Gedanken, Sprache, Bilder und Grenzen. Eine Erarbeitung des "Tractatus logico-philosophicus"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Biografie
1.1 Entstehung & Gliederung - Tractatus logico-philosophicus

2. Über die Welt, Tatsachen, Gegenstände und Sachverhalte

3. Über das Bild, den Satz und seinen Sinn

4. Wittgensteins Bildtheorie und der Zweck der Philosophie

Literaturverzeichnis

1. Biografie

Ein kurzer Blick auf die Biografie Wittgensteins soll in dieser Hausarbeit dazu dienen, zu verstehen, welche Motivationsgründe er wohlmöglich gehabt hat, den Tractatus logico-philosophicus zu schreiben.

Ludwig Wittgenstein wurde 1989 in Wien geboren. Er wurde in eine wohlhabende österreichische Familie mit jüdischer Abstammung geboren. Sein Vater war Karl Wittgenstein, erfolgreich in der Eisen- und Stahlindustrie, seine Ehefrau hieß Leopoldine und war eine begabte Pianisten. Ludwig Wittgenstein hatte 8 Geschwister, darunter sein Bruder Paul, ein bekannter Konzertpianist mit internationaler Karriere. Wittgensteins Schullaufbahn verlief nicht wie die eines jungen Philosophs. Er interessierte sich für Technik und beschloss als studierter Ingenieur von Berlin nach Manchester zu gehen, um dort an Flugzeugmotoren zu bauen. Für einen Flugzeugpropeller erhielt er sogar ein Patent. Dennoch entwickelte er ein spätes Interesse für die Philosophie, das so dominant war, dass er sich fortan nur noch ihr widmen wollte.

1911 besuchte er Gottlob Frege in Jena, nachdem er Bertrand Russels Principles of Mathematics gelesen hatte. Frege riet ihm zu einem Studium in Cambridge am Trinity College, um dort von Russell zu lernen. Während seines Studiums auf dem Gebiet der mathematischen Logik, freundete er sich mit dem Philosophen G.E. Moore an. Nach fünf Trimestern zog es Wittgenstein 1913 nach Norwegen, wo er an Aufzeichnungenüber Logik 1 arbeitete.

1.1. Entstehung & Gliederung - Tractatus logico-philosophicus

Seit 1913 hielt Wittgenstein also in Tagebüchern und Manuskripten seine Gedanken über die Philosophie fest. Als wesentliche Entstehungszeit des Werkes wird seine Militärzeit von 1914-1918 beschrieben. Viele seiner Schriften wurden 1950 auf seinen Wunsch vernichtet.2 Aus den Übrigen entstand der Tractatus logico-philosophicus. Diese Überschrift ist die lateinische Fassung des deutschen Titels Logisch-philosophische Abhandlung und wurde seit der Veröffentlichung im englischen Verlag Kegan Paul Ltd. im Jahre 1922 verwendet. Auf deutsch erschien das Buch erstmals, aber fehlerhaft, 1921 in der Zeitschrift Annalen der Naturphilosophie, herausgegeben von Wilhelm Ostwald.3 Der Tractatus, kurz gesagt, ist das erste und einzige Werk, das Ludwig Wittgenstein zu Lebzeiten veröffentlichte.

Das Buch ist vielmehr eine Sammlung und Anordnung von kurzen Sätzen, dessen Reihenfolge Wittgenstein immer wieder änderte und schließlich 1919 zur Prüfung an Russell schickte. In der Endfassung sind über 500 dieser Sätze zu finden. Strukturiert wurden sie in einem deduktiven Nummerierungssystem, wie es damals und heute in der Mathematik und Logik üblich ist. Er setzte dafür die Sätze mit der allgemeinsten Gültigkeit an erster Stelle und deduzierte weitere Ableitungen daraus. Nach Wittgenstein deuten die Nummern der Sätze das logische Gewicht der Sätze 4 an. Dieses Vorgehen hat sich als allgemeine Struktur eines Arguments, mit einem deduktiven Aufbau aus Prämissen und einer Konklusion, behauptet. Die Struktur hilft jedoch lediglich, einzelne Sätze in Verbindung zu anderen Sätzen zu sehen, weniger sie thematischen Kapiteln zuzuordnen, da Sätze auch mehrmals auftreten und Wittgenstein keine philosophischen Themen explizit nennt. Ihm zufolge will das Buch „dem Denken eine Grenze ziehen, oder vielmehr - nicht dem Denken, sondern dem Ausdruck der Gedanken […] Die Grenze wird also nur in der Sprache gezogen werden können und was jenseits der Grenze liegt, wird einfach Unsinn sein“.5 Er beschäftigte sich also mit seinen Gedanken, der Sprache und ihrer Grenzen und schrieb dabei dem sorgfältigen und gut strukturierten Ausdruck seiner Gedanken so viel Bedeutung zu, dass er überzeugt ist, die Wahrheit seiner Gedanken sei „unantastbar und definitiv“.6 Auf diese Weise versuchte er, philosophische Gedanken klar strukturiert und vor allem sinnig zu formulieren.

