Coaching. Bearbeitung eines realen Falls mit dem Themenschwerpunkt „Business“


Hausarbeit, 2016

45 Seiten, Note: 0,5 (sehr gut)

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG
1.1 Charakterisierung des Klienten
1.2 Beschreibung der Ausgangssituation und des Problems bzw. des Änderungswunsches des Klienten

2 COACHING-PROZESS
2.1 Beschreibung des Coaching-Prozesses
2.2 Begründung

3 DARSTELLUNG EINER COACHING-SITZUNG
3.1 Ausführliche Darstellung einer ausgewählten Sitzung
3.2 Wörtliche Darstellung wichtiger Gesprächsaussagen

4 ERGEBNISBEWERTUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN
4.1 Ergebnisbewertung
4.2 Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie für sich selbst?

5 LITERATURVERZEICHNIS

6 ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 Einleitung

Eingangs ist anzumerken, dass ein in Anlehnung an den Leitfaden nach Pieter (2015a, S. 201 - 202) selbsterstellter Gesprächsbogen (Anhang 1) eingesetzt wurde, um die Ausführungen des Klienten aus dem Erstgespräch zu fixieren. Jene gewonnenen Infor- mationen wurden als Basis für die Erläuterungen in Kapitel 1 herangezogen. Ferner ist zu erwähnen, dass es sich bei dem Klienten um einen Spieler der städtischen Basketballmannschaft handelte, welche seit September 2015 vom Coach ehrenamtlich sportpsychologisch betreut werden. Aus diesem Grund wurde in dem betrachteten Fallbeispiel entgegen den Ausführungen von Schreyögg (1995, S. 208

- 209) kein formaler Vertrag ausgearbeitet. Zudem wurde vor dem Hintergrund der be- reits längerfristig bestehenden Zusammenarbeit mit dem Verein und entgegen der Vor- gabe von Pieter (2015a, S. 124), nach der kein Coaching ohne Auftrag durchgeführt werden sollte, auf einen psychologischen Auftrag nach Rauen (2002, S. 239) verzichtet.

1.1 Charakterisierung des Klienten

Um möglichst breitgefächerte und zugleich tiefgehende Informationen über den Klien- ten zu gewinnen und somit eine möglichst detaillierte Charakterisierung des Klienten vornehmen zu können, wurde neben seinen verbal geäußerten Informationen auch auf seine nonverbalen Signale intensiv geachtet und zur Beschreibung seines Charakters herangezogen. Die Begründung für jene Vorgehensweise liefert die österreichische Dipl. Psychologin, Monika Matschnig, nach der Gedanken und Körpersprache eine un- trennbare Einheit sind und sich gegenseitig beeinflussen (Matschnig, 2013, S. 10). So lässt sich nicht nur eine momentane Gefühlslage an dem jeweiligen Verhalten ablesen, auch Erfahrungen, die im Laufe des Lebens gemacht worden sind, prägen die menschli- che Haltung, Mimik und Gestik. Der Körper ist ein Spiegelbild der menschlichen Seele und eine persönliche Visitenkarte, die das Innere offenbart (Matschnig, 2013, S. 10).

Bei der Begrüßung und der gegenseitigen Vorstellung im Erstgespräch, welches am 17.04.2016 stattfand, war wahrzunehmen, dass der 21jährige Klient, namens David Prinn (Name wurde geändert), einen aufrechten Gang sowie einen festen Händedruck hatte, was in der Regel ein Anzeichen für Selbstsicherheit, Zufriedenheit und Zielstre- bigkeit ist (Matschnig, 2013, S. 78). Jene Beobachtung wurde durch seinen konstanten Blickkontakt im Zusammenspiel mit offenen Gesten der Hände im Sinne von nach oben gewandten Handflächen bekräftigt. Dieses Verhalten signalisiert zum einen Vertrauen und zum anderen, dass man sich seinem Gegenüber explizit zuwendet und nach Berüh- rungspunkten sucht (Matschnig, 2013, S. 51). Neben der positiven Körpersprache war weiter hervorzuheben, dass David eine ruhige und klare Stimme aufwies, wodurch der Klient ein hohes Maß an Empathie und Souveränität vermittelte (Matschnig, 2013, S. 91). In diesem Zusammenhang war zusätzlich erkennbar, dass der 21-Jährige seine ver- balen Äußerungen mit Handbewegungen oberhalb der Taille untermalte, was laut Matschnig (2013, S. 51) nicht nur positiv auf den jeweiligen Gesprächspartner wirkt, sondern zudem als ein weiteres Zeichen für Selbstsicherheit gedeutet werden kann.

