Einleitung
Man stelle sich einmal vor, die Autos der Zukunft würden aus Sicherheitsgründen mit hochentwickelten Computern ausgestattet, die dem Fahrer jederzeit multimedial sämtliche Informationen über sein Fahrzeug und die aktuelle Verkehrssituation zur Verfügung stellen. Über Displays und/oder die Lautsprecheranlage würden dem Fahrer sämtliche Fahrzeug- und Verkehrsdaten (vom Reifendruck über die Geschwindigkeit bis hin zu Informationen zum nächsten Stau) präsentiert. Was wäre die Folge? Sehr wahrscheinlich eine Informationsüberflutung des Fahrers, die eher zu Unfällen führt, anstatt sie zu vermeiden.
Dieses Beispiel verdeutlicht, in welcher Situation sich Führungskräfte heutzutage befinden. Angesichts der modernen EDV-Systeme, der komplexen Analysetools und der immer größer werdenden Datenbanken steht Ihnen eine Vielzahl von Daten zur Verfügung. Dies ist auf der einen Seite positiv, da beispielsweise genauere Auswertungen getätigt werden können, kann aber, wie das Autofahrerbeispiel zeigt, auch zu Unübersichtlichkeiten und damit zu Fehlentscheidungen führen. Um diese Problematik zu entschärfen, bedienen sich Unternehmen heutzutage Kennzahlen. Sie sollen die für den Erfolg des Unternehmens wesentlichen Zahlen aufzeigen1, um damit eine bessere Steuerung zu ermöglichen. Dabei lag der Schwerpunkt in der Vergangenheit vor allem auf dem Arbeiten mit finanziellen Kennzahlen. Doch die Praxis hat gezeigt, dass die Aussagekraft dieser Zahlen aufgrund ihrer starken Vergangenheitsorientierung heute nicht mehr ausreicht, um langfristige Wettbewerbsvorteile am Markt zu erzielen2. Die von Kaplan und Norton entwickelte Balanced Scorecard greift diese Problematik auf. Sie lenkt den Blick auf weitere Kennzahlen. Doch ihr Ansatz geht darüber hinaus. In folgender Arbeit soll die Balanced Scorecard vorgestellt, ihre neuen Aspekte im Gegensatz zu anderen Kennzahlensystemen verdeutlicht und ihr Einsatz in der Praxis beispielhaft dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kennzahlen und Kennzahlensysteme
3 Balanced Scorecard als ein Kennzahlensystem
3.1 Definition und Abgrenzung
3.2 Grundlegende Idee und Zielsetzung
3.3 Perspektiven der Balanced Scorecard
3.3.1 Finanzwirtschaftliche Perspektive
3.3.2 Kundenperspektive
3.3.3 Interne Prozessperspektive
3.3.4 Lern- und Entwicklungsperspektive
4 Balanced Scorecard in der Praxis
5 Ausblick
Zielsetzung und Themen
Das Ziel der Arbeit besteht darin, die Balanced Scorecard als ein modernes Führungssystem vorzustellen, das über klassische Kennzahlensysteme hinausgeht. Es wird analysiert, wie dieses Instrument hilft, Unternehmensstrategien durch die Verknüpfung finanzieller und nicht-finanzieller Kennzahlen in vier spezifischen Perspektiven erfolgreich umzusetzen und messbar zu machen.
- Grundlagen und Aufgaben von Kennzahlen sowie Kennzahlensystemen
- Konzeptuelle Definition und Abgrenzung der Balanced Scorecard
- Die vier Perspektiven der Balanced Scorecard und ihre Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge
- Anwendung und Implementierung der Balanced Scorecard in der Unternehmenspraxis
Auszug aus dem Buch
3.2 Grundlegende Idee und Zielsetzung
Die Idee der Balanced Scorecard entstammt einer Studie des Nolan Norton Institute (der Forschungszweig der Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung KPMG) aus dem Jahr 1990, das sich als Ziel gesetzt hatte, ein neues Kennzahlensystem zu entwickeln. Anlass für die Studie waren Zweifel der an der Studie beteiligten Unternehmen an der Fähigkeit der stark monetär ausgerichteten Kennzahlensysteme, Unternehmen zu zukünftigen wertschöpfenden Tätigkeiten zu verhelfen. Mit der Einbeziehung von nicht-monetären Größen, externen und internen Performance-Perspektiven, entstand mit der Balanced Scorecard ein modernes Kennzahlensystem. Durch erste Anwendungen in der Praxis zeigte sich zudem die Chance über die Balanced Scorecard die Unternehmensstrategie mit Kennzahlen zu verknüpfen. Die Balanced Scorecard entwickelte sich dadurch immer mehr von einem verbessertem Kennzahlensystem hin zu einem eigenständigen Führungssystem, das den Führungskräften und Mitarbeitern aller Hierarchieebenen die Ausrichtung ihrer Entscheidungen und Handlungen an den strategischen Zielen des Unternehmens erleichtert.
