Balance zwischen unternehmerischer Verantwortung und Gewinnmaximierung

Die Rolle des Ehrbaren Kaufmannes in unserer Leistungsgesellschaft


Hausarbeit, 2017

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. GRUNDSÄULEN ETHISCHEN VERHALTENS
2.1 Historische Entwicklung der Ethik
2.1.1 Ethik in der Antike
2.1.2 Ethik im christlichen Mittelalter
2.1.2a Augustinus von Hippo (354-430 n. Chr.)
2.1.2b Thomas von Aquin (1225-1274n.Chr.)
2.1.3 Ethik in der Neuzeit
2.1.3a Empirismus und Rationalismus
2.1.3b Immanuel Kant
2.1.4 Die Entwicklung der Ethik bis zur Gegenwart
2.2 Ethik heute

3. DER EHRBARE KAUFMANN - LEITBILD EINER BRANCHE?
3.1 Der Ursprung des Ehrbaren Kaufmannes
3.1.1 Einfluss durch Kaufmannsgilden
3.1.2 Die Hanse - Elite mit ethischem Verständnis?
3.1.3 Versammlung eines Ehrbaren Kaufmannes zu Hamburg
3.2 Verständnis des Ehrbaren Kaufmannes

4. ETHISCHES VERHALTEN IN UNSERE LEISTUNGSGESELLSCHAFT
4.1 Die Leistungsgesellschaft im 21. Jahrhundert
4.2 Ethik in der Leistungsgesellschaft
4.3 ÜBERTRAGUNG IN DAS RECHNUNGSWESEN

5 SCHLUSSBETRACHTUNG

6. LITERATURVERZEICHNIS

7. INTERNETVERZEICHNIS

Balance zwischen unternehmerischer Verantwortung und

Gewinnmaximierung

Die Rolle des Ehrbaren Kaufmannes in unserer Leistungsgesellschaft

1. Einleitung

Im Jahr 2001 wurde der bislang größte Bilanzbetrug in der Geschichte des Finanzwesens bekannt. Der US-amerikanische Energiekonzern Enron hatte über Jahre hinweg die eigene Bilanz manipuliert und den Aktienwert des Unternehmens in die Höhe getrieben. Die Gewinnerinnen und Gewinner dieser Manipulation waren die Top-Manager des Konzerns. Sie kassierten Millionenbeträge und profitierten von den unternehmensinternen Täuschungen. Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschrieben die Enron-Firmenkultur als arrogant, aggressiv und risikofreundlich1. Und trotzdem schien das Konzept aufzugehen. Noch ein Jahr vor dem Untergang des Konzerns zählte Enron zu den Top-7 Unternehmen in den USA. Ein skrupelloses Wirtschaften schien also großen Erfolg mit sich zu bringen. Im Dezember 2001 ging das Unternehmen dann insolvent, nachdem US- amerikanische Ermittlungsbehörden den Betrug aufgedeckt hatten. Einige der ehemaligen Top-Manager wurden angeklagt und zu Haftstrafen verurteilt. Und doch hat die Enron-Affäre das wirtschaftliche Denken und die Wirtschaft an sich nachhaltig geprägt. Offensichtlich ist ein immenser wirtschaftlicher Gewinn auch oder gerade dann möglich, wenn ethische Grenzen überschritten werden. Kein Wunder also, dass wirtschaftsethische Debatten sich dem Thema verantwortungsbewusster Gewinnerzielung widmen. Und trotzdem wird das Controlling nur selten im Zusammenhang mit ethischem Verhalten genannt. Ist das Controlling also nicht Teil der Schnittmenge zwischen Betriebswirtschaftslehre und Ethik? Wenn dem so wäre, wie sollte dann ein Unternehmen als komplexe, strukturelle Institution verstanden werden, in dem ein zentraler Bereich sich von ethischen Handlungsweise in Gänze frei machen kann? Begründet sich vielleicht genau hierin die gedachte Diskrepanz zwischen Gewinnmaximierung und unternehmerischer Verantwortung?

Der Begriff Ethik leitet sich von den griechischen Wörtern ëthikë „das sittliche (Verständnis)“ und ëthos (Charakter, Sinnesart) ab. In der Moralphilosophie beschreibt die Ethik die Lehre vom Handeln gemäß der Unterscheidung zwischen gut und böse2. Gegenstand der Ethik ist die Erörterung moralischer Probleme.