Aufgrund jener Beobachtungen konnte resümiert werden, dass bei David im Hinblick auf seine Körpersprache eine verbindliche, selbstbewusste sowie charismatische Haltung zu erkennen war.

Im Hinblick auf die Charakterisierung des Klienten mit Hilfe der Analyse seiner verba- len Äußerungen waren zunächst seine Ausführungen über seine Freizeitbeschäftigungen aufschlussreich. Er erläuterte, dass er in seiner Freizeit ambitioniert Basketball spielte und Kapitän seiner Mannschaft war. Seine Mannschaftskameraden schätzten in diesem Zusammenhang besonders an ihm, dass er sie in Phasen von Leistungstiefs neu motivie- ren konnte und dabei individuell auf den Einzelnen einging. Jenes Verhalten zeigte ne- ben einer ausgeprägten Führungsqualität ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und bestätigte zugleich die bereits durch die Körpersprache vermittelte Charaktereigen- schaft der Empathie. Aufgrund der Tatsache, dass der 21jährige Klient sowohl jene Po- sition des Teamkapitäns als auch die Rolle des Klassen- und Schulsprechers dauerhaft und regelmäßig innehatte, konnte gefolgert werden, dass er zusätzlich über die Charak- tereigenschaften der Autorität sowie des Ehrgeizes verfügte.

Obwohl David im Bereich der Schule und des Sports stets vom Perfektionismus ange- trieben wurde, fand er im Malen und Zeichnen eine Freizeitbeschäftigung, bei der er sich fallen lassen konnte und sich seiner freien Gedanken sowie seiner Spontanität hin- geben konnte. Dieses Hobby zeugte vor allen Dingen von Kreativität, Einfallsreichtum und Originalität, aber auch von der Fähigkeit, sich von sämtlichen Bestrebungen und dem damit verbundenen Eigendruck zeitweise loszusagen, um den Moment des Künst- lerischen ausleben zu können.

Aufgrund der Informationen, welche durch die Analyse der verbalen und nonverbalen Kommunikation seitens des Klienten gewonnen wurden, konnte gefolgert werden, dass sich der eingangs durch die Körpersprache vermittelte Eindruck bzgl. des Klienten in seinen verbalen Äußerungen widerspiegelte. Jene Tatsache führte zu der Konklusion, dass es sich bei David um einen gedankenreichen, feinfühligen und intelligenten jungen Mann handelte.

1.2 Beschreibung der Ausgangssituation und des Problems bzw. des Änderungswunsches des Klienten Ausgangssituation:

Im Rahmen des Erstgesprächs erläuterte David, dass er sich während seiner Schulzeit keine Gedanken über seinen Berufswunsch gemacht hatte, so dass er trotz des Drängens seiner Eltern kurz vor dem Schulabschuss immer noch keine Idee bzgl. seiner Berufs- wahl hatte. In der Not orientierte sich der damals 19-Jährige an seinem Vater, der seit ca. 20 Jahren sehr engagiert und mit Begeisterung für die Stadtverwaltung tätig war, und begann eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Bereits nach kurzer Zeit musste sich David jedoch eingestehen, dass er seine dortigen Aufgaben als äußerst „ein- schläfernd“, wie er es im Erstgespräch formulierte, empfand, und dass er sich mit den im Durchschnitt deutlich älteren Kollegen nicht wohlfühlen konnte. Dies hatte zur Fol- ge, dass David die Ausbildung nach drei Monaten abbrach und erneut vor der Frage nach dem für ihn optimalen Berufsziel stand. Seine Eltern hatten kein Verständnis für jene Entscheidung, so dass der Klient im Streit aus dem Elternhaus auszog.

