Le Parkour und normfreies Turnen im Sportunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

9 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Was ist Parkoursport?

2 Normfreies Turnen
2.1 Woher kommt normfreies Turnen?
2.2 Warum normfrei Turnen?

3 Parkoursport in der Schule
3.1 Parkoursport im Lehrplan
3.2. Parkoursport im Schulunterricht
3.2.1 Zeit-, Raum- und Sicherheitsaspekte
3.2.2 Motivation im Unterricht
3.2.3 Leistungsbewertung

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Trendsportart Le Par- kour und wie diese als eine neue Form des normfreien Turnens Einzug in den Schulsportunterricht nimmt. Es wird zunächst ein Überblick über den Par- koursport und dessen Entwicklung unter Bezugnahme zur Vergangenheit des normfreien Turnens gegeben. Das normfreie Turnen wird anschließend ge- nauer erläutert, sodass ein Einstieg in das folgende Thema, den Parkoursport als Erscheinungsform des normfreien Turnens in der Schule, gegeben werden kann. Im Folgenden werden Rahmenbedingungen aufgezeigt, die es zu be- achten gilt. Anschließend folgt ein Fazit zum Parkoursport in der Schule.

1 Was ist Parkoursport?

Als Parkoursport kann man nach Rochhausen (2013) die Disziplinen Le Par- kour, Parcouring und Freerunning in ihrer Gesamtheit bezeichnen, während häufig fälschlicherweise Le Parkour oder einfach nur Parkour als Sammelbe- griff synonym verwendet wird. Die Ursache hierfür könnte die Unklarheit über die konkrete Abgrenzung der Disziplinen sein oder eben, dass der Begriff Par- kour einfach am geläufigsten ist. Die Disziplin selbst stammt mit ihrer häufigen Bezeichnung als "l'Art du Deplacement" ursprünglich aus Frankreich und kann als die Kunst der Fortbewegung verstanden werden (vgl. Rochhausen 2013, S. 10). Kommt es zu einer Kombination aus Überwindungstechniken und ak- robatischen Elementen, spricht man von der Disziplin Freerunning, bei der die Schwierigkeit der Bewegungsabläufe sowie die Risikobereitschaft der Akteure ansteigt (vgl. Rochhausen 2013, S. 11). Schließlich kommt es beim Parcouring zu einer Vermischung der zuvor genannten Disziplinen mit Hinblick auf den kompetitiven Wettkampf und den direkten Vergleich der Sportler im Bereich der Schnelligkeit und Akrobatik. Da der direkte Wettkampf der ursprünglichen Philosophie des Le Parkour und dem zu verkörpernden Lebensgefühl wider- spricht, ist das Parcouring jedoch umstritten (vgl. Aschebrock & Pack, 2010, S. 15). Die Bezeichnung der Bewegungen des Parkoursports ist aufgrund der Herkunft ursprünglich auf Französisch erfolgt, bis es zur raschen internationa- len Verbreitung kam und die Begriffe zunehmend durch englische Ausdrücke ersetzt wurden. Ebenso lassen sich die Analogien zu den deutschen Turnbe- griffen herstellen, so wird z.B. die Sprunghocke als "Kong vault" oder "Saut de chat" bezeichnet (vgl. Rochhausen 2013, S. 11). Aschebrock und Pack (2010) verwenden auch den deutschen Begriff des Straßen- und Hindernisturnens, bei dem "die traditionelle Turnelemente [...] in den unterschiedlichsten Varia- tionen neu verpackt, wieder ein jugendliches, modernes Gesicht" (Aschebrock & Pack, 2010, S.18) bekommen. Als ein typisches Merkmal schreibt Rochhau- sen (2013) dem Parkoursport die Verbindung sämtlicher Bewegungselemente durch eine läuferische Komponente zu. Damit ist die Disziplin durch ein sehr stark dynamisches Erscheinungsbild geprägt, welches ihren Reiz und Ans- pruch ausmacht. Der Bezug zur Leichtathletik ist durch diesen großen läuferi- schen Anteil in Kombination mit dem berwinden von Hindernissen gut er- kennbar, wie z.B. beim Hrdenlauf (vgl. Rochhausen 2013, S. 11). Die ele- mentaren Bewegungsformen fr den Parkoursport sind Laufen, Balancieren, Drehen, Hangeln, Klettern, Springen und Landen und stellen somit ein vielsei- tiges Anforderungsprofil fr den Athleten, der auch als Traceur bezeichnet wird, dar. Neben den konditionellen und koordinativen Fähigkeiten werden von dem Traceur auch psychische Voraussetzungen, wie eine gute Selbstein- schätzung, Entschlossenheit, Präzision, Kreativität und Antizipationsfähigkeit verlangt (vgl. Rochhausen 2013, S. 11).

2 Normfreies Turnen

2.1 Woher kommt normfreies Turnen?

In den 1920er Jahren kam es in Deutschland zur ersten wirklichen Auseinan- dersetzung, um die richtigen Inhalte fr das schulische Turnen. Mit dem Ar- gument, das deutsche Schulturnen erstarre zu sehr in vorgegebenen Turnsys- temen und gehe somit an den natrlichen Bewegungsbedrfnissen und Be- wegungsinteressen der Kinder vorbei, entwickelten die Österreicher Gaulhofer und Streicher vielseitige Vorschläge um das sogenannte natrliche Turnen im schulischen Sportunterricht zu etablieren (vgl. Göhner, 2008, S. 69). Schließ- lich konzipierte und verbreitete in den 1980er Jahren eine Expertengruppe des Deutschen Turnerbunds unter der Leitung von Schmidt-Sinns das freie Turnen unter Bercksichtigung des Erlebnischarakters eines ganzheitlichen, kooperie- renden und wagenden Bewegungshandelns fr das Turnen an Geräten (vgl. Aschebrock & Pack, 2010, S. 28). Die Meinungen zum Thema Schulturnen gehen aus heutiger Sicht in zwei verschiedene Richtungen. Zum einen soll sich an den schon seit Jahrzehnten bekannten Normen des traditionellen Ge- räteturnens orientiert werden, während auf der anderen Seite das Lösen von eben solchen Normen im Fokus steht um zu einem normfreien Turnen zu ge- langen (vgl. Göhner, 2008, S. 69).

2.2 Warum normfrei Turnen?

Lange (2007) untersttzt die Forderung, dass man dem tradierten Methoden-, Lehr- und Lernverständnis eher skeptisch entgegnen soll. Begrndet wird dies durch das Phänomen, dass viele Heranwachsende in ihrer Freizeit ganz allei- ne zu Lösungen fr Bewegungsprobleme und -aufgaben kommen können, de- ren Attraktivität sie ohnehin selbst gesucht und entdeckt haben. Eine durch sachlogische Argumente begrndete didaktisch-methodische Entscheidung, wie wir sie traditionellerweise in der Schule vorfinden, gibt es in diesen Kon- texten nicht. Es liegt also die Annahme nahe, dass "allein durch die Aktivität der Lernenden und die Wirkungen und Bedingungen der Inszenierung" (Lan- ge, 2007, S. 27) Lernen geschieht und dies nicht durch den Lehrer oder die Methodik erfolgt. Die Methodik, die sich an der Sachlogik der Inhalte ausrich- tet, weicht häufig von pädagogischen Ansprüchen der Vermittlung, aufgrund der individuellen Erfahrungen, Interessen und Bedürfnisse, die Lernende mit in die Schule bringen, ab. So werden durch das wechselseitige Zusammenwir- ken von Methoden, Interessen, Inhalten und Zielen die Themen für das Bewe- gungslernen und den Bewegungsunterricht bestimmt (vgl. Lange, 2007, S. 26). Eben aus diesem Grund spricht sich Lange (2007) für die Überwindung simpler Reihungsstrategien, eindimensionaler Fehlerkorrekturen sowie den an äußerlichen Beschreibungen angelehnten Bewegungsanweisungen und den daraus abgeleiteten Methoden aus (vgl. Lange 2007, S. 26). Das Lösen von offenen Bewegungsaufgaben, bis es zu einem befriedigenden Ergebnis kommt, nimmt zwar mehr Zeit in Anspruch, als das Erlernen und Durchführen von Techniken die genau nach Anweisungen durchgeführt werden. Allerdings werden solche Bewegungsaufgaben meistens mit insgesamt mehr Bewe- gungsanteilen und höherer und länger anhaltender Konzentration verfolgt (vgl. Scharenberg, 2008, S. 80). „Turnen wird [...] als ein Bewegungsfeld gesehen, bei dem es nicht darum gehen kann, Erstrebenswertes zu erreichen, sondern wichtiges zu erfahren“ (Göhner 2008, S. 70).

„Ein Vorschlag betont, dass es im schulischen Turnen nicht primär um das Erreichen von seit langem bekannten und daher relativ streng normierten Fertigkeiten gehen darf, sondern dass es vielmehr darauf ankomme, turntypische Wahrnehmungen, also z.B. Körperspannung, ungewöhnliche Körperbewegungen und Körperlagen, Gleichgewicht und Gleichgewichtsverlust u.a. zu erfahren“ (Göhner, 2008, S. 69 f.).

3 Parkoursport in der Schule

3.1 Parkoursport im Lehrplan

Betrachtet man den Parkoursport im Bezug zum Lehrplan Sport (2016), insbe- sondere der Sportart Gerätturnen im Bereich A des Lehrplans, wird deutlich, dass durch die Ausübung von Parkoursport sowohl der Anspruch des Erwerbs von Methoden- und Sozialkompetenz, als auch die Merkmale von normfreiem Turnen erfüllt werden können. Insbesondere die Grundtätigkeiten, wie Hän- gen, Klettern, Balancieren, Stützen usw. in verschiedenen Kontexten und zu unterschiedlichen Zielen, werden im Lehrplan aufgeführt. Im Zentrum des normfreien Turnens stehen vor allem die Bewegungserfahrungen, welche "im spielerischen Umgang mit Bewegungen des normfreien Turnens durch vielfäl- tiges Kombinieren und Üben an und mit Geräten erweitert und vertieft werden" (Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung, 2016, S. 24).

[...]

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Details

Titel
Le Parkour und normfreies Turnen im Sportunterricht
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Sportwissenschaften)
Veranstaltung
Didaktik des Schulsport
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
9
Katalognummer
V354824
ISBN (eBook)
9783668423473
ISBN (Buch)
9783668423480
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Trendsport, Parkour, Parcour, Sport, Schule, normfrei, Turnen, Akrobatik, Freerunning, Trendsporträume, Lehrplan, Didaktik, Lehrer, Lehramt, Bewegungserfahrung
Arbeit zitieren
Sebastian Walch (Autor), 2016, Le Parkour und normfreies Turnen im Sportunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354824

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