In der folgenden wissenschaftlichen Arbeit setzt sich die Autoren mit dem historischen Verständnis ethischen Handelns auseinander und stellt einen Bezug zum heutigen, wirtschaftlichen Verständnis dar.
Im Jahr 2001 wurde der bislang größte Bilanzbetrug in der Geschichte des Finanzwesens bekannt. Der US-amerikanische Energiekonzern Enron hatte über Jahre hinweg die eigene Bilanz manipuliert und den Aktienwert des Unternehmens in die Höhe getrieben. Die Gewinnerinnen und Gewinner dieser Manipulation waren die Top-Manager des Konzerns. Sie kassierten Millionenbeträge und profitierten von den unternehmensinternen Täuschungen.
Sieht so die Realität wirtschaftlichen Handelns aus? Oder ließe sich wirtschaftliches Handeln anders verstehen, wenn das oberste Unternehmensziel nicht die wirtschaftliche Gewinnmaximierung, sondern das einheitlichen ethischen Verhaltens wäre?
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. GRUNDSÄULEN ETHISCHEN VERHALTENS
2.1 HISTORISCHE ENTWICKLUNG DER ETHIK
2.1.1 ETHIK IN DER ANTIKE
2.1.2 ETHIK IM CHRISTLICHEN MITTELALTER
2.1.2a AUGUSTINUS VON HIPPO (354-430 N. CHR.)
2.1.2b THOMAS VON AQUIN (1225-1274N.CHR.)
2.1.3 ETHIK IN DER NEUZEIT
2.1.3a EMPIRISMUS UND RATIONALISMUS
2.1.3b IMMANUEL KANT
2.1.4 DIE ENTWICKLUNG DER ETHIK BIS ZUR GEGENWART
2.2 ETHIK HEUTE
3. DER EHRBARE KAUFMANN – LEITBILD EINER BRANCHE?
3.1 DER URSPRUNG DES EHRBAREN KAUFMANNES
3.1.1 EINFLUSS DURCH KAUFMANNSGILDEN
3.1.2 DIE HANSE – ELITE MIT ETHISCHEM VERSTÄNDNIS?
3.1.3 VERSAMMLUNG EINES EHRBAREN KAUFMANNES ZU HAMBURG
3.2 VERSTÄNDNIS DES EHRBAREN KAUFMANNES
4. ETHISCHES VERHALTEN IN UNSERE LEISTUNGSGESELLSCHAFT
4.1 DIE LEISTUNGSGESELLSCHAFT IM 21. JAHRHUNDERT
4.2 ETHIK IN DER LEISTUNGSGESELLSCHAFT
4.3 ÜBERTRAGUNG IN DAS RECHNUNGSWESEN
5. SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Gewinnmaximierung und unternehmerischer Verantwortung unter besonderer Berücksichtigung des Leitbildes des „Ehrbaren Kaufmanns“. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie ethisches Handeln in das moderne Controlling und das tägliche unternehmerische Wirken integriert werden kann, ohne die ökonomische Leistungsfähigkeit zu gefährden.
- Historische Entwicklung der Ethik von der Antike bis zur Gegenwart
- Analyse des Leitbildes des „Ehrbaren Kaufmanns“ und dessen Ursprünge in der Hanse
- Charakteristika der modernen Leistungsgesellschaft und deren Einfluss auf den Leistungsdruck
- Integration ethischer Grundsätze in das betriebswirtschaftliche Rechnungswesen und Controlling
Auszug aus dem Buch
2.1.3b Immanuel Kant
Unter Kant erfährt das ethische Verständnis eine für unsere heutige Auffassung entscheidende, radikale Wende. Kant versucht, die theoretischen Interpretationen des Empirismus und des Rationalismus zu vereinen. Dabei gibt er dem Empirismus insofern Recht, als dass das menschliche Handeln an naturale und affektive Zusammenhänge gebunden ist. Das menschliche Handeln kann also durchaus empirisch beurteilt werden. Von zentraler Wichtigkeit für Kants Verständnis der Ethik ist jedoch die Annahme, dass die menschliche Willensfreiheit tatsächlich existiert. Aus dieser Annahme leitet er seine zwei zentralen Gesetze ab: das Naturgesetz und das Sittengesetz. Beide Gesetze wirken auf das menschliche Handeln. Ein ethisch korrektes Verhalten verlangt aber ein Handeln, das sich vom Naturgesetz frei macht und im Sinne des nach dem Sittengesetz Richtigem strebt.
