Schüler testen vegetarische Brotaufstriche. Eine Möglichkeit für den handlungsorientierten Unterricht in der Grundschule?


Examensarbeit, 2014
60 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ernährungsphysiologische Bedeutung vegetarischer Brotaufstriche
2.1 Empfehlungen für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen des Forschungsinstituts für Kinderernährung Dortmund
2.2 Empfehlungen für ein gesundes Frühstück für Kinder und Jugendliche des Forschungsinstituts für Kinderernährung Dortmund
2.3 Ernährungsphysiologische Bedeutung

3. Das Marktangebot vegetarischer Brotaufstriche für Kinder
3.1 Marktangebot
3.2 Die Bio-Siegel im Überblick
3.3 Design

4. Vegetarische Brotaufstriche im Vergleich bei "Öko-Test"

5. Warentest im handlungsorientierten Unterricht
5.1 Handlungsorientierter Unterricht
5.2 Warentest als Unterrichtsmethode
5.3 Unterrichtsskizze
5.4 Didaktische Analyse
5.5 Methodische Analyse
5.6 Dokumentation des Unterrichts
5.7 Reflexion und Auswertung des Unterrichts

6. Schluss

7. Quellenverzeichnis

8. Anhang
8.1 Exemplarische Auszüge der ausgefüllten Testbögen
8.2 Exemplarische Auszüge der Evaluationsbögen

1. Einleitung

Wir leben heutzutage in einer Gesellschaft, die in allen Bereichen des Verkaufs und Erwerbs ein überdimensionales Warenangebot bietet. Der Verbraucher ist gezwungen, sich in dieser Vielzahl an Angeboten zu recht zu finden und sich zu entscheiden. Die individuelle Konsumentscheidung kann willkürlich stattfinden oder bewusst und verantwortungsvoll gefällt werden. Wirft man einen Blick auf Konsumenten, stellt man fest, dass die meisten Entscheidungen spontan erfolgen und von visuellen Eindrücken abhängen. Auch der Preis und der Service spielen eine große Rolle. Doch wie häufig wird das Verbraucherverhalten von intensivem Vergleich gesteuert?

Kinder und Jugendliche werden im Alltag von Werbung für Konsumgüter aller Art beeinflusst, zum Beispiel durch Internet, Zeitschriften und Fernseher.

Kinder und Jugendliche sind eine sehr attraktive Zielgruppe von Werbung für Konsumgüter aller Art. Die Kaufkraft der Kinder wird in Deutschland auf gut fünf Milliarden Euro geschätzt (vgl. Kölner Stadt-Anzeiger, 2013). Dabei werden die beworbenen Konsumgüter über alle Kanäle angepriesen, die von Jugendlichen genutzt werden (TV, Internet, Smartphone). Denn die leichte Beeinflussbarkeit und die hohe Kaufkraft sind ausschlaggebend dafür, dass Kinder so heftig umworben werden. Auch Zugehörigkeit und Trend spielen in dieser Altersgruppe eine größere Rolle, als bei Erwachsenen.

Warentest als Gegenstand im handlungsorientierten Unterricht hat das Ziel, Kindern und Jugendlichen eine verantwortungsbewusste und hinterfragende Konsumhaltung zu lehren. Junge Lerner sollen ein Bewusstsein dafür bekommen, was es für den Einzelnen und die Gesellschaft bedeutet, eine auf Werte gerichtete und verantwortungsvolle Konsumeinstellung zu vertreten. Dies soll durch einen im Unterricht durchgeführten Warentest geschehen.

Im Rahmen dieser Arbeit wurde eine Unterrichtsstunde entwickelt und durchgeführt, in der die Schülerinnen und Schüler einer vierten Klasse selbstständig einen Test für das Produkt, in diesem Fall vegetarische Brotaufstriche, entwerfen. Nicht nur Bewertungskriterien, sondern auch eine angemessene Bewertungsskala soll entwickelt werden, was eine intensive Auseinandersetzung mit der jeweiligen Produktgruppe voraussetzt. Anschließend werden die Brotaufstriche mit Hilfe der entwickelten Tests überprüft und ein Testsieger wird ermittelt. Der handlungsorientierte Unterricht hat hier den Vorteil, dass die Schülerinnen und Schüler selbstständig arbeiten und nicht von der Lehrperson Vorgegebenes verwenden müssen.

