Jugendkulturen und Jugendschutz. Am Beispiel der Hip Hop und Rap Kultur


Referat (Ausarbeitung), 2016

17 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Jugendkulturen
1.1 Definition
1.2 Jugendkulturen in Deutschland- Ein historischer Einblick
1.3 Zusammenfassung

2. Hip Hop- ein Beispiel heutiger Jugendkulturen
2.1 Begriffsklärung
2.2 Geschichte der Hip Hop Kultur
2.3 Hip Hop in Deutschland: Vom Ursprung zur Neuzeit
2.4 Eine ganz besondere Kultur: Gangster- Rap

3. Ein Blick auf den Jugendschutz

4. BPjM- Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien
4.1 Das Indizierungsverfahren- Rechtliche Hintergründe
4.2 Jugendgefährdende Tatbestände
4.3 Angebote der BPJM

5. Fazit

Einleitung

Die folgende Arbeit befasst sich zum einen mit dem Thema Jugendkulturen, im Speziellen der Hip Hop Kultur. Zum anderen wird der Frage nachgegangen, welche Rolle der Kinder- und Jugendschutz bei diesem Thema spielt.

Anlass für die Themenwahl ist ein Beispiel aus der Praxis: Ich absolviere das studienbegleitende Praktikum in einem offenen Kinder- und Jugendtreff in Hamburg, dem HOT (Hohnerkamp Offener Treff). Unsere Besucherinnen und Besucher sind zwischen acht und 18 Jahren. Die Kerngruppe besteht zurzeit aus Acht- bis 12- Jährigen.

Es gehört zum normalen Treffalltag dazu, dass die Kinder und Jugendlichen auf ihren Smartphones Musik hören und Musikvideos ansehen. Solange dies von der Lautstärke andere Treff Besucher nicht stört, ist das auch legitim. Seit einiger Zeit jedoch werden vermehrt Musiktitel aus dem Bereich des Gangster- Raps abgespielt und sowohl Besucherinnen und Besucher als auch die Mitarbeiter wurden mit Texten konfrontiert, die inhaltlich sehr kritisch zu betrachten sind.

Zunächst haben wir uns bei den Hörerinnen und Hörern nach den Interpreten erkundigt, um eine Vorstellung davon zu bekommen, welche Künstler den Einzug in unseren Treff genommen haben. Bei einer Teamsitzung haben wir uns dann mit Textbeispielen dieser Rapper befasst und vorerst ein Verbot ausgesprochen, diese Musiktitel oder Videos im HOT abzuspielen. Es ist offensichtlich, dass dies keine dauerhafte Lösung darstellt, da sich die Kinder und Jugendlich einfach vor den Treff stellen und sich dieser Musik widmen. Des Weiteren haben bereits viele unserer Besucherinnen und Besucher den dort vorliegenden Sprachgebrauch zu ihrem gemacht und behaupten sich mit Verhaltensweisen, die ihnen ihre musikalischen Vorbilder geben.

Die gemeinsamen Textanalysen haben deutlich gezeigt, dass wir Mitarbeiter uns intensiv mit dem Thema befassen müssen. Es geht um die Kenntnisnahme, welche Künstler zurzeit „in“ sind, welche Botschaften sie in ihren Texten transportieren und welcher Sprache sie sich bedienen. Weiterführend ist es von großer Bedeutung, dass wir Pädagogen verstehen lernen, warum genau diese Art von Musik bei unseren Besucherinnen und Besuchern so beliebt ist. Und angelehnt an unseren sozialarbeiterischen Auftrag, müssen wir Handlungsstrategien erarbeiten, welche sich zum einen medienpädagogisch und entwicklungsfördernd auf die Kinder und Jugendlichen auswirken und sich zum anderen auch an unseren Auftrag des Kinder- und Jugendschutzes halten.

Diese Arbeit stellt also nicht nur eine Prüfungsleistung im Rahmen meines Studiums dar, sondern ist auch die Grundlage für unsere Teamarbeit zum Thema Gangster- Rap und Jugendschutz.

