Ausländische Schüler an Förderschulen. Werden ausländische Kinder im deutschen Bildungssystem benachteiligt?


Hausarbeit, 2016

13 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Flüchtlingsstrom als Herausforderung

2 Definition von Förderschule

3 Entwicklung und Aufgaben von Förderschulen
3.1 Entwicklungsgeschichte von Förderschulen
3.2 Aufgaben von Förderschulen
3.3 Förderansatz und Methoden von Förderschulen

4 Daten zum Besuch von Förderschulen
4.1 Übliches Verfahren bei der Überweisung an Förderschulen
4.2 Ausländeranteil an Förderschulen
4.3 Über- und Unterrepräsentation ausländischer Schüler an Förderschulen
4.3.1 Daten zum Ausländeranteil nach Bundesland
4.3.2 Daten zum Ausländeranteil nach Nationalität und Geschlecht
4.4 Bildungsabschlüsse von Förderschülern

5 Benachteiligung ausländischer Schüler in Förderschulen
5.1 Überweisung an Förderschulen aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse

6 Fazit

Ausblick

Literaturverzeichnis

Selbstständigkeitserklärung

1 Flüchtlingsstrom als Herausforderung

Das deutsche Bildungssystem ist durch den enormen Zustrom an Flüchtlingen vor große Herausforderungen gestellt. Die rasche Vermittlung der deutschen Sprache wird eine Schlüsselfunktion für die Integration und weitere Lebenschancen der Flüchtlingskinder darstellen. Die bisherigen Erfahrungen mit ausländischen Schülern zeigten, dass fehlende Deutschkenntnisse oft zu einer Überweisung an Förderschulen führten.

2 Definition von Förderschule

„An Sonderschulen – in einigen Bundesländern werden diese auch als Förderschulen, Förderzentren oder Schulen für Behinderte bezeichnet – sollen solche Schüler unterrichtet werden, die sonderpädagogischen Förderbedarf haben“ (Siegert 2008, S. 28).

„Sonderpädagogischer Förderbedarf ist bei Kindern und Jugendlichen anzunehmen, die in ihren Bildungs-, Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten so beeinträchtigt sind, dass sie im Unterricht der allgemeinen Schule ohne sonderpädagogische Unterstützung nicht hinreichend gefördert werden können” (Kultusministerkonferenz 1994 zit. n. Diefenbach 2010, S. 66).

Dazu schreibt die Kultusministerkonferenz weiter, es seien „Informationen aus folgenden Bereichen wichtig: Erleben und Verhalten, Handlungskompetenzen und Aneignungsweisen, Wahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung, Entwicklung- und Leistungsstand, soziale Einbindung, Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit, individuelle Erziehung- und Lebensumstände, das schulische Umfeld und die Möglichkeiten seiner Veränderung, das berufliche Umfeld und die erforderlichen Fördermöglichkeiten” (Kultusministerkonferenz 1994 zit. n. Diefenbach 2010, S. 66).

3 Entwicklung und Aufgaben von Förderschulen

3.1 Entwicklungsgeschichte von Förderschulen

Die Sonderbeschulung in Deutschland wurde im 19. Jahrhundert in Form von Hilfsklassen eingeführt und hat sich in den 1960er Jahren als eigene Schulform bundesweit etabliert und ausdifferenziert (DJI 2011). 2

Seit den 1970er Jahren ist das Sonderschulwesen in Deutschland in zehn verschiedene Formen von Sonderschulen geordnet (DJI 2011). Die Änderung der Bezeichnung von 'Hilfsschule' über 'Sonderschule' bis zur aktuellen Bezeichnung 'Förderschule' zeigt die Entwicklung der dahinter stehenden Schulkonzepte (DJI 2011).

