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Epik, Lyrik und Drama im Chant-Roman. Die Erzählsituation im Roman "Elle sera de jaspe et de corail" von Werewere Liking

Título: Epik, Lyrik und Drama im Chant-Roman. Die Erzählsituation im Roman "Elle sera de jaspe et de corail" von Werewere Liking

Trabajo Escrito , 2010 , 18 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Nicole Schröder (Autor)

Estudios franceses - Literatura
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In dieser Arbeit wird die Erzählweise des modernen westafrikanischen Romans „Elle sera de Jaspe et de Corail“ aus zwei Sichweisen unter die Lupe genommen: Einmal aus der literaturtheoretischen Perspektive Stanzels, dessen Erzähltheorie zu den grundlegenden Theorien der Literaturwissenschaft gehört. In einem zweiten Ansatz wird die Erzählperspektive kulturtheoretisch definiert und der Schreib- bzw. Erzählprozess selbst wird als Heilungsritual der Bassa ein von der Romanhandlung unabhängiger Prozess der Reinigung und der Initiation.

„Elle sera de Jaspe et de Corail“ ist ein Chant-Roman. Was bedeutet dies genau? Diese Bezeichnung – durch die Autorin selbst gegeben – weist bereits auf der Titelseite des Romans auf den vielschichtigen Charakter des Werkes hin. Es besitzt neben dem erzählenden Text Elemente der Lyrik und dramatisierte Szenen zwischen den beiden Hauptcharakteren Babou und Grozi: Es tauchen folglich alle drei Hauptgattungen in Likings Werk auf; die Epik, die Lyrik und das Drama.

Nicht umsonst bezeichnet Anne Adams sie als nicht nur als Romanautorin, sondern als „dramatist-novelist-poet-painter“ in einem. Trotz seiner vielen verschiedenen Elemente definiert die Autorin ihr Werk als Tagebuch: „Journal d’une Misovire“. Sowohl ein Tagebuch als auch ein Chant-Roman sind wohl beide in ihrer Grundform der erzählenden Literatur – der Epik – unterzuordnen. Neben ihrem Projekt des Tagebuchschreibens übernimmt sie die Rolle des Erzählers.

Die Grenze zwischen ihrem Tagebuch und dem Erzählertext selbst jedoch ist ungenau. Was steht tatsächlich in ihrem Tagebuch, was soll darinstehen? Befasst man sich näher mit ihrer Rolle, so scheint nicht sicher: Auf welcher Ebene steht die Erzählerin innerhalb des Romans? Wo positioniert sie sich? Allein schon der atemporale Charakter der Erzählung macht es schwer, einen Sinn in dem Tagebuch festzustellen, denn man kann ein Tagebuch wohl als eine Beschreibung eines oder mehrerer Prozesse sehen.

Worin also der Sinn des Tagebuchs, wo doch das Leben in Lunaï stillsteht? Wovon erzählt die Erzählfigur, was ist Inhalt und Zweck des Tagebuchs? Kann eine klassische, „westliche“ Theorie wie die Franz K. Stanzels die Erzählsituation in „Elle sera de Jaspe et de Corail“ erklären? Oder bedarf es einer vielschichtigeren Analyse unter verschiedenen, kulturellen und über die klassische Literaturtheorie hinaus bestehenden Aspekten, um die komplexe Erzählsituation des Chant-Romans von Werewere Liking zu erfassen?

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse und Kategorisierung nach Stanzels Erzähltheorie

3. Interpretationsansätze der Erzählsituation

3.1. Die Erzählung als spielerischer Prozess

3.2. Metafiktionalität und Reflexivität der Erzählsituation

4. Das Tagebuch als Spiegel des kollektiven Heilungsrituals der Bassa

4.1. Das kollektive Heilungsritual

4.2. Die Rolle der Erzählerfigur als Heiler

4.3. Der ritualisierte Aufbau der Erzählung

5. Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Erzählsituation in Werewere Likings Werk Elle sera de Jaspe et de Corail. Dabei wird analysiert, inwiefern eine Anwendung klassischer westlicher Erzähltheorien möglich ist und durch welche kulturellen, rituellen und metafiktionalen Aspekte das Werk bestimmt wird.

