Durch Migration und interkulturelles Miteinander in ganz Deutschland hat sich, besonders in den multikulturellen Teilen der Großstädten, ein neuer Sprachstil herausgebildet, das sogenannte Kiezdeutsch. Kiezdeutsch ist häufig auch unter anderen Bezeichnungen bekannt. Manche nennen es „Türkdeutsch“, „Kanakisch“, oder auch „Ghettosprache“. Diese Sprachvariation wird besonders häufig von Jugendlichen türkischer Herkunft gesprochen, die der zweiten oder dritten Generation von Migranten angehören, aber in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, so Tekin und Colliander. Kiezdeutsch wird von namhaften Sprachforschern als ethnolektale Varietät definiert. Andere beschreiben sie dagegen als Hybridsprache, die durch die Verschmelzung der deutschen und türkischen Sprache entstanden ist. Colliander und Tekin führen aus, dass sie auf der deutschen Umgangssprache basiert und jugendsprachliche Elemente aufweist.
Eine der führenden Sprachforscherinnen zu diesem Sprachstil, Heike Wiese, definiert Kiezdeutsch, indem sie sagt, dass Kiezdeutsch interessanterweise sprachliche Gemeinsamkeiten über mehrere Regionen hinweg aufweist. Jedoch fließen immer auch regionale Dialekte in die Sprachvariation mit ein. Sie beschreibt weiterhin Kiezdeutsch als „ein Element aus dem sprachlichen Repertoire der Jugendlichen, aber nicht das einzige.“ Sie beschreibt die oft klischeebehaftete Wahrnehmung dieses Ethnolekts, der oft als die Sprache aggressiver, ungebildeter, männlicher Jugendlicher dargestellt wird, dabei wird er gleichsam von weiblichen Sprechern und allgemein von Jugendlichen keiner bestimmten Herkunft gesprochen. Kiezdeutsch ist nach Wiese keinesfalls als Sprachverfall anzusehen, sondern vielmehr als „erfolgreiche sprachliche Koproduktion“. Kiezdeutsch ist, ihrer Auffassung nach, eine Varietät des Deutschen, ein deutscher Dialekt. Trotzdem wird er, im Gegensatz zu anderen Dialekten, gesellschaftlich abgewertet.
In dieser Hausarbeit möchte ich näher auf die Eigenheiten dieser Varietät eingehen, in Bezug auf die Frage weshalb Kiezdeutsch meistens von Jugendlichen gesprochen wird und welche Funktionen es für diese Altersgruppe trägt. Auch auf die Frage, wie Kiezdeutsch und seine jugendlichen Sprecher gesellschaftlich wahrgenommen werden, möchte ich zu sprechen kommen. Abschließend möchte ich dann einen Überblick meiner Erkenntnisse geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung – Kiezdeutsch
1.1. Kiezdeutsch - Entstehung
1.2. Formen von Kiezdeutsch
2. Jugendalter und Sprachfunktionen
2.1. Sprache und Identitätsbildung
2.2. Kiezdeutsch und seine Funktionen in der Jugendsprache
3. Gesellschaftliche Sicht des Kiezdeutschen
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht Kiezdeutsch als sprachliches Phänomen unter Berücksichtigung jugendsprachlicher Funktionen und Identitätsbildungsprozesse. Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Kiezdeutsch eine bewusst eingesetzte, kreative Sprachvarietät darstellt, die der sozialen Gruppenidentität dient, anstatt als bloßes Defizit oder Anzeichen von Sprachverfall missverstanden zu werden.
- Soziolinguistische Einordnung und Entstehung von Kiezdeutsch
- Die Rolle von Sprache bei der Identitätsbildung im Jugendalter
- Funktionen des Kiezdeutschen innerhalb der "Peer Group"
- Gesellschaftliche Wahrnehmung und Stigmatisierung des Phänomens
- Abgrenzung von Kiezdeutsch zu Defizithypothesen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung – Kiezdeutsch
Durch Migration und interkulturelles Miteinander in ganz Deutschland hat sich, besonders in den multikulturellen Teilen der Großstädten, ein neuer Sprachstil herausgebildet, das sogenannte Kiezdeutsch. Kiezdeutsch ist häufig auch unter anderen Bezeichnungen bekannt. Manche nennen es „Türkdeutsch“, „Kanakisch“, oder auch „Ghettosprache“. Diese Sprachvariation wird besonders häufig von Jugendlichen türkischer Herkunft gesprochen, die der zweiten oder dritten Generation von Migranten angehören, aber in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, so Tekin und Colliander. Kiezdeutsch wird von namhaften Sprachforschern als ethnolektale Varietät definiert, Andere beschreiben sie dagegen als Hybridsprache, die durch die Verschmelzung der deutschen und türkischen Sprache entstanden ist. Colliander und Tekin führen aus, dass sie auf der deutschen Umgangssprache basiert und jugendsprachliche Elemente aufweist.
