Felix Mendelssohn Bartholdy „Erster Verlust“ Op.99, Nr. 1: Formanalyse mit Hilfe eines Sequenzerprogramms

Ein Unterrichtsentwurf zur Anwendung des Sequenzerprogramms


Hausarbeit, 2003

13 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einordnung und Abgrenzung

3. Sachanalyse

4. Methodische Überlegungen

5. Ziele

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

Auf der Suche nach einem geeigneten Thema zu dieser Hausarbeit habe ich mich im Vorfeld mit einigen Komponisten beschäftigt, die mir in meinem bisherigem Studium noch nicht begegnet sind. Felix Mendelssohn Bartholdy war dabei allerdings nicht die erste Wahl. Lieder von Carl Loewe und Hans Pfitzner hatten zunächst mein Interesse geweckt und wären besonders im Zusammenhang mit Robert Schumanns Liedern für den Oberstufenunterricht gut geeignet gewesen.

Dann stieß ich aber auf das Lied „Erster Verlust“ Op.99, Nr. 1, dass Mendelssohn Bartholdy 1841 nach dem Gedicht von Johann von Wolfgang Goethe komponierte. Das im Seminar behandelte Stück mit dem selbem Titel aus Schumanns „Album für die Jugend“ und das zugehörige Arrangement von Rudolph Henning bieten einen guten Zusammenhang mit dem Seminar und Angriffspunkt für die Unterrichtsstunde. Als Klassenstufe wähle ich mindestens die elfte Klasse.

Ich werde voraussetzten, dass die Klasse anhand des Arrangements von Rudolph Henning, Schumanns Stück in Form und Harmonik kennengelernt haben. Da sie so auch eine Bearbeitung eines Stückes behandelt haben, kam mir die Idee, dies mit Mendelssohns Stück mit Hilfe eines Sequenzer- und Notationsprogrammes selbst zu versuchen und dadurch ein Verständnis für eine Formanalyse zu erzeugen.

2. Einordnung und Abgrenzung

Als Klassenstufe für meinen Unterrichtsentwurf zu Felix Mendelssohn Bartholdys Kunstlied „Erster Verlust“ scheint mir die 11. Klasse am besten geeignet. Die Schüler sollten schon über Erfahrungen in der Analyse verfügen und mit der Arbeit am Notentext vertraut sein.

Thema der beiden Stunden ist: „Formanalyse des Kunstliedes „Erster Verlust“ von F. Mendelssohn Bartholdy mit Hilfe eines Sequenzerprogramms“.

Die Schüler haben in der Unterrichtsreihe bereits ein Schubertlied und Robert Schumanns „erster Verlust“ aus dem „Album für die Jugend“ als auch die Bearbeitung von Rudolph Henning kennengelernt.

Im Anschluss an die beiden vorgestellten Stunden erfolgt unter Umständen eine praktische Phase. Ansonsten würde sich anbieten ein Stück aus „Lieder ohne Worte“ von Mendelssohn und ein Kunstlied von Schumann zu behandeln, um die Musikauffassungen der beiden Komponisten gegeneinander abzugrenzen.

3. Sachanalyse

Felix Mendelssohn Bartholdys „Erster Verlust“ Op.99, Nr.1

Johann Wolfgang von Goethes Gedicht „ Erster Verlust“ ist von vielen Komponisten im Laufe der Geschichte vertont worden. Darunter sind Komponisten wie Zelter, Reichardt, Schubert, Liszt und auch Berg[1]. Felix Mendelssohn Bartholdy komponierte seine Version 1841, die postum in Opus 99 veröffentlicht wurde..

ERSTER VERLUST[2]

Ach, wer bringt die schönen Tage,

Jene Tage der ersten Liebe,

Ach, wer bringt nur eine Stunde

Jener holden Zeit zurück!

Einsam nähr ich meine Wunde,

Und mit stets erneuter Klage

Traur’ ich ums verlorne Glück.

Ach, wer bringt die schönen Tage,

jene holde Zeit zurück!

Johann Wolfgang von Goethe

Mendelssohn wiederholt einige Zeilen des Gedichts und variiert sie. Auffällig an Goethes Gedicht ist, dass die ersten vier Zeilen nach einem dreizeiligen Zwischenteil in geraffter Form zum Schluss wieder aufgegriffen werden. So ergibt sich die Vermutung, dass Mendelssohn wohl eine a b a’ Form für sein Klavierlied gewählt haben könnte.

Bei Betrachtung des Notentextes kann diese Vermutung bestätigt werden. Es handelt sich um ein variiertes Strophenlied im 2/4-Takt, Andante sostenuto, in Es-Dur (Original in F-Dur).

