Trotz gesetzlicher Vorgaben sind in vielen (kleinen und mittelständischen) Unternehmen weniger als fünf Prozent der Arbeitsplätze mit Menschen mit Behinderung besetzt. Viele Personalabteilungen haben Bedenken, schwerbehinderte Personen einzustellen. Diese werden für weniger belastbar gehalten, und der besonders geregelte Kündigungsschutz stellt ebenfalls ein Hemmnis dar. Auf die direkte Frage bezüglich ihrer Einstellung zu schwerbehinderten Mitarbeitern antworten viele falsch, da sie keine sozial unerwünschten Antworten geben möchten.
Bei diesem heiklen Thema eignet sich daher die indirekte Einstellungsmessung, da durch den IAT die verdeckten Einstellungen zu schwerbehinderten Mitarbeitern erfasst werden können.
Zunächst werden zentrale Erkenntnisse über die indirekte Messung von Einstellungen aufge-zeigt und insbesondere auf die Nutzung indirekter Messverfahren zur Erfassung von Einstellungen gegenüber schwerbehinderten Mitarbeitern eingegangen. Im weiteren Verlauf wird das gewählte Messinstrument in Form eines Selbstversuchs vorgestellt. Zum Schluss wird zur Realisierbarkeit der vorgeschlagenen Vorgehensweise Stellung bezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zentrale Erkenntnisse zur indirekten Messung von Einstellungen
3. Indirekte Einstellungsmessung zum Thema schwerbehinderte Mitarbeiter
3.1 Nutzen impliziter Einstellungsmessung
3.2 Bisherige Forschungsergebnisse
4. Messmethodik
4.1 Auswahl der Messmethodik
4.2 Methodik des IAT Behinderung – Nicht Behinderung
4.3 Informationen zur Datenauswertung
4.4 Ergebnisse
4.5 Vorschlag weiterer statistischer Auswertung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Eignung des Impliziten Assoziationstests (IAT) als indirektes Messinstrument, um unbewusste Einstellungen gegenüber schwerbehinderten Mitarbeitern zu erfassen, da explizite Befragungen oft durch soziale Erwünschtheit verfälscht werden.
- Unterschiede zwischen expliziten und impliziten Einstellungen
- Relevanz indirekter Messverfahren in der Einstellungsforschung
- Anwendung des IAT zur Messung von Vorurteilen gegenüber Behinderten
- Methodischer Aufbau und Durchführung des IAT-Selbstversuchs
- Diskussion der Aussagekraft und Limitationen impliziter Testverfahren
Auszug aus dem Buch
4.2 Methodik des IAT Behinderung – Nicht Behinderung
Der IAT besteht aus fünf Durchgängen, bei denen die Reaktionszeiten von Assoziationen gegenüber „Nicht behindert“, „Behindert“, „Gut“ und „Schlecht“ gemessen werden. Dabei ist der dritte Durchgang der kompatible Testteil und der fünfte Durchlauf kennzeichnet den inkompatiblen Teil. Die Mittelwerte der Reaktionszeiten beider Durchläufe werden zueinander relativiert und verglichen. „Es geht nicht um die absolute Schnelligkeit, sondern um die relative, genauer: um die Veränderung von kompatiblem zu inkompatiblem Durchgang“ (Felser, 2012, S. 24).
In Tabelle 3.1 werden die vier Kategorien und ihre dazugehörigen Items des IATs „Behinderung“ dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Diskrepanz zwischen expliziten Einstellungen und tatsächlichem Verhalten sowie Darstellung der Problemstellung der geringen Beschäftigungsquote schwerbehinderter Menschen.
2. Zentrale Erkenntnisse zur indirekten Messung von Einstellungen: Erläuterung der theoretischen Grundlagen von bewussten und unbewussten Systemen im Gehirn sowie Abgrenzung von expliziten zu impliziten Messverfahren.