Eine der führenden Sprachforscherinnen zu diesem Sprachstil, Heike Wiese, definiert Kiezdeutsch, indem sie sagt, dass Kiezdeutsch interessanterweise sprachliche Gemeinsamkeiten über mehrere Regionen hinweg aufweist. Jedoch fließen immer auch regionale Dialekte in die Sprachvariation mit ein. Sie beschreibt weiterhin Kiezdeutsch als „ein Element aus dem sprachlichen Repertoire der Jugendlichen, aber nicht das einzige.“ Sie beschreibt die oft klischeebehaftete Wahrnehmung dieses Ethnolekts, der oft als die Sprache aggressiver, ungebildeter, männlicher Jugendlicher dargestellt wird, dabei wird er gleichsam von weiblichen Sprechern und allgemein von Jugendlichen keiner bestimmten Herkunft gesprochen. Kiezdeutsch ist nach Wiese keinesfalls als Sprachverfall anzusehen, sondern vielmehr als „erfolgreiche sprachliche Koproduktion“. Kiezdeutsch ist, ihrer Auffassung nach, eine Varietät des Deutschen, ein deutscher Dialekt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung – Kiezdeutsch: Einführung in das Phänomen, Definitionen aus der Forschung sowie Darlegung der Zielsetzung und Fragestellung der Hausarbeit.
1.1. Kiezdeutsch - Entstehung: Erläuterung der sprachlichen Dynamik und des Einflusses der besonderen Lebenswelt Jugendlicher auf die Entstehung dieser Varietät.
1.2. Formen von Kiezdeutsch: Differenzierung zwischen verschiedenen Unterformen, von der alltäglichen Verwendung bis hin zu medialen Stilisierungen und Spottvarietäten.
2. Jugendalter und Sprachfunktionen: Analyse der soziolinguistischen Bedeutung von Kiezdeutsch für Jugendliche im Kontext von Identitätsbildung und Zugehörigkeit.
2.1. Sprache und Identitätsbildung: Untersuchung der engen Verknüpfung von Spracherwerb und der Entwicklung einer sozialen Identität innerhalb von Peer Groups.
2.2. Kiezdeutsch und seine Funktionen in der Jugendsprache: Detaillierte Betrachtung der Ausdrucksfunktion, sozialer Marker und der situativen Verwendung von Kiezdeutsch.
3. Gesellschaftliche Sicht des Kiezdeutschen: Diskussion der kritischen Wahrnehmung und der Stigmatisierung von Kiezdeutsch als angeblich fehlerhaftes Deutsch oder Sprachmangel.
4. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse und Fazit zur soziolinguistischen Bewertung des Kiezdeutschen sowie Ausblick auf weitere Forschungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Kiezdeutsch, Jugendsprache, Soziolinguistik, Identitätsbildung, Ethnolekt, Peer Group, Sprachvariation, Mehrsprachigkeit, Sprachwandel, soziale Identität, Sprachprofilierung, urbane Kommunikation, Sprachrepertoire.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das sprachwissenschaftliche Phänomen "Kiezdeutsch" und untersucht dessen Entstehung, Funktion sowie die gesellschaftliche Bewertung im Kontext der Jugendsprache.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Definition von Kiezdeutsch als Varietät, die Rolle von Sprache bei der Identitätsfindung Jugendlicher und die Auseinandersetzung mit Stigmatisierungen durch die Gesellschaft.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Kiezdeutsch ein bewusst eingesetztes, regelhaftes Kommunikationsmittel innerhalb jugendlicher Peer Groups ist und nicht als Defizit oder Sprachverfall betrachtet werden sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit soziolinguistischer Fachliteratur und der Auswertung zentraler Studien renommierter Sprachforscher, insbesondere von Heike Wiese.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Entstehung und Formen des Kiezdeutschen, die psychologische Bedeutung der Sprache für Jugendliche sowie eine kritische Analyse der gesellschaftlichen Ablehnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kiezdeutsch, Identitätsbildung, Ethnolekt, soziale Identität, Peer Group, Sprachvariation und Stigmatisierung.
Was unterscheidet Kiezdeutsch laut der Arbeit vom "Gastarbeiterdeutsch"?
Kiezdeutsch ist keine Lernvarietät von Einwanderern der ersten Generation, sondern ein von in Deutschland aufgewachsenen Jugendlichen kreiertes, kreatives sprachliches Mittel zur Identitätsstiftung.
Wie nutzen Jugendliche Kiezdeutsch in Bezug auf Autoritäten?
Jugendliche verwenden Kiezdeutsch häufig situativ und provokativ, beispielsweise gegenüber Lehrern, um sich innerhalb ihrer Peer Group abzugrenzen und den eigenen sozialen Status zu festigen.
Warum wird Kiezdeutsch gesellschaftlich oft negativ bewertet?
Es wird häufig als "falsches Deutsch" stigmatisiert, da es vom Standard abweicht, wobei diese Einschätzung oft mit einer sozialen Abwertung der Sprecher einhergeht.
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- Laura Hirschberg (Autor), 2017, Kiezdeutsch im Rahmen jugendsprachlicher Funktionen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356682