Diese Arbeit beschäftigt sich mit Scheinselbstständigkeit in der Branche der Veranstaltungs- und Theatertechnik. In dem Spannungsfeld von Selbstständigkeit und unselbstständiger Beschäftigung in Kombination mit den Charakteristiken der Branche der Veranstaltungs- und Theatertechnik ist es oft schwierig, zwischen selbstständig und unselbstständig Tätigen zu unterscheiden. Die Beurteilung einer Scheinselbstständigkeit erfolgt bisher nicht nach einem festen Schema, sondern wird im Einzelfall entschieden. Es ist ein Ziel dieser Arbeit, die akademische Diskussion in der Abgrenzung von Selbstständigkeit und
Scheinselbstständigkeit zu bereichern.
Die zentrale Fragestellung ist dann: Unter welchen Bedingungen kann in der Branche der Veranstaltungs- und Theatertechnik Scheinselbstständigkeit sowohl von Auftraggebern als auch Auftragnehmern vermieden werden? Zunächst werden dafür die Grundlagen zu Selbstständigkeit, unselbstständiger Beschäftigung und Scheinselbstständigkeit erläutert. Nach einer Datenauswertung folgen dann schließlich Handlungsempfehlungen in Bezug auf die Rahmenbedingungen von selbstständigen Tätigkeiten in der Veranstaltungs- und Theatertechnik sowie für Freelancer und Auftraggeber.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen von selbstständiger und unselbstständiger Beschäftigung
2.1 Das Deutsche Sozialversicherungssystem
2.1.1 Grundprinzipien des deutschen Sozialversicherungssystems
2.1.2 Säulen des deutschen Sozialversicherungssystems
2.2 Der Begriff der Selbstständigkeit
2.2.1 Die Definition selbstständiger Arbeit im Gegensatz zu unselbstständiger Beschäftigung
2.2.2 Merkmale selbstständiger und nichtselbstständiger Arbeit
2.3 Der Begriff der Scheinselbstständigkeit
2.3.1 Die Definition scheinselbstständiger Arbeit
2.3.2 Diskussion von Merkmalen scheinselbstständiger Arbeit
2.4 Die Feststellung von Scheinselbstständigkeit
2.5 Hypothesenbildung
3 Methodik der Arbeit
4 Analyse
4.1 Analyse der rechtlichen Grundlagen von selbstständiger Tätigkeit
4.1.1 Rechtliche Grundlagen der Abgrenzung von selbstständiger und scheinselbstständiger Tätigkeiten
4.1.2 Das Feststellungsverfahren in der Praxis
4.1.3 Branchenspezifische Regelungen für die Veranstaltungs- und Theatertechnik
4.1.4 Die Künstlersozialkasse
4.1.5 Internationaler Vergleich der rechtlichen Grundlagen für selbstständige und nichtselbstständige Tätigkeiten
4.1.5.1 Das spanische Sozialversicherungssystem
4.1.5.2 Das französische Sozialversicherungssystem
4.1.5.3 Zwischenfazit
4.2 Die Perspektive der Selbstständigen
4.2.1 Wissen zum Themenkomplex Scheinselbstständigkeit
4.2.2 Handlungsspanne zum Themenkomplex Scheinselbstständigkeit
4.3 Die Perspektive der Auftraggeber
4.3.1 Risiko und Konsequenzen der Feststellung von Scheinselbstständigkeit
4.3.2 Arbeitsrechtliche Instrumente zur Vermeidung von Scheinselbstständigkeit in der Veranstaltungs- und Theatertechnikbranche
4.3.2.1 Werkverträge
4.3.2.2 Honorarverträge
4.3.2.3 Geringfügige Beschäftigung – Minijobs
4.3.2.4 Arbeitnehmerüberlassung
4.3.2.5 Zwischenfazit
4.3.3 Vergleich von Löhnen Angestellter und Tagessätzen Selbstständiger
4.3.3.1 Arbeitszeit
4.3.3.2 Gehaltskalkulation
4.3.3.3 Notwendiger Tagessatz eines Selbstständigen
4.3.3.4 Kostenkalkulation für einen angestellten Techniker
4.3.3.5 Zwischenfazit
5 Handlungsempfehlungen
5.1 Handlungsempfehlungen für die Rahmenbedingungen von selbstständiger und scheinselbstständiger Arbeit
5.2 Handlungsempfehlungen für die Praxis
5.2.1 Handlungsempfehlungen für Selbstständige
5.2.2 Handlungsempfehlungen für Auftraggeber
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Problematik der Scheinselbstständigkeit in der Veranstaltungs- und Theatertechnik (BVT). Das Hauptziel besteht darin, zu analysieren, unter welchen Bedingungen Scheinselbstständigkeit vermieden werden kann, da das derzeitige System der Einzelfallentscheidungen hohe Unsicherheiten und Risiken für sowohl Auftraggeber als auch Auftragnehmer mit sich bringt.
- Analyse der rechtlichen Abgrenzung von selbstständiger und unselbstständiger Beschäftigung.
- Untersuchung der Wissenslücken bei Selbstständigen bezüglich sozialversicherungsrechtlicher Risiken.
- Evaluation von arbeitsrechtlichen Instrumenten wie Werkverträgen und Arbeitnehmerüberlassung zur Risikominimierung.
- Vergleich der Kostenstrukturen von selbstständig Tätigen und angestellten Technikern.
- Entwicklung von Handlungsempfehlungen für die Branche und die Politik.