Zunächst wird untersucht, ob solche Warentests überhaupt brauchbar für den Unterricht an Grundschulen sind oder ob es noch zu früh ist, junge Kinder mit solch einer kritischen Haltung gegenüber Konsumgütern zu konfrontieren. Ein weiteres Ziel soll es nun sein, herauszufinden ob es für Grundschülerinnen und -schüler bereits eine Relevanz hat, oder ob bis zum höheren Alter die bereits genannten emotionalen Kaufgründe überwiegen.

In Kapitel 2 wird zunächst die ernährungsphysiologische Bedeutung vegetarischer Brotaufstriche und wie sie zu bewerten sind, geklärt. Es wird dargelegt, welche Gründe es für den Verzehr der Brotaufstriche zum Frühstück gibt und weshalb gerade für Kinder ein Frühstück so große Bedeutung hat. Hierfür werden die Empfehlungen des Forschungsinstituts für Kinderernährung aus Dortmund herangezogen. Nicht nur für die fleischlose Ernährung, auch für Nicht-Vegetarier haben sie ernährungsphysiologisch betrachtet diverse Vorteile. Ebenso werden Inhaltsstoffe, wie zum Beispiel der hohe Fettgehalt kritisch betrachtet.

Das dritte Kapitel befasst sich ausführlich mit dem Marktangebot der Aufstriche, insbesondere dem für Kinder. Auf die wichtigsten Bio-Siegel, die zum Großteil auf den Verpackungen zu sehen sind, wird ebenfalls eingegangen. Viele Verbraucher sind sich nicht im Klaren darüber, was sie bedeuten und wie sie sich unterscheiden. Anschließend werden Designunterschiede zwischen herkömmlichen Verpackungen der Aufstriche und speziellen Verpackungsdesigns von Kinderaufstrichen aufgeführt und näher beschrieben. Die Stiftung ÖKO-Test hat in einer ihrer Ausgaben eine Vielzahl vegetarischer Brotaufstriche getestet. Diese Ergebnisse und die Herangehensweisen der Stiftung werden in Kapitel 4 vorgestellt. Im Gegensatz zu den Geschmackstests, die mit den Schülerinnen und Schülern durchgeführt werden, werden die Aufstriche hier auf Schadstoffe und bedenkliche Inhaltsstoffe, sowie den Preis und den Energiegehalt geprüft.

Nachdem der Warentest von ÖKO-Test vorgestellt und erläutert wurde, wird in Kapitel 5 die Unterrichtseinheit an Hand der Unterrichtsskizze vorgestellt und mit didaktischen Überlegungen ergänzt. Es folgt die Dokumentation des Unterrichts, und die anschließende Reflexion, in der näher auf gelungene Aspekte und mögliche Verbesserungsvorschläge des Unterrichts eingegangen werden soll.

Im Fazit wird das Ergebnis des Unterrichts noch einmal zusammengefasst und die Frage ob Warentest als Unterrichtsmethode im handlungsorientierten Unterricht in der Grundschule in Frage kommt, beantwortet.

Des Weiteren wird ein Ausblick darauf gegeben, wie der Unterricht eventuell zu einer weit ausführlicheren Unterrichtseinheit ausgebaut werden kann und wie er auch fächerübergreifend in die Unterrichtsplanung eingebunden werden könnte.

Die Literaturauswahl zu diesem Thema ist stark begrenzt, da es eine nicht besonders populäre Unterrichtsmethode ist.

2. Ernährungsphysiologische Bedeutung vegetarischer Brotaufstriche

Im folgenden Kapitel soll ein Überblick über die optimale Nährstoffzufuhr bei Kindern gegeben werden. Es werden die Empfehlungen des Forschungsinstituts für Kinderernährung Dortmund aufgegriffen und erläutert. Anschließend wird näher auf die Bedeutung eines gesunden Frühstücks eingegangen, zu welchem die in dieser Arbeit behandelten Brotaufstriche verzehrt werden können. Auch deren ernährungsphysiologische Bedeutung wird mit näherem Blick auf die Inhaltsstoffe dargelegt.

2.1 Empfehlungen für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen des Forschungsinstituts für Kinderernährung Dortmund

Im Jahr 2005 hat das Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund“ (FKE) zum ersten Mal das Informationsheft „Empfehlungen für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen“ herausgebracht. Der Inhalt dieses Heftes stützt sich in wesentlichen Punkten auf die DONALD-Studie. DONALD steht für die Dortmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed Study (vgl. Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund 2012, 4) und ist eine Langzeitstudie, die Korrelationen von Ernährung, Stoffwechsel und Wachstum von Kindern und Jugendlichen untersucht. ”'Ein wichtiges Ergebnis dieser Kombination zwischen Wissenschaft & Praxis ist die Optimierte Mischkost optimiX®‘[1], ein Konzept für eine gesunde Ernährung von Kindern, Jugendlichen und Familien ” (Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund 2012, 4). Dieses wird in der Broschüre vorgestellt. Ferner geben die Herausgeber Antworten auf häufig gestellte Fragen von Eltern oder Lehrerinnen und Lehrern, die sich mit dem Thema Ernährung beschäftigen. Neben Tipps für die praktische Umsetzung enthält die Broschüre einen beispielhaften Speiseplan eines Kindes für den Zeitraum von einer Woche, nach dem sich Eltern, Lehrerinnen und Lehrer richten können.

OptimiX® ist darauf bedacht, alle von Kindern und Jugendlichen benötigten Nährstoffe und Energie in Form von Kalorien zu liefern. "Das Besondere der Optimierten Mischkost ist, dass hier nicht Empfehlungen für einzelne Mahlzeiten, wie das Frühstück oder für einzelne Lebensmittelgruppen [...] gegeben werden. Es handelt sich vielmehr um ein Konzept für die gesamte Tagesernährung" (Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund 2012, 5).

Eine wesentliche Absicht der optimierten Mischkost ist, dass sie gut schmeckt und für Kinder ansprechend ist. Durch diese Ernährungsweise werden Krankheiten, die aufgrund übermäßigen und ungesunden Lebensmittelkonsums entstehen können, vorgebeugt. Erkrankungen wie Adipositas, Herz-Kreislauf-Störungen, Typ2 Diabetes Mellitus, die häufig Folgen schlechter sowie unausgewogener Ernährung sind, werden durch optimiX® dezimiert (vgl. Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund 2012, 5).

Bereits bei Kleinkindern ab etwa einem Jahr kann die Ernährung nach der optimierten Mischkost gerichtet werden, was besonders vorteilhaft ist, da sich Kinder so sehr früh an ein gesundes und ausgewogenes Essverhalten gewöhnen.

Ausgangspunkt und Orientierung für alle Mahlzeiten sind die drei Regeln der Optimierten Mischkost:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1

"Die Grafik verdeutlicht die empfohlenen Mengenverhältnisse der Lebensmittelgruppen. Je länger der Balken, desto mehr kann von diesen Lebensmitteln gegessen werden" (Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund 2012, 7).

Mengenverhältnisse der Lebensmittelgruppen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2

Größe, Alter und der persönliche Energiebedarf des Kindes entscheiden hier über die jeweilige Menge der Lebensmittel aus den unterschiedlichen Bereichen.

Ebenso sollte bei der Auswahl der Art der Lebensmittel und der Menge auch die körperlichen Aktivitäten der betreffenden Person berücksichtigt werden. Ein Kind, welches regelmäßig Sport treibt, hat einen höheren Energiebedarf, als ein Kind, das sich selten sportlich betätigt.

Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Mahlzeiten verhindern einen Abfall der Leistungskurve, die besonders bei jungen Schülerinnen und Schülern, vor allem in der Schule, konstant bleiben und nicht durch zu große Abstände zwischen den Mahlzeiten zum Sinken gebracht werden sollte. Hält man sich an die Vorgaben der optimierten Mischkost, sollten insgesamt fünf Mahlzeiten am Tag eingenommen werden: Zwei kalte Hauptmahlzeiten, eine warme Hauptmahlzeit und zwei Zwischenmahlzeiten (vgl. Institut für Kinderernährung Dortmund 2012, 10). Dazu wurden die sogenannten

"Mahlzeitenpyramiden" (Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund 2012, 10) entwickelt, die vorgeben, bei welcher Mahlzeit welche Lebensmittel in welcher Menge verzehrt werden sollten.

morgens & abends

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3

Die kalten Hauptmahlzeiten sind für das Frühstück und das Abendessen vorgesehen. Mengenmäßig sollten Milch und Milchprodukte laut der Pyramide den größten Anteil bilden. Obst, Gemüserohkost, ein Müsli oder ein belegtes Brot können die Mahlzeit ergänzen. Wurst und Käse sollten in kleinen Mengen verzehrt werden (vgl. Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund 2012, 11).

mittags

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.4

Zum Mittagessen wird laut den Vorgaben der optimierten Mischkost eine warme Speise zu sich genommen. Wie der Pyramide (Abb. 4) zu entnehmen ist, sollte diese Mahlzeit aus Kartoffeln, Reis oder Nudeln bestehen. Dazu sollte es reichlich Gemüse und Salat geben. Das Forschungsinstitut für Kinderernährung empfiehlt für Kinder Fleisch als Beilage nur etwa drei Mal in der Woche (vgl. Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund 2012, 11), weshalb ersatzweise möglichst mineral- und ballaststoffreiche Hülsenfrüchte oder Getreideprodukte verzehrt werden sollten.

vormittags & nachmittags

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.5

Die zwei Zwischenmahlzeiten bestehen hauptsächlich aus Obst und Gemüse, wie zum Beispiel Äpfel und Mandarinen oder aus einem Vollkombrötchen mit einem Glas Saft dazu (vgl. Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund 2012, 11). Zu allen Mahlzeiten und auch zwischendurch sollte ausreichend getrunken werden. Hierfür eignen sich besonders Wasser und ungesüßter Tee, da sie kalorienarm sind. Sie sollten deshalb immer, auch zwischen den Mahlzeiten, verfügbar sein.

Ein Sonderfall sind die Familien, die sich ausschließlich vegetarisch ernähren.

Bei vegetarischer Ernährung wird auf den Konsum von Fleisch und Wurst gänzlich verzichtet, was bei veganer Ernährung noch strikter eingehalten wird. Hier wird auf tierische Produkte, wie Eier oder Milch und deren Folgeprodukte, vollständig verzichtet.

Die laktovegetabile Ernährung ist eine spezielle Form des Vegetarismus. "Bei dieser Form der Ernährung stehen auch einige Lebensmittel tierischer Herkunft wie Milch, Milcherzeugnisse und Honig aber keine Eier auf dem Speiseplan." (Massholder, o.J.).

Als omnivore Esser bezeichnet man die Personen, die alle tierischen und pflanzlichen Lebensmittel verzehren, und auf nichts verzichten.

"Bei einer laktovegetabilen Ernährung kann der Energie- und Nährstoffbedarf in der Regel ohne Probleme gedeckt werden. Gegenüber den sogenannten Omnivoren haben diese Vegetarier sogar oft den Vorteil einer niedrigeren Zufuhr von Fett und Cholesterin, während die Zufuhr von Kohlenhydraten, Ballaststoffen, einigen Vitaminen und Mineralstoffen höher ist" (Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund 2012, 28-29).

Das Forschungsinstitut sieht also keinerlei Hinweis auf mögliche Nachteile einer vegetarischen Ernährung.

2.2 Empfehlungen für ein gesundes Frühstück für Kinder und Jugendliche des Forschungsinstituts für Kinderernährung Dortmund

Im Hinblick auf vegetarische Brotaufstriche, die vor allem beim Frühstück ein Wurstersatz sein können und bei dieser Arbeit im Mittelpunkt stehen, werden im Folgenden die grundsätzlichen Punkte eines gesunden und ausgewogenen Frühstücks nach optimiX® vorgestellt. Weiterhin wird auf die ernährungsphysiologische Bedeutung verschiedener vegetarischer und nicht-vegetarischer Brotaufstriche eingegangen.

Die eigens hierfür vom Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund herausgegebene Broschüre erklärt, weshalb Frühstück für Kinder einen hohen Stellenwert haben sollte und worauf es beim Frühstück nach dem Konzept von optimiX® ankommt.

Über Nacht leeren sich die Nährstoffvorräte im Körper und können durch ein ausgewogenes Frühstück wieder aufgefüllt werden. "Ohne Frühstück entsteht im Körper eine Nährstoff­Lücke, die im Laufe des Tages meist nicht mehr aufgefüllt wird" (Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund 2012,6). Schulkinder, die ohne Frühstück den Tag beginnen, sind durch die leeren Nährstoffspeicher oft unkonzentriert, können nicht die volle Leistung erbringen und lassen sich durch das Hungergefühl leichter ablenken (vgl. Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund 2012).

Ein ausgewogenes Frühstück führt nicht nur zu einer verbesserten geistigen Leistungsfähigkeit, sondern trägt auch zur Erhaltung beziehungsweise zum Erreichen des Optimalgewichtes bei. Lässt man das Frühstück aus, führt dies häufig zu unkontrollierten Heißhungerattacken, die durch die Unterversorgung mit Nährstoffe entstehen können.

Das "Frühstücks-Zweimaleins" (Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund 2012, 8) nach optimiX® sieht von den fünf Mahlzeiten am Tag zwei für das Frühstück vor. "Zwei Frühstücksmahlzeiten belasten das Verdauungssystem weniger und der Blutzuckerspiegel bleibt stabiler als bei einer üppigen Mahlzeit. Auf diese Weise schwankt die Leistungsfähigkeit weniger, und die Müdigkeit verschwindet" (Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund 2012, 8).

Die grafische Darstellung in Form von Mahlzeitenpyramiden veranschaulicht, in welchen Anteilen welche Lebensmittel beim Frühstück zu sich genommen werden sollten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7

Beim ersten Frühstück nehmen nach optimiX® Milch oder Milchprodukte den größten Teil ein. Diese können mit Obst und Gemüse kombiniert werden, zum Beispiel in Form eines Müslis mit Haferflocken zusammen mit Obst.

"Das zweite Frühstück soll das erste Frühstück in Bezug auf die Nährstoffzufuhr ergänzen. Wurde z.B. mit dem ersten Frühstück wenig Calcium aufgenommen, ”[...] so müssen nun calciumreiche Lebensmittel [...] ausgewählt werden” (Schlieper 2011, 134).

Zum Brot können verschiedene Brotaufstriche gewählt werden, die als Ersatz für fetthaltige Wurst oder Käse dienen können. Die Auswahl beim Brot ist sehr wichtig. Hier sollte anstatt zu hellem Weizenbrot lieber zu Vollkornbrot gegriffen werden. "Vollkornbrot wird aus mindestens 90 Prozent Roggen- und Weizenvollkornerzeugnissen in beliebigem Verhältnis zueinander hergestellt. Die zugesetzte Säuremenge stammt zu mindestens zwei Dritteln aus Sauerteig” (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, 2005).

Der ernährungsphysiologische Vorteil bei Vollkornbrot ist der höhere Eiweißgehalt, der höhere Ballaststoffgehalt und der höhere Vitamin- und Mineralstoffgehalt (vgl. Schlieper 2011, 38).

