Schlafen sie gut! Grundlagen und Bedeutung einer präoperativen Pflegevisite


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016
16 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Begriffserklärung
2.2. Die Vernetzung im Pflegeprozess
2.3. Gesetzliche Verankerung

3. Aspekte der Pflegevisite
3.1. Anforderungen der präoperativen Pflegevisite
3.2. Das präoperative Gespräch
3.3. Die intraoperative Phase
3.4. Der postoperative Besuch

4. Ziele der Pflegevisite
4.1. Kontext Pflegepersonal
4.2. Kontext Patient

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In Österreich finden mit steigender Tendenz etwa 1,2 Millionen Operationen im Jahr statt, ein Großteil davon sind elektive Eingriffe, reine Routine für das beteiligte Personal (Statistik Austria, 2014). Betrachtet man eine Operation aus Sicht der betroffenen Personen stellt dies ein außerordentliches Ereignis dar. Ein Patient, der vor einer OP steht, befindet sich oft in einem Gefühlschaos. Es treffen sich unterschiedliche Gefühle, Ängste und Hoffnungen. Er hofft auf Heilung und baldmögliche Wiederherstellung seiner Lebensqualität, hat Angst vor einem schlechten Befund, den postoperativen Schmerzen oder wird gar von Todesangst heimgesucht (Konschak, 2010), rund zwei Drittel bis mehr als drei Viertel aller Patienten leiden darunter (Gottschalk, 2004). Die Operation stellt eine besondere Lebenssituation dar, denn er ist während der Operation bewusstlos und abhängig, d.h. er muss sich auf oft völlig Fremde verlassen (Hollick & Kerres, 2004). Vor einem elektiven Eingriff lernt der Patient seinen Operateur, Anästhesisten und das Stationspersonal kennen, begegnet aber in der OP-Schleuse wieder neuen Menschen, mit Funktionskleidung und Mundmaske, in einer, für ihn, unbekannten und sterilen Umgebung. Der sedierte, möglicherweise in seiner Kommunikation, durch eventuell fehlende Hilfsmittel, eingeschränkte Patient trifft hier erstmals auf die Anästhesiepflege. Erwähnenswert hierzu ist auch eine finnische Studie, die sich mit der Qualität der intraoperativen Pflege aus der Sicht des Patienten beschäftigt, wonach sich 33% der Teilnehmer den Besuch einer Anästhesie- oder OP-Pflegeperson vor ihrer Operation wünschen (Leinonen, 1996; zitiert nach Hollick, 2004), auch Kolbe-Alberdi Vallejo (2004) und Konschak (2010) kommen zu einem ähnlichen Ergebnis.

Die Anästhesiepflegeperson ist nach dem Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG) dazu verpflichtet, im Rahmen des eigenverantwortlichen Tätigkeitsbereiches, den Pflegeprozess durchzuführen (§14 Abs. 1 GuKG). Aktuell ist allerdings eher eine funktionelle Zergliederung der Patientenversorgung zu beobachten, die Pflegeplanung orientiert sich nicht am Gesamtaufenthalt des Patienten, sondern an seinen Teilaufenthalten in den prä- und postoperativen Stationen, der Funktionsbereich erscheint als Lücke (Kolbe-Alberdi Vallejo, 2004). Eine Möglichkeit zur Wiederherstellung der Kontinuität des Pflegeprozesses und somit auch der Qualitätssicherung in der Anästhesiepflege stellt die Durchführung einer präoperativen Pflegevisite dar. Die präoperative Pflegevisite definiert sich als Kontakt zwischen Patienten und Pflegeperson am Vortag der Operation. Die präoperative Pflegevisite verfolgt zwei wichtige und qualitätssichernde Ziele. Zum einem werden Daten und Informationen eingeholt, die spezifische Anamnese erfasst, um so die individuellen Bedürfnisse des Patienten zu erheben. Zum anderen soll der Patient über den Ablauf seines Operationstages aufgeklärt und auf sein individuelles Informationsbedürfnis eingegangen werden (Hollick, 2004). Unter Einbeziehung des Pflegeprozesses dient die Pflegevisite schließlich prä- und postoperativ der Optimierung der Pflegequalität (Klamt, 2004). In diesem Sinne trägt die präoperative Pflegevisite zur Erfüllung mehrerer Kriterien des patientenorientierten Qualitätsmanagements bei und ist auch geeignet, Schwachstellen in der Prozessqualität zu identifizieren und diese entsprechend zu korrigieren und modifizieren (Hollick, 2004). Diese Maßnahme eignet sich für Patienten, die vor einem elektiven operativen Eingriff stehen und soll dazu dienen, den Patienten ganzheitlich zu betreuen, indem ein vertrauensförderndes Setting geschaffen wird, in dem der Patient seine Ängste und Bedenken äußern kann, sowie über den Ablauf im Funktionsbereich der Anästhesiepflege informiert wird (Konschak, 2010). Konschak selbst implementierte 2004 im Rahmen seiner Examensarbeit die präoperative Pflegevisite im St. Vinzenz Hospital in Köln und erhielt in einer durchgeführten Patientenbefragung durchwegs positives Feedback der Patienten bezüglich der Reduzierung ihrer Ängste, auch im bereits angesprochenen Projekt von Kolbe-Alberdi Vallejo (2004) und die Studie „Patients` and nurses` expieriences of perioperative dialogues“ von Lindwall, Post und Bergbom (2003) bestätigen dieses Ergebnis.

