Die Wahl zur Facharztausbildung zum Psychiater oder Psychotherapeuten. Praktische Durchführung eines narrativen Interviews


Projektarbeit, 2013

20 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorbetrachtung und Charakteristika des Fachgebietes der Psychiatrie

2. Methodik
2.1 Wahl des Erhebungsinstrumentes
2.2 Transkription des durchgeführten Interviews
2.3 Interviewprotokoll

3. Reflexion der Vorgehensweise

4. Schlussbemerkung

5. Bibliografie

1. Vorbetrachtung und Charakteristika des Fachgebietes der Psychiatrie

Seit je her nimmt die Psychiatrie in der Humanmedizin eine besondere Stellung ein. Der Begriff ist aus den griechischen Wörtern psyche für „Seele" und iatrós für „Arzt" zusammengesetzt und stellt eine medizinische Fachrichtung dar, die sich vorrangig mit Prävention, ursächlichen Erklärungsansätzen und Therapiemethoden im Heilungsprozess von psychischen Erkrankungen beschäftigt. Das Hauptfeld der Psychiatrie umfasst differenzierte Bereiche wie Allgemeinpsychiatrie, Psychotherapie, Militärpsychiatrie, Forensische Psychiatrie und viele mehr. Als mittlerweile ausdifferenziertes Feld in der Humanmedizin blickt die Psychiatrie auf einen Weg voller Hürden, Stereotypen und Stigmata zurück.

Das Berufsfeld des Psychiaters ist erst seit kurzer Zeit in dieser Form etabliert, so ließ sich dieser Fachbereich der Medizin vor einigen Jahren problemlos als „Nervenheilkunde“ kategorisieren und umfasste die Felder der Psychiatrie und Neurologie gleichermaßen. Als Teilbereich der Inneren Medizin und im Laufe medizinischer Modernisierungsprozesse wurde die Nervenheilkunde in zwei separate Fächer der Psychiatrie und Neurologie untergliedert, wenngleich eine absolute Trennungsschärfe nicht gegeben sein kann undübergänge beider Disziplinen zuweilen fließend sind.

Als ein Bereich der Medizin, der sich einfach ausgedrückt mit dem seelischen Befinden der Patienten und ganz generell der Seele des Menschen auseinandersetzt, bietet die Psychiatrie breite Angriffsflächen für Kritiker. Als ein Gegenspieler ist die „Antipsychiatrie“ zu nennen, die durch verschiedene politische und soziale Bewegungen gekennzeichnet ist. Ausschnittsweise ist Foucault als prominenter Soziologie zu nennen, wenngleich er eher als Vorreiter der Antipsychiatrie zu nennen ist. In seiner Abhandlung Wahnsinn und Gesellschaft. Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft kategorisierte Foucault diagnostische Methoden in der Psychiatrie als Resultate von verschiedenen sozialen, juristischen und politischen Abläufen. Im Kontext der Historie eingebettet, stellte er medizinische Definitionen von psychischen Erkrankungen in Frage undübte noch strengere Kritik, in dem er die Medizin und spezieller die Psychiatrie als Instrumente für Ausgrenzungsmechanismen betitelte. Wissenschaftlich legitimiert wurde zum Beispiel Homosexualität als psychische Erkrankung eingestuft. Nach Foucault seien subjektive Einschätzungen zur Klassifizierung von psychischen Krankheiten nicht vertretbar (Foucault, 1993).

Im Rahmen seiner Studien von 1955 im St. Elizabeths Krankenhaus entwickelte auch Goffmann ein kritisches Meinungsbildüber die Psychiatrie als eine totale Institution, in der die Patienten unter Verantwortung des Personals wie Ärzte und Pfleger einer subjektiven Meinungsbildung ausgeliefert seien und schlussendlich willkürlichen Entscheidungen unterliegen (Goffmann, 2003).

Auch heute noch steht der Bereich der Psychiatrie als Institution selbst, sowie das Berufsfeld des Psychiaters in der Kritik, wenngleich diese im Unterschied zur ausgeprägten Antipsychiatrie-Bewegung der 60er und 70er Jahre wenig Zulauf hat. Öffentliche Wahrnehmung und die Rolle der Medien weisen ein ausgewogenes Meinungsbild auf, bedingt durch Transparenz, mehr Kontrollmechanismen und Transparenz in der Psychiatrie, was schlussendlich zu einer vollkommenen Anerkennung und Wertschätzung der Psychiatrie geführt hat.