Der Klaviersatz ist meist fünfstimmig geführt. Das Klavier unterstützt oft die Singstimme, unterliegt aber auch einem selbstständigem Muster.

Dieses Muster wird im viertaktigem Vorspiel eingeführt, dass in zwei zweitaktige Phrasen eingeteilt werden kann. Besonders markant ist in beiden Phrasen in der linken Hand die Sechzehntelpause und die darauffolgenden Tonrepetitionen auf dem Ton b. In der rechten Hand beginnen jeweils beide Phrasen mit einer Dreiklangsbrechung der Tonika Es-Dur, werden aber anders mit kleine Figuren weitergeführt. Die Harmonik bewegt sich zwischen den Hautfunktionen. Die erste Phrase endet auf der Tonika, die zweite endet offen auf einem Dominantseptakkord mit Fermate und leitet somit zur ersten Strophe über.

Die erste Strophe entspricht den ersten vier Zeilen der Gedichtsvorlage. Diese kann in vier Abschnitte mit jeweils 2 Phrasen unterteilt werden. Die lyrische Melodie des ersten Abschnittes berücksichtigt den Textrhythmus und Satzzeichen. Im Klaviersatz taucht das Motiv der Tonrepetition in Sechzehnteln auf dem Ton b aus dem Vorspiel zweimal auf. Die Melodie wird colla parte gespielt, während in der ersten Phrase ein Orgelpunkt auf dem Grundton es erklingt. In der zweiten Phrase des ersten Abschnittes weicht die Harmonik nach B-Dur aus.

Die Melodie des zweiten Abschnittes, der mit dem Auftakt zu Takt 9 beginnt, ist die selbe wie die im ersten Abschnitt. Hier beachtet Mendelssohn, dass bei der ersten und der dritten Zeile die ersten drei Worte identisch sind. Währenddessen werden das Tonrepetitionsmotiv und der Orgelpunkt wieder aufgenommen. Die zweite Phrase wird harmonisch und dramatisch etwas ausgeweitet. Hierbei spielt das Repetitionsmotiv eine entscheidende Rolle.

Der dritte Abschnitt beginnt im Auftakt zu Takt 14. Eine abwärtsgerichtete Melodielinie aus vier Tönen, die im Klavier mit einer Verzögerung einer Sechzehntel nachvollzogen wird, wird einmal wiederholt. Der Rhythmus des Repetitionsmotivs taucht sowohl in der Melodie als auch im Klavier erst in der zweiten Phrase wieder auf.

Der vierte Abschnitt, Auftakt zu Takt 18, bildet ein tonale Sequenz des dritten Abschnittes eine Terz höher. Der Abschluss ist allerdings leicht abgewandelt und führt zur Tonika Es-Dur führt.

Nun erklingt ein viertaktiges Zwischenspiel, das identisch zum Vorspiel ist. Vor-, Nach- und Zwischenspiele haben bei Mendelssohn im Gegensatz zu Schumann kein Eigenleben, sondern dienen einer „architektonischen Brückenfunktion (...) und haben so gut wie keine ‚poetische’ Aufgabe[3].

[...]


[1] http://www.deutsche-liebeslyrik.de/anderes/verton.htm

[2] http://www.don-tonio.de/carmina/goethe.html

[3] KONOLD, Wulf: Felix Mendelssohn Bartholdy und seine Zeit. Laaber: Laaber-Verlag, 1984.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Felix Mendelssohn Bartholdy „Erster Verlust“ Op.99, Nr. 1: Formanalyse mit Hilfe eines Sequenzerprogramms
Untertitel
Ein Unterrichtsentwurf zur Anwendung des Sequenzerprogramms
Hochschule
Universität Osnabrück
Veranstaltung
Schubert und Co.
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V35896
ISBN (eBook)
9783638356787
ISBN (Buch)
9783638790062
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Analyse von Felix Mendelssohn Bartholdy's Lied 'Erster Verlust' Op.99, Nr. 1.- Ausführliche Schilderung des EInsatzes im Unterricht mit Hilfe eines Sequenzenprogramms
Schlagworte
Felix, Mendelssohn, Bartholdy, Verlust“, Formanalyse, Hilfe, Sequenzerprogramms, Schubert
Arbeit zitieren
Rüdiger Bültmann (Autor), 2003, Felix Mendelssohn Bartholdy „Erster Verlust“ Op.99, Nr. 1: Formanalyse mit Hilfe eines Sequenzerprogramms, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35896

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