Der Tractatus logico-philosophicus besitzt kein Inhaltsverzeichnis. Dennoch kann man anhand der Begriffe denen sich Wittgenstein widmet und die er zu definieren versucht, Themenschwerpunkte erkennen. So beginnt er mit seinen Erklärungen über die Welt, ihre Sachverhalte und Gegenstände „Die Welt ist alles, was der Fall ist. (1) […] Der Sachverhalt ist eine Verbindung von Gegenständen. (2.01)“7 Diese Erläuterungen werde ich im zweiten Kapitel Ü ber die Welt, Tatsachen, Gegenstände und Sachverhalte näher ausführen. Seine Ableitungen über die Welt und ihre Sachverhalte, führen Wittgenstein zu ihren Formen und Abbildungen, dem Bild und der Struktur des Satzes. Seine Theorie des Bildes kann hier als Theorie der Darstellung interpretiert werden, wie später noch in Kapitel 3 Ü ber das Bild, den Satz und seinen Sinn näher erörtert wird. Im folgenden Abschnitt gelangt Wittgenstein an die Grenzen des Beschreibbaren, an die Grenze der Sprache. Bis hierher (4.1212) führt die Erarbeitung im Seminar, daher sollen die übrigen Abschnitte erwähnt, jedoch nicht näher ausgeführt werden. Wittgenstein beschreibt den Unterschied zwischen sinnvollen (4.027, 4.031), sinnlosen (4.461) und unsinnigen (5.4733) Sätzen und führt eine Reihe von Satzformen (4.1273, 5.541) ein, einschließlich der Wahrheitsfunktionen (5.101). Der Tractatus endet mit einer Art Empfehlung Wittgensteins an seine Leser „Meine Sätze erläutern dadurch, daß sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie - auf ihnen - über sie hinausgestiegen ist. (Er muss sozusagen die Leiter wegwerfen, nachdem er auf ihr hinausgestiegen ist.)“ (6.54) und einem Fazit „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.“ (7).8

Wittgenstein bezeichnete also am Ende sein eigenes Werk als Unsinn und bekam von Nora Diamond und James Conant Recht. Von Frank Ramsey und Bertrand Russell bekam er Lob dafür, dass er sagt, was sich nicht sagen lässt. Dennoch bleibt dieser letzte Abschnitt sehr fragwürdig und wurde häufig kritisiert.

Um die Zusammenhänge der Hauptaussagen und ihre Erläuterungen besser verständlich zu machen, wird es nötig sein, zwischen den nummerierten Sätzen zu springen, da Wittgenstein später immer wieder auf Vorangegangenes Bezug nimmt.

2. Über die Welt, Tatsachen, Gegenstände und Sachverhalte

Ludwig Wittgensteins erster Hauptgedanke über die Welt ist Die Welt ist alles, was der Fall ist. (1) und bezieht sich somit auf alle Sachverhalte in der Welt. Man kann die Welt bestimmen, indem man alle Tatsachen aufzählt (s. 1.11). Tatsachen existieren nur im logischen Raum und gliedern die Welt (s. 1.13 & 1.2). Er unterscheidet zwischen Tatsachen und Sachverhalten, indem er sie in eine Beziehung setzt „Was der Fall ist, die Tatsache, ist das Bestehen von Sachverhalten.“ (2). Gemeint sind atomare Tatsachen, welche unabhängig voneinander existieren. Er bedient sich hier an den Atomic facts von Russell. Komplexe atomare Tatsachen sind molekulare Tatsachen und entsprechen logischen Produkten. An der Nummerierung (2) des Satzes, kann man feststellen, dass er ihm eine große logische Bedeutung zukommen lässt. An dieser Stelle verwies Prof. Schantz auf Erik Stenius, einen finnischen Philosophen, der Sachverhalte als descriptive content - beschreibender Inhalt, bezeichnete. Für Wittgenstein ist der Sachverhalt eine Verbindung von Gegenständen 9 , so wie der Satz eine Verbindung von Namen und Gegenständen und ihren Relationen ist. Gegenstände sind Sachen und Dinge (s. 2.01) und es ist notwendig, dass im Ding die Möglichkeit des Sachverhalts enthalten ist. Das ist die Natur der Dinge. „Wenn die Dinge in Sachverhalten vorkommen können, so muß dies schon in ihnen liegen.“ (2.012).10 Ein Ding ist immer nur in Verbindung mit anderen Dingen „[…] so können wir uns keinen Gegenstand außerhalb der Möglichkeit seiner Verbindung mit anderen denken.“ (2.0121).11 In Bezug auf Gegenstände, erwähnt Wittgenstein ihre externen und internen Eigenschaften. Letztere sind wesentlich und notwendig, um einen Gegenstand zu kennen. (s. 2.01231) Er definierte die internen Eigenschaften später als „[…] intern, wenn es undenkbar ist, daß ihr Gegenstand sie nicht besitzt.“ (4.123).12

Weiter deduzierte er, dass jedes Ding in einem Raum möglicher Sachverhalte ist. (s. 2.013). Dabei kann der Raum leer gedacht werden, nicht aber das Ding ohne den Raum.13 Die Raumpunkte entsprechen bei Wittgenstein Koordinaten, er nennt sie Argumentstellen. Als Beispiel bringt er den Fleck im Gesicht, der einen Farbenraum um sich haben muss.

[...]


1 Kenny (1974), 13.

2 Ebd. 14.

3 Lange (1996), 7.

4 Wittgenstein (1963), 9.

5 Ebd. 7.

6 Ebd. 8.

7 Wittgenstein, 9.

8 Ebd. 111.

9 Wittgenstein, 9.

10 Ebd. 9-10.

11 Ebd. 10.

12 Ebd. 41.

13 Ebd. 11.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Gedanken, Sprache, Bilder und Grenzen. Eine Erarbeitung des "Tractatus logico-philosophicus"
Hochschule
Universität Siegen  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Wittgenstein - Tractatus logico-philosophicus
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V353681
ISBN (eBook)
9783668402348
ISBN (Buch)
9783668402355
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wittgenstein, Sprachphilosophie, tractatus logico-philosophicus, Bertrand Russel, Gottlob Frege, Abbildtheorie
Arbeit zitieren
Arlind Oseku (Autor), 2016, Gedanken, Sprache, Bilder und Grenzen. Eine Erarbeitung des "Tractatus logico-philosophicus", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353681

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