Um finanziell existieren zu können, nahm David zunächst eine Vollzeittätigkeit auf und suchte parallel nach einem für ihn passenden Ausbildungszweig, wobei jene Situation lediglich vorübergehend sein sollte. Da der Klient jedoch immer intensiver Selbstzwei- fel und die Angst, erneut die falsche Berufswahl zu treffen, verspürte, vertagte er die Entscheidung bzgl. eines neuen Ausbildungswegs seit zirka zwei Jahren. In diesem Zeitraum übte David eine Vielzahl an Tätigkeiten sowie diverse Praktika in verschiede- nen Bereichen aus, doch bei keiner Beschäftigung wurde ein „Brennen“, um es mit Da- vids Worten auszudrücken, in ihm entfacht. Der junge Erwachsene hatte bei keinem Job das Gefühl, beruflich ankommen zu können, so dass es ihm von Tag zu Tag schwerer fiel, sich ein Bild von seinem Traumberuf machen zu können. In diesem Zusammen- hang gab David zusätzlich an, dass er „den Wald vor lauter Bäumen“ nicht sehen konn- te. Er erklärte, dass ihn die Vielzahl an Möglichkeiten in der Berufswelt (betriebliche Ausbildung, duales Studium, Vollzeitstudium, etc.) sehr verwirrte und stark verunsi- cherte.

Problem/Änderungswunsch:

Im Hinblick auf die erläuterte Ausgangssituation sowie auf Basis der Ausführungen Davids bestand die Problematik darin, dass er zum einen nicht in der Lage war, sich prinzipiell für einen beruflichen Weg zu entscheiden und zum anderen nicht zu wissen, welcher Beruf ihn dauerhaft begeisterte und das „Brennen“ in ihm entfachte. Aufgrund jener Problematik erschloss David im Erstgespräch, dass sein primärer Ände- rungswunsch darin bestand, sich von dem „Jobhopping“, wie er es bezeichnete, also dem ständigen Wechsel der Tätigkeiten, zu lösen und sich für einen Beruf zu entschei- den, mit dem er sich identifizieren konnte, und in dem er völlig aufgehen konnte. In diesem Zusammenhang war es für den Klienten wichtig, sich durch das Coaching wei- terzuentwickeln und sich besser kennenzulernen, um im Verlauf des Coachings eigen- ständig und mit Begeisterung, den für ihn optimalen Berufszweig bestimmen zu kön- nen. Damit einhergehend war ein sekundärer Wunsch Davids, dass ihm nicht nur dabei geholfen werden sollte, jenen Traumberuf zu finden, sondern dass ihn der Coach auch bei den ersten Schritten zur Ergreifung jener Tätigkeit (z. B. ob Ausbildung oder Studi- um) unterstützen sollte.

2 Coaching-Prozess

2.1 Beschreibung des Coaching-Prozesses

Allgemeine Aspekte

Bevor die Sitzungen im Einzelnen beschrieben werden, soll an dieser Stelle auf die As- pekte der allgemeinen Organisation hingewiesen werden, die für alle Sitzungen zutref- fend waren. Hierzu zählte insbesondere die Organisation der Räumlichkeit, in welcher das Erstgespräch sowie alle Sitzungen stattfanden. Hierbei handelte es sich um den Be- sprechungsraum des Vereinsgebäudes der Basketballmannschaft, welcher spätestens drei Tage vor Beginn der jeweiligen Sitzung reserviert werden musste. Da der Raum mit Tischen, Stühlen, einem Flip-Chart, einer großen Tafel, zahlreichen Schreibutensilien und sogar einem Fernseher mit integriertem DVD-Spieler ausgestattet war, mussten jene Materialien zur Visualisierung bestimmter Inhalte nicht zusätzlich organisiert wer- den. Jede Sitzung fand an einem Sonntag statt und begann um 11 Uhr. Die Dauer des jeweiligen Treffens variierte dabei zwischen ca. 60 Minuten bis ca. 75 Minuten.