Darüberhinaus kann Ethik als Ordnungs- und Regelethik verstanden werden, deren Gegenstand die Reflexion handlungsleitender Regeln ist. Die Unternehmensethik befasst sich mit Fragestellungen des ethisch, wirtschaftlichen Handelns in Unternehmen. Wie in der allgemeinen Ethik befasst sich auch die Unternehmensethik intensiv mit dem Begriff der Moral, stellt dabei aber immer wieder die Frage nach der Beziehung zwischen Moral und Maximierung des Unternehmenswertes. Die Maximierung von Unternehmenswert und Gewinn stellt den zentralen Bezugspunkt des Controllings her, welches ein Teilbereich des unternehmerischen Führungssystems ist.3 Per Definition beschäftigt sich die Unternehmensethik also mit der Beziehung zwischen ethischem Verhalten und Controlling. Wieso werden Ethik und Controlling in der Diskussion also so selten zusammen genannt? Und welche der beiden Disziplinen fällt höher ins Gewicht? Fordert der ethische Dialog ein Neu-Durchdenken der klassischen Ausrichtung des Controllings und stellt ganz aktiv die Frage danach, welche Disziplin die Grenzen des unternehmerischen Handelns setzt? Ist das klassisch betriebswirtschaftliche Verständnis unternehmerischen Handelns insofern überholt, als dass nicht das Controlling die Grenze des ethisch erlaubten Handelns definiert, sondern vielmehr das Controlling innerhalb eines wertrationalen ethisch festgelegten Rahmens die mögliche Gewinnmaximierung sicherstellen muss?

Im Folgenden soll sich beiden Disziplinen durch eine intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte der Ethik und einer Aufarbeitung des Leitbildes des Ehrbaren Kaufmannes angenähert werden4. Darauf aufbauend wird die Beziehung zwischen Gewinnmaximierung und unternehmerischer Verantwortung diskutiert.

2. Grundsäulen ethischen Verhaltens

Die öffentliche Gedankenbildung zu ethischem Verhalten rückt häufig solche Personen in den Vordergrund, die sich im Laufe ihres Lebens auf herausragende und aufopferungsvolle Weise für andere Menschen und ihre religiöse oder politische Einstellung eingesetzt haben. Häufig genannte Vorbilder ethisch-moralischen Handelns sind Mutter Theresa, Nelson Mandela oder Mahatma Gandhi. Die drei verbindet, dass sie sich ohne Furcht für ihr eigenes Wohlergehen für das anderer eingesetzt und dabei auf Ruhm, Freiheit und finanziellen Reichtum verzichtet haben. Bei der Auseinandersetzung mit ethischem Verhalten klammern wir uns also an jene, die sich mit beispielsloser Aufopferung für andere einsetzten - die Heldinnen und Helden unserer Zeit. Mit dieser Ebene der Auseinandersetzung machen wir es uns jedoch zu einfach. Sie gaukelt uns vor, dass im alltäglichen Leben des Ottonormalverbrauchers weder Zeit noch Raum für ethisches Verhalten ist. Dem ethischen Verhalten sollte dabei eine weniger heroische Bedeutung beigemessen werden. Dass ethisches Verhalten vielmehr als übergeordnete Maxime eines geordneten und achtvollen menschlichen Miteinanders zu verstehen, das von jedermann in kleinen Schritten eingehalten und umgesetzt werden kann, wird insbesondere durch die Interpretation der Ethik durch Immanuel Kant deutlich5. Ein solches Verständnis von ethischem Verhalten ist Grundvoraussetzung, um eine kontroverse Auseinandersetzung mit wirtschaftlicher Ethik möglich zu machen. Es macht deutlich, dass ethisches Verhalten in jeder Handlung Einzug erhalten kann und, dass ein Verzicht auf ethisches Verhalten eine aktive Entscheidung ist.