Entscheidend für Kants Ethik Verständnis ist seine Ansicht, dass ein Handeln, das den Adressanten zur Realisierung äußerer oder materieller Ziele verpflichtet, nicht ethisch sein kann, da ein solches Handeln den Adressaten zu einer Handlung verpflichtet und ihn in seiner absoluten Willensfreiheit beschränkt. Für Kant erhält die Personalisierung der Menschheit einen wichtigen Stellenwert. Dieser wird besonders in Kants Zweckformel des Kategorischen Imperativs deutlich, hier formuliert er:
„ Handle so, dass du die Menschheit, sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest“
Kant versteht den Menschen also als Subjekt, das sich seines eigenen Verstandes und der Vernunft so bedienen soll, dass es reflektiert und durchdacht in ethischer Weise handelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet den Enron-Skandal als Beispiel für die Diskrepanz zwischen Gewinnmaximierung und ethischem Verhalten und hinterfragt die Rolle des Controllings in diesem Kontext.
2. GRUNDSÄULEN ETHISCHEN VERHALTENS: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung ethischer Strömungen nach, von Aristoteles über die christliche Ethik des Mittelalters bis hin zur modernen Philosophie von Immanuel Kant.
3. DER EHRBARE KAUFMANN – LEITBILD EINER BRANCHE?: Der Fokus liegt hier auf der historischen Herleitung des Leitbildes des Ehrbaren Kaufmanns, angefangen bei den Gilden über die Hanse bis hin zur modernen Handelskammer.
4. ETHISCHES VERHALTEN IN UNSERE LEISTUNGSGESELLSCHAFT: Die Analyse untersucht, wie Leistungsdruck in der heutigen Gesellschaft ethisches Handeln beeinflusst und wie eine Übertragung ethischer Werte in das Rechnungswesen möglich ist.
5. SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Zusammenfassung betont, dass der Ehrbare Kaufmann ein zeitloses Bekenntnis zu verantwortungsvollem Miteinander in einem wirtschaftlich orientierten Umfeld darstellt.
Schlüsselwörter
Ehrbarer Kaufmann, Ethik, Unternehmensverantwortung, Gewinnmaximierung, Controlling, Wirtschafts-ethik, Leistungsgesellschaft, Hanse, Moral, Immanuel Kant, Aristoteles, unternehmerische Verantwortung, Nachhaltigkeit, Rechnungswesen, Unternehmenswerte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Vereinbarkeit von ökonomischer Gewinnmaximierung und ethisch verantwortungsvollem Handeln in Unternehmen unter Verwendung historischer und theoretischer Ansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Themenfeldern gehören die Historie der Ethik, die Entstehung des Leitbildes „Ehrbarer Kaufmann“ sowie die Auswirkungen der modernen Leistungsgesellschaft auf die Unternehmensführung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Unternehmen und das Controlling ethische Verantwortung integrieren können, ohne ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage zu gefährden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse, die historische Konzepte der Ethik und des Kaufmannswesens auf aktuelle betriebswirtschaftliche Fragestellungen überträgt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Ethik, die Untersuchung des Leitbildes des Ehrbaren Kaufmanns und die kritische Auseinandersetzung mit der heutigen Leistungsgesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ehrbarer Kaufmann, Wirtschaftsethik, Gewinnmaximierung, Unternehmensverantwortung und Controlling geprägt.
Wie unterscheidet der Autor zwischen sozialem Engagement und ethischem Handeln?
Soziales Engagement wird oft als korrigierende Maßnahme verstanden, während ethisches Handeln nach dem Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns die Grundhaltung im täglichen operativen Geschäft beschreibt.
Warum ist die Analyse der Hanse für diese Arbeit relevant?
Die Hanse dient als historisches Fallbeispiel für die kollektive Selbstverpflichtung zu wirtschaftlicher Redlichkeit und bildet die Wurzel für heutige Standards in Handelskammern.
Kann Ethik im Controlling gemessen werden?
Der Autor argumentiert, dass das Controlling als Kontrollinstanz ethisches Handeln als Rahmenbedingung für die Gewinnmaximierung definieren muss, anstatt Ethik nur als Anhängsel zu betrachten.
Was ist das zentrale Fazit zur „neuen“ Ethik in Unternehmen?
Ethik muss als alltägliche, prozesshafte Verhaltensweise verstanden werden, die in kleinen Schritten umgesetzt wird, statt als heroische, medienwirksame Einzelaktion.
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- Marie-Christin Blume (Autor), 2017, Balance zwischen unternehmerischer Verantwortung und Gewinnmaximierung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365665