Erste Sitzung am 24.04.2016

(Die vom Coach zu dieser Sitzung verfassten Notizen befinden sich in Anhang 2)

Im Vorfeld der ersten Sitzung setzte sich der Coach als Vorbereitung noch einmal inten- siv mit seinen Notizen aus dem Erstgespräch auseinander und arbeitete verschiedene Arten von Fragen, z. B. Skalenfragen nach Raddatz (2003, S. 219 - 221), zu diversen Themen aus. Zu Beginn der ersten Sitzung wurde der Klient nach einer angemessenen Begrüßung mit Hilfe eines Smalltalks in die Sitzung hineingeführt (Dauer: ca. 5 Minu- ten). Im Anschluss wurden die wichtigsten Aspekte aus dem Erstgespräch noch einmal gemeinsam zusammengefasst (Dauer: ca. 10 Minuten). Entsprechend der Didaktik des GROW-Modells nach Whitmore (1994, S. 57), welches in Anhang 3 dargestellt ist, be- inhaltete die erste Sitzung als Kernaspekt die Festlegung des Ziels (Goal Setting) des Coaching-Prozesses (Pieter, 2015a, S. 129 - 130). Hierbei wurde die Methodik der Wunderfrage nach Dejong und Berg (2003, S. 138) angewendet. Dazu wurden dem Kli- enten zunächst deren Vorgehensweise und Intention erörtert, worauf David der Inter- vention zustimmte. Um die Methode anschließend optimal durchführen zu können, wurde der Klient mit Hilfe der Progressiven Muskelrelaxation (Hermann, 2014, S. 75 - 79) zunächst in einen Zustand der Entspannung gebracht. Anschließend leitete der Coach die Durchführung der Methode mit den entsprechenden Formulierungen (An- hang 4) nach de Shazer und Dolan (2015, S. 70) ein und ließ David mit Hilfe adäquater Fragestellungen seine Visualisierungen und Gedanken erörtern (Anhang 5 + 6). Nach Beendigung seiner Erläuterungen wurde der Entspannungszustand des Klienten durch den Coach wieder aufgehoben und es folgte eine kurze Analyse des Visualisierten, bei der David angab, dass er aufgrund der Visionen innerhalb der Methode eine Vorstellung davon bekommen hatte, wie sich ein Alltag in seinem Traumberuf anfühlen könnte (Dauer: 30 Minuten).

Im Anschluss wurde eine Hausaufgabe als Ergänzung der Methode eingesetzt. Es han- delte sich hierbei um die Erstellung einer Visionscollage nach Richthofen, Kugele und Vitzthum (2013, S. 128) und wurde dem Klienten entsprechend umfangreich sowie un- ter Angabe der Zielsetzung erläutert (Dauer: ca. 10 Minuten). Am Ende der Sitzung wurde mit Hilfe einer Skalierungsfrage nach Raddatz (2003, S. 219 - 221), die von Null bis Zehn ging, wobei die Zahl Zehn die Erreichung des Traumberufs darstellte, der ak- tuelle Standpunkt auf dem Weg zum Ziel ermittelt. Hierbei gab der Klient die Zahl Fünf an, so dass eine Steigerung um zwei Punkte im Vergleich zum Erstgespräch zu ver- zeichnen war. Im Anschluss erfolgten die gemeinsame Zusammenfassung der Sitzung, der Ausblick auf das nächste Gespräch und die Verabschiedung (Dauer: ca. 10 Minu- ten).