2.1 Historische Entwicklung der Ethik

Die Ethik als Wissenschaft von den sittlichen Werten6 stützt sich im Grunde auf die moralphilosophischen Grundsätze für das menschliche Handeln und das gesittete Zusammenleben in der Gemeinschaft7. Im Verlauf der Zeit haben sich eben diese gesellschaftlichen Strukturen weiterentwickelt und verändert. Einhergehend untersteht auch die Ethik einem ständigen Wandel und lässt sich nicht als Begriff konstant definierbarer Begriff verstehen. Eine Auseinandersetzung mit dem historischen Begriff der Ethik macht diese Entwicklung deutlich und zeigt auf, weshalb die Ethik langsam Einzug in die Wirtschaft erlangt.

2.1.1 Ethik in der Antike

Eine zentrale Bedeutung für die Auseinandersetzungen mit der Definition der Ethik in der Antike wird Aristoteles zu teil. Die Gedanken des griechischen Wissenschaftler und Philosophen werden dabei als Antwort auf die Auseinandersetzungen Sokrates und Platons verstanden. Beide stellten sich der Frage nach dem Fundament einer funktionierenden Gesellschaft und vermuteten dieses in der Idee des Guten8. Aristoteles stellte die Frage nach den notwendigen menschlichen Tugenden, die eben dieses Gute auch tatsächlich möglich machen würden. Diese Tugenden sind für Aristoteles sichtbar durch die individuellen Handlungen jedes einzelnen Menschen. Neben den individuellen Handlungen misst Aristoteles insbesondere zwei Lebensbereichen einen entscheidenden Einfluss auf das ethische Handeln zu.

1. ) Politik (gr. ‘Polis’ Stadtstaat)

Aristoteles versteht den Menschen als ein auf politische Gemeinschaft ausgelegtes Lebewesen9. Die Fähigkeit, als Philosoph über das Wohlergehen der Polis nachdenken zu können und die bürgerliche Pflicht, sich politisch für die Gemeinschaft der Polis einsetzen zu können sieht Aristoteles als Tugend an. Die Vorteile einer gesellschaftlichen Gemeinschaft nehmen den Bürger in die Pflicht, sich für deren Wohl einzusetzen.

2. ) Ökonomie (gr. ‘oikos’ Haus)

Als zweiten zentralen Lebensbereich nennt Aristoteles die Ökonomik. Aristoteles versteht darunter die Führung des Haus- und Landwirtschaftswesens10. Für ein tugendhaftes Handeln verlangt er eine ordnungsgemäße Haushaltsführung. Er stellt damit erstmals eine für ihn untrennbare Verbindung zwischen der Ethik und der Ökonomie her. Dabei trennt Aristoteles strikt zwischen dem ökonomischen Handeln, das sich gemäß der Natur vollzieht, und dem Wirtschaften und der Produktion, mit dem Ziel der Gewinnerzielung. Letzterem spricht Aristoteles den ethischen Bezug ab. Ökonomie nach Aristoteles muss also als Handeln zum Erwerb (lebens-)notwendiger Dinge verstanden werden und nicht im Sinne der heutigen Verwendung in kapitalistischer Form. In seinem Werk ,Politik’ äußert Aristoteles sich sogar abneigend gegenüber jenen, die sich der Gewinnerzielung zuwenden: „die Tapferkeit ist nicht dazu da, um Geld zu erzeugen, sondern Heldenmut, und die Kriegs- und Heilkunst gleichfalls nicht jene Bestimmung, sondern die erstere die, den Sieg und die letztere Gesundheit zu verschaffen, jene Art von Leuten aber macht dies Alles zu Mitteln des Gelderwerbs, als wäre dies der Zweck...“11. Aristoteles rückt also die Handlung der Sache und nicht der Gewinnerzielung wegen in den Vordergrund in den Fokus der Ökonomie und spricht nur diesem Aspekt eine positive Auswirkung auf die Ethik zu.