  • Analyse der Erzählsituation nach Franz K. Stanzel
  • Interpretation des Werkes als spielerischer Prozess und Metafiktion
  • Verbindung zwischen literarischem Tagebuch und dem Heilungsritual der Bassa
  • Rolle der Erzählerin als Initiatorin und Heilerin
  • Bedeutung der panafrikanischen Ästhetik und des Neuanfangs

Auszug aus dem Buch

4.1. Das kollektive Heilungsritual

Auf ihrer Suche nach einer neuen Ästhetik hat Liking in Elle sera de Jaspe et de Corail auf eine Tradition der Bassa, einer kamerunischen Ethnie, in deren Kulturkreis sie aufgewachsen ist, zurückgegriffen. Bei den Bassa spielen Heilungsrituale eine wichtige Rolle. Sie implizieren nicht nur die Heilung selbst als Prozess, der von einer Krankheit befreit, sondern sind begleitet von einem weiteren Prozess: dem Initiationsritus. Er dient dazu, den eigenen Platz in der Gesellschaft und ihre Rolle im größeren kosmischen Gleichgewicht zu finden, indem man sich emotionalen, physischen und geistigen Prüfungen aussetzt.

In dieser Form findet ein solcher Ritus beispielsweise statt, um junge Menschen in den Kreis der Erwachsenen einzuführen. Nach einer Initiation sollte ein höheres Bewusstsein – „a higher consciousness“ – erlangt werden, die ein verantwortungsvolles Handeln der durch die Gemeinschaft gegebenen Rolle impliziert. Das Erlangen eines höheren Bewusstseins beinhaltet oft auch einen Tod; den Tod des jugendlichen Selbst und die Widergeburt als verantwortungsvolles Wesen. Hier wird bereits die erste Parallele zur Thematik des Tagebuchs enthüllt: Ziel und Wunsch der Misovire ist es, la nouvelle race entstehen zu lassen und alles Alte, alles Kranke abzulegen für den Neuanfang. Das alte Selbst wird zurückgelassen, um einem neuen, bewussten Selbst Platz zu machen.

Eine solche Initiation kann auch für eine gesamte Kommune, die sozial und moralisch erkrankt ist, zur Heilung und zu einem höheren Bewusstsein führen: In diesem Fall handelt es sich um die Dorfgemeinschaft von Lunaï. Ein solcher Heilungsprozess wird angeleitet durch den Heiler, der „through his chant and his music, will narrate and move the event forward“ (der durch seinen Gesang und seine Musik den Fall erzählt und vorantreibt). Auf künstlerische Art und Weise leitet er die Gemeinschaft durch den Prozess der Genesung.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk als ‚Chant-Roman‘ ein, beleuchtet die Gattungs- und Identitätsfragen der Erzählerin und formuliert die Forschungsfrage hinsichtlich der theoretischen Erfassbarkeit des komplexen Textes.

2. Analyse und Kategorisierung nach Stanzels Erzähltheorie: Dieses Kapitel prüft die Anwendbarkeit von Stanzels Grundoppositionen (Person, Perspektive, Modus) auf Likings Roman und stellt die Grenzen dieser westlichen Kategorisierung fest.

3. Interpretationsansätze der Erzählsituation: Hier wird der Roman als spielerischer Prozess und metafiktionales Konstrukt gedeutet, wobei die Erzählerin in eine kollektive Struktur eingebettet wird.

3.1. Die Erzählung als spielerischer Prozess: Dieses Kapitel analysiert, wie die Erzählerin als Spielleiterin und Prophetin agiert, um gemeinsam mit anderen Charakteren und Stimmen eine ‚nouvelle race‘ zu erschaffen.

3.2. Metafiktionalität und Reflexivität der Erzählsituation: Dieser Abschnitt untersucht den reflexiven Schreibstil Likings und die Rolle des Schreibaktes selbst als zentrales Motiv und Widerstandshandlung gegen patriarchale Strukturen.

4. Das Tagebuch als Spiegel des kollektiven Heilungsrituals der Bassa: Das Kapitel vergleicht die Struktur des Romans mit dem traditionellen Heilungs- und Initiationsritus der Bassa.

