Diese Bachelorarbeit analysiert die Darstellung des Themenkomplexes Krankheit und Tod in der Kinder- und Jugendliteratur anhand von zwei Beispielromanen. Zunächst werden dafür die theoretischen Grundlagen geklärt. Zum einen wird der Begriff der Kinder- und Jugendliteratur erläutert, zum anderen werden wesentliche erzähltheoretische Methoden beleuchtet, die nachfolgend zur Analyse der beiden Beispielromane dienen. Es werden Aspekte verschiedener Theoretiker herangezogen, um verschiedene wissenschaftlich fundierte Sichtweisen auf die ausgewählten Romane zu gewinnen.
Anschließend werden pädagogisch und entwicklungspsychologisch fundierte Aspekte verschiedener Theoretiker verwendet, um einen Einblick in die Entwicklung von Todeskonzepten und -vorstellungen bei Kindern und Jugendlichen zu geben. Diese Entwicklung wird gemäß verschiedener Altersgruppen dargestellt.
Schließlich erfolgt die Analyse der ausgewählten Romane. Es handelt sich hierbei um John Greens "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" und Sally Nicholls Roman "Wie man unsterblich wird".
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Zum Begriff der Kinder- und Jugendliteratur
2.2 Erzähltheoretische Grundlagen der Kinder- und Jugendliteratur
2.2.1 Das „Wie“ des Erzählens
2.2.1.1 Zeit, Modus, Stimme
2.2.1.2 Erzählinstanzen
2.2.2 Das „Was“ des Erzählens
2.2.2.1 Die Handlung
2.2.2.2 Die Figuren
2.2.2.3 Der Raum
2.2.2.4 Spannung und Spannungsaufbau
3. Kinder begegnen dem Tod
3.1 Todeskonzepte und -vorstellungen von Kindern und Jugendlichen
3.1.1 Todesvorstellungen von Kindern bis sechs Jahre
3.1.2 Todesvorstellungen von Kindern zwischen sechs und zehn Jahren
3.1.3 Todesvorstellungen von Kindern ab zehn Jahren und Jugendlichen
3.2 Zur Selbst– und Fremderfahrung von tödlichen Erkrankungen
3.2.1 Selbsterfahrung von Kindern in Krankheit und Sterben
3.2.2 Das Erleben der Krankheit durch Kinder und ihr Umfeld
4. Analyse ausgewählter Romane aus der Kinder- und Jugendliteratur
4.1 Analyse von John Greens Das Schicksal ist ein mieser Verräter
4.1.1 Analyse der Ebene des „Wie“ des Erzählens
4.1.1.1 Analyse der Zeit
4.1.1.2 Analyse des Modus
4.1.1.3 Analyse der Stimme und Erzählinstanz
4.1.2 Analyse der Ebene des „Was“ des Erzählens
4.1.2.1 Analyse der Hauptfigur Hazel
4.1.2.2 Analyse der Räume
4.1.2.3 Analyse des Spannungsaufbaus
4.1.3 Das Erleben von Krankheit und Tod im Roman
4.1.3.1 Hazels Selbsterfahrung
4.1.3.2 Die Fremderfahrung durch Hazels Umfeld
4.2 Analyse von Sally Nicholls Wie man unsterblich wird
4.2.1 Analyse der Ebene des „Wie“ des Erzählens
4.2.1.1 Analyse der Zeit
4.2.1.2 Analyse des Modus
4.2.1.3 Analyse der Stimme und Erzählinstanz
4.2.2 Analyse der Ebene des „Was“ des Erzählens
4.2.2.1 Analyse der Hauptfigur Sam
4.2.2.2 Analyse des Raums
4.2.2.3 Analyse des Spannungsaufbaus
4.2.3 Das Erleben von Krankheit und Tod im Roman
4.2.3.1 Sams Selbsterfahrung
4.2.3.2 Die Fremderfahrung durch Sams Umfeld
5. Fazit und Vergleich
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die Darstellung von Krankheit und Sterben in zeitgenössischer Kinder- und Jugendliteratur. Im Fokus steht die Frage, wie die kindliche bzw. jugendliche Perspektive auf tödliche Erkrankungen erzähltheoretisch vermittelt wird und ob diese Erfahrungen realistisch abgebildet oder beschönigt werden.
- Erzähltheoretische Analyse nach dem Modell von Gansel sowie Martínez und Scheffel.
- Entwicklungspsychologische Grundlagen zur kindlichen Todeswahrnehmung.
- Vergleichende Untersuchung von John Greens "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" und Sally Nicholls "Wie man unsterblich wird".
- Analyse von Selbsterfahrung der Betroffenen und Fremderfahrung durch das soziale Umfeld.
- Untersuchung von Erzählstrukturen (Zeit, Modus, Stimme) und Raumkonzepten.
