In den Arbeiten von Lange und Radewaldt (2016) sowie Kellers und Lange (2016) wurden bereits wesentliche Auswirkungen des Niedrigzinsumfeldes auf deutsche Lebensversicherer untersucht. Die vorliegende Studie erweitert die zuvor genannten Arbeiten durch Verwendung einer größeren Datengrundlage, welche die Solvabilitätsquoten von 49 deutschen Lebensversicherern im Zeitraum von 2006 bis 2015 umfasst, sodass umfangreichere Erkenntnisse bezüglich der Auswirkungen der Niedrigzinspolitik auf deutsche Lebensversicherungsunternehmen gewonnen werden können. Insbesondere wird die Entwicklungstendenz der Solvabilitätsquoten dieser 49 Unternehmen sowie deren Zusammenhang mit der Rechtsform der Lebensversicherer untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
2 Analyse der Entwicklung der Solvabilitätsquoten der Lebensversicherer in Deutschland
2.1 Datengrundlage
2.2 Methodik
2.3 Ergebnisse und Interpretation
3 Der Zusammenhang zwischen der Rechtsform der Lebensversicherungsunternehmen und der Entwicklung ihrer Solvabilitätsquoten
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Solvabilitätsquoten von 49 deutschen Lebensversicherungsunternehmen im Zeitraum von 2006 bis 2015 umfassend zu untersuchen, um die Auswirkungen des Niedrigzinsumfeldes sowie mögliche Zusammenhänge mit der jeweiligen Rechtsform der Unternehmen zu analysieren.
- Analyse historischer Solvabilitätsquoten und lineare Extrapolation in die Zukunft
- Untersuchung des Gefährdungspotenzials hinsichtlich der Unterschreitung von Eigenmittelanforderungen
- Vergleich der Auswirkungen des Niedrigzinsumfeldes auf verschiedene Rechtsformen (AG, VVaG, AöR)
- Einsatz statistischer Regressionsanalysen zur Bestimmung von Entwicklungstendenzen
- Evaluierung der Signifikanz von Solvabilitätsveränderungen über einen zehnjährigen Beobachtungszeitraum
Auszug aus dem Buch
2.3 Ergebnisse und Interpretation
Die Entwicklung der Solvabilitätsquoten sowie deren Approximation und Extrapolation durch die Regressionsgerade lassen sich anschaulich in einem Diagramm darstellen. Abbildung 1 zeigt die Ergebnisse, welche mithilfe der im vorherigen Abschnitt erläuterten Methodik gewonnen werden können, für die Allianz Lebensversicherungs-AG.
Die blauen Punkte kennzeichnen im Diagramm die historischen, jährlich ermittelten Solvabilitätsquoten im Zeitraum von 2006 bis 2015. Die Quote fällt bei der Allianz Lebensversicherungs-AG von 269,7% im Jahr 2006 auf 163,2% im Jahr 2015. Um die mittlere Entwicklung der Quoten mit der Regressionsgeraden zu beschreiben, wurden die Regressionskoeffizienten derart gewählt, dass die Summe der quadrierten Abweichungen der Punkte von der Regressionsgeraden minimiert wird. Die Regressionsgerade passt sich somit dem Verlauf der historischen Solvabilitätsquoten möglichst gut an. Wird die Entwicklungstendenz der Quoten linear fortgeschrieben, so erreicht man im Jahr 2019 einen Punkt, an dem der Funktionswert der Regressionsgeraden den Wert 100% annimmt. Unterstellt man also, dass sich die Solvabilitätsquote in den kommenden Jahren auf ähnliche Weise entwickeln wird wie in den Jahren zuvor, so ist im Jahr 2019 mit einer Unterschreitung der Eigenmittelanforderungen zu rechnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik des Niedrigzinsumfeldes für deutsche Lebensversicherer ein und definiert das Ziel der Studie, basierend auf einer erweiterten Datengrundlage präzisere Analysen zu Solvabilitätsquoten zu ermöglichen.
1.1 Problemstellung: Es wird erläutert, warum die aktuelle Zinslage ein Gefährdungspotenzial für die Solvabilität darstellt und warum die Erweiterung der Untersuchung auf 49 Unternehmen gegenüber früheren Studien notwendig ist.