3.2 Aufgaben von Förderschulen

Laut Kultusministerkonferenz 1994 liegt die Aufgabe von Förderschulen darin, Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf durch individuelle Hilfen zu unterstützen und zu begleiten, „um für diese ein möglichst hohes Maß an schulischer und beruflicher Eingliederung, gesellschaftlicher Teilhabe und selbständiger Lebensgestaltung zu erlangen“ (KMK 1994, S. 4).

Dies soll mit den folgenden Förderansätzen und Methoden verwirklicht werden.

3.3 Förderansatz und Methoden von Förderschulen

Zu den zehn verschiedenen Formen von Förderschulen zählen Schulen für Blinde, Gehörlose, Geistigbehinderte, Körperbehinderte, Kranke, Lernbehinderte, Schwerhörige, Sehbehinderte, Sprachbehinderte und Schulen für Verhaltensgestörte (Siegert, S. 28).

Da der größte Anteil aller Förderschüler an Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen unterrichtet wird, werde ich exemplarisch den Förderansatz und die Methoden von diesem Förderschwerpunkt ausführen.

Das Lernen als Entfaltung der eigenen Kräfte sowie als Aneignung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten vollzieht sich im Austausch des Individuums mit seiner Umwelt (KMK 1999, S. 3). In diesem Wechselwirkungsprozess stehen dem Lernenden seine vielfältigen Dispositionen zur Verfügung, um das Wissen und Können zu erweitern und Lernstrategien sowie Leistungsfähigkeit zu entwickeln (KMK 1999, S. 3). Die Intensität und Effektivität des Entwicklungs- und Aneignungsprozesses werden durch Aktivität und Selbstbestimmtheit des Lernenden positiv beeinflusst (KMK 1999, S. 3). Außerdem werden die Handlungskompetenzen im Sinne einer bestmöglichen Persönlichkeitsentwicklung erweitert (KMK 1999, S. 3).

4 Daten zum Besuch von Sonderschulen

In Deutschland hatten im Schuljahr 2007/2008 nahezu eine halbe Million Schüler einen diagnostizierten sonderpädagogischen Förderbedarf (DJI 2011). Davon besuchten etwa 400.000 Kinder und Jugendliche spezielle, eigens auf ihren Förderbedarf zugeschnittene Förderschulen (DJI 2011). Weitere 85.000 von ihnen lernten im Sinne der Inklusion mit Gleichaltrigen an Regelschulen im gemeinsamen Unterricht (DJI 2011).

Im Schuljahr 2012/2013 gab es 355.139 Schüler an Förderschulen, 2013/2014 waren es 343.343 und 2014/2015 335.008 (Statistisiches Bundesamt 2016). Vergleicht man diese Zahlen mit der gesamten Schülerzahl an allen Schulen, so stellt man fest, dass circa 4 % aller Schüler in Deutschland Förderschüler sind.

Fast die Hälfte der Förderschüler wird gegenwärtig im Schwerpunkt Lernen unterrichtet (DJI 2011) . Im Jahr 2006 waren es laut Behindertenbericht 2009 rund 47 % junge Menschen (DJI 2011) . Der zweitgrößte Förderschwerpunkt Sprache wird von knapp 9 % aller Förderschüler besucht (DJI 2011) . Eine weitere große Gruppe, nämlich 10 %, hat als Unterrichtsschwerpunkt die emotionale und soziale Entwicklung (DJI 2011) . Das heißt etwa zwei Drittel der Jugendlichen, die eine Sonderschule besuchen, haben keine oder nur eine geringfügige, organisch bedingte Beeinträchtigung (DJI 2011) .

Zum Schuljahr 2007/08 wurden in Deutschland insgesamt 93.000 Schüler neu in Förderschulen aufgenommen: knapp 18.000 durch Einschulungen in die erste Klasse und der weitaus größere Teil mit etwa 75.000 durch Überweisungen aus den allgemeinen Schulen (DJI 2011).

Nur einem Bruchteil gelingt der Sprung zurück auf eine allgemeine Schule. Im Jahr 2007/2008 waren es nur etwa 9.300 Schüler, die aus den Förderschulen in allgemeine Schulen wechselten (DJI 2011).