Insgesamt existieren nur sehr wenig praktische und pflegewissenschaftliche Kenntnisse zum Thema präoperative Pflegevisite, auch zeigt der Begriff eine gewisse Variationsbreite und wird sowohl in der nationalen als auch internationalen Literatur in verschiedenartiger Weise gebraucht und definiert (Görres et al., 2002).

Aus dem vorausgehend definierten Problembereich lassen sich folgende Forschungsfragen ableiten: Welche Aspekte sind bei der Durchführung einer präoperativen Pflegevisite zu beachten? Welche Funktion erfüllt die präoperative Pflegevisite für den Patienten und das ausführende Personal?

Das methodische Vorgehen entspricht betreffend den Anforderungen einer Literaturarbeit und dem systematischen Vorgehen einer kritischen Literaturrecherche, deren erste Etappe für das Erstellen des Arbeitskonzeptes im Juni 2016 stattfand, weitere Erhebungen ergaben sich während des Verfassens der Literaturarbeit im September 2016. Es wurden zu Anfang relevante und sucheffiziente Begriff im Kontext Präoperative Pflegevisite definiert. Daraus ergaben sich, um in der deutschsprachigen Literatur zu bleiben, folgende Stichwörter: Pflegevisite, präoperative Pflegevisite, präoperative Pflege, Anästhesiepflege, präoperative Phase. Es erfolgte eine computergestützte Suche vorerst in allgemeinen Suchmaschinen, wobei sich schon erste allgemeine Funde ergaben, danach im PMU-Account fachzeitschriftenorientiert, insbesondere in den Magazinen Pflege, Intensiv und Im OP. Im nächsten Schritt wurde auch in Fachdatenbanken recherchiert, in Pupmed, Aleph, UB-Search, CINAHL und im ZB Medsuchportal Lebenswissenschaften, welches eine erstaunlich umfangreiche Ergebnisliste aufwies. Im zweiten Schritt wurden die Literaturangaben der vorliegenden Funde auf ergebnisrelevante Titel eingesehen und eine weitere informatische Suche dieser begonnen. In diesem Verlauf wurde auch, um Belegmaterial in Bezug auf das Patientenempfinden zu haben, eine englischsprachige Studie sowie ein speziell den perioperativen Bereich betreffendes Buch besorgt, die unter dem Begriff „perioperative care“ ermittelt wurden. Bezüglich wichtiger Bücher wurden einzelne im Fachhandel bestellt, sowie in der Präsenzbibliothek der Medizinischen Universität Graz ermittelt. Bei der recherchierten Literatur handelt es sich ausschließlich um Fachbücher, Fachartikel und wissenschaftliche Studien.

In dieser Arbeit sollen die einzelnen Aspekte, die für die Durchführung einer präoperativen Pflegevisite nötig sind und die Bedeutung der präoperativen Pflegevisite für den Patienten und das visitierende Pflegepersonal vorgestellt werden, sowie deren Vorteile ihren Nachteilen im Sinne einer dialektischen Methode gegenübergestellt und argumentiert werden. Das erste Kapitel beschreibt den theoretischen Hintergrund der präoperativen Pflegevisite. Es werden im ersten Unterpunkt verschiedene Definitionsbeispiele sowie wichtige Termini der präoperativen Pflegevisite präsentiert. Der nachfolgende Unterpunkt des ersten Kapitels widmet sich dem Pflegeprozess und dahingehend die Verortung der präoperativen Pflegevisite in diesem. Anschließend werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen des Pflegeprozesses und somit auch der präoperativen Pflegevisite erläutert. Im zweiten Kapitel werden die Voraussetzungen und die einzelnen Schritte der Durchführung in chronologischer Reihenfolge erläutert. Begonnen wird mit der Deskription der wichtigsten Voraussetzungen, die für die Durchführung der präoperativen Pflegevisite nötig sind. Nachfolgend werden die zentralen Punkte der einzelnen Phasen, in allgemeiner Form betrachtet, beleuchtet. Das Anliegen des letzten Kapitels ist, einen Rahmen zu schaffen, in dem der Nutzen für die Patienten, sowie für das Pflegepersonal reflektiert wird. Abschließend werden in der Zusammenfassung die wichtigsten Punkte zentralisiert und ein Ausblick für weitere Forschung gegeben.

