Das Verhältnis von Zeit, Medien und Politik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

Das mediale System

Beschleunigung im medialen System

Veränderungen im Verhältnis Medien und Politik

Dualisierung der Politik

Indizien für die Beschleunigung im politischen System

Schlussfolgerung

Literaturliste

„Nichts ist so alt, wie die Zeitung von gestern.“ sagt der Volksmund. Der Begriff Zeitung kommt vom mittelniederdeutschen Wort tidinge, das Nachricht oder Botschaft bedeutet und zum Verb tiden, sich ereignen, vor sich gehen, gehört. Die Zeitung ist also eine Nachricht oder Botschaft von Ereignissen oder Vorgängen. Aus dem althochdeutschen Wortstamm tid leitet sich zugleich unser heutiger Begriff Zeit ab. 1650 erschien die erste deutsche Tageszeitung in Leipzig unter dem Namen „Einkommende Nachrichten“. Der Name suggerierte bereits Schnelligkeit und Aktualität. Schließlich kommen Zeitungsthemen von aktuellen Ereignissen und dabei spielt die Schnelligkeit der Berichterstattung eine besondere Rolle. Bei einer verspäteten Berichterstattung geht der zeitliche Zusammenhang zum realen Ereignis verloren oder die Nachricht wurde bereits bekannt und besitzt damit nur noch geringen Nachrichtenwert. Die Präsentation von Nachrichten ist aber gerade das Ziel der news media. Grund genug, den Informationszugang und die Berichterstattung zu beschleunigen, um sich am hart umkämpften Markt der Neuigkeiten gut zu positionieren. Die Medien und im besonderen die Massenmedien unterliegen den „timedriven demands of the news cycle”[1]. Eben dieser Zusammenhang von Zeit und Medien soll auf den folgenden Seiten untersucht werden. Dabei steht die These von der zunehmenden Beschleunigung des medialen Teilsystems im Mittelpunkt. Auf die daraus resultieren Veränderungen im Verhältnis von Medien und Politik, insbesondere auf die Dualisierung und Beschleunigung von Politik, wird dabei näher eingegangen.

Das mediale System

Als Massenmedien[2] gelten Vermittler, die Informationen öffentlich, indirekt und einseitig an ein disperses Publikum verbreiten. Zu den gängigen Massenmedien zählen Printmedien, wie Zeitungen, Zeitschriften und Bücher sowie elektronische Medien, wie Radio, Fernsehen und Kino. Im weiteren Sinne gehören auch Bild- und Tonträger, wie Schallplatten, Kassetten, Compactdiscs, Videos, DVDs oder CD-ROMs dazu. Massenmedien sind Teil der öffentlichen Kommunikation. Sie schaffen mit ihrer Geschwindigkeit, Reichweite und Komplexität, ihren Differenzierungs- und Selektionsmöglichkeiten nach Niklas Luhmann überhaupt erst die Voraussetzung dafür, dass „Kommunikation als die spezifische Leistung gesellschaftlicher Systeme“ stattfindet.[3]

Die Geschichte der Massenmedien spiegelt den Wechselbezug von technischen Innovationen, gesellschaftlichen Entwicklungen und sozialem Wandel wider. Im eigentlichen Sinn beginnt sie mit der Erfindung der Penny Press 1833/35 in Großbritannien und den USA[4]. Von Anfang an war die Geschichte der Massenmedien an die Entwicklung urbaner Zentren mit entsprechender Wissenskultur und Unterhaltungsbedarf gekoppelt. Von den Printmedien verstärkte sich der Einfluss über den Film seit Ende des 19. Jahrhunderts, das Radio in den 1920er Jahren und das Fernsehen seit den 1930er Jahren vor allem durch die Kriegsberichterstattung. Der mediale Aufschwung setzte sich durch eine ständige Verbesserung der technischen Möglichkeiten, den Wandel gesellschaftlicher Werte und Strukturen (insbesondere der Verschiebung zwischen Arbeits- und Freizeit) bis zur Entstehung der sogenannten Massen- und Kommunikationsgesellschaft ungebrochen fort.

Die Modernisierungstheoretiker der 1930er und 1940er Jahre sahen in den Massenmedien die Grundlage einer sich entwickelnden modernen und pluralistischen Gesellschaft. Mithilfe eines breiten und kontroversen Informationsangebotes konnten sich die Partizipationschancen der Bürger verbessern. Da die Massenmedien die für ein freiheitlich-demokratisches System grundlegende publizistische Öffentlichkeit schaffen, wurde ihnen eine relative Macht und eine Kontrollfunktion als „vierte Gewalt“ zugeschrieben. Den positiven Auffassungen der Modernisierungstheorie folgte eine pessimistische Sicht der Kulturkritiker. Der rechte Kulturpessimismus beklagte die linksdominierte mediale Themensetzung, die Zerstörung „alter Werte“ führe zur Thematisierung von Sex, Drogen und Gewalt und schließlich würde die Mediennutzung zum Ersatz für zwischenmenschliche Beziehungen. Dem gegenüber vertrat der linke Kulturpessimismus die Ansicht, dass die Medien wirtschaftlich dominiert seien, als Verlautbarungsorgan bestimmter pressure groups politische Prozesse zu beeinflussen suchten und eine moderne kapitalistische Konsumkultur inszenierten, die „Opium für das Volk“ sei.

[...]


[1] Patterson 1998, 55.

[2] Im Folgenden meint die Bezeichnung „Medien“ immer die Massenmedien.

[3] Vgl. Luhmann, Niklas: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1987, 222f.

[4] Im weitesten Sinne lassen sich die Erfindung der Schrift, des Buchdrucks und die Einführung einer allgemeinen Schulpflicht als Durchsetzung der literalen Bildung für breitere Schichten zur Vorgeschichte der Massenmedien zählen. Zur Geschichte der Medien vgl. Wilke, Jürgen (2000): Grundzüge der Medien- und Kommunikationsgeschichte. Von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert, Köln. und Faulstich, Werner (2002): Die Geschichte der Medien, aktuell 4 Bände, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Das Verhältnis von Zeit, Medien und Politik
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Veranstaltung
Seminar Zeitdifferenzen, Zeitverdichtungen und globale Politik
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
12
Katalognummer
V35640
ISBN (eBook)
9783638354905
ISBN (Buch)
9783638790024
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verhältnis, Zeit, Medien, Politik, Seminar, Zeitdifferenzen, Zeitverdichtungen
Arbeit zitieren
Andrea Friemann (Autor), 2004, Das Verhältnis von Zeit, Medien und Politik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35640

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