4.1 Übliches Verfahren bei der Überweisung an Förderschulen

In der Regel wird der sonderpädagogische Förderbedarf auf Anregung einer Kindertageseinrichtung oder einer Regelschule – meist einer Grund- oder Hauptschule – festgestellt (DJI 2011). Nach ersten Überprüfungen durch Beratungslehrer, Schulpsychologen oder Förderlehrkräfte erfolgt eine Einschätzung durch eine medizinische Einrichtung oder einen mobilen sonderpädagogischen Dienst beziehungsweise in sogenannten Frühdiagnosezentren (DJI 2011).

Diese Einschätzung umfasst neben Gesprächen mit Erzieherinnen und Erziehern oder Lehrkräften, Eltern und Kindern diverse standardisierte Testverfahren, deren Ergebnisse in einem abschließenden sonderpädagogischen Gutachten festgehalten werden (DJI 2011).

Fachleute sind sich darüber einig, dass es nicht einfach ist, den Begriff der Lernbehinderung inhaltlich klar zu fassen und von anderen Begriffen wie zum Beispiel Schulleistungsschwäche, Lernversagen oder Lernstörungen abzugrenzen und eine Lernbehinderung mit der Konsequenz einer Überweisung der Kinder und Jugendlichen an Förderschulen zu diagnostizieren (DJI 2011).

4.2 Ausländeranteil an Förderschulen

Im Folgenden wird stets zwischen Schülern deutscher Staatsangehörigkeit, also deutschen Schülern und Schülern mit einer nicht-deutschen Staatsangehörigkeit, also ausländischen Schülern unterschieden.

Vergleicht man den Ausländeranteil an allen Schulen mit dem Ausländeranteil an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen, dann ergibt die amtliche Bildungsstatistik das folgende Bild für die Jahre 1991 bis 2006:

Abbildung 1: Prozentualer Anteil ausländischer Schüler an allen Schülern und an Sonderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen, 1991 bis 2006

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt aus Diefenbach 2010, S. 67

Wie Abbildung 1 zeigt, betrug der Anteil der ausländischen Schüler an allen Schülern im Jahr 1991 8,8 %, an Sonderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen deutlich mehr, nämlich 15,8 % (Diefenbach, S. 67). Während außerdem der Anteil der ausländischen Schüler an allen Schulen in den Folgejahren nur leicht gestiegen ist, nämlich auf 9,9 % in den Jahren 2003 und 2004, und seitdem wieder leicht gesunken ist (auf 9,6 % im Jahr 2006), ist der Anteil der ausländischen Schüler an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen stärker und kontinuierlich gestiegen, und zwar auf 19,4 % im Jahr 2006 (Diefenbach, S. 67). Das heißt im Jahr 2006 war etwa jeder fünfte Schüler an einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen Ausländer, während an allen allgemein bildenden Schulen zusammenbetrachtet nur knapp jeder zehnte Schüler Ausländer war (Diefenbach, S. 67).

Im Schuljahr 2013/2014 lag der Ausländeranteil an allen Förderschulen bei 10,5 % und sank zum Schuljahr 2014/2015 auf 10,1 % (Statistisches Bundesamt 2016).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Ausländische Schüler an Förderschulen. Werden ausländische Kinder im deutschen Bildungssystem benachteiligt?
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Jugendsoziologie: Migration und Bildung
Note
2,0
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V356110
ISBN (eBook)
9783668419391
ISBN (Buch)
9783668419407
Dateigröße
1693 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
überweisung, schüler, förderschulen, deutschkenntnisse, indikator, benachteiligung, kinder, bildungssystem
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Ausländische Schüler an Förderschulen. Werden ausländische Kinder im deutschen Bildungssystem benachteiligt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356110

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ausländische Schüler an Förderschulen. Werden ausländische Kinder im deutschen Bildungssystem benachteiligt?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden