Das Fachkonzept der Produktionsschule als berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme


Hausarbeit, 2015
23 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Berufliche Förderpädagogik
2.1 Adressaten der Förderung für Benachteiligte
2.2 Gegenstandsbereich der beruflichen Förderpädagogik

3 Übergangssystem

3.1 Definition des beruflichen Übergangssystems
3.2 Fachkonzept der Produktionsschule im Übergangssystem

4 Konzept der Produktionsschule
4.1 Definitionen des Konzeptes
4.2 Ziele des Fachkonzeptes der Produktionsschule

5 Darstellung der Ergebnisse
5.1 Überprüfung der These
5.2 Ausblick und Chancen

6 Zusammenfassung

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang

1 Einleitung

In aktuellen Debatten rund um das Thema des Übergangs von der Schule in den Beruf sieht sich Deutschland, nicht zuletzt aufgrund der demographischen Entwicklungen, vor immer neuen Herausforderungen. Wie dem Berufsbildungsbericht des Bundesministeri- ums für Bildung und Forschung1 zu entnehmen ist, wurden im Jahr 2014 wieder weni- ger Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Jahr 2013. Gleichzeitig ist die Anzahl unbesetzter betrieblicher Ausbildungsplätze auf einem neuen Höchststand. Dabei scheint laut Berufsbildungsbericht eine zentrale Aufgabe darin zu bestehen, geeignete Jugendliche für die entsprechenden Ausbildungsplätze zu finden. Weiter entstehen Schwierigkeiten, weil es noch zu viele Jugendliche gibt, denen der direkte Einstieg in die Ausbildung nicht auf Anhieb gelingt. Wie schon anhand dieser kurzen einleitenden Worte zu erkennen ist, zeigt sich das Dilemma, welches gleichzeitig ein immenses Pa- radoxon darstellt. Es gibt zu viele Ausbildungsplätze und es gibt zu viele Jugendliche ohne Ausbildungsplatz. Im besonderen Maße sind benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene ohne Schulabschluss von einer schlechten Übergangsquote von der Schule in den Beruf betroffen. Ein Konzept, welches sich mit einer Verbesserung der Über- gangsquote dieser Jugendlichen und jungen Erwachsenen von der Schule in den Beruf beschäftigt und die Breite und Qualität der bestehenden berufsvorbereitenden Bil- dungsmaßnahmen um ein neues Angebot erweitern soll, ist das Fachkonzept der Pro- duktionsschule.

Diese Arbeit setzt sich mit den Fragen auseinander, ob die Einordnung des Fachkonzeptes der Produktionsschulen innerhalb der berufsvorbereitenden Maßnahmen noch aktuell ist oder ob das Fachkonzept die Möglichkeit bietet, Teil einer direkten Berufsausbildung zu sein. Es geht also um die Frage, ob das Fachkonzept der Produktionsschule nicht ausschließlich im Übergangssystem zwischen Schule und Beruf agiert, sondern selbst zu einer direkten Ausbildung für die Betriebe und somit der Vermeidung von Ausbildungsplatzlücken beitragen kann.

Anhand der in Abbildung 1 erkenntlichen dimensionalen Analyse verfolgt die Untersu- chung einen stringenten Aufbau zur Beantwortung der obig genannten Forschungsfrage. Da die Bearbeitung dieser Leitfrage Fachwissen in unterschiedlichen Disziplinen der Pädagogik erfordert, wird im zweiten Kapitel die Einordnung des Fachkonzeptes unter Berücksichtigung der beruflichen Förderpädagogik vorgenommen. Folgend lässt sich hier feststellen, welche Adressaten für eine Benachteiligtenförderung in Frage kommen. Im nächsten Schritt wird der Gegenstandsbereich der beruflichen Förderpädagogik ge- nannt und hinsichtlich seiner vier Teildisziplinen analysiert. Kapitel drei befasst sich mit dem Übergangssystem selbst. Dies ist von besonderer Wichtigkeit für diese Untersu- chung, da sich das Fachkonzept der Produktionsschulen in den Bereich der Übergangs- systeme einordnen lässt. Zur Beantwortung der Leitfrage dieser Arbeit ist es demnach notwendig sich mit einer Definition der Übergangssysteme zu beschäftigen. Im An- schluss erfolgt die Einordung des Fachkonzeptes von Produktionsschulen in die Über- gangssysteme. Dieser Schritt ist entscheidend, da im Anschluss eine mögliche Ausglie- derung des Konzeptes aus dem Übergangssystem in Erwägung gezogen werden soll. Vor der Beantwortung der Forschungsfrage und der Zusammenfassung der Ergebnisse im Kapitel fünf, erfolgt die Erläuterung des Fachkonzeptes der Produktionsschule selbst. Hierzu werden zunächst die inhaltlichen Schwerpunkte mit Hilfe von Definitio- nen einzeln analysiert, bevor das Konzept im eigentlichen Sinne erläutert wird. Kapitel fünf befasst sich mit der Beantwortung der Fragestellung unter Rückgriff auf die im Vorfeld ausgearbeitete Theorie. Hier werden, vor der abschließenden Zusammenfassung in Kapitel sechs, Ausblicke und Chancen einer möglichen Erweiterung der Anwen- dungsmöglichkeiten des Fachkonzeptes genannt.