Die Psychiatrie in ihrer heutigen Form ist als medizinische Disziplin unabdingbar. In Zeiten von Reizüberflutung, enormen Leistungsdruck, Interkulturalität und stetig steigenden Zahlen psychischer Erkrankungen, Depressionen und Thesen von burn-out-Berufen wie hohe Managerpositionen ist es weniger denn je sozial verachtet, psychiatrische Betreuung und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine absolute Anerkennung in allen gesellschaftlichen Schichten und Medien ist der Psychiatrie dennoch nicht zuzusprechen, der momentane Ist-Zustand ist jedoch weit fortschrittlicher, als Verurteilung und breite Ablehnung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gleichzeitig ist es aus der Sicht demographischer Entwicklungen erkennbar, dass die Zahl von Demenzerkrankungen in den kommenden Jahren ansteigen wird (vgl. DGPPN Broschüre „Beruf mit Zukunft“). Gleichzeitig, so F. Schneider, Präsident der DGPPN, gibt es aktuell Engpässe in der medizinischen Versorgung von psychiatrischen Patienten und „angesichts der zu erwartenden Entwicklung ist die Versorgung psychisch Kranker trotz des aktuellen Anstiegs der Zahl der beschäftigten bzw. spezialisierten Ärzte im Bereich der Psychiatrie und Psychotherapie bereits heute in Gefahr und für die Zukunft akut bedroht.“ (DGPPN Broschüre „Beruf mit Zukunft“ S.2). Während also die aktuelle Lage der psychiatrischen Versorgung problembehaftet ist, machen sich Experten des Faches vor allem um die Zukunftssicherung sorgen. Zur Sicherung und Ausweitung der Nachwuchsförderung widmet sich die Deutsch Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie verschiedenen und Projekten, um in der Zukunft weiterhin und vermehrt junge Mediziner während und nach ihrem Studium für den Fachbereich der Nervenheilkunde und Psychiatrie zu gewinnen. Als Beispiel sei das „Young Psychiatrists“ Programm zu nennen (vgl. DGPPN Broschüre „Beruf mit Zukunft“).

Die aktuelle Situation, sowie Tendenzen und Zukunftsaussichten, rund um das Studienfach der Humanmedizin, den Arztberuf und folgend spezieller im Bereich der Nervenheilkunde und Psychiatrie lässt sich kurz mit einigen Zahlen verdeutlichen. In den letzten 15 Jahren sank die Zahl der Studierenden der Humanmedizin um 16,6% (1993: 90.594 Studierenden, 2007: 75.555 Studierende), wenngleichüber einen Zeitraum der letzten zehn Jahre betrachtet die Aufnahmezahlen im Studienfach konstant gering waren. Der Berufszweig scheint an Attraktivität für junge Menschen zu verlieren: 1991 waren es 27% der Ärzte, die jünger als 35 Jahre waren – vierzehn Jahre später lag dieser Anteil bei knapp 15% (vgl. Bundesärztekammer, Ärztestatistik, 2008).

Die DGPPN führte gemeinsam mit dem Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) und dem Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP) 2009 eine Umfrage mittels Fragebögen durch, um die gegenwärtige Situation der Balance zwischen Betten/Patienten psychiatrischer Behandlung und verfügbaren Fachkräften, sowie Bedarf an Weiterbildungsassistenten mittels offener Stellen verschiedener Abteilungen, Fachkrankenhäuser und Universitätskliniken zu charakterisieren. Nach eigener Aussage der DGPPN lässt sich eine Repräsentativität dieser Umfrage konstatieren. Von Interesse ist unter anderem die folgende Aussage: „2008 hatten 44,5 % der Kliniken offene Stellen, 2009 waren es 55,0 %. Insgesamt wurden von den teilnehmenden Kliniken im Jahr 2008 213 und im Jahr 2009 295 offene Stellen für Weiterbildungsassistenten angegeben. 2008 waren 88 Ober- und Facharztstellen nicht besetzt, 2009 waren es 106 Stellen.“ (DGPPN Broschüre „Beruf mit Zukunft“, S. 8). Die Stellenbesetzung und der Bedarf an Oberärzten und Facharzt- bzw. Weiterbildungsassisten unterliegen einem Trend, dass der Bereich der Nervenheilkunde und Psychiatrie an Interesse für junge Mediziner verliert. Daraus resultiert, wie von Schneider angesprochen, ein Nachwuchsproblem.