1. Jugendkulturen

1.1 Definition

Eine Jugendkultur ist eine Verbindung von Gleichaltrigen. Der Ausgangspunkt dieser Verbindung ist in der Regel in der Orientierung an einer bestimmten Musik- oder Moderichtung zu finden. Die Interaktion innerhalb einer Jugendkultur fällt den Jugendlichen leichter als zu anderen Personenkreisen, da sie ein hohes Maß an Gleichheit in ihrer Kultur erleben. Sie treffen in der Jugendkultur auf Menschen, die gleiche Handlungsmuster und Realitätsinterpretationen haben. Eine Jugendkultur entwickelt eigene Werte und Normen, die verfolgt werden und sich deutlich von denen der Erwachsenen unterscheiden. Somit ist eine Jugendkultur auch eine Abgrenzungsmöglichkeit von der Erwachsenengesellschaft. (vgl. Peschke 2010, Pos.352- 377)

„Wer sich in einer Jugendkultur organisiert, orientiert sich gerade nicht an den durch die Schule vermittelten Bildungsgütern, sondern an Maßstäben und Materialien, die außerhalb der Schule produziert werden: Rock und Pop, Mode, Konsum, alternative Lebensformen, alles getragen und bearbeitet in erster Linie durch Medien als vermittelnder Instanz, gerade nicht durch Familie und/oder Schule.“ (zit. Baacke 1999, S. 143)

1.2 Jugendkulturen in Deutschland- Ein historischer Einblick

Die sogenannten Jungdeutschen[1] und die Burschenschaften[2] von 1871 bis 1920 können aus heutiger Sicht als Vorboten der Jugendkulturen betrachtet werden. Anfang des 19. Jahrhunderts entstand die Jugendbewegung der Wandervogel[3], deren Konstrukt dem Gesamtgesellschaftlichem widersprach und neue Orientierungsmöglichkeiten für Jugendliche bot. 1920 entstanden die ersten Wilden Cliquen[4], ihnen gehörten größtenteils Arbeitslose und sogenannte unqualifizierte Jugendliche an.

Alle bis hierher entstandenen Jugendbewegungen wurden mit der Einführung der Hitlerjugend[5] und dem Bund deutscher Mädel[6] im Jahr 1933 abgelöst bzw. verboten.

Nach diesen Vorläufern wird der eigentliche Ursprung der Jugendkulturen in den 1950er Jahren gesehen, Vorreiter war hier die Halbstarkenbewegung[7]. In dieser Zeit wurden Bereiche wie Kunst, Musik, Medien und Sport zu Schlüsselobjekten für die individuelle Identifizierung. Auch das optische Erscheinungsbild, Kleidung und Frisuren erhielten einen neuen Stellenwert. Besonders aus dem Bereich der Popmusik entwickelten sich Künstler wie Elvis Presley zu Vorbildern, dessen Musik zum Ausdrucksmedium der Teenager wurde.

In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelten sich zwei starke Kulturen, die der damaligen Auffassung Jugendkultur als Gegenkultur zu verstehen, total entsprachen: Die 68er Bewegung[8] und die Hippie- Kultur[9]. Begleitet von zahlreichen anderen Bewegungen wie zum Beispiel der Jugenzentrumsbewegung[10], sorgten diese Jugendkulturen in den 1960er und 1970er Jahren für ein Umdenken in Bezug auf Jugend und Jugendkulturen. Sie wurden fortan nicht mehr als einheitlicher Zustand einer bestimmten Altersgruppe, sondern als vielschichtiges und facettenreiches System angesehen.

Drohende Arbeitslosigkeit und erhöhte Zukunftsbelastungen führten Ende der 70er bzw. Anfang der 80er Jahre bei zahlreichen Jugendlichen zu einem perspektivlosen Lebensgefühl. Viele von ihnen fanden Halt in einer Jugendkultur wie den Punks[11] oder den Hausbesetzern[12].