Abb. 1 Dimensionale Analyse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: (eigene Darstellung).

2 Berufliche Förderpädagogik

Die Idee hinter der beruflichen Förderpädagogik geht auf die Nutzung bereits vorhan- dener Elemente der Pädagogik für Benachteiligte zurück. Hierbei soll unter einer neuen Ordnung und der Kombination des Vorhandenen eine neue konzeptionelle Pädagogik entstehen. Für eine genaue Vorstellung, um welche Benachteiligten es sich handelt, wird innerhalb dieses Kapitels zunächst der Fokus auf die Adressaten gelegt. Im zwei- ten Schritt wird der Gegenstandsbereich der beruflichen Förderpädagogik näher be- leuchtet.

2.1 Adressaten der Förderung für Benachteiligte

Die Adressaten der beruflichen Förderpädagogik lassen sich unter einer Gruppe von jungen Menschen zusammenfassen, welche in der Regel nicht auf Anhieb oder auch längerfristig nicht in den Arbeitsmarkt hineinkommen. Diese befinden sich im Alter zwischen 15 und 27 Jahren. Charakteristisch für diese Personen sind oftmals problema- tische Lernschwächen, Verhaltensauffälligkeiten oder auch Probleme mit dem Gesetz. Da in Deutschland die Arbeit und der eigene Lohn absolut notwendig sind, um sich ei- nen gewissen Lebensstandard erfüllen zu können, zieht das Scheitern der Integration in den Arbeitsmarkt oftmals auch Probleme bei der Bewältigung des Lebens im allgemei- nen mit sich. Gesellschaftliche Ausgrenzung, Störung der Persönlichkeitsentwicklung und das Auftreten von Lebensproblemen führen letztlich dazu, dass sich die Gruppe der in Deutschland Betroffenen (ca. 15% bis 20% der Jugendlichen eines Jahrgangs) als benachteiligt bezeichnen lässt.2

2.2 Gegenstandsbereich der beruflichen Förderpädagogik

Die Berufliche Förderpädagogik befasst sich im besonderen Maße mit den obig genann- ten Adressaten und bezeichnet sich selbst als Äintegrative Jugendpädagogik“. Doch was bedeutet Förderpädagogik eigentlich? Zerlegt man den Begriff in seine Bestandteile wird die inhaltliche Bedeutung leichter verständlich. Seit jeher ist es eine der elemen- tarsten Aufgaben der Pädagogik Kinder und Jugendliche mit den unterschiedlichsten Bedarfen zu fördern. Dabei ist der Begriff ÄFördern“ Ausdruck für eine von außen kommende Anregung für die innere Selbstentwicklung der Adressaten. Dies wird mit dem folgend Zitat verdeutlicht:

ÄWer mithin einen Menschen fördert, der will ihn ‚bewegen‘, will ihn anregen, will ihn unterstützen, jedoch ohne den autonomen Kern des Menschen anzugrei- fen oder gar zu verletzen. ‚Fördern‘ drückt in seiner pädagogischen Begrifflich- keit aus, das es immer um eine Art angeleitete Selbstentwicklung geht“.3

Die berufliche Förderpädagogik setzt sich im Groben aus vier Teilbereichen zusammen: Hierbei handelt es sich um die Berufspädagogik, Sozialpädagogik, Sonderpädagogik und Schulpädagogik. Alle Teile müssen für eine gezielte Förderung zusammenwirken. Für ein besseres Verständnis der beruflichen Förderpädagogik sollen nachfolgend die vier Teilbereiche näher betrachtet werden.

Die ÄBerufspädagogik“ hat zur Aufgabe, Arbeit und Beruf vor einem gesellschaftlichen Hintergrund pädagogisch aufzuarbeiten. Im Sinne der Förderung von Benachteiligten handelt es sich um Sachverwaltungen in den Bereichen Berufsfindung und Berufsorientierung. Außerdem geht es um die Ausgestaltung von Lernprogrammen im Zusammenhang mit dem Berufsvorbereitungsjahr in den Berufsschulen.4

Bei der ÄSozialpädagogik“ geht es vor allem um Präventions- und Interventionsarbeit innerhalb verschiedener gesellschaftlicher Bereiche. In Bezug auf die benachteiligten Adressaten lassen sich in der Sozialpädagogik verschiedene Tätigkeitsfelder ausma- chen. Neben Beratungsleistungen im Bereich der Einzelfallhilfe, spielen hier auch Gruppenberatungen oder Arbeit im Bereich von Netzwerkkoordination eine wesentliche Rolle.5

