Die zentrale Frage, der in dieser Arbeit nachgegangen werden soll, lautet: Wie sollte eine Beurteilung ausfallen, um zur Förderung des sprachlichen Individualstils des Schülers beitragen zu können? Um diese Frage umfassend beantworten zu können, wird zunächst der Begriff des Individualstils definiert sowie dessen Merkmale und Grenzen diskutiert. Anschließend wird zwischen den in der Fachliteratur unterschiedlich und vielfältig verwendeten Begriffen "Bewerten", "Beurteilen" und "Benoten" differenziert, wobei im Kontext dieser Arbeit das Beurteilen sowie die jeweiligen Beurteilungsprozesse im Vordergrund stehen sollen.
Mit Hilfe dieser theoretischen Grundlage kann schließlich die Förderung durch Fremdbeurteilungen, Lehrerbeurteilungen und Schülerselbstbeurteilungen diskutiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was versteht man unter Individualstil?
3. Förderung des Individualstils durch das Beurteilen
3.1. Bewerten – Beurteilen – Benoten
3.2. Beurteilungsprozesse
3.2.1. Förderung durch Lehrkraftbeurteilung
3.2.2. Förderung durch Schülerselbstbeurteilung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie eine fördernde Beurteilung im Deutschunterricht gestaltet werden kann, um die Entwicklung des Individualstils von Schülerinnen und Schülern positiv zu unterstützen. Das primäre Ziel ist es, aus dem Spannungsfeld zwischen bloßer Stilkorrektur und echter Stilerziehung Konzepte abzuleiten, die Lernende dazu befähigen, ihren eigenen sprachlichen Stil zu reflektieren und weiterzuentwickeln.
- Definition und Merkmale des Individualstils
- Differenzierung zwischen Bewerten, Beurteilen und Benoten
- Didaktische Konzepte der Lehrkraftbeurteilung
- Integration der Schülerselbstbeurteilung als Unterrichtsprinzip
- Stärkung der Schreibkompetenz durch den Dialog zwischen Lehrkraft und Schülerschaft
Auszug aus dem Buch
3.1. Bewerten – Beurteilen – Benoten
In der Schule werden die Begriffe Bewerten, Beurteilen und Benoten erfahrungsgemäß synonym verwendet. In der didaktischen Diskussion werden diese im Gegenteil dazu mit ganz unterschiedlichen Nuancen definiert (z. B. Bauermann 2002, Becker-Mrotzek/Böttcher 2012, Fix 2008). Um eine gemeinsame Basis für weitere Diskussionen hinsichtlich der Förderung des Individualstils zu haben, ist es also notwendig, sich in der verwirrenden Definitionsvielfalt für eine Variante zu entscheiden. Die folgenden Ausführungen greifen dabei die Differenzierung von Michael Becker-Mrotzek und Ingrid Böttcher (2012, S. 123 f.) auf:
Das Bewerten bildet die Basis für das Beurteilen und das Benoten. Es ist ein rein mentaler Prozess des Einschätzens, der sich auf (verbale sowie schriftliche) Schülertexte bezieht. Dabei wird bewusst oder unbewusst auf einen Wertemaßstab zurückgegriffen, der sich in Form von Kriterien beschreiben lässt. Dem Bewerten geht in jedem Fall ein Verstehensprozess voraus, der eine Grundlage für Revisionen aller Art bildet.
Das Beurteilen ist eine geäußerte Bewertung, die verbal sowie schriftlich gegenüber dem Schreiber erfolgen kann. In der Schreibdidaktik kommt dem „fördernden Beurteilen“ (Bauermann 2002, S. 116 ff.) eine besondere Bedeutung zu. Das didaktische Konzept des „fördernden Beurteilen“ wird in dem Kapitel zur Lehrkraftbeurteilung genauer aufgegriffen und auf den Individualstil bezogen.
Das Benoten ist eine Art Kodierung bzw. Übersetzung der Bewertung einer Leistung in Ziffern. Obwohl das „bewertend-prüfende Benoten“ (Bauermann 2002, S. 116). für die Schreibdidaktik weniger interessant ist, kommt dem Benoten in der Schule bekanntlich traditionell aber auch aktuell ein besonderes Gewicht zu.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet das Spannungsfeld zwischen notwendiger Stilkorrektur und der Wahrung des individuellen Ausdrucks von Schülern anhand konkreter Beispiele aus der Unterrichtspraxis.