Im Laufe des 20. Jahrhunderts haben sich Jugendkulturen stark vermehrt, heute ist es selbst Fachleuten kaum möglich die Vielfalt dessen zu überblicken. Besonders im Bereich Musik lassen sich heute vielzählige Jugendkulturen wie z.B. die Hip Hopper bzw. Rapper[13] als weitverbreitete Kulturen finden. (vgl. Peschke 2010, Pos. 449- 566)

1.3 Zusammenfassung

Jugendkulturen der heutigen Zeit unterscheiden sich sicherlich von den Früheren. Sie sind häufig losgelöst von der rein politischen Motivation, sie stehen jedem offen, da sie in der Regel unabhängig von sozialen Schichten und Milieus existieren. Dennoch dienen Jugendkulturen bis heute der Abgrenzung, Orientierung und dem Ausdruck bestimmter Lebens- bzw. Gefühlslagen der Jugendlichen.

Rituale, ein bestimmter Kleidungsstil, eine Szenesprache und das Aufeinandertreffen Gleichgesinnter bietet den Jugendlichen, neben Schule und Familie, eine wichtige Instanz, um sich in der Identitätsentwicklung orientieren und entfalten zu können. Jugendkulturen heute haben eher einen gewissen Selbstzweck, als dass es darum geht, gegen etwas anderes zu demonstrieren. (vgl. Peschke 2010, Pos.585-595)

2. Hip Hop- ein Beispiel heutiger Jugendkulturen

2.1 Begriffsklärung

Der Begriff Hip Hop bezeichnet eine weltweit verbreitete Subkultur, der sich auch zahlreiche Jugendliche anschließen. Die Kultur entwickelte sich in den 70er Jahren in den USA und war einst eine maßgebliche Straßenkultur. Die Hip Hop Kultur besteht aus vier tragenden Elementen: Dem DJing, dem B-Boying bzw. Breakdance, dem Graffiti- Writing und der Rap Musik.

Der Rap ist also eine Säule der Hip Hop Kultur, wobei im Rahmen der Kommerzialisierung der Fokus auf diesem musikalischen Sprechgesang liegt und häufig als Hauptelement oder sogar als eigene Kultur angesehen wird. Die Ursprünge des Rappens werden auf die afro- amerikanische Kultur zurückgeführt. Heute haben sich auch zahlreiche deutsche Künstler mit dem rhythmischen Sprechgesang in der Musikszene etabliert. Allerdings haben sich auch einige Untergruppen des ursprünglichen Raps gebildet, so zum Beispiel der Gangster- und Porno- Rap. Diese Formen müssen von der Ursprungsform abgegrenzt werden, da sie sich in sehr kritisch zu betrachtender Form mit politischen, sozialen und gesellschaftlichen Themen befassen. (vgl. http://www.plasticlittleraps.com/de/unterschiede-zwischen-rap-und-hip-hop.html)

2.2 Geschichte der Hip Hop Kultur

Als Ursprungsort der Hip Hop Kultur gilt der New Yorker Stadtteil South Bronx. Der soziale Verfall und die Kriminalität prägten Ende der 1970er Jahre das Straßenbild dieses Stadtteils. Afrika Bambaataa war es, der den Hip Hop maßgeblich prägte. Als Vorreiter durchbrach dieser Künstler die vorherrschenden Zustände, in denen Konflikte unter den Straßengangs ausschließlich durch Schießereien und Gewalt gelöst wurden. Der von ihm geschaffene Battle Rap sollte die neue, gewaltfreie Bewältigung der Gangrivalitäten darstellen. Dieser Battle Rap unterlag zwei klaren Regeln: Rassistische Äußerungen und Beleidigungen gegenüber der Familie waren verboten. Ansonsten konnten die rivalisierenden Rapper in Form von Beleidigungen den Anderen bekämpfen, das sogenannte dissen. Das Publikum entschied darüber, wer diesen Kampf am Ende gewann. Anfang der 80er Jahre traf diese urige Straßenkultur auf die Kommerzialisierung. Die ersten Schallplatten des Battle Raps wurden aufgenommen. Und bereits zu diesem Zeitpunkt war es eine große Herausforderung, fern ab vom Straßenbattle, eine klare Grenze zwischen Gewalt- und Straftatenverherrlichung und Sozialkritik zu ziehen, da dem Hörer die Texte fern ab des eigentlichen Kontextes begegneten. (vgl. Klein/ Friedrich 2003, S. 7-17)

[...]