Um den Rahmen dieser Arbeit zu gewährleisten sei nur kurz darauf eingegangen, welche Faktoren die aktuelle und zukunftsperspektivische Lage des Faches und Arbeitsmarktes der Psychiatrie definieren. Laut Hochrechnungen der Weltgesundheitsorganisation kommen im Jahr 2030 in den industrialisierten Ländern fünf der zehn mit den stärksten Beeinträchtigungen verbundene Erkrankungen aus dem psychiatrischen Bereich. Es resultiert also ein höhere Bedarf an Fachkräften, der, gekoppelt mit der Nachwuchsproblematik, Probleme birgt (vgl. DGPPN Broschüre „Beruf mit Zukunft“). „Vor allem die ambulante und stationäre Klinikversorgung in ländlichen Regionen sowie insbesondere den neuen Bundesländern ist zunehmend gefährdet“ (DGPPN Broschüre „Beruf mit Zukunft“, S. 25 f.). Alleine einflussreiche Faktoren wie Finanzierungen von Fortbildungen und Weiterbildungen, Familienfreundlichkeit, Forschungsmöglichkeiten, Finanzielle Anreize oder auch Beförderungsaussichten gestalten die Analyse der aktuellen Situation enorm umfangreich und es ließe sich alleinüber Anreize und Motive des Psychiaterberufes ganze wissenschaftliche Arbeiten füllen.

Resümierend lässt sich ein Nachwuchsproblem der Nervenheilkunde und Psychiatrie herauskristallisieren, was die Fragestellung nach Gründen für diesen Tatbestand aufwirft. Es besteht Interesse daran, weshalb sich Studienabsolventen der Humanmedizin für diesen speziellen Berufszweig entscheiden – oder eben nicht.

2. Methodik

2.1 Wahl des Erhebungsinstrumentes

In der Empirie der Sozialforschung ist die Wahl der Methodik und des Forschungsdesigns von eklatanter Bedeutung, denn durch diese wird der Ertrag der Ergebnisse maßgeblich beeinflusst. Jede spezielle Forschungsfrage verlangt nach einer anderen Methodikwahl.

In der Historie der Sozialforschung und Soziologie gibt es bezüglich der Methodik vor allem eine Debatte, die ständig neu eröffnet und für Kontroversen sorgt: quantitative vs. qualitative Methoden. Diese beiden methodologischen Forschungsstränge werden oft als „verfeindet“ dargestellt und aus den jeweiligen Lagern hallt dem Gegenüber harsche Kritik entgegen. Die qualitative Methodik wird mit unkontrollierbarem Subjektivismus und Wissenschaftslosigkeit charakterisiert, in der lediglich ‘common sense‘ reproduziert werde (vgl. Buchmann und Gurny 1984: 780), während die quantitative Sozialforschung Eigenschaften der Irrelevanz, Ungültigkeit und Nichtbeachtung der Kontextbestimmtheit sozialen Handelns inne haben. Gleichzeitig muss jedoch angemerkt werden, dass, trotz aller Differenzen, Sozialforscher immer häufiger beide Seiten der Methodik mit einbeziehen und zu kombinieren versuchen, wie z.B. Jost Krippendorf 1987. Man kann es als Qualitätsmerkmal der Wissenschaft bezeichnen, dass Differenzen und Konflikte schlussendlich zu neuen Erkenntnissen und Forschungsmethoden führen können. Kritik sollte nicht generalisiert als negativ bewertet werden und so obliegt schlussendlich immer noch dem Sozialforscher selbst, wie er seine jeweilige Forschungsfrage angeht und der Rahmen der Möglichkeiten ist breit gefächert.

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Wahl zur Facharztausbildung zum Psychiater oder Psychotherapeuten. Praktische Durchführung eines narrativen Interviews
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,3
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V352666
ISBN (eBook)
9783668390980
ISBN (Buch)
9783668390997
Dateigröße
866 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychiatrie, Psychiater, Psychotherapeut, Interview, Beruf, Medizin
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Die Wahl zur Facharztausbildung zum Psychiater oder Psychotherapeuten. Praktische Durchführung eines narrativen Interviews, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352666

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