Das Handout entstand zur Vorbereitung eines Workshops und will Anregungen geben, psychodramatisch mit Paaren zu arbeiten. Es ist gedacht für Paarberater und Paarberaterinnen, die mit dem Psychodrama vertraut sind, wendet sich aber auch an Paarberater und Paarberaterinnen, die zum Beispiel über eine systemische Ausbildung verfügen und einmal ins Psychodrama hineinschnuppern wollen. Das Handout möchte Berater und Beraterinnen, die eher mit einzelnen Klienten arbeiten, ermutigen, die jeweiligen Partner mit einzuladen gemeinsam mit ihnen an ihrer Beziehung zu arbeiten oder auch mit Paargruppen zu arbeiten. Das Handout versteht sich nicht als eine aktuelle wissenschaftliche Übersicht über alle psychodramatischen Arrangements in der Paarberatung.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Was ist Psychodrama? Begriffe und Methoden
Bevor das Paar kommt oder nach dem ersten Kontakt
Vorstellung auf der imaginären Theaterbühne
Wandern durch die Beziehungslandschaft
Erste Schritte mit dem Paar Soziometrie
Das Paar kennen lernen: zentrale Themen der Partnerschaft
Der Baum der Partnerschaft
Lebensfreude
Ressourcen der Partner und der Partnerschaft
Kommunikation: Offenheit und Zurückhaltung
Paarskulpturen
Märchen und Beziehungen
Die Geschichte von der hölzernen Jungfrau und ihren Liebhabern
Weitere Beispiele aus der Paarberatung
Die Würdigung
Wandern durch die Beziehungslandschaft
Imaginäre Theaterbühne – ein Ort zum Nachspiel
Supervision
Ein letztes Thema
Zielsetzung & Themen
Dieses Handout zielt darauf ab, Paarberater und -beraterinnen in die Anwendung psychodramatischer Methoden einzuführen, um Paare bei der Exploration ihrer Beziehungsdynamik und der Gestaltung neuer Lebensentwürfe zu unterstützen. Es bietet praxisorientierte Anregungen für die Arbeit mit Paaren durch den gezielten Einsatz von Rollen- und Aufstellungsarbeit.
- Exploration von Beziehungs- und Rollenmustern
- Einsatz handlungsorientierter psychodramatischer Methoden
- Symbolische Arbeit zur Ressourcenaktivierung
- Nutzung von Märchen und Metaphern in der Paarberatung
- Förderung der gegenseitigen Empathie und Begegnung
Auszug aus dem Buch
Die Geschichte von der hölzernen Jungfrau und ihren Liebhabern
Die folgende orientalische Geschichte handelt von der Sehnsucht, aber auch der Selbsttäuschung, eine PartnerIn nach eigenen Vorstellungen erschaffen zu können (Blaschek 1994, S. 85–90, Rosen 1979, 98ff). In verschiedenen Themenvarianten lässt sie sich in den indischen Märchen, den arabischen Erzählungen, der islamischen Mystik, dem Sufismus, und in der Türkei finden.
Vier Männer, ein Zimmermann, ein Goldschmied, ein Schneider und ein Mönch unternahmen einmal eine Reise. Als sie einige Zeit gereist waren, geschah es, dass sie in einer Gegend übernachten mussten, die als sehr unsicher galt. Aus Furcht, von wilden Tieren zerrissen zu werden, kamen sie überein, während des Schlafes je einen von ihnen wachen zu lassen. Die Reihe traf zuerst den Zimmermann. Während die anderen sich niederlegten, überwältigte auch ihn die Müdigkeit so sehr, dass er, um sich wach zu halten, nach seinem Handwerk griff. Er fällte einen schlanken Baum, schnitzte das Holz desselben fein aus und formte eine Mädchengestalt mit Kopf, Händen und Füßen. Nach ihm kam die Reihe an den Goldschmied. Dieser vertrieb sich die Wachzeit, indem er das hölzerne Mädchen mit kostbarem Geschmeide umhängte. Der Schneider umhängte die junge Frau mit reizenden Festkleidern und Gewändern. Der Mönch war von ihrer Gestalt entzückt. In tiefer Demut rief er Allah um Gnade an und bat ihn diesem köstlichen Geschöpf Leben ein zu hauchen. Als der Morgen kam und durch die Sonne das Antlitz der Erde erleuchtet ward, da fielen die Augen der vier Reisenden auf die junge Frau, die über Nacht ins Dasein gerufen worden war. Und kaum hatten sie es anblickt, da gerieten sie untereinander in Streit. "Ich, bin der Urheber ihres Daseins“ sagte der Zimmermann und erhob Anspruch auf sie.
Zusammenfassung der Kapitel
Was ist Psychodrama? Begriffe und Methoden: Einführung in die psychodramatische Grundtheorie, die durch szenisches Handeln und den Rollentausch neue Sichtweisen auf die Beziehungsgestaltung und Lebenswelt eröffnet.