4.1. Das kollektive Heilungsritual: Hier werden die Grundlagen des Initiationsritus erläutert und die Parallelen zur Zielsetzung der Erzählerin im Roman aufgezeigt.

4.2. Die Rolle der Erzählerfigur als Heiler: Dieser Teil beleuchtet die Ambivalenz der Erzählerin, die einerseits die Heilung initiiert, sich aber ihrer Rolle teilweise unsicher gegenübersteht.

4.3. Der ritualisierte Aufbau der Erzählung: Dieses Kapitel zeigt auf, wie das Tagebuch dem Schema des Heilungsrituals – Diagnose, Rezept und Genesung – folgt.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie Liking durch die Verbindung von Tradition und Moderne eine neue panafrikanische Ästhetik erschafft und die Erzählerin als Impulsgeberin für sozialen Wandel positioniert.

Schlüsselwörter

Werewere Liking, Elle sera de Jaspe et de Corail, Erzählsituation, Stanzel, Heilungsritual, Bassa, Metafiktionalität, Misovire, panafrikanische Ästhetik, Initiation, neue Rasse, Lunaï, Literaturtheorie, Schreibprozess, Postkoloniale Literatur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die komplexe Erzählstruktur des Romans Elle sera de Jaspe et de Corail von Werewere Liking unter Einbeziehung literaturtheoretischer und kultureller Aspekte.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Erzähltheorie nach Stanzel, die Funktion von Ritualen, die Rolle der Frau in der Gesellschaft und die Entstehung einer neuen afrikanischen Ästhetik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu erfassen, wie die Erzählsituation des Werkes konstruiert ist und ob klassische westliche Theorieansätze ausreichen, um die polymorphe Struktur dieses Romans zu erklären.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Stanzels Typenkreis mit kulturanthropologischen Ansätzen, insbesondere den Heilungsritualen der Bassa, kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung, eine Untersuchung des Romans als Spiel und Metafiktion sowie eine detaillierte Analyse der Verbindung zwischen dem Tagebuchformat und rituellen Heilungsprozessen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Erzählsituation, Heilungsritual, Metafiktionalität, panafrikanische Ästhetik und Postkoloniale Literatur definieren.

Was bedeutet der Begriff ‚Chant-Roman‘ im Kontext dieser Arbeit?

Der Begriff beschreibt die bewusste Vermischung von Epik, Lyrik und Drama in Likings Werk, um verschiedene Bewusstseinsebenen und kulturelle Ausdrucksformen zu erreichen.

Welche Rolle spielt die Figur der „Misovire“?

Die Misovire ist die Erzählerin, die durch ihren Schreibprozess versucht, die Gemeinschaft von Lunaï zu heilen und eine neue, emanzipierte Form des Zusammenlebens für Afrika zu initiieren.

Wie korrespondiert der Aufbau des Tagebuchs mit dem Bassa-Ritual?

Das Tagebuch folgt laut Analyse dem rituellen Ablauf von Diagnose (Erkenntnis der sozialen Missstände), Verschreibung (das ‚Skript‘ als neues Wort/Sprache) und Genesung (Wiedergeburt und Transformation).

Final del extracto de 18 páginas  - subir

Detalles

Título
Epik, Lyrik und Drama im Chant-Roman. Die Erzählsituation im Roman "Elle sera de jaspe et de corail" von Werewere Liking
Universidad
University of Heidelberg  (Romanisches Seminar)
Curso
Proseminar Französischsprachige Literatur in Westafrika
Calificación
1,0
Autor
Nicole Schröder (Autor)
Año de publicación
2010
Páginas
18
No. de catálogo
V355236
ISBN (Ebook)
9783668411944
ISBN (Libro)
9783668411951
Idioma
Alemán
Etiqueta
Werewere Liking Westafrika Erzähltheorie Modernismus Erzählperspektive Francophonie
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Nicole Schröder (Autor), 2010, Epik, Lyrik und Drama im Chant-Roman. Die Erzählsituation im Roman "Elle sera de jaspe et de corail" von Werewere Liking, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355236
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