Ausgehend von Internationalisierungstheorien werden wichtige Instrumente der Betriebswirtschaftslehre auf ihre Eignung für die Standortplanung hin untersucht. Dabei wird ganz konkret anhand eines Praxisbeispiels die Anwendbarkeit der Standorttheorie auf eine einfache und verständliche Weise erörtert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung, Zielsetzung und Vorgehensweise
1.2 Auswahl der Internationalisierungstheorie
2 Theoretische Grundlagen der Standorttheorie der Internationalisierung
2.1 Die Erklärung der Standortentscheidung anhand der Standorttheorie der Internationalisierung
2.2 Alternative Standortmöglichkeiten anhand der Standorttheorie
3 Kritische Gesamtreflexion der Standorttheorie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Entscheidung der LEONI AG zur Errichtung eines Produktionsstandortes in der ukrainischen Stadt Stryj mittels der betriebswirtschaftlichen Standorttheorie zu analysieren und alternative Standorte zu bewerten.
- Anwendung der Standorttheorie auf konkrete unternehmerische Investitionsentscheidungen.
- Analyse von Standortfaktoren wie Lohnkostendifferenzen und geografische Nähe zu Absatzmärkten.
- Evaluierung der Rolle staatlicher Unterstützung und politischer Rahmenbedingungen.
- Vergleich potenzieller alternativer Investitionsstandorte in Osteuropa.
- Kritische Würdigung der Aussagekraft und Limitationen der Standorttheorie.
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Erklärung der Standortentscheidung anhand der Standorttheorie der Internationalisierung
Die mit 60 Standorten weltweit agierende LEONI-Gruppe bewies bereits in der Vergangenheit ihre Kompetenz bei der Standortwahl. Schon früh erkannte LEONI die Standortvorteile osteuropäischer Staaten und errichtete unter anderem Werke in Polen, Ungarn, Rumänien und der Slowakei. Als eines der ersten deutschen Unternehmen entschied sich LEONI nun für die Errichtung des Bordnetz-Werkes in Stryj in der Region Lemberg bzw. Lviv (vgl. LEONI 2003).
Mit der entscheidende Einflussfaktor für diese Standortwahl waren Werner Geillinger, Geschäftsführer LEONI Wiring Systems UA GmbH, zufolge die geringen und somit überaus attraktiven Lohnkosten in der Ukraine (vgl. Deutsche Botschaft 2003, vgl. Geillinger 2003). So entspricht der durchschnittliche ukrainische Bruttomonatsverdienst mit ca. 75 US-Dollar nur ca. 7 Prozent des durchschnittlichen Bruttomonatsverdienstes in Polen mit ca. 500 US-Dollar (vgl. Statistisches Bundesamt 2003, S.11f.). Geschäftsführer Werner Geillinger über die Höhe der Löhne in der Ukraine: „Wir haben in vielen osteuropäischen Ländern Produktionsstätten. Nach dem EU-Beitritt von Ungarn, Polen, der Slowakei und Tschechien werden dort die Löhne jedoch erheblich steigen.“ Für die Ukraine rechne er hingegen mit einem anhaltend niedrigen Lohnniveau. „Es ist eine langfristige Investition, die wir hier in der Ukraine tätigen.“ (vgl. Jasper 2003). Auch der Leiter des Kiewer Büros der Bundesagentur für Außenwirtschaft, Harald Meyer, weist darauf hin, dass nach dem EU- Beitritt von Polen, der Slowakei und Ungarn im Jahr 2004 diese Länder für bestimmte deutsche Investoren zu teuer würde wegen den steigenden Löhnen, so dass sich weitere Unternehmen in Richtung Ukraine orientieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung ein, erläutert die Beweggründe der LEONI AG für den Standort Stryj und legt das methodische Vorgehen dar.
2 Theoretische Grundlagen der Standorttheorie der Internationalisierung: Hier werden die zentralen Determinanten der Standortwahl wie politische, ökonomische und staatliche Faktoren analysiert sowie die Entscheidung für den ukrainischen Standort und alternative Möglichkeiten theoretisch begründet.
3 Kritische Gesamtreflexion der Standorttheorie: Das abschließende Kapitel setzt sich kritisch mit der Standorttheorie auseinander, beleuchtet ihre Schwächen hinsichtlich der Statik und Generalisierbarkeit und fordert eine Einbeziehung weiterer Erklärungsansätze.
Schlüsselwörter
LEONI AG, Standorttheorie, Internationalisierung, Direktinvestition, Ukraine, Stryj, Lohnkosten, Bordnetzsysteme, Automobilzulieferer, Wettbewerbsvorteile, Produktionsstandort, Standortfaktoren, Osteuropa, Investitionsentscheidung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die unternehmerische Entscheidung der LEONI AG, ein Produktionswerk in der ukrainischen Stadt Stryj zu errichten, vor dem Hintergrund der klassischen Standorttheorie der Internationalisierung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind betriebswirtschaftliche Internationalisierungsstrategien, die Analyse spezifischer Standortfaktoren in Osteuropa sowie die Anwendung und kritische Reflexion der Standorttheorie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Standortwahl in der Ukraine theoretisch zu erklären und mithilfe der Standorttheorie zu prüfen, welche weiteren Länder als Standorte für die LEONI AG in Betracht gekommen wären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deduktive Herangehensweise, bei der die Standorttheorie der Internationalisierung als theoretischer Rahmen auf den praktischen Fall der LEONI AG angewendet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Anwendung der Standortfaktoren (wie Lohnkosten und Logistik) auf das Werk in Stryj, dem Vergleich mit anderen Ländern sowie der kritischen Diskussion der Theorie selbst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Internationalisierung, Direktinvestition, Standorttheorie, LEONI AG, Ukraine und Wettbewerbsvorteile.
Warum wurde gerade die Standorttheorie und nicht die verhaltensorientierte Theorie gewählt?
Obwohl verhaltensorientierte Ansätze Aspekte wie "Mitläufereffekte" erklären können, ist für den Bereich Bordnetze die Kostenführerschaft durch niedrige Produktionskosten entscheidend, was die Standorttheorie zur passendsten Wahl für die Analyse macht.
Welche Rolle spielt die geografische Nähe zur EU bei der Standortentscheidung?
Die Nähe ist entscheidend, um ein effizientes "Just-in-Time"-Logistikkonzept für die Automobilhersteller (wie Opel/General Motors) in Westeuropa zu gewährleisten.
Warum werden Russland und Moldawien als alternative Standorte diskutiert?
Sie dienen als Vergleichsbeispiele, um zu prüfen, ob sie die Kriterien der Standorttheorie (niedrige Löhne, geografische Nähe) ebenfalls erfüllen würden, wobei sie jedoch aufgrund anderer Faktoren meist durch das Raster fallen.
Welche Schwachstellen der Standorttheorie werden im Fazit kritisiert?
Die Theorie wird als zu statisch und rein deskriptiv kritisiert, da sie Wandel über die Zeit und die zunehmende Bedeutung verhaltensorientierter Risikopräferenzen der Unternehmensführung vernachlässigt.
- Citation du texte
- Yilmaz Seker (Auteur), 2003, Erklärung des ukrainischen Produktionsstandortes Stryj anhand der Standorttheorie der Internationalisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356232