2.3 Ernährungsphysiologische Bedeutung

Die durchschnittliche Nährstoffzufuhr an einem Tag sollte nach der "Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V." bei Kindern im Alter von 7 bis unter 10 Jahren wie folgt aussehen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8

Wirft man nun einen Blick auf die Nährwertangaben vegetarischer Brotaufstriche, so sind enorme Unterschiede bei den jeweiligen Inhalten zu erkennen. Im Nachfolgenden sollen die Inhaltsstoffe in Beziehung zur empfohlenen Tagesmenge gesetzt werden.

Mit bis zu circa 11,5 g Fett pro Portion (vgl. Tartex + Dr.Ritter GmbH, 2013) haben die vegetarischen Gemüseaufstriche ähnliche Werte wie der Nussnougataufstrich Nutella der Marke Ferrero, der sich auf circa 7,8 g Fett pro Portion[2] beläuft (vgl. Ferrero Deutschland GmbH, 2012).

Erdnussbutter hat im Durchschnitt einen Fettgehalt von 12,5 g pro Portion (vgl. Stefanie C. Poplutz, o.J.), was ein relativ hoher Wert ist, wenn man die benötigte Menge Fett pro Tag von unter 70 g dazu im Verhältnis betrachtet.

Dieser hohe Fettgehalt hat seine Ursache im Hauptbestandteil der Gemüseaufstriche, dem Sonnenblumenöl, sowie ebenso fetthaltigen Sonnenblumenkernen, welche die am häufigsten verwendeten Zutaten bei diesen Aufstrichen darstellen. Diese Fette sind allerdings sehr reich an ungesättigten Fettsäuren, die lebensnotwendig sind und vom Körper leichter verdaut werden können. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren, wie sie vor allem im Sonnenblumenöl vorkommen, kann der Körper selbst nicht herstellen. Die einfach ungesättigten Fettsäuren ”[...] benötigen wir für die Funktion unserer Zellmembran” (Rau, o.J.). Sie wirken sich zudem positiv auf den Fettstoffwechsel aus. Gesättigte Fettsäuren kommen in allen tierischen Lebensmitteln vor und dienen hauptsächlich als Energielieferant. Allerdings sind sie für den Cholesterinwert nicht gut, da er durch gesättigte Fettsäuren ansteigt, was als dauerhafter Zustand zu Fettstoffwechselstörungen führen kann.

Der Proteingehalt bei vegetarischen Aufstrichen auf Gemüsebasis beläuft sich auf circa 0,5 - 1,8 g pro Portion, was meistens mehr ist, als in einem Frischkäseaufstrich, in dem je nach Marke und Rahmstufe nur circa 1,5 g, oder weniger Protein enthalten ist (vgl. www.exquisa.de, o.J.). Auch Protein kann der menschliche Körper nicht selbst herstellen und ist auf ausreichende Zufuhr in Form von Nahrung angewiesen.

"Die Proteine werden für die Funktionsfähigkeit des gesamten Körpers benötigt.

Sie führen sehr vielfältige Aufgaben aus, die für den Organismus von großer Bedeutung sind. [...] Proteine, die eine biokatalytische Funktion besitzen, sind Enzyme. Sie sind dafür verantwortlich, dass biochemische Reaktionen im Körper ablaufen und auch beschleunigt werden. Fehlen Enzyme, wird der Stoffwechselprozess gestört" (Malyano, o.J).

Die Freiburger Firma Tartex hat einen Brotaufstrich im Sortiment, der einen deutlich höheren Proteingehalt hat als die anderen angebotenen Produkte: Wie Hausmacher Wurst. Ihr hoher Proteingehalt von 3,5 g pro Portion (vgl. Tartex + Dr.Ritter GmbH, 2013) geht auf den Hauptbestandteil Seitan zurück; ein aus Gluten bestehendes Produkt des Weizenmehls. Dieser Aufstrich dient als Wurstersatz und ist aufgrund kalorienarmer Zutaten und fehlenden tierischen Fetten eine gesunde Abwechslung zu Wurst und Fleisch.

Auch in Bezug auf die Kohlenhydratmengen schneiden Gemüsebrotaufstriche gut ab. Mit 2,5 g Kohlenhydrate pro Portion ist die Kohlenhydratzufuhr so gering, wie von optimiX® gefordert. Mit Hinblick auf die empfohlene tägliche Nährstoffzufuhr von etwa 230 g ist der Verzehr eines Gemüseaufstriches unbedenklich. Die Kohlenhydratzufuhr sollte nach optimiX® besonders beim ersten und zweiten Frühstück gering gehalten werden, was durch den Konsum dieser Brotaufstriche sehr gut möglich ist. Da Vollkornbrot bereits sehr kohlenhydratreich ist, stellen die erwähnten Brotaufstriche eine gute Ergänzung hierzu dar. Der Nuss-Nougataufstrich Nutella hat im Vergleich dazu etwa siebenmal so viele Kohlenhydrate, wovon der Großteil Einfachzucker ist, der übermäßig konsumiert ungesund für den Körper ist.

3. Das Marktangebot vegetarischer Brotaufstriche für Kinder

In diesem Kapitel geht es hauptsächlich um das Angebot von vegetarischen Brotaufstrichen auf dem deutschen Markt. Es wird veranschaulicht, wie umfangreich das Marktangebot mittlerweile und wie vielfältig die Auswahl ist. Zudem werden die zwei wichtigsten Bio­Siegel, die häufig auf den Verpackungen aller Brotaufstriche zu finden sind, vorgestellt. Zum Marktangebot allgemein werden auch die Kinderaufstriche einzelner Hersteller vorgestellt.

3.1 Marktangebot

Das Marktangebot vegetarischer Brotaufstriche ist mittlerweile sehr vielfältig und abwechslungsreich. Es reicht von vegetarischem Wurstersatz und pikanten Gemüseaufstrichen bis hin zu außergewöhnlichen Geschmackskombinationen, die so noch nie zu finden waren. Das Marktangebot hat sich im Laufe der letzten Jahre stark ausgeweitet. Gab es bis vor vielen Jahren lediglich Nutella, Marmelade oder Honig als vegetarische Alternative, so findet man heute in vielen Haushalten die vegetarischen Aufstrich-Alternativen, die seit den Neunzigerjahren immer beliebter geworden sind.

Die Herstellung dieser Aufstriche ist weder kostspielig noch kompliziert. Wer sich aber die Zeit hierfür nicht nehmen möchte, kann sich an der Produktpalette der Bio-Märkte und Reformhäuser bedienen.

Die Reihe der Sorten ist lang, so gibt es mittlerweile neben den Standardsorten wie Tomate­Basilikum Geschmacksrichtungen wie Zwiebel-Kümmel, Meerrettich-Apfel, Steinpilz und Cranberry und viele mehr.

Doch nicht nur in Bio-Märkten und Reformhäusern sind die Aufstriche zu finden, auch in den meisten gewöhnlichen Supermärkten kann man eine Auswahl dieser Aufstriche erwerben. So hat zum Beispiel der Lebensmittelkonzern "REWE" die Aufstriche in das hauseigene Biosortiment aufgenommen. Doch auch Billig-Discounter wie "ALDI" führen seit einiger Zeit vegetarische Brotaufstriche der Hausmarke.

Das Angebot speziell für Kinder ist nicht besonders groß. Die Firma Tartex hat zwei Aufstriche entwickelt, die primär Kinder als Zielgruppe haben: "Pastino tomatig" und "Pastino würzig". Der tomatige Aufstrich besteht zum Großteil aus Sojazubereitung, Tomaten und Tomatenmark (vgl. Tartex + Dr.Ritter GmbH). Daneben besteht der würzige Aufstrich überwiegend aus Tofu, Trinkwasser, Nährhefe und Zwiebeln (vgl. ebd.).