Der ÄSonderpädagogische“ Ansatz befasst sich mit der Würde und Integrität von abwei- chenden oder behinderten Menschen. Wie bereits in Kapitel 2.1 aufgezeigt, sind Lern- behinderungen und Verhaltensauffälligkeiten charakteristisch für die Adressaten der beruflichen Förderpädagogik. Aus diesem Grund befasst sich die Sonderpädagogik mit der Betreuung dieser Personen und versucht die jeweilige Auffälligkeit gewinnbringend in den Unterricht einzubauen. Im Blick der Sonderpädagogen stehen vor allem die Her- kunft der Jugendlichen und die alltägliche Begleitung dieser.6

Zuletzt widmet sich die ÄSchulpädagogik“ den allgemein bildenden Lehr- und Lernprozessen. Es geht z. B. um die Unterrichtsgestaltung und die Unterbreitung von didaktischen und methodischen Vorschlägen für die Durchführung des Unterrichts. In Bezug auf die Adressaten lassen sich, anhand der Erfahrung im Bereich Schulpädagogik und den neu ausgearbeiteten Vorschlägen, Anregungen für eine eigens angemessene Form der Unterrichtsdurchführung ableiten.7

Es hat sich gezeigt, wie weitreichend der Wirkungskreis der beruflichen Förderpädago- gik ist. Die Idee des ÄFörderns“ steht im besonderen Maße im Zusammenhang mit be- nachteiligten Adressaten. Für die unterschiedlichen Bedarfe der jeweiligen Benachteili- gungen wurde sich innerhalb der beruflichen Förderpädagogik der Expertise bereits existierender Teilbereiche der Pädagogik bedient. Nur durch ein Zusammenwirken die- ser, kann eine gezielte Förderung im Bereich der beruflichen Förderpädagogik gelingen.

3 Übergangssystem

Der Begriff des ÄÜbergangssystems“ steht für die Vielzahl der Berufsvorbereitenden, berufsorientierenden und vorberuflichen Maßnahmen und Institutionen im Bereich des Bildungswesens. Da sich das Konzept der Produktionsschule innerhalb des Übergangssystems verorten lässt, wird zunächst eine Definition vom beruflichen Übergangssystem angeführt, bevor sich im Anschluss mit der Eingliederung der Produktionsschule in das Übergangssystem beschäftigt wird.

3.1 Definition des beruflichen Übergangssystems

Innerhalb der letzten Jahre kam es zu einer problematischen Situation im Bereich des Berufsbildungswesens. Während aufgrund demographischer Entwicklungen die Anzahl ausbildungsinteressierter Jugendlicher stark anstieg, senkte sich der Umfang des be- trieblichen Ausbildungsangebots deutlich. Eine Vielzahl von freien Ausbildungsplätzen, welche oftmals aufgrund unpassender Bewerber oder einer steigenden Anzahl von Im- matrikulationen an den Hochschulen und Universitäten, frei blieben und nicht besetzt wurden, führten zu einer Versorgungslücke, welche sich mit Hilfe des Übergangsange- botes kompensieren lassen sollte. Aus diesem Grund wurden die Maßnahmen und An- gebote des beruflichen Übergangssystems in den letzten Jahren immer weiter ausgebaut. Doch was bedeutet das berufliche Übergangssystem genau? Beim Übergangssystem geht es um Bildungsangebote, Ä(…)die unterhalb einer qualifizierten Berufsausbildung liegen bzw. zu keinem anerkannten Ausbildungsabschluss im Sinne des dualen oder des Schulberufssystems führen.“8 Es handelt sich also um eine Vielzahl von nebeneinander laufenden Angeboten von unterschiedlichen Trägern mit einer großen Anzahl an För- dermaßnahmen. Das Ziel ist die Verbesserung der individuellen Kompetenzen zur Auf- nahme einer beruflichen Ausbildung oder Beschäftigung. Es geht vor allem darum, die Jugendlichen, welche den direkten Einstieg in eine Ausbildung oder Beschäftigung nicht geschafft haben, besser zu qualifizieren und dem beschriebenen Trend entgegen zu wirken.9

[...]


1 Weitere Informationen unter: Bundesministerium für Bildung und Forschung (2014), Web.

2 Vgl. Bojanowski, A. et al. (2013), S. 19f.

3 Bojanowski, A. et al. (2013), S. 10.

4 Vgl. Schelten, A. (2004), S. 42ff.

5 Vgl. Hamburger, F. (2008), S. 26.

6 Vgl. Dinauer,U. (1995), S. 6.

7 Vgl. Bojanowski, A. et al. (2009), S. 9.

8 Neß, H. (2007), S. 65.

9 Vgl. Bojanowski, A./Eckert, M. (2012), S. 7ff.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Das Fachkonzept der Produktionsschule als berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme
Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
23
Katalognummer
V354600
ISBN (eBook)
9783668412286
ISBN (Buch)
9783668412293
Dateigröße
785 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fachkonzept, Produktionsschule, Übergang, Förderpädagogik
Arbeit zitieren
Robert Behrens (Autor), 2015, Das Fachkonzept der Produktionsschule als berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354600

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