Noch vor wenigen Jahren war das Thema „Sexualität im Alter“ von einem Tabu umgeben.
Sexualität im Alter galt, insbesondere für Frauen, als verjährt, vergessen, peinlich, nicht mehr vorhanden. Diese Sichtweise hat sich im Laufe der Jahre verändert. Heute ist Alterssexualität weitestgehend enttabuisiert. Und dennoch ist diese Enttabuisierung von Alterssexualität, durchaus nicht für jede soziale Schicht, jede Familie, jedes Haus und jedes Heim bereits angenommen. Es wird zwar offen darüber geredet, jedoch beim genaueren Hinsehen kann sich kaum jemand seine Großeltern beim körperlichen Liebesspiel vorstellen. Während meiner eigenen Ausbildung wurde das Thema Sexualität im Alter oder im Altenheim nicht thematisiert. Dies hat sich vor allem in den letzten Jahren verändert.
Im Oktober 1999 begann ich die Weiterbildung zur Lehrtätigkeit und Leitung an Schulen für Pflegeberufe. Während meines zweiten Praktikums wurde ich in mehreren Gesprächen mit Schülern im Unterricht mit dem Thema konfrontiert. Ich erinnerte mich wieder an manche Situationen aus der Psychiatrie und aus der Pflegeeinrichtung. Gerade in der Psychiatrie gibt es genügend Tabuthemen über die geschwiegen wird und über die man hätte schreiben können. Da die Psychiatrie aber nun nicht mehr mein Arbeitsbereich ist und Sexualität hingegen in jeder Pflegeeinrichtung vorkommt, habe ich mich für dieses Thema entschieden.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Definitionen
2.1 Sex
2.2 Sexualität
2.3 Geschlechterrollen
3 Entwicklung der Sexualität
4 Sexualität in der Gesellschaft
4.1 Sexualität in unserem Kulturkreis
4.2 Veränderung der Sexualität im Alter
4.3 Wandel der Sexualität durch Veränderung der Lebenssituation
5 Auswirkungen auf die Pflege
5.1 Auswirkungen auf die Pflegekraft
5.2 Rolle der Praxisanleiter
5.3 Ziele für eine Methodische Aufarbeitung des Themas als in der theoretischen Ausbildung
6 Zusammenfassung
7 Persönliche Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, als Handlungshilfe zur Sensibilisierung von Schülern in Pflegeberufen zu dienen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie das Tabuthema Sexualität im Alter in der pflegerischen Ausbildung und Praxis adressiert werden kann, um eine ganzheitliche Betreuung zu ermöglichen.
- Bedeutung der Sexualität als lebenslanges Grundbedürfnis
- Einfluss gesellschaftlicher Normen und Veränderungen im Alter
- Herausforderungen für Pflegekräfte und Praxisanleiter
- Strategien zur Enttabuisierung und methodischen Aufarbeitung in der Ausbildung
Auszug aus dem Buch
4.2 Veränderung der Sexualität im Alter
Für die heute 80jährigen gelten jedoch immer noch die alten Normen. Sie haben meist kein Verständnis für die freizügige Lebensweise, die heute vorherrscht. Dazu muß sicherlich gesagt werden, dass die älteren und alten Menschen von dem vollzogenem Wandel „profitiert“ haben, da die gesellschaftliche Entwicklung auch an ihnen nicht spurlos vorüber gegangen ist und damit die Sexualität unter älteren und alten Menschen denkbar und nachvollziehbarer wird. Die „jungen Alten“ sind wesentlich selbstbewußter als ihre Vorgänger. Sie sehen nicht ein, warum sie keine Sexualität leben oder allein bleiben sollten.