Im Hinblick auf die in der ersten Sitzung erkennbare Entwicklung des 21-Jährigen sollte angemerkt werden, dass der ansonsten sehr souverän und selbstbewusst wirkende Klient bereits im Verlauf des Erstgesprächs, insbesondere während seiner Schilderungen bzgl. seiner Ausgangssituation und seines Änderungswunsches, durch eine entsprechende Mimik und Gestik deutlich zum Ausdruck brachte, wie sehr er mit sich und seiner der- zeitigen beruflichen Situation haderte. Dies zeigte sich auch zu Beginn der ersten Sit- zung. David ließ oft seine Schultern nach vorne fallen, senkte dabei den Kopf und schaute in Richtung des Bodens, was nach Matschnig (2013, S. 41) als ein Anzeichen für Unsicherheit zu interpretieren war. Er wirkte angespannter als z. B. zu Beginn des Erstgespräches, und erzählte sehr ungehalten, dass „ihm die zig Jobs auf die Nerven gehen würden“. Im Verlauf der Sitzung veränderten sich jedoch seine Stimmung und seine Körperhaltung zum Positiven. Insbesondere als ihm die Intervention der Wunder- frage erläutert wurde, freute er sich darüber, kreativ gefordert zu werden, um aktiv an sich und seinem Berufswunsch arbeiten zu können. Durch zahlreiche Fragen bzgl. der Hausaufgabe signalisierte David eine gesteigerte Motivation sowie eine positive menta- le Entwicklung, so dass ein optimistisch gestimmter 21 Jahre junger Klient aus der ers- ten Sitzung entlassen wurde.

Zweite Sitzung am 01.05.2016

(Die vom Coach zu dieser Sitzung verfassten Notizen befinden sich in Anhang 7)

Zusätzlich zu der in der ersten Sitzung angewendeten Vorgehensweise wurden im Vor- feld der zweiten Sitzung, welche in Kapitel 3 ausführlicher dargestellt wird, in Bezug auf die Besprechung der Hausaufgabe Frageformulierungen nach Pieter (2015b, S. 127), welche in Anhang 8 zu finden sind, vorbereitet. Im Gegensatz zur ersten Sitzung fand bei dem Treffen am 01.05.2016 kein kurzes Alltagsgespräch statt. Da der Klient von Beginn an auf die Besprechung der Hausaufgabe drängte, überging man jenen Smalltalk und begann nach einer kurzen Begrüßung (wurde zeitlich nicht erfasst) mit der gemein- samen Rückschau auf die letzte Sitzung und der damit verbundenen Besprechung der Hausaufgabe (Anhang 9). Das mit der Ausarbeitung der Visionscollage erzielte Ergeb- nis war, dass es dem Klienten nun möglich war, sich auf folgende berufliche Wege einzuschränken: Marketing, Vertrieb und Unternehmensführung (Dauer: ca. 30 Minu- ten).

Danach erfolgte in Anlehnung an das GROW-Modell die Realitätsprüfung zur Klärung der aktuellen Situation (Reality checking) mit Hilfe der Intervention „Interessen und Leidenschaften“ nach Richthofen, Kugele und Vitzthum (2013, S. 157 - 158). Hierbei wurden dem Klienten zunächst die Vorgehensweise und Zielsetzung jener Methode ausführlich erläutert, um die Intervention nach der von David erteilten Erlaubnis durch- zuführen (Dauer: ca. 20 Minuten). Nach Beendigung und Besprechung der Intervention bekam David die Erstellung einer SWOT-Analyse nach Richthofen, Kugele und Vitzthum (2013, S. 163) als Hausaufgabe auf, wobei ihm ein Handout (Anhang 10) als Hilfestellung diente. Die Vorgehensweise bei der SWOT-Analyse und die damit ver- bundene Zielsetzung wurden dem Klienten vor der Skalierungsfrage, welche der Klient mit der Zahl Sieben beantwortet, erörtert. Im Anschluss folgten die gemeinsame Zu- sammenfassung der Sitzung, der Ausblick auf das nächste Treffen und die Verabschie- dung (Dauer: ca. 15 Minuten).

In Bezug auf die Entwicklung des jungen Klienten war ihm bereits bei der Begrüßung anzumerken, dass er neuen Mut gefasst hatte. Wie bereits deklariert, wirkte er positiv erregt und konnte es kaum erwarten, zusammen mit dem Coach die Visionscollage zu analysieren. Hierbei ging David auf die Fragestellungen des Coachs eindringlich und motiviert ein und wirkte bei seinen Erläuterungen sehr enthusiastisch. Auch die in der zweiten Sitzung angewendete Intervention gestaltete David mit viel Engagement aktiv mit und freute sich auf die Bearbeitung der anstehenden Hausaufgabe. Insbesondere das abschließende Ergebnis der zweiten Sitzung in Form der Beschränkung auf drei Berufs- zweige und des erhöhten Skalenwertes machten die Entwicklung des Klienten deutlich.

Dritte Sitzung am 08.05.2016

(Die vom Coach zu dieser Sitzung verfassten Notizen befinden sich in Anhang 11)

Wie im Vorfeld der ersten und zweiten Sitzung hat sich der Coach noch einmal mit den Inhalten aus dem letzten Treffen auseinandergesetzt und sich hierzu diverse Notizen gemacht. Im Hinblick auf die Besprechung und Auswertung der Hausaufgabe wurden erneut Fragestellungen (Anhang 12) seitens des Coachs vorbereitet. Die dritte Sitzung begann nach der Begrüßung mit einem kurzweiligen Gespräch über Belangloses (Dauer: ca. 5 Minuten). Im Anschluss ließen Coach und Klient die letzte Sitzung noch einmal Revue passieren und setzten sich gemeinsam mit der vom Klienten erstellten SWOT- Analyse (Anhang 13 + 14) auseinander. Dabei machte David deutlich, dass er den be- ruflichen Weg im Vertrieb für sich ausgrenzen könne, so dass er seine berufliche Zu- kunft auf den Bereich des Marketings sowie auf jenen der Unternehmensführung be- schränken konnte (Dauer: 20 Minuten). Im Hinblick auf jene Entwicklung und analog zum GROW-Modell wurde das Hauptaugenmerk in der dritten Sitzung auf den Aspekt der „Options“ gelegt. In jener Phase des Modells geht es darum, möglichst viele Hand- lungsabläufe, alternative Strategien und Optionen bzgl. der Zielerreichung zu entwi- ckeln (Whitmore, 1994, S. 88). Auf Basis der bereits von David getroffenen Entschei- dung, dass er sich auf die beiden erläuterten Berufszweige beschränken möchte, wurde die Methode der Dialog- und Rollenspieltechnik nach Pieter und Mayer (2015, S. 139) ausgewählt. Auch in diesem Fall wurden dem Klienten zunächst die Vorgehensweise und die Zielverfolgung der Methode erläutert, um sie nach seiner Zustimmung gemäß des empfohlenen Ablaufs (Anhang 15) nach Pieter und Mayer (2015, S. 139) umzuset- zen (Dauer: ca. 30 Minuten). Nach der Durchführung (Anhang 16) und der gemeinsa- men Analyse der Intervention, war es dem Klienten dann möglich, sich final für den Berufszweig des Marketings zu entscheiden. Am Ende der dritten Sitzung wurde ein Brainstorming nach Pieter (2015b, S. 172) bzgl. der selbständigen Suche nach berufli- chen Möglichkeiten bzw. nach Ausbildungswegen im Bereich des Marketings als Haus- aufgabe vergeben, deren Vorgehensweise und Zielsetzung dem Klienten ausführlich erklärt wurden. Nach der Skalierungsfrage, welche mit der Zahl Neun auf der Skala zur Zielerreichung beziffert wurde, erfolgten die gemeinsame Zusammenfassung der Sit- zung, der Ausblick auf den nächsten Termin und die Verabschiedung (Dauer: 10 Minu- ten).

Die dritte Sitzung zeigte, dass sich der 21 Jahre junge Klient durch seine aktive Mithilfe und seine interessierte sowie positive Einstellung dem Coaching-Prozess gegenüber innerhalb von drei Sitzung soweit entwickelt hatte, dass er den für sich passenden Berufszweig, welcher das „Brennen“ beim ihm auslöste, bereits zu diesem Zeitpunkt benennen konnte, um damit die Basis für die Erfüllung des sekundären Änderungswunsches in Form der Ergreifung jener Tätigkeit zu legen.

2.2 Begründung

Alle Sitzungen betreffend:

Die Auswahl des Ortes, an dem die Sitzungen abgehalten wurden, fand ihre Begrün- dung in den Erläuterungen von Pieter (2015a, S. 126), nach denen der Wunsch des Kli- enten bei jener Auswahl im Vordergrund steht. Zudem empfiehlt sie, dass jener Ort ein möglichst störungsfreies und diskret durchgeführtes Coaching ermöglichen soll. So war es der Wunsch von David, die Treffen im Besprechungsraum der Basketballmannschaft stattfinden zu lassen. Er verband mit jenem Raum viele positive und intensive Erinne- rungen (z. B. wenn die Spieler bei Videoanalysen von Spielszenen über sich selbst Scherze gemacht haben), so dass er im Zuge seiner Vereinszugehörigkeit eine positive Verbindung zu dem Ort aufgebaut hatte und sich wohl an ihm fühlte. Da sonntags kein Spiel- und Trainingsbetrieb in der Halle stattfand, wurde auch die zweite Empfehlung von Pieter erfüllt. Eine weitere Begründung für die Wahl des Wochentags lag in den zentralen Entscheidungskriterien nach Prior (2006, S. 41) bzgl. der Terminvereinbarung (Anhang 17). Da Coach und Klient innerhalb der Woche aufgrund diverser Verpflich- tungen wenig Zeit zur Verfügung hatten, stellte der Sonntag eine optimale terminliche Vorgabe für beide Seiten dar. Dieser wöchentliche Rhythmus bzgl. der einzelnen Sit- zungen erfolgte zudem auf Basis der Empfehlung von Pieter (2015a, S. 125), wonach sich in der Praxis das Einhalten eines Termins pro Woche bewährt hat. Nach Pieter (2015a, S. 125) wird mit Hilfe jener Vorgehensweise die Straffheit des Coaching- Prozesses gefördert und dem Klienten trotzdem genügend Zeit zugesprochen, um ein neues Verhalten auszuprobieren. Darüber hinaus spielte die Vergabe von Hausaufgaben eine zentrale Rolle in Bezug auf das betrachtete Fallbeispiel, so dass der gewählte zeitli- che Abstand zwischen den einzelnen Sitzungen auch an dieser Stelle seine Begründung darin fand, David ausreichend Zeit für die Auseinandersetzung mit jenen Aufgaben ge- geben zu haben.

In Bezug auf die Thematik der Zeit soll abschließend erwähnt werden, dass die Wahl der Dauer der jeweiligen Sitzung vor dem Hintergrund der Aussagen Pieters (2015a, S. 125) getroffen wurde, welche beinhalten, dass die einzelnen Sitzungen auf zirka 60 Mi- nuten zu begrenzen sind, wodurch eine höhere Verbindlichkeit im Aufforderungscha- rakter an den Klienten entsteht und eine erhöhte Aufmerksamkeit der Beteiligten er- möglicht wird. Zusätzlich bestätigt Sommer-Stumpenhorst (1994, S. 4), dass sich er- wachsene Personen zwar über eine Dauer von 90 Minuten konzentrieren können, jene Fähigkeit jedoch bereits ab der 45. Minute signifikant abnimmt, so dass auch an dieser Stelle ein kausaler Zusammenhang zwischen der gewählten Dauer der einzelnen Sitzun- gen und der Erhöhung der beidseitigen Aufmerksamkeitsspanne und der damit verbun- denen Optimierung des Coaching-Prozesses vorlag.