2. Was versteht man unter Individualstil?: In diesem Kapitel wird der Begriff Individualstil definiert und dessen Bedeutung als Ausdruck sprachlicher Identität sowie als Teil der Stilkompetenz diskutiert.
3. Förderung des Individualstils durch das Beurteilen: Hier werden didaktische Ansätze vorgestellt, wie durch prozessorientiertes Feedback und eine bewusste Gestaltung der Beurteilung die Schreibentwicklung unterstützt werden kann.
3.1. Bewerten – Beurteilen – Benoten: Dieses Kapitel differenziert die drei zentralen Begriffe, um eine theoretische Grundlage für die nachfolgende Diskussion der Beurteilungsprozesse zu schaffen.
3.2. Beurteilungsprozesse: Dieser Abschnitt erörtert, wie Beurteilung als Instrument der Förderung verstanden und in den Unterricht integriert werden kann.
3.2.1. Förderung durch Lehrkraftbeurteilung: Es wird analysiert, wie Lehrkräfte durch fördernde Rückmeldungen und Dialoge zur Textoptimierung beitragen und Schüler motivieren können.
3.2.2. Förderung durch Schülerselbstbeurteilung: Dieses Kapitel zeigt Wege auf, wie Schüler durch Anleitung und methodische Unterstützung dazu befähigt werden, eigene und fremde Texte eigenständig zu beurteilen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Bedeutung eines kontinuierlichen, schülerorientierten Dialogs für die langfristige Förderung des Individualstils.
Schlüsselwörter
Individualstil, Schreibförderung, Beurteilungsprozesse, fördernde Beurteilung, Deutschunterricht, Schülerselbstbeurteilung, Lehrerbeurteilung, Schreibbiographie, Stilkompetenz, Textproduktion, Prozessorientierung, Schreibdidaktik, sprachliche Identität, Feedback, Textüberarbeitung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Beurteilung im Deutschunterricht und untersucht, wie diese genutzt werden kann, um den individuellen Stil von Schülern beim Schreiben zu fördern, anstatt ihn durch rein bewertende Korrekturen zu unterdrücken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Definition des Individualstils, die Unterscheidung zwischen verschiedenen Formen der Leistungsbeurteilung sowie didaktische Strategien zur prozessorientierten Schreibberatung.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, Möglichkeiten zu identifizieren, wie eine Beurteilung konkret ausfallen muss, damit sie den Prozess der Individualstilentwicklung unterstützt und Schüler zur Reflexion über ihre eigenen Texte anregt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Analyse fachdidaktischer Konzepte (u.a. von Saxalber, Bauermann und Sieber), um aktuelle Modelle der Schreibdidaktik auf die Fragestellung der Individualstilförderung anzuwenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, die Analyse von Beurteilungsprozessen durch Lehrkräfte sowie die Darstellung von Möglichkeiten zur Einbindung der Schülerselbstbeurteilung in den Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Individualstil, fördernde Beurteilung, Schreibkompetenz und Prozessorientierung geprägt.
Warum wird die "Nachahmung der Erwachsenensprache" durch Schüler kritisch betrachtet?
Die Arbeit argumentiert, dass diese Nachahmung oft fälschlicherweise als Mangel an Originalität gewertet wird, obwohl sie ein bewusster Schritt innerhalb der Schreibentwicklung und Adressatenorientierung sein kann.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft bei der Förderung des Individualstils?
Die Lehrkraft nimmt eine beratende Rolle ein, die einen Dialog auf Augenhöhe erfordert, bei dem die eigene Schreibbiographie reflektiert und das Textverständnis der Schüler ernst genommen wird.
Was ist mit dem "Dilemma zwischen Auslese und Förderung" gemeint?
Es beschreibt den Konflikt, in dem sich Lehrkräfte befinden, wenn sie einerseits Leistungen objektiv für Noten (Selektion) bewerten müssen, andererseits aber einen fördernden, entwicklungsbegleitenden Charakter bei der Textkorrektur anstreben.
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- Sofia Gutjahr (Autor), 2016, Förderung des sprachlichen Individualstils durch das Beurteilen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/359073