2.1.2 Ethik im christlichen Mittelalter

Im Mittelalter erfährt die Entwicklung der Ethik eine fast tausendjährige Stagnation. Zentral für die Ethik im Mittelalter ist die christliche Prägung. Christliches Philosophieren beherrscht das europäische Denken. Andere Einflüsse, insbesondere solche aus dem Islam und Judentum werden unterdrückt und finden keinen Einzug in die Ethik. Die Dominanz des christlichen Glaubens stellt die Reflexion nahezu in Gänze ein und sorgt für eine durch und durch theozentrische Prägung der mittelalterlichen Ethik. Durch diese starke Neuprägung wird deutlich, in welch hohem Ausmaß die herrschende Weltanschauung unser Handeln und insbesondere unser Verständnis eines ethisch korrekten Handelns beeinflusst. Während Aristoteles insbesondere dem Menschen dein hohes Maß an ethischem Verhalten zusprach, der tugendhaft12 handelte und diesem Gutes im Leben zusagte verliert die Tugendhaftigkeit im Mittelalter insofern an Bedeutung, dass dem Menschen für tugendhaftes Handeln nicht mehr automatisch Gutes im Leben wiederfährt, sondern Gott den Menschen zu einem späteren Zeitpunkt für sein tugendhaftes Verhalten belohnt. Gott stellt im christlichen Mittelalter die höchste Instanz dar. Ihm wird eine legislative Bedeutung zugesprochen und seine Gesetze werden zu strengen Richtlinien nach denen die Menschen leben müssen. Die antike Idee des Guten hat keinen ethischen Wert mehr. Die prägenden Schriften und Definitionen der mittelalterlichen Ethik werden von den beiden Kirchenmännern Augustinus von Hippo und Thomas von Aquin verfasst.

2.1.2a Augustinus von Hippo (354-430 n. Chr.)

Augustinus wurde bereits im Kindesalter erstmals mit 13 den christlichen Lehren konfrontiert. Seine Mutter war gläubige Christin und versuchte ihrem Sohn ihre Religion nahezubringen. Zunächst ohne Erfolg. Geprägt durch die philosophischen Schriften Ciceros wandte er sich der Philosophie zu. Im Alter von zwanzig Jahren wurde er in Karthago Lehrer für Rhetorik und widmete sein Leben immer mehr der Suche nach der Weisheit. Mit dreißig Jahren ging er nach Mailand. Seine Begegnungen mit dem Mailänder Bischof Ambrosius sorgten dafür, dass Augustinus nur drei Jahre später seine Lehrtätigkeit niederlegte und er sich in Gänze dem christlichen Glauben zuwendete. Mit seiner Lehrtätigkeit hatte Augustinus auch seine weltlichen Ansichten abgelegt.

[...]


1 Bilanztricks biblischen Ausmaßes, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2002

2 Suchanek, Gabler Wirtschaftslexikon

3 Weber, Gabler Wirtschaftslexikon

4 Der folgende Bericht wird aus der Perspektive des westlichen Europas verfasst und orientiert sich an der historischen Entwicklung Europas. Ethisches Verständnis orientiert sich an der herrschenden Weltanschauung und darf daher nicht global verstanden werden. Das Verständnis variiert zwischen Ländern und Kontinenten ebenso, wie zwischen verschiedenen Religionen.

5 Vergl. 2.1.3b Immanuel Kant

6 Bertelsmann Volkslexikon, 2006

7 Bertelsmann Volkslexikon, 2006

8 Capurro, Einführung in die Ethik

9 2. Aristotelisches Axiom aus Politik, S.82; 1253a 2-3

10 Aristoteles, Politik, S.123; 1257b 20-21

11 Aristoteles, Politik, S.127; 1258a 11-14

12 Im Sinne von tüchtig.

13 Obwohl Augustinus historisch gesehen der Spätantike zuzurechnen ist, wird er an dieser Stelle dem Frühmittelalter zugeordnet. Seine Schriften und Gedanken wurden erst siebenhundert Jahre nach seinem Tod erstmals von dem bretonischen Denker Peter Abaelard in Frage gestellt und prägten das ethische Verständnis des Mittelalters entscheidend.

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Details

Titel
Balance zwischen unternehmerischer Verantwortung und Gewinnmaximierung
Untertitel
Die Rolle des Ehrbaren Kaufmannes in unserer Leistungsgesellschaft
Hochschule
Hamburg School of Business Administration gGmbH
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
24
Katalognummer
V365665
ISBN (eBook)
9783668449640
ISBN (Buch)
9783668449657
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
balance, verantwortung, gewinnmaximierung, rolle, ehrbaren, kaufmannes, leistungsgesellschaft
Arbeit zitieren
Marie-Christin Blume (Autor), 2017, Balance zwischen unternehmerischer Verantwortung und Gewinnmaximierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365665

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