Von welchen Faktoren Sexualverhalten im Alter geprägt wird, ist in Abb. 2 skizziert. Alle dort erwähnten Einflussfaktoren sind in Studien als wichtige Voraussetzungen für die Ausprägung sexueller Aktivitäten im Alter belegt. Hier wird ausgesagt, das die durch die Pfeile angedeuteten Kausalbeziehungen, noch als hypothetisch angesehen werden müssen. Doch die neuere Fachliteratur legt den Schluß nahe, das dieses Modell durchaus deutlich macht, dass das Sexualverhalten im Alter mitbestimmt wird, von der Situation im frühen und mittleren Erwachsenenalter, welche ihrerseits wiederum von den gesellschaftlichen Bedingungen und den Beziehungen zu einem oder mehreren Partnern beeinflußt wird, die aber auch zurückwirkt auf diese Bedingungen (s.a. Entwicklung der Sexualität).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Die Autorin begründet ihre Entscheidung für das Thema aufgrund eigener Erfahrungen in der Psychiatrie und Pflege, wo Sexualität oft tabuisiert wird.
2 Definitionen: Es werden die begrifflichen Grundlagen von Sex, Sexualität und Geschlechterrollen im Kontext der historischen und sozialen Entwicklung geklärt.
3 Entwicklung der Sexualität: Dieses Kapitel betrachtet die psychische Entwicklung des Menschen, insbesondere den Einfluss der frühkindlichen Erfahrungen und der Sozialisation auf das spätere Sexualverhalten.
4 Sexualität in der Gesellschaft: Hier wird der Einfluss von Religion und Moral auf das Sexualverhalten sowie die spezifischen Veränderungen der Sexualität im Alter und bei Lebensumstellungen analysiert.
5 Auswirkungen auf die Pflege: Es werden die Konsequenzen für die Pflegekraft, die Rolle der Praxisanleiter sowie methodische Ansätze für die theoretische Ausbildung diskutiert.
6 Zusammenfassung: Die zentralen Ergebnisse zur Bedeutung der Thematisierung von Sexualität in der Pflege und Ausbildung werden noch einmal zusammengefasst.
7 Persönliche Stellungnahme: Die Autorin reflektiert ihre persönlichen Erfahrungen während des Schreibprozesses und betont die Notwendigkeit einer sanfteren, kooperativen Methode zur Enttabuisierung in der Pflege.
Schlüsselwörter
Sexualität im Alter, Pflege, Altenpflege, Tabuthema, Pflegeausbildung, Praxisanleiter, Sensibilisierung, Enttabuisierung, sexuelle Bedürfnisse, Lebensqualität, Biografiearbeit, Pflegebeziehung, Supervision, Gerontologie, ganzheitliche Pflege.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Umgang mit dem Tabuthema Sexualität bei alten und älteren Menschen innerhalb des Pflegealltags und der pflegerischen Ausbildung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Sexualität, gesellschaftlichen Normen, den spezifischen Veränderungen im Alter, den Herausforderungen für das Pflegepersonal sowie didaktischen Ansätzen zur Ausbildung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, eine Handlungshilfe zur Sensibilisierung von Schülern in Pflegeberufen zu entwickeln, um einen offeneren Umgang mit Sexualität in der professionellen Praxis zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Facharbeit ist als Literaturarbeit konzipiert, welche theoretische Grundlagen aufbereitet und mit pflegepädagogischen Erkenntnissen sowie Modellen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst Definitionen, die psychologische Entwicklung, den gesellschaftlichen Wandel von Sexualität, Faktoren des Sexualverhaltens im Alter und konkrete Auswirkungen auf die Pflegepraxis und Ausbildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Alterssexualität, Enttabuisierung, Pflegeausbildung, ganzheitliche Pflege und die Rolle der Praxisanleiter.
Warum ist die Praxisanleitung für dieses Thema so wichtig?
Praxisanleiter fungieren als Bindeglied zwischen Theorie und Praxis und können dabei helfen, Ängste bei Auszubildenden abzubauen und den sensiblen Umgang mit sexuellen Situationen im Alltag zu reflektieren.
Welche Rolle spielt die Biografiearbeit bei diesem Thema?
Die Biografiearbeit hilft Pflegekräften, den Patienten besser zu verstehen, seine individuellen Bedürfnisse – einschließlich seiner Sexualität – zu erkennen und somit einen besseren Bezug zum zu Pflegenden aufzubauen.
- Quote paper
- Helga Thuermann (Author), 2001, Sexualität im Alter. Umgang mit der Sexualität alter und älterer Menschen in der Pflege., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3545