3. Indirekte Einstellungsmessung zum Thema schwerbehinderte Mitarbeiter: Analyse der gesellschaftlichen Situation von Schwerbehinderten und Diskussion, warum indirekte Messmethoden hierbei valider sind als direkte Selbstauskünfte.
3.1 Nutzen impliziter Einstellungsmessung: Diskussion der Limitationen von expliziten Befragungen, insbesondere im Kontext von Vorurteilen bei Personalverantwortlichen.
3.2 Bisherige Forschungsergebnisse: Überblick über existierende Studien, die eine Tendenz zu unbewusster Ablehnung gegenüber behinderten Personen aufzeigen.
4. Messmethodik: Begründung der Wahl des IAT als valides und reliables Instrument für die vorliegende Untersuchung.
4.1 Auswahl der Messmethodik: Erläuterung des technischen Aufbaus und der Funktionsweise des IAT basierend auf Reaktionszeitmessungen.
4.2 Methodik des IAT Behinderung – Nicht Behinderung: Detaillierte Beschreibung der fünf Durchgänge des durchgeführten IAT sowie der verwendeten Kategorien und Items.
4.3 Informationen zur Datenauswertung: Beschreibung der Berechnung des IAT-Effekts durch den Vergleich von inkompatiblen und kompatiblen Durchläufen.
4.4 Ergebnisse: Auswertung der persönlichen Testergebnisse, die eine Tendenz zur unbewussten Präferenz für nicht behinderte Personen zeigten.
4.5 Vorschlag weiterer statistischer Auswertung: Diskussion über Einflussfaktoren wie soziodemografische Merkmale, Branche und persönliches Umfeld auf die Testergebnisse.
5. Fazit: Zusammenfassung der Vorteile impliziter Messverfahren und kritische Würdigung der Anwendung des IAT als Instrument für wichtige Entscheidungen.
Schlüsselwörter
Impliziter Assoziationstest, IAT, implizite Einstellung, explizite Einstellung, Schwerbehinderung, Arbeitsmarkt, Personalabteilung, Vorurteile, Reaktionszeit, Messmethodik, Unbewusstes, Diskriminierung, Sozialpsychologie, Einstellungsforschung, Testvalidität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der indirekten Messung von Einstellungen gegenüber schwerbehinderten Mitarbeitern, um unbewusste Vorurteile aufzudecken, die durch direkte Befragungen oft nicht erfasst werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die Theorie der impliziten und expliziten Einstellungen, die aktuelle Beschäftigungssituation von Menschen mit Behinderung sowie die methodische Anwendung des IAT.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, ob der IAT ein geeignetes Instrument darstellt, um verdeckte Einstellungsbias gegenüber behinderten Kollegen im Arbeitskontext sichtbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Als wissenschaftliche Methode dient der Implizite Assoziationstest (IAT), ein reaktionsbasiertes, quantitatives Verfahren zur Messung unbewusster kognitiver Assoziationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, einen Literaturüberblick zu bisherigen Forschungsergebnissen sowie eine detaillierte methodische Beschreibung und Auswertung eines eigenen IAT-Durchlaufs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Impliziter Assoziationstest, unbewusste Einstellungen, Vorurteile, Arbeitsmarktintegration und Testvalidität charakterisiert.
Warum sind Ergebnisse aus direkten Befragungen bei diesem Thema oft unzuverlässig?
Befragte neigen bei sensiblen Themen wie Behinderung zu sozial erwünschten Antworten, da sie negative Vorurteile nicht offen zugeben möchten.
Welche Einschränkung bei der Anwendung des IAT hebt die Autorin hervor?
Die Autorin warnt davor, den IAT als alleinige Grundlage für wichtige berufliche Entscheidungen zu nutzen, da die Ergebnisse als bloße Tendenz zu verstehen sind und missinterpretiert werden könnten.
- Citar trabajo
- Rebecca Tenten (Autor), 2015, Indirekte Messung der Einstellung zu schwerbehinderten Mitarbeitern mit dem Impliziten Assoziationstest (IAT), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356599