2 Analyse der Entwicklung der Solvabilitätsquoten der Lebensversicherer in Deutschland: Dieser Abschnitt beschreibt die quantitative Untersuchungsmethode und die Datengrundlage mittels linearer Regressionsanalysen zur Prognose der Solvabilitätsentwicklung.
2.1 Datengrundlage: Hier wird der Map-Report Nr. 884 als Quelle für die Solvabilitätsquoten von 49 Unternehmen spezifiziert, unterteilt in verschiedene Rechtsformen.
2.2 Methodik: Die methodische Vorgehensweise der linearen Regression wird erklärt, inklusive der Annahme einer linearen Abhängigkeit zwischen Zeit und Solvabilitätsquote.
2.3 Ergebnisse und Interpretation: Die Ergebnisse der Regressionsanalysen für die einzelnen Unternehmen werden präsentiert, interpretiert und hinsichtlich ihrer Aussagekraft für zukünftige Solvabilitätsrisiken bewertet.
3 Der Zusammenhang zwischen der Rechtsform der Lebensversicherungsunternehmen und der Entwicklung ihrer Solvabilitätsquoten: In diesem Kapitel wird untersucht, ob spezifische Rechtsformen wie Aktiengesellschaften oder Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit eine stabilere Solvabilitätsentwicklung aufweisen.
4 Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt den negativen Trend bei vielen Lebensversicherern und diskutiert die Grenzen der methodischen Annahmen sowie den Ausblick auf neue Aufsichtsregimes.
Schlüsselwörter
Niedrigzinsumfeld, Lebensversicherung, Solvabilitätsquote, Eigenmittelanforderungen, Regressionsanalyse, Solvabilität, Aktiengesellschaft, Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, Finanzmanagement, Prognose, Solvency I, Solvency II, Bruttobeiträge, Trendanalyse, Versicherungsbranche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes auf die finanzielle Stabilität, insbesondere die Solvabilitätsquoten, von 49 deutschen Lebensversicherungsunternehmen im Zeitraum von 2006 bis 2015.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die quantitative Analyse von Solvabilitätskennzahlen, die lineare Trendextrapolation in die Zukunft sowie die Korrelation zwischen der Rechtsform eines Versicherers und dessen finanzieller Resilienz.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist die Erhöhung der Aussagekraft früherer Studien durch eine deutlich vergrößerte Datengrundlage, um zu prognostizieren, ab wann einzelne Unternehmen die Eigenmittelanforderungen unterschreiten könnten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autoren verwenden lineare Regressionsanalysen, um historische Daten zu approximieren und in die Zukunft zu extrapolieren, ergänzt durch Phi-Koeffizienten zur Messung von Zusammenhängen zwischen nominalskalierten Merkmalen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Analyseergebnisse einzelner Versicherer, die graphische Aufarbeitung durch Regressionsgeraden und die statistische Untersuchung, ob Rechtsformen wie AG oder VVaG eine unterschiedliche Stabilität aufweisen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Niedrigzinsumfeld, Solvabilitätsquote, Regressionsanalyse, Eigenmittelanforderungen und Lebensversicherungsunternehmen geprägt.
Warum schneiden Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VVaG) in der Untersuchung oft besser ab als Aktiengesellschaften?
Die Studie deutet an, dass VVaGs eine risikoärmere und auf Sicherheit bedachte Geschäftspolitik verfolgen, während Aktiengesellschaften stärker durch Gewinnmaximierungsdruck und Gewinnabführungsverträge in ihrer Eigenkapitalbildung eingeschränkt sein könnten.
Welche Bedeutung hat das Jahr 2019 laut der Modellrechnung für die Allianz?
Basierend auf der linearen Fortschreibung der historischen Solvabilitätsdaten der Allianz bis 2015 ergibt sich ein rechnerischer Schnittpunkt der Regressionsgeraden mit der 100%-Marke im Jahr 2019, was auf eine potenzielle Unterschreitung der Eigenmittelanforderungen hindeutet.
- Citar trabajo
- Prof. Dr. Daniel Lange (Autor), Kai A. Kellers (Autor), 2017, Die Auswirkungen des Niedrigzinsumfeldes auf die Lebensversicherungswirtschaft in Deutschland. Teil 2, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358479