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Die Definition scheinselbstständiger Arbeit
Scheinselbstständigkeit ist rechtlich nicht definiert, steht aber zwischen den Merkmalen von selbstständiger und unselbstständiger Beschäftigung. Allerdings wurden verschiedene Merkmale zur Abgrenzung von Scheinselbstständigkeit in die Rechtsprechung aufgenommen. Durch das Fehlen einer eindeutigen rechtlichen Definition können jedoch Unsicherheiten bei der Anwendung dieser verschiedenen Merkmale auftreten sowie unterschiedliche Schwerpunkte bei der Umsetzung durch verschiedene Akteure, die diese Merkmale anwenden, gesetzt werden.
Insgesamt baut die gängige Definition von Scheinselbstständigkeit auf der Definition von Selbstständigkeit auf. Der Tätige ist rechtlich gesehen selbstständig, wie in Kapitel 2.1.1 erläutert. Die Arbeit, die er jedoch für ein fremdes Unternehmen verrichtet, gleicht nichtselbstständigen Tätigkeiten, wie es in einem unselbstständigen Beschäftigungsverhältnis der Fall ist. Daraus folgt, dass Selbstständige in ein fremdes Unternehmen eingebunden werden, obwohl dies aufgrund ihrer Selbstständigkeit eigentlich nicht zulässig wäre. Dies erfolgt z. B., wenn ein Selbstständiger überwiegend für ein Unternehmen aktiv ist, auch wenn hier weitere Abstufungen festgestellt werden können und für das Festhalten einer genaueren Definition auch müssen. Die folgende Abbildung zeigt auf der einen Seite die Merkmale selbstständiger Tätigkeiten und auf der anderen Seite die Merkmale unselbstständiger Beschäftigung. Scheinselbstständigkeit zeigt dabei Merkmale beider Beschäftigungsarten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Ausgangslage in der Veranstaltungs- und Theatertechnik, in der ein Großteil der Tätigen selbstständig arbeitet, was zu der zentralen Frage führt, ob diese Arbeit tatsächlich selbstständig oder nur vermeintlich so ist.
2 Grundlagen von selbstständiger und unselbstständiger Beschäftigung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen, rechtlichen und praktischen Abgrenzungen zwischen verschiedenen Beschäftigungsformen sowie die Grundlagen des deutschen Sozialversicherungssystems.
3 Methodik der Arbeit: Das Kapitel beschreibt den Aufbau der Bachelorarbeit als Fallstudie, wobei die Daten durch Literaturrecherche sowie durch anonymisierte Interviews mit Branchenakteuren gewonnen wurden.
4 Analyse: In diesem Hauptteil werden die rechtlichen Rahmenbedingungen, die individuelle Perspektive der Selbstständigen sowie die Sichtweise der Auftraggeber detailliert untersucht und die Hypothesen der Arbeit diskutiert.
5 Handlungsempfehlungen: Hier werden praxisnahe Empfehlungen für Selbstständige und Auftraggeber entwickelt sowie Ansätze für eine Neugestaltung der Rahmenbedingungen diskutiert.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Scheinselbstständigkeit in der Praxis ein weit verbreitetes Problem darstellt, für das bisher keine einheitliche Lösung existiert.
Schlüsselwörter
Selbstständigkeit, Scheinselbstständigkeit, Veranstaltungs- und Theatertechnik, Sozialversicherung, Arbeitnehmerüberlassung, Werkvertrag, Feststellungsverfahren, Auftraggeber, Auftragnehmer, Künstlersozialkasse, Beschäftigungsverhältnis, Arbeitsrecht, Unternehmensrisiko, Honorarvertrag, Einzelfallentscheidung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Bachelorarbeit thematisiert das Phänomen der Scheinselbstständigkeit in der Veranstaltungs- und Theatertechnik (BVT) und untersucht, wie dieses sowohl für Auftraggeber als auch Auftragnehmer vermieden werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Abgrenzung von selbstständiger und unselbstständiger Beschäftigung, die Risiken der Feststellung von Scheinselbstständigkeit sowie die ökonomischen und rechtlichen Aspekte der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Freelancern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zur akademischen Diskussion beizutragen, Selbstständigen einen Leitfaden für ihre Unternehmensform zu bieten und konkrete Handlungsempfehlungen für Auftraggeber zu formulieren, um Unsicherheiten zu verringern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit ist als Fallstudie konzipiert, deren Ergebnisse auf einer Kombination aus einer fundierten Literaturrecherche und zwölf Interviews mit verschiedenen Akteuren der Branche (Selbstständige, Unternehmen, Juristen) beruhen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die rechtlichen Grundlagen, beleuchtet das Wissensdefizit der Selbstständigen zum Thema Scheinselbstständigkeit und untersucht verschiedene arbeitsrechtliche Instrumente zur Risikovermeidung wie Werkverträge und Minijobs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Scheinselbstständigkeit, Veranstaltungsbranche, Sozialversicherung, Werkverträge, Arbeitnehmerüberlassung und die damit verbundenen rechtlichen sowie finanziellen Risiken.
Warum ist die Unterscheidung in der Branche so schwierig?
Die hohe Flexibilität und die projektbezogene Teamarbeit in der Veranstaltungsbranche erschweren die Anwendung der klassischen Kriterien zur Feststellung von Scheinselbstständigkeit, da diese Kriterien oft nicht die spezifischen Realitäten des Arbeitsalltags abbilden.
Welche Rolle spielt die Deutsche Rentenversicherung?
Die Deutsche Rentenversicherung ist maßgeblich an der Statusfeststellung beteiligt, wobei ihre Prüfungen jedoch oft als nicht ausreichend branchenspezifisch kritisiert werden, was zu den untersuchten Unsicherheiten führt.
- Citar trabajo
- B. Eng. Christoph Brose (Autor), 2015, Scheinselbstständigkeit in der Veranstaltungs- und Theatertechnik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353168