Lesen und Schreiben ist für die meisten Menschen eine Selbstverständlichkeit und wird in der Gesellschaft als eine Voraussetzung für die Teilhabe am Leben dieser erachtet. Daher zählt das Erlernen des Lesens und Schreibens in der Primarstufe als ein wesentliches Bildungsziel.
Unter Lesen wird hier nicht nur das Erkennen einzelner Worte verstanden, sondern vielmehr der Anspruch formuliert, sich Texte inhaltlich erschließen zu können. Ebenso gelten für die Rechtschreibung Ansprüche, die sowohl während der schulischen Laufbahn als auch im späteren Beruf von hoher Relevanz sind und damit Einfluss auf eine Vielzahl an Faktoren im gesellschaftlichen Leben haben. Doch viele Kinder erleben bereits in der Primarstufe Schwierigkeiten beim Erwerb dieser Kompetenzen. Daraufhin fallen diese mit zunehmendem Alter durch Defizite im Lesen und Schreiben auf. Um solche Defizite zu schmälern oder ihr Zustandekommen möglichst vollständig zu unterbinden wird den Lehrkräften, besonders in der Primarstufe, eine große Aufgabe zuteil.
Welchen Inhalt diese Aufgabe hat, soll diese Arbeit näher beleuchten. Besonders wird darauf Bezug genommen, mit welchen Mitteln es den Lehrkräften gelingt Kinder zu erkennen, die Schwierigkeiten im Lesen und/oder Rechtschreiben aufweisen, um diese anschließend angemessen in ihrer Lernentwicklung zu unterstützen. Wie kann es Lehrkräften im schulischen Alltag gelingen, Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben zu diagnostizieren und anschließend zu fördern? Hierbei werden in der vorliegenden Arbeit verschiedene diagnostische Mittel herausgegriffen, die der daran anschließenden Erstellung von Förderkonzepten vorangehen sollen. Diese anschließende Erstellung von Förderkonzepten und die Mittel, die Lehrkräften hierfür zur Verfügung gestellt werden, sollen ebenfalls thematisiert werden.
Inhaltsverzeichnis
2 DER PROZESS DES ERWERBS VON LESEN UND SCHREIBEN
2.1 EINFLUSSFAKTOREN AUF DEN ERWERB VON LESEN UND SCHREIBEN
2.2 KOGNITIVE EINFLUSSFAKTOREN AUF DEN ERWERB VON LESEN UND SCHREIBEN
2.3 DIE METALINGUISTISCHE BEWUSSTHEIT
2.3.1 DIE PHONOLOGISCHE BEWUSSTHEIT
2.4 DIE ENTWICKLUNGSPHASEN DES SCHRIFTSPRACHERWERBS
2.4.1 DIE LOGOGRAPHISCHE STRATEGIE
2.4.2 DIE ALPHABETISCHE STRATEGIE
2.4.3 DIE ORTHOGRAPHISCHE STRATEGIE
2.4.4 KRITIK AM ENTWICKLUNGSPHASENMODELL DES SCHRIFTSPRACHERWERBS
3 LESE- RECHTSCHREIBSCHWIERIGKEITEN BEIM ERWERB VON LESEN UND SCHREIBEN
3.1 BEGRIFFSBESTIMMUNG
3.2 DIE LEISTUNGSBEZOGENE DEFINITION
4 DIAGNOSTIK VON LESE- UND RECHTSCHREIBLEISTUNGEN
4.1 METHODEN DER FÖRDERDIAGNOSTIK
4.2 BEOBACHTUNG
4.3 STANDARDISIERTE TESTVERFAHREN
4.4 ÜBERPRÜFUNG DER RECHTSCHREIBFÄHIGKEIT
4.4.1 DIE HAMBURGER SCHREIB-PROBE – HSP 1-9
4.4.2 DIE OLDENBURGER FEHLERANALYSE – OLFA
4.5 ÜBERPRÜFUNG DER LESEFÄHIGKEIT
4.5.1 KNUSPELS LESEAUFGABEN – KNUSPEL-L
4.5.2 EIN LESEVERSTÄNDNISTEST FÜR ERST- BIS SECHSTKLÄSSLER – ELFE 1-6
4.5.3 DIE WÜRZBURGER LEISE LESEPROBE – WLLP
5 FÖRDERMABNAHMEN
5.1 FÖRDERUNG VON LESE- RECHTSCHREIBSCHWIERIGKEITEN
5.2 ERSTELLUNG EINES FÖRDERPLANS
5.3 RECHTSCHREIBFÖRDERUNG
5.4 LESEFÖRDERUNG
5.5 EIN TRAININGSPROGRAMM ZUR LESE- UND RECHTSCHREIBFÖRDERUNG – DIE LAUTGETREUE LESE- UND RECHTSCHREIBFÖRDERUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Lehrkräfte im schulischen Alltag Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben frühzeitig diagnostizieren und anschließend durch gezielte Förderkonzepte unterstützen können. Die Forschungsfrage fokussiert sich auf die Auswahl geeigneter diagnostischer Instrumente und die daraus resultierende Erstellung individueller Förderpläne.