Auszug aus dem Buch
4.1.1.1 Analyse der Zeit
Bezüglich der zeitlichen Ebene erfolgt die Erzählung der Handlung in John Greens Roman überwiegend chronologisch. Zudem finden sich einzelne Rückblenden, in denen sich die Protagonistin Hazel an vergangene Ereignisse erinnert. Dies ist zum Beispiel der Fall, als Hazel von ihren vorherigen Krankheitsstadien berichtet, wie ihrem Aufenthalt auf der Intensivstation. An einer anderen Stelle erinnert sich Hazel an eine Gegebenheit aus ihrer Kindheit: Die Schaukel war noch da, und Unkraut wuchs auch in der kleinen Grube darunter, wo ich mich als Kind abgestoßen hatte, um immer höher zu fliegen. Ich erinnerte mich sogar noch, wie Dad [...] mit einem Nachbarn die Schaukel aufgebaut hatte. Er ließ sich nicht ausreden, die Schaukel als Erster auszuprobieren, um sie zu testen, und das Ding wäre unter ihm fast zusammengekracht.
Diese Rückblenden lassen die Erzählung realistisch erscheinen, da aus Hazels Sicht heraus erzählt wird und Rückblenden zu authentischen Darstellung innerer Vorgänge dazugehören. Aus demselben Grund lassen sich auch keine Prolepsen vorfinden, weil das erlebende Ich von seinem Standpunkt aus nicht die Zukunft vorhersehen kann. Hinsichtlich der zeitlichen Dauer lässt sich im Buch überwiegend zeitdeckendes Erzählen vorfinden. Als Hazel zum Beispiel im elften Kapitel mit Augustus und ihrer Mutter nach Amsterdam fliegt, berichtet sie von den einzelnen Etappen: Zunächst schläft sie im Flugzeug ein, betrachtet nach dem Aufwachen den Ausblick aus dem Fenster und berichtet anschließend von der Landung sowie der Taxifahrt in die Stadt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Krankheit und des Todes in der Kinder- und Jugendliteratur sowie Vorstellung der zentralen Forschungsfragen und der methodischen Vorgehensweise.
2. Theoretische Grundlagen: Erläuterung der Begriffe zur Kinder- und Jugendliteratur sowie Einführung in erzähltheoretische Analysemethoden, unterteilt in Ebenen des „Wie“ und des „Was“ des Erzählens.
3. Kinder begegnen dem Tod: Pädagogische und psychologische Analyse, wie Kinder und Jugendliche verschiedene Todeskonzepte entwickeln und wie tödliche Erkrankungen durch die Betroffenen und ihr Umfeld erfahren werden.
4. Analyse ausgewählter Romane aus der Kinder- und Jugendliteratur: Anwendung der theoretischen Konzepte auf John Greens „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ und Sally Nicholls „Wie man unsterblich wird“, inklusive der Analyse von Erzählstrukturen und inhaltlichem Erleben.
5. Fazit und Vergleich: Zusammenfassende Auswertung der Ergebnisse und Vergleich der beiden Romane hinsichtlich ihrer erzählerischen Mittel und der Thematisierung von Krankheit und Sterben.
Schlüsselwörter
Kinderliteratur, Jugendliteratur, Krankheit, Tod, Erzähltheorie, John Green, Sally Nicholls, Todeskonzept, Selbsterfahrung, Fremderfahrung, Sterbeprozess, Narrative Analyse, Jugendliche Protagonisten, Leukämie, Krebs
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie moderne Kinder- und Jugendliteratur die existenzielle Thematik von Krankheit und Tod verarbeitet und welche erzählerischen Mittel dabei verwendet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die kindliche Entwicklung von Todeskonzepten, die erzähltheoretische Strukturierung von Romanen sowie das psychologische Erleben von schwerkranken Kindern und deren sozialem Umfeld.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie das Erleben von Krankheit durch die Hauptfiguren dargestellt wird und ob diese Schilderungen eine realistische oder beschönigende Perspektive vermitteln.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es werden erzähltheoretische Analysen nach Gansel sowie Martínez und Scheffel mit entwicklungspsychologischen Ansätzen verschiedener Theoretiker kombiniert.
Welche Romane werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse von John Greens "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" und Sally Nicholls "Wie man unsterblich wird".
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Erzählinstanz, Fokalisierung, zeitdeckendes Erzählen, Todeskonzept, Sterbeprozess und die Interaktion zwischen Kranken und Angehörigen.
Wie unterscheidet sich die Darstellung in den beiden Romanen?
Ein zentraler Unterschied ist, dass der Protagonist bei Nicholls am Ende stirbt, während Greens Hazel überlebt; beide Romane nutzen jedoch die Ich-Perspektive, um ein authentisches Erleben zu vermitteln.
Welche Rolle spielt das soziale Umfeld für die kranken Kinder?
Das Umfeld, insbesondere die Eltern, neigt oft zur Tabuisierung des Todes, was beim erkrankten Kind Gefühle der Isolation und Einsamkeit auslösen kann, da das Kind oft intuitiv um seine Lage weiß.
Warum ist die Wahl der Ich-Erzählinstanz in den Romanen so relevant?
Die Ich-Erzählinstanz ermöglicht dem Leser einen unmittelbaren und authentischen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der jungen Protagonisten, was die emotionale Empathie erhöht.
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- Alisa Mahler (Author), 2016, Krankheit und Tod als Themen der Kinder- und Jugendliteratur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356579