu können, inwieweit die Messung mit Messfehlern behaftet ist, braucht es grundlegende testtheoretische Annahmen, die in der KTT in Form von Axiomen festgeschrieben sind. So werden in der KTT die erforderlichen Überlegungen angestellt, um aus einer Menge von Testungen an Probanden (Pb) mit definierten Items auf den wahren Wert (true score) im zu untersuchenden Persönlichkeitsmerkmal Rückschlüsse ziehen zu können. Die KTT bezieht sich dabei erst einmal auf den wahren Wert eines ausgewählten Probanden in einem einzelnen Item (Moosbrugger & Kelava, 2011). Daraus folgen die wichtigsten Axiome der KTT (ebd.): Das Existenzaxiom besagt, dass der wahre Wert als Erwartungswert der Messungen eines Pb in einem definierten Item existiert. Das Verknüpfungsaxiom legt fest, dass jede Messung aus einem wahren Wert und einem zufälligen Fehlerwert zusammengesetzt ist. Aus der Kombination der beiden vorangegangenen Axiome folgt, dass der Zufallsfehler den Erwartungswert Null hat. Das Unabhängigkeitsaxiom folgt aus der letztgenannten Annahme und besagt, dass die Korrelation zwischen den Messfehlern und den wahren Werten bei willkürlichen Personen und willkürlichen Items null ist. Weitere Zusatzannahmen beziehen sich auf die Unabhängigkeit der Messfehler zwischen den Items und die Unabhängigkeit der Messfehler zwischen Personen. Die Normalverteilung für die beobachteten Werte, der wahren Werte und der Fehlerwerte wird vorausgesetzt. Unter der Annahme, dass alle angeführten Axiome realisiert sind und gegeben ist, dass die zu messende Persönlichkeitsvariable einen konstanten Wert hat, ist es möglich, sich dem wahren Wert durch Messwiederholungen anzunähern (Amelang & Zielinski, 2002; Kristof, 1983). Die dargestellten Annahmen lassen ein Kernkonzept der Klassischen Testtheorie herleiten: die Reliabilität oder Messgenauigkeit eines Tests. Die Reliabilität ist auch eine notwendige Voraussetzung für die Berechnung des Standardmessfehlers, der benötigt wird, um Konfidenzintervalle in der Psychometrik zu bestimmen.

2.1.2 Grenzen der KTT

Auch wenn rund 95 Prozent aller Tests auf der Klassischen Testtheorie basieren (Rost, 2004) und die KTT eine relativ einfach anzuwendende praktische Umsetzung ermöglicht, werden seit den 70er Jahren (Becker, 2004) einige Schwächen diskutiert, die hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit angeführt werden (Embretson & Reise, 2000; Moosbrugger & Kelava, 2011). Jenseits der Betrachtung der Reliabilität weist die Betrachtung weiterer Gütekriterien der KTT deutliche Begrenzungen auf. So liegen die Schwächen der Skalierung zum einen darin begründet, dass sich die angenommene Zusammensetzung eines Testwerts aus dem wahren Wert und dem Messfehler aufgrund der fehlenden Beobachtbarkeit dieser Größen nicht empirisch überprüfen lässt. Zum anderen kann das postulierte Intervallskalenniveau der Testwerte genauso wenig kontrolliert werden. Auch die Konstruktvalidität der KTT weist Schwachpunkte auf. In KTT konstruierten Tests werden für die Berechnung des Testergebnisses Summenwerte über alle Items gebildet. Dieses Vorgehen setzt die Homogenität der Items über das zu untersuchende Merkmal voraus, wobei die Forderung nach Eindimensionalität der Messungen in der KTT selbst nicht überprüft wird. Ein entscheidender Nachteil KTT konstruierter Tests ist ihre Stichprobenabhängigkeit. So variieren die zentralen Kennwerte der KTT wie die Itemschwierigkeit, die Trennschärfen der Items und die Reliabilität in Abhängigkeit von den Testpersonen, an denen die Messungen ausgeführt werden. Somit ist die Vergleichbarkeit und Generalisierung der Teststatistiken nur sehr eingeschränkt möglich (Linden & Hambleton, 1996).

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Der Einsatz der Item Response Theorie im computergestützten adaptiven Testen zur persönlichkeitsbasierten Personalauswahl
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Institut für Organisationspsychologie)
Veranstaltung
Modul 3 zu Kurs Nr. 30015 „Methoden in der inhaltlichen Anwendung“
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
26
Katalognummer
V351866
ISBN (eBook)
9783668382442
ISBN (Buch)
9783668382459
Dateigröße
630 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
IRT, KTT, Computergestütztes Adaptives Testen, Personalauswahl, CAT, Polytome Messmodelle, Dichotome Messmodelle, Testtheorie, Item Response Theorie
Arbeit zitieren
Sandra Beyermann (Autor), 2016, Der Einsatz der Item Response Theorie im computergestützten adaptiven Testen zur persönlichkeitsbasierten Personalauswahl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351866

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