[1] Jungdeutscher Bund: „1917/19 als Älterengruppe gegründeter, völkisch gesinnter Jugendbund; löste sich am 1. 1. 1930 auf.“ (zit. http://universal_lexikon.deacademic.com/257417/Jungdeutscher_Bund)

[2] Burschenschaften: Die Urburschenschaft wurde 1815 gegründet; Protagonisten der Idee, alle Studenten zu einer Burschenschaft zusammen zu führen, war z.B. Ernst Moritz Arndt (deutscher Schriftsteller/ Historiker;*1769auf Rügen) (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Burschenschaft)

[3] Wandervogelbewegung: „Hauptbestandteil einer sich am Anfang des Jahrhunderts im Kaiserreich herausbildenden eigenständigen Jugendbewegung, die eine von der älteren Generation unabhängige, jugendspezifische Lebensform anstrebte. Ab 1904 bildeten sich über das ganze Deutsche Reich verbreitet verschiedene Wandervogel-Bünde.“ (zit. https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/alltagsleben/wandervogelbewegung.html)

[4] Wilde Cliquen: Besonderes Kennzeichen, ihr nicht uniformiertes Auftreten; Mitglieder stammten aus Arbeiterfamilien. (vgl. http://www.jugend1918-1945.de/thema.aspx?s=1630&m=1629&open=1630)

[5] Hitlerjugend: Die Jugend- und Nachwuchsorganisation der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei; ab 1933 einziger, staatlicher Jugendverbund. (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hitlerjugend)

[6] Bund deutscher Mädel: weiblicher Gegenpart zur Hitlerjugend. (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_Deutscher_M%C3%A4del)

[7] Halbstarkenbewegung: Inspiriert von Trends aus Amerika trugen sie Jeans und Lederhosen. Ihr Aussehen und ihr Benehmen sorgten für Aufsehen. (vgl. http://lehrerfortbildung-bw.de/allgschulen/alle/jugendidole/sequenz/zeitung/fans/kultur/)

[8] 68er-Bewegung: „Internationale und politisch linksgerichtete Bürgerrechtsbewegungen, die Mitte der 1960er Jahre aktiv geworden sind.“ (zit. https://de.wikipedia.org/wiki/68er-Bewegung)

[9] Hippie- Kultur: Gegenkulturelle Jugendbewegung; entstanden in den USA; geprägt von gemeinschaftlichen Konzepten und Selbstverwirklichung. (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hippie)

[10] Jugendzentrumsbewegung: Das Bedürfnis der Jugend nach selbstverwalteten Räumen findet seinen Ausdruck in dieser Bewegung. (vgl. http://www.ebbe-koegel.de/revoludsjo.html)

[11] Punk: „Eine Jugendkultur, die Mitte der 1970er Jahre in New York und London entstand. Charakteristisch für den Punk sind provozierendes Aussehen, eine rebellische Haltung und nonkonformistisches Verhalten.“ (Zit. https://de.wikipedia.org/wiki/Punk)

[12] Hausbesetzerbewegung: politischer Protestakt gegen das bestehende System, aufgrund von Wohnungsmangel, Arbeitslosigkeit und Abgrenzung vom politisch, wirtschaftlichen Gesellschaftsstrom. (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hausbesetzung)

[13] Auf diese Jugendkultur wird im folgenden Kapitel näher eingegangen, als exemplarische Jugendkultur der heutigen Zeit.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Jugendkulturen und Jugendschutz. Am Beispiel der Hip Hop und Rap Kultur
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,3
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V352672
ISBN (eBook)
9783668389687
ISBN (Buch)
9783668389694
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jugendkulturen, jugendschutz, beispiel, kultur
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Jugendkulturen und Jugendschutz. Am Beispiel der Hip Hop und Rap Kultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352672

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