Bevor das Paar kommt oder nach dem ersten Kontakt: Reflexion über die Phantasien und Impulse der Berater gegenüber dem Klientenpaar zur Einstimmung auf den Beratungsprozess.
Vorstellung auf der imaginären Theaterbühne: Nutzung szenischer Phantasien zur Hypothesenbildung über unbewusste Paardynamiken im Erstkontakt.
Wandern durch die Beziehungslandschaft: Eine imaginative Übung zur räumlichen Darstellung der Paarbeziehung und ihrer Entwicklungsmöglichkeiten.
Erste Schritte mit dem Paar Soziometrie: Einsatz soziometrischer Methoden, um Tiefenstrukturen und Beziehungsdynamiken durch räumliche Positionierungen sichtbar zu machen.
Das Paar kennen lernen: zentrale Themen der Partnerschaft: Anwendung spezifischer Interventionen wie "Baum der Partnerschaft" und "Lebensfreude" zur Exploration von Ressourcen und Kommunikationsstilen.
Paarskulpturen: Arbeit mit statischen und bewegten Aufstellungen, um Beziehungsmuster und verborgene Dynamiken des Paares abzubilden.
Märchen und Beziehungen: Einsatz von Märchenmotiven als Spiegel individueller und paarbezogener Problematiken sowie zur Ressourcenentdeckung.
Die Geschichte von der hölzernen Jungfrau und ihren Liebhabern: Eine narrative Darstellung zur Thematisierung von Wunschprojektionen und der Sehnsucht, den Partner nach eigenen Vorstellungen zu formen.
Weitere Beispiele aus der Paarberatung: Praktische Übungen zu Eskalation, Bildvermittlung und destruktiven Beziehungsformen.
Die Würdigung: Anleitung zur Anerkennung der erbrachten Paar-Leistung und der positiven Aspekte des gemeinsamen Streitens.
Imaginäre Theaterbühne – ein Ort zum Nachspiel: Reflexion über den therapeutischen Prozess und die Bedeutung des gemeinsamen Abschlusses durch narrative Integration.
Supervision: Empfehlungen für Berater zum Umgang mit eigenen Emotionen und Impulsen während der Arbeit mit schwierigen Paaren.
Ein letztes Thema: Abgrenzung von Paar- und Einzelberatung bei fehlendem Raum für die Selbstentfaltung des Klienten.
Schlüsselwörter
Psychodrama, Paarberatung, Rollentausch, Beziehungsdynamik, Soziometrie, Paarskulptur, Rollenwechsel, Lebensfreude, Ressourcennutzung, Märchen, Kommunikation, Supervision, Empathie, szenische Darstellung, Beziehungslandschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Handout grundlegend?
Das Handout bietet Paarberatern einen psychodramatischen Werkzeugkasten, um mit Paaren handlungsorientiert und kreativ an ihren Beziehungsdynamiken zu arbeiten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf Rollenmustern, Beziehungsstrukturen, Kommunikation, Ressourcenaktivierung und der Arbeit mit symbolischen Darstellungen wie Skulpturen oder Märchen.
Was ist das primäre Ziel der beschriebenen Arbeit?
Das Ziel ist, Paaren zu helfen, eingefahrene Rollenkonserven zu verlassen, die Empathie füreinander zu stärken und gemeinsam neue, lebendige Formen der Beziehung zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden klassische psychodramatische Methoden wie Rollentausch, Spiegeln, Doppeln, Soziometrie und die Arbeit mit Skulpturen angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beschreibt konkrete Interventionsmöglichkeiten, von der ersten Anwärmung über die soziometrische Standortbestimmung bis hin zur Arbeit mit Märchen und Szenen in der Paarberatung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Rollen, Soziometrie, Begegnung, Spontaneität, Kreativität, Beziehungslandschaft und symbolische Interventionen aus.
Wie unterscheidet sich die Arbeit mit Paaren von der Selbsterfahrungsgruppe laut dem Autor?
Der Autor betont, dass bestimmte Themen, wie etwa erotische Phantasien oder Mordphantasien, in der Paarberatung einen anderen Schutzraum benötigen und eher in den Kontext von Selbsterfahrungsgruppen gehören.
Warum wird der "Zauberladen" als Methode erwähnt?
Der Zauberladen wird eingesetzt, um Fähigkeiten, Ressourcen und vermeintliche Schwächen der Partner sichtbar zu machen und diese in einen Tauschprozess zu bringen, der die gegenseitige Anerkennung fördert.
Welche Rolle spielen Märchen in der Paarberatung?
Märchen dienen als symbolische Spiegel, die helfen, die eigene Beziehungsgeschichte oder Entwicklungsschritte durch eine distanzierte, narrative Ebene neu zu betrachten und Ressourcen zu identifizieren.
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- Psychologischer Psychotherapeut Andreas Schulz (Author), 2017, Psychodramatische Arrangements in der Paarberatung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353785