In dieser Arbeit geht es um das komitative W-Präpositionaladverb »wobei« und dessen Entsprechungen im Ungarischen und Russischen. Das Thema ist unter zwei Gesichtspunkten interessant. Zum Einen aus typologischer Sicht, da es – wie sich herausstellen wird – um systematisch beschreibbare Eigenschaften geht, die für die eine Sprache typisch sind, für die andere jedoch nicht. Zum Anderen kann eine gründliche Untersuchung und Systematisierung dieser Entsprechungen auch in der angewandten Linguistik wie der automatischen Übersetzung von Wert sein.
Diese Arbeit wurde so strukturiert, dass zuerst die Problematik aus theoretischer Sicht beschrieben wird und nach der Darstellung der theoretischen Grundzüge für die jeweilige Sprache aus einer Korpusstudie Schlussfolgerungen gezogen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Vorbetrachtung
2.1 Die komitative Satzverknüpfung wobei im Deutschen
2.2 Wobei-Sätze im Ungarischen
2.3 Wobei-Sätze im Russischen
3 Korpusstudie
3.1 Verwendete Korpora
3.2 Annotation
3.3 Ergebnisse für das Ungarische
3.4 Ergebnisse für das Russische
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komitative Satzverknüpfung durch das W-Präpositionaladverb wobei und deren Entsprechungen in den Zielsprachen Ungarisch und Russisch. Das primäre Ziel ist es, typologische Eigenschaften zu beschreiben und aufzuzeigen, welche grammatikalischen Mittel die Zielsprachen wählen, um die semantischen Aspekte der Gleichzeitigkeit und Ereignispriorität abzubilden.
- Kontrastive Analyse des Adverbs wobei
- Untersuchung fiktionaler und nicht-fiktionaler Textgattungen
- Annotation und Auswertung von Parallelkorpora
- Semantische Äquivalenz und syntaktische Umstrukturierung
- Identifikation von Strategien zur Ausdrucksweise von Gleichzeitigkeit
Auszug aus dem Buch
2.1 Die komitative Satzverknüpfung wobei im Deutschen
Nach Breindl et al. (2015, S. 576) ist die prototypische Verwendung von wobei in fiktionalen Texten die Organisierung von kookkurierenden Ereignissen in Haupt- und Nebenereignisse – im Folgenden Ereignispriorität genannt –, bei der eine zeitliche Überlappung der Ereignisprädikate wie in (2) charakteristisch ist.
(2) DE Sie [...] begann es im Arme hin und her zu wiegen, wobei sie leise sang. (Madame Bovary)
Die Ereignisse des Wiegens und des Singens überlappen sich zeitlich derart, dass das Singen innerhalb des Wiegens stattfindet. Das Wiegen ist das Haupt- und das Singen das Nebenereignis.
In fiktionalen Texten sind also hauptsächlich die zwei semantischen Aspekte Ereignispriorität und Gleichzeitigkeit zu betrachten. Diese Relation wird oft in nicht-fiktionalen, aber auch in fiktionalen Texten verallgemeinert, indem die Temporalität zur Domäne und die Ereignispriorität zu einer Zentrum-&-Peripherie-Aufteilung wie in (3) abstrahiert wird.
(3) DE Stunden werden als Ortzeit angegeben, wobei die gängige Sprache benutzt wird (eurlex)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage vor und erläutert die Relevanz der komitativen Satzverknüpfung wobei für die angewandte Linguistik und automatische Übersetzung.
2 Theoretische Vorbetrachtung: Dieses Kapitel definiert die syntaktische und semantische Struktur von wobei im Deutschen und beleuchtet die Entsprechungen in den Zielsprachen.
3 Korpusstudie: Die Korpusstudie beschreibt die Methodik der Datenerhebung, Annotation und die quantitative sowie qualitative Auswertung der Ergebnisse in Ungarisch und Russisch.
4 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und diskutiert die unterschiedlichen Ausdrucksstrategien für Gleichzeitigkeit in den untersuchten Sprachen.
Schlüsselwörter
Wobei, Satzverknüpfung, Komitativ, Korpuslinguistik, Gleichzeitigkeit, Ereignispriorität, Ungarisch, Russisch, Annotation, Kontrastive Linguistik, Semantik, Syntax, Übersetzung, Parallelkorpus, Textgattung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie deutsche Sätze, die mit dem W-Präpositionaladverb wobei gebildet werden, in das Ungarische und Russische übersetzt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die semantischen Konzepte der Gleichzeitigkeit und der Ereignispriorität sowie deren syntaktische Realisierung in verschiedenen Sprachen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, herauszufinden, ob und mit welchen Mitteln die Zielsprachen eine äquivalente Konstruktion zu wobei bilden und wie sich dies zwischen fiktionalen und nicht-fiktionalen Texten unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine korpusbasierte Studie, bei der Paralleltexte (Glosbe, OPUS, ParaSol, FarkasTranslations) annotiert und statistisch ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Phänomens im Deutschen, gefolgt von einer detaillierten Analyse der ungarischen und russischen Entsprechungen anhand von konkreten Textbeispielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern gehören vor allem wobei, Komitativ, Gleichzeitigkeit, Ereignispriorität, Parallelkorpus und Kontrastive Linguistik.
Warum spielt die Textgattung eine Rolle bei der Übersetzung von wobei?
Die Untersuchung zeigt, dass fiktionale Texte oft Ereignispriorität ausdrücken, während nicht-fiktionale Texte eher zu abstrakteren Domänen-Relationen tendieren, was die Wahl des Konnektors beeinflusst.
Wie unterscheidet sich die Situation im Ungarischen und Russischen?
Während im Ungarischen oft morphologische Suffixe oder Partizipien verwendet werden, nutzt das Russische häufig Adverbialpartizipien oder spezielle Konjunktionen wie "prichem", um die Bedeutung von wobei zu bewahren.
- Citar trabajo
- Zoltán Czesznak (Autor), Tillmann Dönicke (Autor), Olga Stroh (Autor), 2017, Entsprechungen von »wobei«-Sätzen im Ungarischen und Russischen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355967