Wie in der Beschreibung der einzelnen Sitzungen erläutert, wurde im Vorfeld aller Sit- zungen auf eine optimale Vorbereitung seitens des Coachs geachtet. Dieses Unterfangen wurde durch Pieter (2015a, S. 124) begründet, nach der eine optimale Vorbereitung ein Gefühl des Vertrauens beim Klienten erzeugt. Zusätzlich ermöglichten z. B. die vorbe- reiteten Fragen eine optimale Gesprächsgrundlage für die jeweilige Sitzung und boten

Raum für weitere Fragestellungen.

Ein weiterer erwähnenswerter Punkt, der alle Sitzungen betraf bzw. ursprünglich auch die zweite Sitzung betreffen sollte, war die Durchführung eines Smalltalks zu Beginn der jeweiligen Sitzung. Dieses kurze Gespräch über Belangloses sollte dem Klienten das Ankommen erleichtern, um dadurch von Anfang an ein positives Gesprächsklima zu erzeugen. Auch wenn es in Kapitel 2.1 nicht explizit beschrieben wird, soll in diesem Kontext angemerkt werden, dass in jeder Sitzung auf die Herstellung des Rapports durch entsprechende Verhaltensweisen (Anhang 18) nach Migge (2007, S. 32) seitens des Coachs geachtet wurde, um einen „guten Draht“ (Migge, 2007, S. 32) zum Klienten aufbauen zu können.

Abschließend ist zu erwähnen, dass die Skalierungsfrage im Erstgespräch sowie in allen Sitzungen verwendete wurde, um nach Pieter (2015b, S. 37) Unterschiede seitens des Klienten leichter in Worte fassen zu können. Sie können dabei unterstützen, Aussagen und Zielvorstellungen konkreter zu machen und können dem Klienten eine Standortbe- stimmung ermöglichen, die dazu anregt, zu reflektieren, wie viel bereits erreicht worden ist, wie viel zukünftig noch erreicht werden kann und wie die „Meilensteine“ auf dem Weg dorthin beschaffen sein könnten. Darüber hinaus sind Skalierungsfragen ein aus- gezeichnetes Mittel, um das Coaching hinsichtlich seiner Wirksamkeit einzuschätzen, indem rasch Fortschritte, Stagnation oder Verschlechterungen erfasst werden können.

Erste Sitzung:

Die Begründung für die Anwendung der Wunderfrage spiegelt sich in den Erläuterun- gen von Walter und Peller (1999, S. 99 - 101) wider, nach denen der Klient durch die Wunderfrage aufgefordert wird, sich in einen Rahmen zu begeben, in dem das Problem gelöst ist oder gelöst werden kann. Jener Rahmen des „Weges zum Ziel“ ermöglicht eine prozessorientierte Antwort, welche eine Ausrichtung auf das Positive und somit auf die Lösungsfokussierung begünstigt. Die Wunderfrage stellt somit eine Möglichkeit dar, die Fokussierung auf die Lösung auch im weiteren Verlauf des Coaching-Prozesses zu fördern. Wie z. B. aus Kapitel 1.2 hervorgeht, neigte der junge Erwachsene aufgrund der negativen Erfahrung in der ersten Ausbildung dazu, an sich selbst zu zweifeln und von sich selbst enttäuscht zu sein. Zudem fiel es ihm immer schwerer, positive Gedan- ken bzgl.

[...]

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Coaching. Bearbeitung eines realen Falls mit dem Themenschwerpunkt „Business“
Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
0,5 (sehr gut)
Jahr
2016
Seiten
45
Katalognummer
V355108
ISBN (eBook)
9783668415126
ISBN (Buch)
9783668415133
Dateigröße
2005 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
coaching, bearbeitung, falls, themenschwerpunkt, business
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Coaching. Bearbeitung eines realen Falls mit dem Themenschwerpunkt „Business“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355108

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