2. Theoretischer Hintergrund

Der theoretische Hintergrund zur präoperativen Pflegevisite im Funktionsbereich Anästhesiepflege, der im Folgenden aufgezeigt wird, umfasst die Begriffserklärung der präoperativen Pflegevisite, ihre Verortung im Pflegeprozess, sowie die gesetzliche Verankerung.

2.1. Begriffserklärung der präoperativen Pflegevisite

Die Pflegevisite ist ein regelmäßiger Besuch bei dem Patienten in Kombination mit einem Gespräch über seinen Pflegeprozess. Die Pflegevisite dient so der gemeinsamen Benennung der Pflegeprobleme und Ressourcen, bzw. der Pflegediagnose, der Vereinbarung von den gewünschten Pflegezielen, der Vereinbarung der Art und Häufigkeit der nötigen Pflegemaßnahmen und schließlich der Überprüfung der Angemessenheit und Wirksamkeit der Pflege (Heering, 2012). Im Operationsbereich soll die Pflegevisite in Form der präoperativen Pflegevisite durchgeführt werden, da die mitgelieferte Krankenakte für die optimale prä-, intra- und postoperative Betreuung nicht ausreicht. Die spezielle Definition der präoperativen Pflegevisite gleicht jener der Pflegevisite mit dem Unterschied, dass die präoperative Pflegevisite kein regelmäßiger, sondern ein einmaliger Besuch beim Patienten ist. Einerseits werden die individuellen Probleme und Bedürfnisse erhoben, aber auch Informationen über den Ablauf des Operationstages gegeben. Die präoperative Pflegevisite dient aber auch der Planung und Durchführung der postoperativen Pflege, indem dem Patienten die Möglichkeit gegeben wird, ihre Erwartungen auszudrücken und gleichzeitig Informationen über die postoperative Phase gegeben werden (Meineke-Wolf, 2004). Lindwall et al. (2003) fassen deshalb den gesamten Prozess um die präoperative Pflegevisite, im speziellen die unmittelbare prä-, intra- und postoperative Phase der Operation, als „perioperative dialogue“ (S. 247) zusammen.

2.2. Die Vernetzung im Pflegeprozess

Der Pflegeprozess bezeichnet einen an den ganzheitlichen Bedürfnissen des Menschen orientierte und dahingehend laufend angepasste Pflege. Dadurch entwickelt sich eine Beziehung, zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen, die auf ein gemeinsames Ziel, die Problemlösung bzw. die Problemkompensation, ausgerichtet ist (Hellmann & Rößlein, 2012).

Es gibt mittlerweile verschiedene Ansätze des Pflegeprozesses, in „Caring for the perioperative patient“ von Wicker & O´Neill (2013) wird dieser z.B. in assessment (Pflegeassessment), diagnosis (Pflegediagnostik), goal settings (Pflegeziele), interventions (Pflegemaßnahmen) und evaluation (Evaluation [Übersetzung durch den Verf.]) unterteilt und als perioperative Pflegeplanung beschrieben, diese Terminologie deckt sich mit der aktualisierten Fachterminologie des § 14 des Gesundheits- und Krankenpflegegesetz( §14 Abs. 2 GuKG). Innerhalb des Pflegeprozesses kann die präoperative Pflegevisite sowohl als Assessmentinstrument betrachtet werden als auch zur gemeinsamen Planung der Maßnahmen, sowie, durch den postoperativen Besuch, als Evaluationswerkzeug verstanden werden, mehr noch als „…Gespräch mit ihm [dem Patienten] über seinen Pflegeprozess als auch als Teil dessen in allen Bausteinen“ (Hollick, 2004, S.20).

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Schlafen sie gut! Grundlagen und Bedeutung einer präoperativen Pflegevisite
Hochschule
Paracelsus Medizinische Privatuniversität  (Institut für Pflegewissenschaft)
Note
1
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V356604
ISBN (eBook)
9783668427525
ISBN (Buch)
9783668427532
Dateigröße
679 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
präoperative Pflegevisite, pflegevisite, anästhesiepflege, Pflegeprozess
Arbeit zitieren
Bianca Konrad (Autor), 2016, Schlafen sie gut! Grundlagen und Bedeutung einer präoperativen Pflegevisite, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356604

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