- Prozess des Schriftspracherwerbs und dessen Entwicklungsphasen
- Definition und Bestimmung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten
- Diagnostische Verfahren zur Überprüfung von Lese- und Rechtschreibleistungen
- Methoden der Förderdiagnostik und Beobachtung im Unterricht
- Erstellung und Umsetzung individueller Förderpläne
- Einsatz von Trainingsprogrammen zur gezielten Förderung
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Die logographische Strategie
Ein erstes Verständnis für die Schrift erlangen Kinder über die logographische Strategie, welche sich durch ein ausschließlich visuelles Verständnis der Kinder auszeichnet. Dabei erkennt das Kind Wörter anhand auffälliger visuell wahrnehmbarer Merkmale, wie beispielsweise bei ihm bekannten Werbe- oder Firmenlogos (Coca Cola, Sesamstraße). Diese Merkmale prägt sich ein Kind ein, als würde es sich um ein Bild mit Buchstaben handeln, es kann dabei noch nicht auf eine vorhandene Buchstabenkenntnis zurückgreifen. Ebenso zeichnet sich das anfängliche Schreiben durch bereits bekannte, oder auswendig gelernte Buchstabenfolgen aus. Das kann der Name des Kindes oder ein anderes Wort sein, dem eine Bedeutung im Leben des Kindes zukommt. Hierbei haben Buchstaben einen Signalcharakter, der die Worterkennung beeinflusst und vereinfacht. Wird diese Strategie nicht weitergeführt in eine nächste Strategie, führt die Kinder nicht besonders weit. Das visuelle Gedächtnis ist nach einer bestimmten Zeit ausgeschöpft und unbekannte Wörter können mit dieser Strategie nicht gelesen, oder verschriftlicht werden. Die Reproduktion eines Wortes erfolgt in seinem Ganzen, da die Fähigkeit den Lautcharakter von Buchstaben zu entschlüsseln an diesem Zeitpunkt noch nicht erlernt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
2 DER PROZESS DES ERWERBS VON LESEN UND SCHREIBEN: Dieses Kapitel erläutert die kognitiven Voraussetzungen sowie die verschiedenen Entwicklungsphasen des Schriftspracherwerbs nach Uta Frith.
3 LESE- RECHTSCHREIBSCHWIERIGKEITEN BEIM ERWERB VON LESEN UND SCHREIBEN: Hier erfolgt eine theoretische Einordnung und Begriffsbestimmung von Lernschwierigkeiten im Schriftspracherwerb unter Berücksichtigung pädagogischer Ansätze.
4 DIAGNOSTIK VON LESE- UND RECHTSCHREIBLEISTUNGEN: Das Kapitel vergleicht verschiedene diagnostische Methoden, von der alltäglichen Beobachtung bis hin zu standardisierten Testverfahren für Lese- und Rechtschreibfähigkeiten.
5 FÖRDERMABNAHMEN: Der Hauptteil konzentriert sich auf die Ableitung von Förderplänen, die gezielte Rechtschreib- und Leseförderung sowie die Vorstellung eines konkreten lautgetreuen Trainingsprogramms.
Schlüsselwörter
Schriftspracherwerb, Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, Förderdiagnostik, Beobachtung, standardisierte Testverfahren, Leseförderung, Rechtschreibförderung, Förderplan, Phologische Bewusstheit, Logographische Strategie, Alphabetische Strategie, Orthographische Strategie, Diagnostik, Leistungsbezogene Definition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der diagnostischen Erfassung und der anschließenden Förderung von Kindern, die Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Schreibens in der Grundschule zeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen den Schriftspracherwerb, die Definition von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, diagnostische Instrumente (Tests und Beobachtung) sowie die Konzeption von Fördermaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Lehrkräften aufzuzeigen, wie sie den Prozess der Diagnostik und Förderung im schulischen Alltag systematisch gestalten können, um betroffene Kinder bestmöglich zu unterstützen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender didaktischer Modelle zum Schriftspracherwerb sowie auf die Auswertung und den Vergleich verschiedener diagnostischer Testverfahren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Erwerbsprozesses, eine detaillierte Darstellung diagnostischer Verfahren (HSP, OLFA, Knuspel, ELFE, WLLP) und praktische Ansätze zur Förderplanung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören Schriftspracherwerb, Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, Förderdiagnostik, standardisierte Tests und individuelle Förderplanung.
Worin unterscheidet sich die HSP von der OLFA in der Anwendung?
Während die Hamburger Schreib-Probe (HSP) als standardisiertes Testverfahren dient, ist die Oldenburger Fehleranalyse (OLFA) ein testunabhängiges, qualitatives Verfahren zur Analyse freier Texte für diagnostische Zwecke.
Warum ist die Unterscheidung zwischen logographischer, alphabetischer und orthographischer Strategie wichtig?
Die Unterscheidung ermöglicht es Lehrkräften, den individuellen Lernstand eines Kindes genauer einzuschätzen und gezielte Förderungen anzubieten, die genau an der aktuellen Entwicklungsstufe ansetzen.
Welche Rolle spielt die lautgetreue Lese- und Rechtschreibförderung?
Sie dient als exemplarisches, systematisch aufgebautes Trainingsprogramm, das insbesondere auf der alphabetischen Strategie aufbaut und den Segmentierungsprozess der Silben fokussiert.
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- Eefke Peters (Author), 2016, Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS). Diagnostik und Förderung im schulischen Alltag, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/364437