Wie der Abbildung eins zu entnehmen ist und bereits erwähnt wurde, ist die Balanced Scorecard in vier Perspektiven unterteilt. Die Ziele der Perspektiven stehen in einer Ursache-/Wirkungsbeziehung. Dies soll im Folgenden anhand eines Beispiels von Kaplan und Norton demonstriert werden: die Erreichung des Ziels Verbesserung des Fachwissens der Mitarbeiter (Lern- und Entwicklungsperspektive) führt zu einer Erhöhung der Prozessqualität und zu einer Verringerung der Prozessdurchlaufzeit (beides interne Prozessperspektive). Aus diesem Umstand ergibt sich, dass die Lieferpünktlichkeit steigt (Kundenperspektive) und das kann zur Erhöhung der Kundentreue (ebenfalls Kundenperspektive) führen. Kundentreue wiederum hat einen starken Einfluss auf die Kapitalrendite (Finanzperspektive). An diesem Beispiel wird deutlich, dass die Erfüllung der Ziele aus der Kunden-, interne Prozess- und Lern und Wachstumsperspektive letztendlich der Erreichung der finanziellen Ziele dient. Denn trotz mancher Kritik an den finanziellen Zahlen v. a. wegen ihrer Vergangenheitsorientierung so sind sie doch für die Existenzsicherung des Unternehmens von elementarer Bedeutung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik der Informationsüberflutung in Unternehmen und führt die Balanced Scorecard als Lösung zur strategischen Steuerung ein.
2 Kennzahlen und Kennzahlensysteme: Dieses Kapitel erläutert die Definition, Aufgaben und Arten von Kennzahlen sowie deren Zusammenfassung zu systematischen Kennzahlensystemen.
3 Balanced Scorecard als ein Kennzahlensystem: Hier erfolgt die begriffliche Einordnung und die detaillierte Darstellung der vier Kernperspektiven der Balanced Scorecard.
3.1 Definition und Abgrenzung: Dieses Unterkapitel leitet den Begriff Balanced Scorecard her und grenzt den Ansatz von Kaplan und Norton gegenüber klassischen Kennzahlensystemen ab.
3.2 Grundlegende Idee und Zielsetzung: Dieses Kapitel beschreibt den Ursprung des Konzepts als strategisches Führungssystem und die Bedeutung von Ursache-Wirkungs-Ketten.
3.3 Perspektiven der Balanced Scorecard: Hier werden die vier Säulen des Konzepts eingeführt, die eine ganzheitliche Steuerung ermöglichen.
3.3.1 Finanzwirtschaftliche Perspektive: Das Kapitel analysiert die Rolle finanzieller Kennzahlen für die Existenzsicherung und deren Phasenabhängigkeit.
3.3.2 Kundenperspektive: Dieser Abschnitt behandelt die Identifikation von Marktsegmenten und die Unterteilung der Kundenkennzahlen in Kernkennzahlen und Wertangebote.
3.3.3 Interne Prozessperspektive: Hier wird der Fokus auf Innovations-, Betriebs- und Serviceprozesse gelegt, um die interne Wertschöpfung zu optimieren.
3.3.4 Lern- und Entwicklungsperspektive: Dieses Kapitel fokussiert auf die Infrastruktur, Mitarbeiterpotenziale und die Notwendigkeit von Investitionen in Humankapital.
4 Balanced Scorecard in der Praxis: Anhand des Fallbeispiels Wachsfit wird die praktische Implementierung und Erfahrung bei der Anwendung des Konzepts veranschaulicht.
5 Ausblick: Das Schlusskapitel diskutiert aktuelle Trends und zukünftige Herausforderungen für die Verbreitung der Balanced Scorecard in einer komplexen Unternehmenswelt.
Schlüsselwörter
Balanced Scorecard, Controlling, Kennzahlensysteme, Strategieimplementierung, Finanzperspektive, Kundenperspektive, Interne Prozessperspektive, Lern- und Entwicklungsperspektive, Ursache-Wirkungs-Beziehung, Unternehmenssteuerung, Nicht-monetäre Kennzahlen, Unternehmensstrategie, Performance Measurement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Balanced Scorecard als einem modernen Instrument des Controllings, das Unternehmen dabei unterstützt, Strategien durch ausgewogene Kennzahlen operativ umsetzbar zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Wandel von rein monetären Kennzahlensystemen hin zu einer ganzheitlichen Sichtweise, die interne Prozesse, Kundenbeziehungen und das Mitarbeiterpotenzial integriert.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel der Arbeit ist es, die Funktionsweise der Balanced Scorecard darzustellen und aufzuzeigen, wie sie als Führungssystem zur erfolgreichen Strategieumsetzung beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse des theoretischen Konzepts nach Kaplan und Norton sowie einer beispielhaften Darstellung der praktischen Anwendung in einem Unternehmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen von Kennzahlensystemen, die Definition der Balanced Scorecard, eine detaillierte Erläuterung ihrer vier Perspektiven sowie ein Praxisbeispiel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Balanced Scorecard, Strategieumsetzung, Ursache-Wirkungs-Zusammenhang und Kennzahlensteuerung geprägt.
Warum spielt die Lern- und Entwicklungsperspektive eine so zentrale Rolle?
Sie stellt die notwendige Infrastruktur und das Humankapital sicher, da langfristiges Wachstum ohne Investitionen in Mitarbeiterwissen und Innovationsfähigkeit nicht nachhaltig realisierbar ist.
Wie zeigt das Fallbeispiel „Wachsfit“ den Nutzen des Instruments?
Wachsfit verdeutlicht, dass die Balanced Scorecard durch Transparenz und die Delegation von Entscheidungen auf Mitarbeiterebene zu einer erfolgreicheren strategischen Ausrichtung führen kann.
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- Martin Rudolph (Author), 2004, Der Balanced Scorecard Ansatz - Schwerpunkt Kennzahlensysteme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36462