Nach Kontaktaufnahme mit der Firma Tartex stellte sich aber heraus, dass dieses Produkt schon seit mehreren Jahren nicht mehr in ihrem Sortiment verfügbar ist, was an der geringen Nachfrage für den Kinderaufstrich liegt.

Auch die Firma Zwergenwiese bietet einen Aufstrich mit dem Namen "Kinderstreich" mit Apfelsüße eigens für Kinder an. Sonnenblumenkerne, Tomatenmark und Sonnenblumenöl sind hauptsächlich auf der Zutatenliste zu finden. Nicht vorhanden ist hier die Nährhefe, auf deren Problematik als Nahrungszusatz in Kapitel 4 dieser Arbeit näher eingegangen wird.

Es ist erstaunlich, dass es bei den vielen Aufstrichen, die angeboten werden, so wenige Aufstriche gibt, die speziell für Kinder entwickelt wurden.

3.2 Die Bio-Siegel im Überblick

Auf nahezu allen Verpackungen der vegetarischen Brotaufstriche, ungeachtet ihres Herstellers, sind verschiedene Bio-Siegel abgebildet. Für den Verbraucher wird es immer wichtiger, dass ihre konsumierten Lebensmittel qualitativ sehr hochwertig sind und nach Möglichkeit umweltfreundlich hergestellt wurden.

Doch der Verbraucher, der sich bewusst für Bio-Produkte entscheidet, steht vor einem Problem: "Die Produktionskette von ökologischen Lebensmitteln wird industrialisiert und immer weniger transparent für den Verbraucher" (Kreutzberger 2009, 179). Woher weiß man als Verbraucher also, was tatsächlich Bio ist und welche Kriterien es für die Herstellung der Bio-Ware gibt? Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über die Bio-Siegel gegeben werden, wie sie auf den Verpackungen der Brotaufstriche zu finden sind.

"Die EU-Öko-Verordnung folgt grundsätzlich dem ökologischen Ansatz und definiert europaweite einheitliche Mindeststandards für die ökologische Landwirtschaft und regelt die Kontrollen für Landbau, Verarbeitung und Importe. Die Verordnung trat 1992 in Kraft und umfasst die pflanzliche wie die tierische Produktion" (Kreutzberger 2009, 182).

Das wichtigste Siegel ist das deutsche Bio-Siegel. Es ist das bislang bekannteste Bio­Siegel Deutschlands. "Das Bio-Siegel darf nur benutzt werden, wenn die Kriterien der EU-Ökoverordnung erfüllt werden. Die Nutzung dieses Siegels ist allerdings nicht verbindlich, sondern freiwillig und kostenlos" (Kreutzberger 2009, 184). Neben diesem Siegel befindet sich auf den Brotaufstrichen häufig noch ein weiteres; das EU-Bio-Siegel.

[...]


[1] optimiX® ist eine eingetragene Marke des Forschungsinstituts für Kinderernährung Dortmund

[2] Im gängigen Gebrauch entsprechen einer Portion etwa 25 g Aufstrich.

Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Schüler testen vegetarische Brotaufstriche. Eine Möglichkeit für den handlungsorientierten Unterricht in der Grundschule?
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
60
Katalognummer
V353152
ISBN (eBook)
9783668400368
Dateigröße
2027 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frühstück, Stiftung, Warentest, gesund, Warentestung, Verbraucherbildung, Grundschule, Testkriterien, Brotaufstriche, vegetarisch, vegan, Brotaufstrich, ausprobieren, testen
Arbeit zitieren
Rebekka Strasser (Autor), 2014, Schüler testen vegetarische Brotaufstriche. Eine Möglichkeit für den handlungsorientierten Unterricht in der Grundschule?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353152

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Schüler testen vegetarische Brotaufstriche. Eine Möglichkeit für den handlungsorientierten Unterricht in der Grundschule?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden