J'avons 400 ans - Akadische Identität im Spiegel des akadischen Films


Magisterarbeit, 2003

171 Seiten, Note: Sehr gut (1.0)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Akadische Identität
2.1 Begriffsbestimmungen
2.2 Elemente akadischer Identität – Ces références communes qui font l‘Acadie
2.2.1 Lebensraum
2.2.2 Geschichte
2.2.3 Sprache
2.2.4 Religion
2.2.5 Gesellschaft
2.2.6 Kultur
2.3 Zusammenfassung

3 Akadischer Film
3.1 Begriffsbestimmungen und Methode
3.2 Akadische Identität im Film – L’Acadie dans le prisme du cinéma
3.2.1 «L’Acadie, c’est un monde qui se suffit» – Les Aboiteaux
I Auswertung Visueller Teil
II Auswertung Sprachlicher Teil
III Resümee
3.2.2 «L’Acadie, c’est un détail» - L’Acadie, l’Acadie?!
I Auswertung Visueller Teil
II Auswertung Sprachlicher Teil
III Resümee
3.2.3 «L’Acadie, c’est une culture» - Kacho Komplo
I Auswertung Visueller Teil
II Auswertung Sprachlicher Teil
III Resümee
3.3 Zusammenfassung

4 Ausblick: Die Zukunft des akadischen Films als Identitätsstifter

Anhang
Chronologie des akadischen Films
Sequenzprotokoll Les Aboiteaux
Sequenzprotokoll Kacho Komplo

Bibliographie

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

J'avons 400 ans – Im Jahr 2004 werden in vielen Teilen der frankophonen Welt „400 Jahre Akadien“ gefeiert. Dieses Jubiläum bietet Anlaß, auf die wechselhafte und weitgehend unbekannte Geschichte der Akadier zurückzublicken und einzelne Aspekte akadischer Identität näher zu betrachten. J'avons 400 ans - Der Titel dieser Arbeit reflektiert zugleich eine sprachliche Besonderheit des in Akadien gesprochenen Französisch. Er enthält zwei Elemente, die bei der Konstituierung von Identität als Ausdruck des Eigenen von entscheidender Bedeutung sind: ICH und WIR. Von einem dritten - als Ausdruck des Anderen - wird in dieser Arbeit noch die Rede sein: SIE. J'avons 400 ans - Diese Arbeit nimmt Bezug auf ein künstlerisches Medium, das wie kein anderes nationale Identität reflektieren kann: der Film.[1]

Auf der Landkarte sucht man Akadien heute vergebens. Als geographische und politische Einheit existierte es kaum länger als ein Jahrhundert.[2] Als Siedlungsraum bestand es bis zur Vertreibung der frankophonen Bevölkerung in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Seitdem ist es ein mystisches Land, ein «pays imaginaire», das als Idee in den Köpfen und Herzen der Akadier weiter lebt. Akadien steht heute für die immerwährende Erinnerung an die gemeinsame Vergangenheit und das tägliche Bekenntnis zu einer gemeinsamen Gegenwart und Zukunft.

Zur Geschichte, Sprache, Literatur und Musik der Akadier liegt eine Vielzahl von Studien aus den jeweiligen Wissenschaftsbereichen vor.[3] Der akadische Film wurde jedoch bisher noch keiner systematischen Untersuchung unterzogen.[4] Wie noch zu zeigen sein wird, kommt dem akadischen Film bei der Widerspiegelung von akadischer Identität aber eine ebenso wichtige Rolle zu wie beispielsweise der Sprache, Musik und Literatur.

In dieser Arbeit sollen am Beispiel des akadischen Films jene kommunikativen Prozesse beschrieben werden, die zur (Re-)Konstruktion akadischer Identität führen. Dabei wird ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt. Die Akadier als eine besondere französischsprachige Minderheit in Nordamerika sind genuiner Teil der frankophonen Landes- und Kulturstudien. Bei der Untersuchung von akadischen Filmen als Spiegel und Stifter akadischer Identität findet mit dem Instrument der Filmanalyse eine qualitative Methode aus dem Bereich der Kommunikationswissenschaft Anwendung. Die Betrachtung des Films als künstlerisches Medium und die Illustration jedes Kapitels mit Werken der akadischen Malerei bezieht schließlich auch den Bereich der Kunstgeschichte in die Arbeit ein. In der Untersuchung wird eine kulturwissenschaftliche Perspektive vertreten. Film ist demnach sowohl Ausdrucksform als auch Konstruktionselement von kollektiver Identität.

Im Anschluß an diese Einleitung folgt das Kapitel Akadische Identität. Darin werden Schlüsselbegriffe definiert (Mythos, Gedächtnis, Symbol, Ritus, Fest, Nation), die konstituierenden Elemente akadischer Identität erklärt (Lebensraum, Geschichte, Sprache, Religion, Gesellschaft, Kultur) und die Prozesse beschrieben, die zur Entstehung von Identität führen (Kommunikation, Sozialisation, Tradierung). Anschließend wird für jedes Element von Identität einzeln dargelegt, welchen Veränderungen es im Laufe der Zeit unterworfen war (Längsschnitt). Dabei finden ausschließlich solche Ereignisse und Entwicklungen Berücksichtigung, die auch in den analysierten Filmen vorkommen. Zusammenfassend wird gezeigt, welche Ausprägungen diese Elemente in verschiedenen Epochen akadischer Geschichte angenommen haben (Querschnitt).

Diese Ausführungen bilden die theoretische Grundlage für das Kapitel zum Akadischen Film. An geeigneter Stelle werden deshalb Beziehungen zwischen den einzelnen Elementen von Identität sowie Verbindungen zum Thema Film hergestellt.

Im Kapitel „Akadischen Film“ werden zunächst die Theorien erläutert, auf denen die zentrale Hypothese dieser Arbeit basiert: Identität erzeugt Bilder. Bilder erzeugen Identität. Anschließend wird analysiert, inwieweit die drei ausgewählten Filme die akadische Lebenswelt widerspiegeln (Film als Spiegel von Identität). Dazu werden die zuvor ausgearbeiteten Elemente akadischer Identität auf ihr Vorkommen in drei ausgewählten Filmen überprüft. Die Auswertung der Ergebnisse der Filmanalyse erfolgt für die einzelnen Teilbereiche (Visueller Teil, Sprachlicher Teil) getrennt. Im Anschluß daran wird untersucht, ob diese Filme Anteil an der Stiftung von Identität hatten oder noch immer haben (Film als Stifter von Identität).

Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit der zukünftigen Rolle des akadischen Films und zeigt dessen Perspektiven als Identitätsstifter auf.

L’histoire acadienne, l’histoire des Acadiens est une histoire qui, aujourd’hui encore, se fait. Ce sont les Acadiens qui la font et seuls les Acadiens peuvent la faire.

Léonard Forest

2 Akadisc he Identität

2.1 Begriffsbestimmungen

Die Einschließung des Eigenen (ICH) und die Abgrenzung zu(m) Anderen (SIE), «cette façon d’être qui nous unit et nous distingue»[5], ist das Wesensmerkmal von Identität. Identität ist ein schillernder und heutzutage viel gebrauchter Begriff, für den es keine eindeutige und allgemein akzeptierte Definition gibt. Der Identitätsdiskurs wird von Fragen geleitet wie: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Im ursprünglichen Sinn des Wortes bezeichnet Identität einen Zustand.[6] Aus soziologischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive wird Identität jedoch als gruppendynamischer Prozeß begriffen.[7]

Identität entsteht in einem mehrstufigen Prozeß. Dieser beginnt mit Erinnerung. Erinnerungsleistungen werden durch freies und spontanes kommunikatives Handeln von Individuen und Gruppen erbracht. Erinnerungen gehen in einem dynamischen Selektionsprozeß in Form von Wissen in das kollektive Gedächtnis einer Gemeinschaft über. Dieses Wissen bleibt dort aber nicht unverändert erhalten. Es wandelt sich in dem Maße, wie auch die Gemeinschaft ihr Bild von der Vergangenheit, entsprechend den Bedürfnissen in der Gegenwart und den Erwartungen an die Zukunft, (re-)konstruiert.[8]

Die Gemeinschaft entwickelt über spezielle „Erinnerungsmedien“ - z. B. «lieu de mémoire» - eine eigene „Erinnerungskultur“, wodurch das Erinnern strukturiert und über Institutionen wie Familie, Schule, Massenmedien etc. institutionalisiert wird. Auf der Grundlage des im kollektiven Gedächtnis gespeicherten Wissens entsteht dann – wiederum durch kommunikatives Handeln - Kultur. Kultur ist - ebenso wie das kollektive Gedächtnis - fortlaufenden Veränderungsprozessen unterworfen. Sie entsteht durch Überlieferung und Erinnerung, hat andererseits aber auch Einfluß darauf, was weiterhin erinnert wird. In einem fortlaufenden Selektionsprozeß werden nur besonders erinnerungs- und tradierungswürdige Momente der gemeinsamen Vergangenheit ausgewählt. So wird die Komplexität von Geschichte auf ein überschaubares Maß reduziert. Kultur drückt sich immateriell in Form von Sprache, nonverbalen Zeichen, Wissen, Werten, Normen, Moralvorstellungen und religiösen Vorstellungen aus. Materiell manifestiert sie sich z. B. in Bekleidung, Gebrauchs- und Kunstgegenständen, Technik, Landschaftsgestaltung, Architektur und Denkmälern.[9]

Eine Kultur wirkt – über kommunikative Prozesse - auf ihre Mitglieder zurück. Das Bekenntnis zur gemeinsamen Vergangenheit ist der Kristallisationspunkt bei der Stiftung von Identität. Identität und Kultur sind eng miteinander verwoben. Sie beeinflussen sich wechselseitig über verschiedenste Ausdrucksformen (z. B. Sprache, Musik, Literatur, Malerei, Film). Identität bildet also die Schnittstelle zwischen Individuum und Gesellschaft[10]. Zu unterscheiden ist zwischen personaler Identität einerseits und kollektiver Identität andererseits. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden allein Aspekte kollektiver Identität besprochen.

An dieser Stelle werden nun bestimmte Schlüsselbegriffe definiert, deren Verständnis bei der Beschreibung von Identität und deren Entstehungsprozessen vorausgesetzt werden muß. Dies sind die Begriffe Mythos, Gedächtnis, Symbol, Ritus, Fest und Nation. Ein Mythos[11] ist eine autorlose Erzählung. Er bezeichnet im kulturwissenschaftlichen Sinn eine zur Legende gewordene Begebenheit oder Person, die aus meist irrationalen Vorstellungen heraus glorifiziert wird. Realität und Fiktion gehen dabei fließend ineinander über. Mythen dienen entweder der Erklärung und Legitimation der Gegenwart ( Gründungsmythos ) oder der Vergangenheit (Heldenmythos ). Durch fortdauernde Erinnerung - wobei die erinnerte Geschichte wichtiger ist als die faktische - erhalten sie identitätsstiftende Kraft. Durch die Beschwörung der gemeinsamen Vergangenheit wird ein Mythos zur Erinnerungsfigur mit bildhaftem Symbolcharakter.[12]

Ein Symbol ist ein wahrnehmbares Zeichen oder Sinnbild (Gegenstand, Handlung, Vorgang), das stellvertretend für etwas nicht Wahrnehmbares, Gedachtes oder Geglaubtes steht. Symbole dienen also der assoziativen Verständigung innerhalb einer Kultur. Auch nationale Ideen und Werte werden durch Nationalsymbole ausgedrückt. Diese Symbole sind fester Bestandteil der nationalen Erinnerungskultur, die ihrerseits wieder neue Zeichen von nationaler Bedeutung schaffen kann. Wenn natürliche Räume den Rang eines Zeichens erhalten, spricht man von Gedächtnisorten. Dies können zum Beispiel ehemalige Schlachtfelder, Schauplätze historischer Ereignisse oder Orte von Friedensschlüssen sein. Solche Stätten des kollektiven Gedenkens sind „Identitätsstiftungen“ der Überlebenden und als solche eine Hommage an die Toten und ein Appell an die Lebenden.[13]

Eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Gemeinsamkeit spielen Feste. Sie dienen der Vergegenwärtigung von Vergangenheit und stiften außerhalb des Alltags ein tiefgehendes Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Individuen. Durch Wiederholung wird garantiert, daß Feste in wieder erkennbaren Mustern und unter Einhaltung einer bestimmten zeitlichen Abfolge ablaufen. Dadurch werden sie zu Riten.[14]

Gemeinsame Mythen und Symbole, Erinnerungen und Riten, Werte und Leitbilder sind die Basis von Nationen.[15] Nationen sind nach Eric HOBSBAWN „menschliche Erfindungen“. Sie beruhen auf zwei unterschiedlichen Konzeptionen – die der Staatsnation und die der Kulturnation.

Eine Staatsnation ist eine „imaginierte Gemeinschaft“, die sich in dem freiwilligen Bekenntnis ihrer Bürger manifestiert, in einem Staat - auf gemeinsamen Boden - zusammen zu leben. Die ihr zugrunde liegenden Werte sind universeller Natur, ihre Existenzgrundlage nach Ernest RENAN der «plébiscite de tous les jours».

Eine Kulturnation ist nach Gottfried HERDER eine „natürliche Gemeinschaft“, die auf der ethnischen Abstammung – auf dem gemeinsamen Blut – eines Volkes basiert. Die sie vereinende Elemente sind Herkunft, Geschichte und Sprache. Durch spezifische Repräsentations- und Erinnerungsformen wird der Entwurf „Nation“ in mehrstufigen Kommunikations-, Sozialisations- und Tradierungsprozessen zu gesellschaftlicher Wirklichkeit:

«La véritable naissance d’une nation, c’est le moment où une poignée d’individus déclare qu’elle existe et entreprend de le prouver.»[16]

Nationen sind gemeinschaftliche Konstruktionen – WIR-Gemeinschaften – deren Existenz auf verschiedenen materiellen wie symbolischen Elementen gründet. Dies können z. B. eine gemeinsame Sprache oder Landschaft, eine typische Mentalität oder Folklore, nationale Helden, Symbole oder Monumente bzw. Grenzen sein. Ein besonderes Band verbindet diese Elemente zu einem Ganzen. Es hält die WIR-Gemeinschaft Nation im Inneren zusammen und grenzt sie nach außen ab. Dieses Band heißt Identität. Wie es die Akadier zu einer Nation verband, ist Thema des folgenden Abschnitts. Abschließend sei deshalb noch auf einen grundlegenden Unterschied zwischen Nation und Staat hingewiesen:

« L'idée de Nation implique une idée de spontanéité; celle d'État, une idée d'organisation qui peut être plus ou moins artificielle. Une nation peut survivre, même lorsqu'elle est partagée entre plusieurs États; et un État peut comprendre plusieurs nations. »[17]

2.2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Elemente akadischer Identität – Ces références communes qui font l‘Acadie

«Qu’est-ce que l’Acadie? Qu’est-ce qu’un Acadien? Question facile à poser mais à laquelle il est à peu près impossible de répondre quand on n’est pas soi-même habité par cette légende, par ce rêve et au fond par ce complexe.»[18] Bei der Beantwortung dieser Fragen sollen deshalb im Folgenden die Akadier selbst zu Wort kommen.

«Qu’est-ce que l’Acadie?» - Man zählt heute ungefähr vier Millionen Menschen in den verschiedensten Regionen der Welt, die auf die Frage nach ihrer Heimat alle ein und die selbe Antwort geben: «L‘Acadie». Für die Einen ist es ein « pays sans territoire», für die Anderen ein « pays sans frontières». Das Bild Akadiens steht in enger Wechselbeziehung zum Selbstverständnis seiner Bewohner:

«Il y a l’Acadie d’avant la Conquête qui répondait à une unité géographique, coloniale : il y a l’Acadie d‘aujourd’hui qui ne répond à rien du tout sur le plan du territoire juridique. Il y a l’Acadie qui englobe, par fidélité territoriale, les trois provinces canadiennes de l’Atlantique: il y a l’Acadie qui, par fidélité ethnique, enrôle en plus tous les LeBlanc, Cormier ou Arsenault qui habitent depuis deux siècles la Louisiane, la Nouvelle-Angleterre ou la Gaspésie.»[19]

Diese Beschreibung von Antonine MAILLET verweist auf ein grundlegendes Problem bei dem Versuch, die Grundlage der akadischen Nation zu bestimmen: Territorium oder Abstammung, Boden oder Blut, Traum oder Wirklichkeit. Denn heute gibt es nicht nur eine «Acadie», sondern mehrere, und zwar überall dort, wo Akadier leben! Weltweit existieren fünf «foyers de descendance acadienne». Dies sind die Maritimen Provinzen und Québec in Kanada, Louisiana und die Neuengland-Staaten in den USA sowie Frankreich. In dieser Arbeit wird ausschließlich auf die Maritimen Provinzen, d. h. die drei kanadischen Provinzen, Neubraunschweig, Neuschottland und Prinz-Edward-Insel, Bezug genommen.

«Qu’est-ce qu’un Acadien?» Würde man allen vier Millionen Akadiern dieselbe Frage stellen, man erhielte wahrscheinlich vier Millionen verschiedene Antworten. Befragt man heute Akadier zu den Merkmalen ihrer «acadianité» - ihres kollektiven Selbstverständnisses -, so ergeben sich auffällig viele Bezüge zur Geschichte, Abstammung, Sprache und Kultur.

Den am häufigsten genannten Aspekt - die gemeinsame Geschichte – beschreibt Léonard FOREST (Dichter, Schriftsteller und Filmemacher) wie folgt:

« Être Acadien, c’est partager un souvenir. Être Acadien, c’est une complicité durable et pacifique.»[20]

Damit verweist er schon auf einen zweiten verbindenden Faktor - die gemeinsame Abstammung. Maryannick BRAUD(Sängerin aus Nantes, Frankreich und Nachfahrin von Exilanten auf Belle-île-en-Mer) sagt dazu:

«Être Acadienne, c’est être la digne fille de mes ancêtres acadiens, faire partie de la grande famille mondiale de la diaspora.»[21]

Das Schlüsselelement von Identität - die gemeinsame Sprache - führt Zachary RICHARD (Liedermacher und Dichter aus Louisiana) ins Feld:

«Etre Acadien, c’est aussi parler le français.»[22]

Auf eine weitere Kernkomponente - die gemeinsame Kultur – verweist Louis ROBICHAUD (Senator und erster akadischer Premierminister der Provinz Neubraunschweig):

«Être Acadien, c’est [...] une appartenance à une culture qui est d’abord et avant tout française.»[23]

In der umfangreichen wissenschaftlichen Literatur finden sich ähnliche Komponenten zur Beschreibung von Identität im Allgemeinen und akadischer Identität im Besonderen. Bei HALBWACHS sind dies Geschichte, Gruppenbeziehungen, Lebensraum, juristischer, wirtschaftlicher und religiöser Raum.[24] ELLWEIN und MITTELSTRAß unterteilen ihrerseits in Geschichte, Kultur, Wirtschaft, Politik und Raum.[25] THÉRIAULT differenziert zwischen Geographie, Geschichte, sozial-ökonomischen und politisch-rechtlichen Faktoren, Bildung und Kultur.[26] MAGORD unterscheidet seinerseits in Geschichte, Sprache, Literatur, kulturelles Erbe und Kultur.[27] Die für die Definition des akadischen Volkes maßgeblichen Elemente sind nach NADEAU «son histoire, sa géographie, sa génétique, sa langue et sa culture».[28] VERNEX beschreibt schließlich das Wesen des „Akadier-Seins“ folgendermaßen:

«Il existait ainsi un lien indissoluble entre le fait d'être acadien et le métier d'agriculteur, entre l'appartenance ethnique française, et la défense de la foi catholique, de la langue et des valeurs traditionnelles acadiennes.»[29]

Nach Sichtung der entsprechenden Beiträge zu diesem Thema und einer Neuordnung der dort erwähnten Komponenten kristallisieren sich insgesamt sechs Elemente heraus, die wesentlichen Anteil an der Entstehung akadischer Identität haben: Lebensraum, Geschichte, Sprache, Religion, Gesellschaft und Kultur. Diese Elemente bilden die weitere Grundlage für diese Arbeit (siehe Abb.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Elemente Akadischer Identität

Unter dem Begriff Gesellschaft wurden Bereiche wie Politik, Wirtschaft, Bildung und Justiz zusammengefaßt. Unter akadischer Gesellschaft ist hier zu verstehen: «l’ensemble des individus entre lesquels existent des rapports durables et organisés, le plus souvent établis en institutions et garantis par des sanctions ».[30]

Für die Beschreibung akadischer Kultur wird nicht von einem erweiterten, d.h. alle Errungenschaften und Lebenserscheinungen der menschlichen Gesellschaft umfassenden, sondern von einem engeren Kulturverständnis ausgegangen. Unter akadischer Kultur ist hier «[le] mode de vie (tradition, cuisine, attitudes face à la vie, fêtes etc.) et la création artistique comme telle» zu verstehen.[31]

Diese Elemente stehen in enger Wechselbeziehung zueinander. Sie wirken nicht einzeln, sondern sind miteinander verwoben und wirken aufeinander zurück. So wird die Kultur wesentlich von Besonderheiten des Lebensraums, der Sprache und der Religion bestimmt. Gleiches gilt für die Gesellschaft, deren Aufbau von den Elementen Lebensraum, Geschichte und Religion beeinflußt wird. Veränderungen in der Gesellschaft schlagen sich dann in der Kultur nieder.

Die Arbeitshypothese dieses Kapitels lautet: Identität entsteht in kommunikativen Prozessen. Sie wird durch diese überliefert, verfestigt oder verändert. Die vermittelten Identifikationsangebote werden vom Individuum aufgenommen, verarbeitet und Teil dessen persönlicher Identität. Elemente persönlicher Identität können, wiederum mittels kommunikativer Prozesse, in kollektive Identität übergehen. Zur Überprüfung dieser Hypothese muß herausgefunden werden, ob sich das Selbstverständnis der Akadier im Laufe der Zeit gewandelt hat und wenn dies der Fall sein sollte, welche Gründe dafür entscheidend waren.

2.2.1 Lebensra um

Et in Arcadia ego – Ob der italienische Seefahrer und Entdecker Giovanni DA VERRAZANO (1485-1528) diesen Gedanken hatte, als er Anfang des 16. Jahrhunderts die nordamerikanische Atlantikküste erkundete, ist nicht überliefert. Überliefert ist hingegen, daß er dem östlich des heutigen Washington D.C. gelegenen Küstenstreifens den Namen „Archadia“ gab. VERRAZANO spielte damit auf das „Arkadien“ der Antike an, das damals als Inbegriff einer harmonischen, idyllischen Landschaft und Lebensweise galt – als ein Sinnbild für das irdische Paradies.[32] In seinem Bericht an den französischen König François Ier, in dessen Namen er unterwegs war, sprach VERRAZZANO von einer Gegend „quale batezamo Archadia per la bellezza de li arbori“[33] - „die wir wegen der Schönheit ihrer Bäume Archadia genannt haben.“ Um seinen Auftraggeber zu ehren, nannte VERRAZZANO alle von ihm entdeckten Gebieten „Francesca“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Et in Arcadia ego. Nicolas Poussin,1650-55. Paris,Louvre.

Im Laufe des 17. Jahrhunderts setzte sich für den südlich des Saint-Lorenz-Stromes gelegenen Teil der Nouvelle France nach mehreren unterschiedlichen Schreibweisen - Arcadia, Larcadia, Arcadie, Cadie, Lacadie, Accadie - die endgültige Bezeichnung Acadie durch. Ernest Hatch WILKINS erklärt den Wegfall des Konsonanten „r“ mit dem Einfluß sprachlicher Varietäten des Französischen, z. B. dem unbetonten „r“ im Bretonischen, bzw. mit Übertragungsfehlern, z. B. beim Kopieren von Landkarten.[34]

Andere Autoren verweisen auf den möglicherweise indianischen Ursprung der Bezeichnung Acadie. Die französischen Siedler unterhielten zu den indianischen Ureinwohnern enge wirtschaftliche, militärische und zum Teil auch familiäre Kontakte. In deren Sprachen gibt es zahlreiche Bezeichnungen für fruchtbare Gegenden mit reicher Flora und Fauna, die auf „quody“ oder „cadie“ enden. So steht „quoddy“ in der Sprache der Malécites für «endroit fertile» oder „algatig“ in der Sprache der Mic-Mac für«lieu de campement». In den kanadischen Atlantikprovinzen haben sich diese indianischen Ursprünge in Ortsnamen wie Passamaquody, Shubenacadie und Tracadie bis heute erhalten.[35]

Die ersten französischen Siedler lebten von Pelzhandel, Fischfang, Jagd und Landwirtschaft. Durch ein spezielles Drainagesystem - die aboiteaux – legten sie große Flächen küstennahen Sumpflandes - die marais salants – trocken und machten dies zum Gemüseanbau oder als Weideland nutzbar. Rameau DE SAINT-PÈRE (1820-1899), französischer Historiker, Schriftsteller und Rechtsanwalt, schrieb darüber in seinen Reiseberichten:

«Ces marais, entourés de digues ou aboiteaux, étaient le caractère essentiel et la base de toutes les colonies acadiennes; elles conquirent ainsi de vastes terrains, poussant toujours sur la mer et plaçant de nouvelles digues en avant des anciennes [...] Ces riches terrains, qu’ils pouvaient dessécher et arroser à volonté, leur produisaient d’admirables récoltes en herbages, en lin et en chanvre. C’était sur eux que reposaient la fortune et toute l’existence de ces colons, dont on peut dire [...] que leur histoire tout entière est écrite dans les digues de leurs marais.»[36]

Durch ihren spezifischen Lebensraum und die besondere Art seiner Bewirtschaftung unterschieden sich die frankophonen Siedler in Akadien von anderen Siedlern in Nordamerika. Während letztere ihren Lebensraum vor allem durch Abholzung - also als «défricheurs» – gewannen, rangen die Akadier ihr Land dem Meer ab – sie waren «défricheurs d’eau».[37] Dieser Unterschied war von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung der Siedlergemeinschaft und die Entstehung einer eigenen Identität.

Yves CORMIER zeigt in Les Aboiteaux en Acadie, wie die Kenntnis der Technologie zur Entwässerung küstennahen Sumpflandes die Wahl des Siedlungsraumes beeinflußte und wie deren Nutzung das Zusammenleben der Gemeinschaft bestimmte.[38] Diese Technologie hat ihren Ursprung in Holland und wurde in Frankreich seit dem 16. Jahrhundert auf zweierlei Weise genutzt. Zum einen zur Trockenlegung von Schwemmland an Flüssen wie der Loire, den marais doux. Hier wurde der Flußlauf nach dem Vorbild der holländischen polder eingedämmt und so fruchtbare Ackerfläche gewonnen. Zum anderen zur Salzgewinnung in den marais salants der französischen Atlantikküste, insbesondere in der Gegend um Brouage und La Rochelle. Dort wurden ebenfalls Dämme errichtet, die aber Durchlaßöffnungen enthielten.

Bei Flut wurde so Meerwasser kontrolliert auf die hinter dem Damm liegenden Flächen eingeleitet, wo es verdunsten und Salz auskristallisieren konnte.[39] Unter den ersten Siedlern in Akadien befanden sich Bauern aus beiden Regionen. Es ist deshalb anzunehmen, daß beide Techniken auch dort bekannt waren. Zu den ersten Handwerkern, die sich in Akadien niederließen, gehörten auch «saulniers», d. h. Spezialisten für die Salzgewinnung in den marais salants.[40] Die ähnliche geographische Lage ließen den Einsatz dieser Technologie in Akadien zunächst möglich erscheinen. Allerdings waren die klimatischen Bedingungen in der Fundy-Bucht andere als in der Gegend um Brouage. Dort ermöglichten konstant hohe Temperaturen und ein steter Südwind die Gewinnung von Meersalz im Zeitraum von Mai bis Oktober. In der Fundy-Bucht herrschten dagegen wegen des kühlen Seewindes große Temperaturgefälle und der dadurch entstehende Nebel reduzierte die jährliche Sonnenperiode erheblich. Entsprechend gering war die Salzausbeute, weshalb diese Arbeit bald aufgegeben wurde.[41] Letztlich sei, so CORMIER, aus der Kombination beider Technologien (marais salants und marais doux) das für Akadien typische System der aboiteaux hervorgegangen.[42]

Nach dem Glossaire acadien ist das Wort «aboiteau» - ausgesprochen wie «abouéteau» - keltischer Herkunft und gehe zurück auf «Abbée» = eine Öffnung im Damm, durch die angestautes Wasser fließen kann. Die Bezeichnung «aboiteau» hat sich im Laufe der Jahrhunderte auf das gesamte Entwässerungssystem aus Deich, Gräben und Kanälen übertragen:

«Le levée ou digue que l’on désigne toujours sous le nom d’aboiteau (masculin) [...] consiste en un rampart en bordure des eaux pour empêcher ces dernières de monter sur la terre alluviale appelée "pré" (féminin) [...] Cette digue est percée au ras du sol [...] par des clapets qui laissent passer l’eau d’égouttement.»[43]

Im Folgenden ist unter aboiteaux das Entwässerungssystem und die landwirtschaftlich genutzten Flächen zu verstehen.

Ein solch komplexes System konnte nicht von einzelnen Bauern oder Familien aufgebaut werden. Seine Errichtung bedurfte vielmehr einer kollektiven Kraftanstrengung. Bei DIÉREVILLE findet sich dazu eine anschauliche Beschreibung.[44] Belegt ist darüber hinaus der Bau eines aboiteau im Jahr 1775 in Memramcook, an dem 57 Männer aus der direkten Umgebung 565 Tage lang arbeiteten.[45] Zwischen der Fertigstellung eines aboiteau und der ersten Aussaat und Ernte konnten zwei bis sechs Jahre liegen. Diese Zeit mußte vergehen, bis der trockengelegte Boden von Salz befreit war. Zur Überbrückung dieser Übergangszeit rodeten die Siedler kleine Waldflächen in der Nähe ihrer Häuser, auf denen sie zur Eigenversorgung Obst und Gemüse anbauten.[46]

Nur zu diesem Zweck sowie zur Gewinnung von Bau- und Heizmaterial nutzten die frankophonen Bewohner Akadiens auch höhergelegene Waldflächen. Für die landwirtschaftliche Nutzung wählten sie ausschließlich das unter dem Meeresspiegel liegende Schwemmland. Dies unterschied sie sowohl von den englischen Siedlern der Umgebung als auch von ihren Landsleuten in der Region Québec. War die Gemeinde so weit gewachsen, daß die bewirtschaftete Fläche nicht mehr ausreichte, suchten die jüngeren Mitglieder neue Orte, an denen sie sich niederlassen und selbst Landwirtschaft betreiben konnten:

«[...] Il n’y a déplacement que lorsque les aires de culture sont toutes exploitées au maximum. C’est alors seulement qu’on fonde de nouveaux sites acadiens dans le bassin des Mines, dans la baie de Chignectou ou ailleurs.»[47]

Für die Wahl dieser Orte war entscheidend, ob sie mit dem bekannten und bewährten System der aboiteaux bewirtschaftet werden konnten:

«[...] les déplacements vers les régions des Mines et de Shipoudy ont été encouragés par les possibilités de culture en marais salants, et [...] les nouveaux établissements, qui s’étendent entre Port-Royal et le nord du Nouveau-Brunswick actuel, ont été choisis en fonction des connaisances sur la technologie d’endiguement.»[48]

Dies ist eine Erklärung für die in Akadien typischen, regional begrenzten Siedlungsräume mit großflächiger Besiedlung in kleineren Einheiten, den sogenannten «hameaux», und das Fehlen von größeren Städten oder Ballungszentren (siehe Abb. 8). Die trockengelegten Flächen waren im Rhythmus der Gezeiten regelmäßig überschwemmt worden. Durch Sedimentation bildete sich eine Mineralschicht heraus, die die Ernte fünf bis sechs Mal ergiebiger machte. Ein weiterer Vorteil bestand darin, daß das Gras auf diesem Boden langsamer reifte und erst geerntet werden mußte, wenn alle anderen Kulturen schon eingebracht waren.[49]

Wie schon die Errichtung der aboiteaux, so geschah auch die Bewirtschaftung der gewonnenen Flächen in Gemeinschaftsarbeit. Die Bevölkerung von Grand-Pré arbeitete beispielsweise im 18. Jahrhundert auf einem gemeinsamen Feld. Erst im 19. Jahrhundert wurden die Flächen parzelliert und unter mehreren Nutzern aufgeteilt.[50] Zur Zeit der Heuernte arbeiteten mehrere Familien «de concert» - während Männer das Heu schnitten, sammelten es Frauen und Kinder auf, um es in Haufen zu stapeln.[51] Die Kontrolle und Wartung der Dämme lag in der Verantwortung der Besitzer der angrenzenden Felder:

«Chaque habitant avait la garde de sa ‘hart’, c’est-à-dire, la partie d´aboiteaux qui bordait sa terre près de la mer ou de la rivière.»[52]

Zusätzlich kontrollierte ein von der Gemeinschaft gewählter Verantwortlicher, der «sour des marais», wöchentlich den Zustand der Dämme und Schleusen. Notwendige Reparaturen wurden gemeinsam ausgeführt.[53] In diesem Fall waren alle Bauern - auch die, deren Felder nicht direkt an den Damm grenzten - zur Mitarbeit verpflichtet.[54] Bei Abwesenheit oder Verhinderung mußte eine Ablöse in Höhe des Arbeitslohns für einen anderen Arbeiter bezahlt werden. Zusätzlich hatte sich jeder Bauer anteilig, d. h. entsprechend der Größe seines Feldes und unentgeltlich an den jährlichen Wartungsarbeiten zu beteiligen.[55]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: La construction des aboiteaux. Lewis Parker, 1981. Parks Canada.

Die Existenz der Siedler hing direkt von den dem Meer abgerungenen Flächen ab. Diese waren die «source principale de survie»[56] der ganzen Gemeinschaft. Der Erhalt der aboiteaux lag deshalb in kollektiver Verantwortung. Die gemeinsame Arbeit sicherte den Zusammenhalt der Gruppe:

«[...] la construction et l’exploitation d’aboiteaux intensifiaient les rapports sociaux chez les Acadiens, et [...] ce système agricole constituait chez eux un attachement marqué au milieu physique.»[57]

Sie förderte zugleich die Ortsgebundenheit ihrer Mitglieder:

«La nécessité de travailler en groupe développe chez les Acadiens un sentiment d’appartenance communautaire et un certain caractère sédentaire.»[58]

Die frankophone Siedlergemeinschaft begann sich seit dem letzten Viertel des 17. Jahrhunderts mit dem von ihr bewohnten Territorium zu identifizieren. Sie versteht sich seitdem weder als Franzosen noch Frankokanadier , sondern als Volk der Akadier.[59]

« Dykeland farming [...] caused such a break with the European traditions that the second generation of settlers at Port Royal no longer thought of themselves as French but as Acadian, a unique and separate ethnic group. »[60]

Einen identitätsverändernden Einschnitt in der Entwicklung der akadischen Gemeinschaft stellte die Zwangsvertreibung der Akadier nach1755 dar. Diese mußten ihre Ländereien entschädigungslos verlassen, ihr Besitz wurde beschlagnahmt und ihre Siedlungen zerstört (siehe Kap. 2.2.2). Als englische Siedler, die sogenannten Planters, um 1760 die Ländereien in Besitz nahmen, befanden sie sich in einem sehr schlechten Zustand. Stürme hatten die aboiteaux schwer beschädigt und nahezu alle Felder überschwemmt. Obwohl das englische Militär mit der Technologie vertraut war und ihr Wissen an die Neuankömmlinge weitergab, waren fünf Jahre später immer noch nicht alle Felder trockengelegt:

«[...] it was a problem of labour rather than of insufficient knowledge which beset the sparse, and individualistic, New England population of Nova Scotia as it embarked upon marshland reclamation.»[61]

Die englische Regierung erlaubte auf Drängen der Planters im Jahr 1764 den akadischen Bauern, die der Deportation entgangen waren, offiziell die Rückkehr nach Neuschottland. Englische Siedler erklärten ein Jahr später noch immer ihre «inability to continue theirbusiness in agriculture and improvements in general without Acadian help».[62] So kam es, daß die Akadier auf ihren ehemaligen Besitzungen als billige Lohnarbeiter Aufbauhilfe für englische Planters leisteten.[63] Die Akadier, die der Deportation entkamen und sich in die französischen Besitzungen der Region flüchten konnten, begannen z. B. im Tal von Memramcook oder auf der Prinz-Edward-Insel von neuem mit der Errichtung von aboiteaux . Von den Akadiern im Exil haben einzig die nach Louisiana geflüchteten die Kultivierung von Schwemmland an den Ufern des Mississippi fortgesetzt.[64]

Die Tradition der aboiteaux wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts langsam aufgegeben. Die Gründe dafür lagen zum einen in der Schwierigkeit des Geländes und dessen Anfälligkeit gegen Überschwemmungen durch Stürme, Hochwasser oder Eis. Die fortschreitende Mechanisierung machte die Kultivierung höher gelegener Flächen einfacher und rentabler. Diese waren zudem weniger anfällig gegenüber Naturgewalten. Zum anderen verursachten die Industrialisierung und das Aufkommen von Lohnarbeit in den Städten einen zunehmenden Arbeitskräftemangel in ländlichen Gebieten. Am Ende des II. Weltkrieges befand sich deshalb ein Großteil der Deiche in einem so schlechten Zustand, daß für viele Felder und Dörfer Überschwemmungsgefahr bestand. Die maritimen Provinzregierungen verabschiedeten daraufhin im Jahr 1948 in Kooperation mit der kanadischen Bundesregierung ein Programm zum Neu- und Wiederaufbau der aboiteaux - den sogenannten Maritime Marshlands Reclamation Act (M.M.R.A.). Waren bisher alle Finanzhilfen für die Bauern mit einer Eigenbeteiligung von einem Drittel verbunden, so übernahmen im Rahmen dieses Programms die Bundes- und Provinzregierungen alle anfallenden Kosten. Die neu errichteten Deiche haben den nahezu selben Verlauf wie ihre Vorläufer, sind aber größer und massiver gebaut. Die Deichschleusen, die den aboiteaux ihren Namen gaben, wurden alle durch Wehre mit stählernen Schiebetoren ersetzt. Beispiele dieser Bauart finden sich u. a. in Moncton, Riverside-Albert, Memramcook und dem Tal von Annapolis. Heute ist eine Fläche von ca. 18.000 Hektar in der Provinz Neu-Schottland und von ca. 13.500 Hektar in der Provinz Neubraunschweig von Deichen mit einer Gesamtlänge von 400 km umgeben.[65] Allerdings sind nur noch wenige aboiteaux traditioneller Bauart erhalten.

Die aboiteaux waren mehr als dreihundert Jahre lang von entscheidender Bedeutung im Leben des akadischen Volkes. Dieses System war perfekt an die speziellen Bedingungen des Lebensraumes angepaßt und wurde im Laufe der Zeit nicht wesentlich verändert. Die aboiteaux sind heute nicht mehr (über-)lebensnotwendig. Sie sind hingegen beredtes Zeugnis der akadischen Arbeits-, Lebens- und Wertegemeinschaft und illustrieren sehr anschaulich den Prozeß der Identitätsstiftung durch Erinnerung. In ihrer Funktion als Bollwerk gegen die Kraft des Meeres zeugen sie vom Widerstand der ersten Siedler gegen die Naturgewalten und dem Überlebenswillen in einer fremden Umgebung. Als Bestandteil von Erinnerungsorten wie dem Lieu historique national de Grand-Pré in Neuschottland und der Village historique acadien in Caraquet/Neubraunschweig, sind die aboiteaux zu einem festen Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses der Akadier geworden. Als Symbol für das Überleben des akadischen Volkes bleiben die aboiteaux eine immerwährende Inspirationsquelle für Künstler aller Genres. Henry Wadsworth LONGFELLOW beschrieb sie im ersten Kapitel seines akadischen Epos Évangéline. Malerwie Lewis PARKER oder Claude PICARD hielten sie in ihren Bildern für die Nachwelt fest. Der Filmemacher Léonard FOREST dokumentierte in seinem Film Les Aboiteaux die Erneuerung der Deichanlagen in den1950er Jahren (siehe Kap. 3.2.1). Der Sänger Calixte DUGUAY widmete ihnen ein bis heute vielfach interpretiertes Lied:

«Et les aboiteaux sont toujours quelque part

Attendant que le pays s’éveille

Viendront-ils un jour nous parler de départ

Pour d’autres merveilles»[66]

2.2.2 Geschichte

«Quelques arpents de neige» – Dieses Zitat aus VOLTAIREs Candide wurde zum Synonym für das Verhältnis Frankreichs zu seinen nordamerikanischen Kolonien.[67] «Quelques arpents de neige» – So stellte man sich im Mutterland die neu entdeckten Gebiete jenseits des Atlantik vor. «Quelques arpents de neige» - Mit jenen Worten war das Schicksal des französischen Kanadas besiegelt, noch bevor es eine eigene Rolle in der Weltgeschichte spielen konnte.

Der Beginn der Kolonialisierung Nordamerikas durch Frankreich geht auf das Jahr 1604 zurück, als eine Expedition unter der Führung von Samuel DE CHAMPLAIN (1567-1635) auf Île-Sainte-Croix im Norden der Fundy-Bucht einen Handelsposten errichtete. Ein Jahr später entstand auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht die erste dauerhafte europäische Niederlassung nördlich von Florida Port-Royal.[68] Von dort brach CHAMPLAIN zu weiteren Expeditionen auf, die ihn entlang der Küste in Richtung Norden und auf dem Saint-Lorenz-Strom weiter ins Landesinnere führten.[69] Die französischen Interessen an der Kolonie waren zu dieser Zeit kommerzieller Natur und ihre Entwicklung wurde ausschließlich von Händlern und Geschäftsleuten vorangetrieben.[70] Die dauerhafte Besiedelung Akadiens begann im Jahr 1632, als «300 hommes d’élite»[71] unter der Führung von Isaac DE RAZILLY (1587-1635), dem ersten Gouverneur Akadiens, die bisher kaum erschlossene Kolonie erreichten. In den folgenden Jahren verdoppelte sich die Bevölkerung durch eine anhaltend hohe Geburtenrate mit jeder weiteren Generation (siehe Tab. 2).[72]

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Tab. 2: Bevölkerungswachstum der Akadier bis 1755. Quelle: ROY (1980)

Die Pioniere der Nouvelle-France stammten mehrheitlich aus Poitou und dem Loudunais.[73] Zu diesem Ergebnis kam die französische Sprachwissenschaftlerin Geneviève MASSIGNON bei ihrer Analyse sprachlicher Ähnlichkeiten zwischen Bewohnern der Region Poitou und den Akadiern. Bei der ersten in Akadien stattgefundenen Volkszählung im Jahr 1671 wurden 440 Personen mit 76 verschiedenen Familiennamen erfaßt. Für MASSIGNON gelten sie als Vorfahren des gesamten akadischen Volkes, weil der ohnehin geringe Zustrom französischer Auswanderer damals bereits stagnierte und der Bevölkerungszuwachs der Folgejahre nicht mehr durch Immigration sondern fast ausschließlich durch Reproduktion erzielt wurde.

Bei der Volkszählung von 1938 wurden 34.000 Akadier erfaßt. Davon trugen 86 % die in der Zählung von1671 registrierten 76 Familiennamen.[74]

Zur Zeit der französischen Kolonialherrschaft entwickelten sich die Grundlagen der akadischen Kultur und Gesellschaft. In Erinnerung an diese Periode, die heute mit Assoziationen wie Abenteuer, Entdeckungen, friedliches Zusammenleben mit Indianern und Wohlstand der frankophonen Gemeinschaft verbunden ist, entstand der erste akadische Gründungsmythos, der Mythos vom «paradis terrestre».[75] In Anbetracht der Schwierigkeiten, denen sich die ersten Siedler ausgesetzt sahen - rauhe Natur, schlechte Versorgungslage, Konfrontation mit feindlichen Einheimischen und englischen Kolonisten, Hierarchie sowie Machtkämpfe innerhalb der eigenen Gemeinschaft - erscheint die Vorstellung vom „irdischen Paradies“ Akadien aus heutiger Sicht sehr verklärt. Aktuelle Ergebnisse aus allen Bereichen der Akadien-Forschung belegen dies.[76] Das positive Bild der Vergangenheit wurde durch die Vermischung von Fakten und Fiktion nachträglich erschaffen. In der Erinnerung an die glückliche Vergangenheit wird der Überlebenskampf der Akadier glorifiziert. Der Mythos vom „Irdischen Paradies“ ist so zu einem Identitätsstifter der akadischen Nation geworden.[77]

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Abb. 3: Le paradis terrestre. Claude Picard, 1986. Parks Canada.

Die Entwicklungen in der „Neuen Welt“ verliefen nicht losgelöst von den Auseinandersetzungen, die die damaligen Großmächte England, Frankreich und Spanien in Europa miteinander austrugen. Zur Durchsetzung ihrer Interessen in Nordamerika nutzten England und Frankreich Rivalitäten zwischen Einheimischen und schlossen Allianzen mit untereinander verfeindeten Indianerstämmen. Nach dem auch in der „Alten Welt“ bewährten Prinzip „Teile und Herrsche“ verbündeten sich die Engländer mit den Irokesen, während auf Seiten der Franzosen die Stämme der Micmac und Huronen standen. Ein Blick auf die Bevölkerungs- und Einwanderungszahlen von England und Frankreich in der Mitte des 18. Jahrhunderts zeigt, wie zahlenmäßig ungleich dabei die Voraussetzungen waren. Frankreich war seinerzeit mit rund 40 Millionen Menschen zwar das bevölkerungsreichste Land Europas, konnte sich aber in Nordamerika auf nur rund 60.000 Siedler stützen. England selbst zählte 7 Millionen Einwohner, seine amerikanischen Kolonien waren aber von rund 1,5 Millionen Menschen besiedelt.[78] Ein Mißverhältnis, das Frankreich nie ausgleichen konnte. So kam es zu der spannungsreichen Situation, daß Frankreich in Nordamerika zwar über viel Land aber wenig Menschen, England dagegen über viele Menschen aber wenig Land verfügte. Auf dem Höhepunkt seiner Ausdehnung erstreckte sich „Neufrankreich“ von der Hudson-Bay im Norden über das Mississippi- und Ohio-Tal bis zum Golf von Mexiko im Süden. „Neuengland“ blieb dagegen auf ein verhältnismäßig kleines Gebiet zwischen Atlantik und Appalachen beschränkt. Für England und seine Atlantikkolonien war es von vitaler Bedeutung, ihr Einflußgebiet zunächst nach Norden bis zur Mündung des St.-Lorenz-Stroms auszudehnen. Der daraus resultierende Interessenkonflikt mit Frankreich wurde mit militärischen Mitteln ausgetragen. Der Kriegsschauplatz war Akadien, das in der Folge mehrfach entweder unter englischer oder französischer Hoheit stand.

Nach der militärischen Niederlage Frankreichs im Spanischen Erbfolgekrieg wurde im Vertrag von Utrecht 1713 neben der Hudson-Bucht und Neufundland auch Akadien definitiv England zugesprochen. Akadien wird zur englischen Provinz «Nova Scotia», allerdings ohne genaue Festlegung ihrer Grenzen. Nach der damals üblichen Praxis wurden die Bewohner der eroberten Gebiete aufgefordert, entweder den Treueid auf die englische Krone zu schwören oder die Provinz zu verlassen. Die Akadier vermieden in dieser neuen Situation eine eindeutige Entscheidung. Sie weigerten sich lange, ihrem Mutterland und ihrem Glauben abzuschwören, verpflichteten sich aber im Falle eines erneuten Krieges zwischen England und Frankreich zur Neutralität. Die Politik der «neutralité acadienne» wurde von englischer, wie auch französischer Seite zwar toleriert, aber nie akzeptiert. Durch höhere Militärpräsenz und eine offensive Einwanderungspolitik (siehe Tab. 3) versuchte England seine Position in «Nova Scotia» zu sichern und langfristig auszubauen. Hier zeigt sich, daß die britischen Interessen in Nordamerika strategischer Natur waren und vom Staat konsequent verfolgt wurden.[79]

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Tab. 3: Zuwanderung britischer Siedler nach Nova Scotia. Quelle: LEBLANC, R. (1967)

Die starke Identifikation mit dem von ihnen besiedelten und kultivierten Land (siehe Kap. 2.2.1) war der entscheidende Grund dafür, daß die Akadier im Konflikt zwischen Frankreich und England nie eindeutig Partei ergriffen. Trotz ihrer mehrfach erklärten Neutralität gerieten sie schließlich im Vorfeld des Siebenjähriges Krieges (1756 - 1763) zwischen die Fronten. Als sie 1755 ein weiteres Mal den Treueid auf die Englische Krone und Religion verweigerten, beschloß England den Plan der Deportation aller französischsprachigen Einwohner Akadiens in die Tat umzusetzen. Um möglichen Widerstand der Akadier gegen ihre Vertreibung schon im Ansatz zu ersticken, wurden zunächst alle akadischen Männer von ihren Familien getrennt und in Kirchen oder Forts eingesperrt. Dort mußten sie von ihren Angehörigen mit Nahrungsmitteln versorgt werden, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht an eine Deportation glaubten und bestehende Fluchtmöglichkeiten nicht nutzten.[80] Die Gefangenen wurden dann auf Schiffe verladen, die sie in die 13 englischen Kolonien in Nordamerika oder nach England bringen sollten. Dabei nahmen die englischen Militärs keine Rücksicht auf bestehende Verwandschaftsverhältnisse. Familien wurden auseinandergerissen und an unterschiedliche Ziele gebracht. Es begann die „Odyssee eines Volkes“.[81]

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Abb. 4: La Déportation des Acadiens. Henri Beau, 1900. Moncton, MAUM.

Durch schlechte Ernährung, Erschöpfung und Krankheiten überlebten jedoch viele von ihnen die teilweise langen Seereisen nicht. In den folgenden acht Jahren wurden schätzungsweise 10.000 Akadier aus ihrer Heimat vertrieben, was mehr als 75 % der Gesamtbevölkerung entsprach.[82] Etwa 3.000 Akadiern war es gelungen, sich der Verhaftung zu entziehen. Diese waren entweder in die Wälder geflüchtet und versuchten dort mit Hilfe befreundeter Indianerstämme in freier Wildnis zu überleben oder setzten sich nach Québec oder in die Gaspésie ab. Der Besitz der Akadier wurde beschlagnahmt und ihre Dörfer verbrannt.

Die deportierten Akadier waren in den mehrheitlich englischsprachig-protestantischen Kolonien in einer Zeit, in der sich England und Frankreich im Kriegszustand befanden, nicht gern gesehen. Entsprechend reserviert bis feindlich wurden sie von der dortigen Bevölkerung aufgenommen. Ihrer Lebensgrundlage beraubt, mußten sie niedere Arbeiten verrichten oder gar von Almosen leben. Viele Familien wurden getrennt, indem ihnen die Kinder entzogen und bei wohlhabenden Protestanten zur „Umerziehung“ untergebracht wurden. Andere Vertriebene weigerten sich in anglophonen Siedlungen zu leben und verlangten, wie Kriegsgefangene behandelt zu werden. In diesem feindlichen Umfeld hatten viele Akadier nur ein Ziel, die Rückkehr in die alte Heimat.[83] Den nach England deportierten Akadiern erging es diesbezüglich wesentlich besser. Sie konnten letztlich nach Frankreich auswandern, wo Ihnen im Poitou und auf der Insel Bell-île-en-mer großzügig Land zur Verfügung gestellt wurde. Heimisch fühlten sich dort aber nur wenige von ihnen. Die meisten versuchten möglichst schnell wieder nach Akadien zurückzukehren oder nach Louisiana zu gelangen, wo sie sich bei den dortigen französischsprachigen Kreolen niederließen.

Die Erinnerung an das Jahr 1755 bleibt immer verbunden mit der „ersten ethnischen Säuberung in der Geschichte des Abendlandes“, die in der Geschichtsschreibung beschönigend als «Le Grand Dérangement» bezeichnet wird.[84] Das Trauma der Deportation wurde zu einem negativen Gründungsmythos - dem Mythos vom „paradis perdu“. Die Akadier waren von nun an ein Volk ohne Territorium, ein Volk auf Wanderschaft, ein Volk der Diaspora. Der Verlust ihres Lebensraumes, mit dem sie durch ihre spezifischen Arbeits- und Lebensformen (Gemeinschaftsarbeit auf den aboiteaux – siehe Kap. 2.2.1) auf das Engste verbunden waren, brannte sich tief in das kollektive Gedächtnis ein. Die Erinnerung daran wird bis heute auf verschiedenste Weise wachgehalten. Durch Gedächtnisorte wie die «lieu de mémoire Grand-Pré», durch Gedenkfeiern am Jahrestag der Vertreibung, durch die Thematisierung der Deportation in Literatur, Musik und Malerei etc. Auch in Filmen wird dieser einschneidende Moment in der akadischen Geschichte immer wieder hervorgehoben. Die mit der Deportation verbundenen Szenen werden in akadischen Filmen historisch rekonstruiert, d. h. die Kleidung und Accessoires der Akteure, die Gebäude und Gerätschaften, Sprache und Verhalten sind denen der Epoche nachempfunden. Ein Beispiel für diese Form der Vergangenheitsbewahrung ist der Film Acadie/Liberté (1993). Ausschnitte und Sequenzen aus diesem Film, speziell die Passagen zur Deportation, finden sich als „Bildzitate“ in vielen anderen akadischen Filmen wieder. Die Jahreszahl 1755 wurde so zum Symbol für die Deportation und das den Akadiern zugefügte Leid.[85] Eine in den 1970er Jahren sehr beliebte akadische Musikgruppe nannte sich 1755. Eine andere tritt heute unter dem Namen «Le Grand Dérangement» auf (siehe Kap. 2.2.6). Der Mythos der „Vertreibung aus dem Paradies“ wurde so zum zweiten akadischen Gründungsmythos.

Nach Beendigung der Kriegshandlungen kam es zur geopolitischen Neuaufteilung des ehemaligen Akadiens bzw. der Provinz «Nova Scotia» in die heutigen Maritimen Provinzen Neuschottland (1763), Prinz-Edward-Insel (1769) und Neubraunschweig (1784). Am Ende des Siebenjährigen Krieges (Frieden von Paris-1763) durften die Akadier nur unter der Bedingung wieder nach Neuschottland heimkehren, daß sie sich in kleinen Gruppen niederlassen und den Treueid auf die Englische Krone schwören. Der Strom der Rückkehrer in die alte Heimat war sehr groß (siehe Tab. 4). Die Akadier ließen sich vorwiegend in unbesiedelten Regionen nieder und stellten mancherorts bald wieder die Bevölkerungsmehrheit. Sie lebten sozial isoliert und wirtschaftlich autark.[86] Im Umgang mit der englischen Bevölkerung verfolgten sie eine Strategie der «non-participation», d. h. sie beschränkten die Kontakte auf das absolut notwendige Minimum.

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Tab. 4: Bevölkerungswachstum der Akadier in den Maritimen Provinzen nach 1755. Quelle: LEBLANC, P.E. (1999)

Die öffentlichen Debatten aus Anlaß der Gründung der kanadischen Konföderation (1867) lösten unter den Akadiern eine Diskussion über ihre Position in einem solchen Bündnis aus. Eine anglokanadisch dominierte Konföderation wurde von fast allen Akadiern abgelehnt, was auf Grund der politischen Mehrheitsverhältnisse ohne Folgen blieb. In der Folge kam es zu einer Annäherung zu den Frankokanadiern in Québec:

«Une nouvelle phase de notre existence comme peuple acadien apparaît aujourd’hui, c’est celle de l’union intime qui devra exister entre le Canada-Français et l’Acadie-Française.»[87]

Der Phase der kollektiven Selbstfindung folgte eine Periode tiefgreifender politischer, wirtschaftlicher und struktureller Veränderungen. Mit neuem Selbstvertrauen gingen die Akadier daran, nationale Geschichte zu schreiben. Im Jahr 1880 nahm erstmals eine akadische Delegation an einem Frankokanadier-Treffen in Québéc teil. Nach ihrer Rückkehr begannen die Delegierten mit der Organisation eines akadischen Nationalkonvents. Die erste Convention nationale des Acadiens fand 1881 in Memramcook statt und wurde zu einer eindrucksvollen Manifestation des Strebens nach nationaler Einheit. Der Konvent bestimmte den 15. August bzw. Mariä Himmelfahrt zum akadischen Nationalfeiertag. Der zweite akadische Nationalkonvent von 1884 wählte in Miscouche die französische Tricolore mit einem Stern zur Nationalflagge und das Kirchenlied Ave Maris Stella zur Nationalhymne. Hinter der Wahl dieser Nationalsymbole stand das Bekenntnis der Akadier zu ihrer Herkunft - Frankreich - und der gemeinsam Glaube – die katholische Religion. Die in den folgenden Jahrzehnten stattfindenden Konvente trugen wesentlich zum Erstarken des akadischen Nationalbewußtseins bei.

Ein historischer Moment für die Akadier war die Wahl des Akadiers Louis ROBICHAUD zum Premierminister von Neubraunschweig im Jahr 1960. Dessen Regierungsprogramm «Chances égales pour tous» leitete eine Phase grundlegender Reformen im Bereich Bildung und Sprache ein. Schlüsselereignisse waren dabei die 1963 erfolgte Gründung der Universität Moncton und die 1969 deklarierte Zweisprachigkeit der Provinz (siehe ausführlicher in Kap. 2.2.5). In Folge einer Radikalisierung des Verhältnisses zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen gründeten akadische Intellektuelle 1972 die Parti acadien. Ihr Ziel war die Errichtung einer separaten akadischen Provinz auf dem Territorium von Neubraunschweig. Diesem Vorhaben war jedoch kein Erfolg beschieden, weshalb die Partei Anfang der 1980er Jahre wieder aufgelöst wurde.

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Abb. 5: Le drapeau acadien. Yvon Gallant,1994. Moncton, MAUM.

Seit den1990er Jahren erfreuen sich die Akadier einer wachsenden Anerkennung auf nationaler und internationaler Ebene. So fand 1994 in Neubraunschweig der erste Akadische Weltkongress statt, und während die Stadt Moncton 1999 Gastgeber des VIII. Frankophonie-Gipfels war, wurde im selben Jahr der zweite Akadische Weltkongress in Louisiana abgehalten.

Geschichte ist ein wichtiges identitätstiftendes Element. Sie geht durch Erinnerung ins kollektive Gedächtnis über und gibt Antwort auf die Fragen Wer sind wir? Woher kommen wir? Die fortdauernde Erinnerung an gemeinsam gelebte Geschichte verleiht den beiden zuvor genannten akadischen Mythen ihre Kraft, macht sie zu Gründungsmythen der akadischen Nation. Die Erinnerung zeigt auch, daß Geschichte manchmal unverhoffte Wendungen vollzieht, Verlierer zu Siegern und Unterlegene zu Überlegenen werden läßt. Mit der Vertreibung seiner Bewohner sollte Akadien nicht nur von der Landkarte, sondern zunächst auch aus der Erinnerung verschwinden. Kraft der Erinnerung ist Akadien aber wieder auferstanden - nicht als ein Land, sondern in vielen Ländern. Die Stadt Moncton - benannt nach dem englischen General Monckton, der maßgeblich an Organisation und Durchführung der Deportation beteiligt war - ist heute das Lebenszentrum der akadischen Gemeinschaft. Die Erinnerung an ihre Geschichte läßt die Akadier stärker und selbstbewußter denn je ihren Platz in der Gegenwart vertreten und für ihre Zukunft streiten.

2.2.3 Sprache

J’avons 400 ans – Der Titel dieser Arbeit reflektiert eine sprachliche Besonderheit des in Akadien gesprochenen Französisch - das « Je pluriel». Zur Konjugation des Verbs «avoir» im Indikativ Präsens findet sich in Le parler franco-acadien et ses origines von Pascal POIRIER folgender Eintrag:

«J'ai, t'as, il'a, j'ons et j'avons, vous avez, is ont et is avont.»[88]

Das «Je pluriel» in Form von «J'avons» ist, so der Autor, psychologischer Natur. Es sei Ausdruck der besonderen Lebensweise und des damit verbundenen Selbstverständnisses der Akadier (siehe Kap. 2.2.1). Das individuelle, subjektive Element bestimme das soziale Gefüge auf dem Land stärker als in der Stadt. Der Städter sage «lui et moi», der Bauer dagegen «moi et lui». Wenn ein Bauer für sich allein spricht, so sage er z. B. «je veux», spricht er für zwei oder mehr Personen, so sage er «je voulons».

«Moi d'abord, le moi 'haïssable' de Pascal; jamais nous: je voulons, je parlons, je sons [nous sommes, A.d.V.]; c'est le moi collectif, si l'on peut dire. »[89]

Das „kollektive Ich“ ist allerdings keineswegs rein akadischen Ursprungs. Es war bereits im 13. Jahrhundert im Französisch der Île-de-France weit verbreitet und entsprach dort bis ins 17. Jahrhundert der sprachlichen Norm. Das «Je pluriel» wird somit in zweifacher Hinsicht zum sprachlichen Symbol. Es hält zum einen die Erinnerung an die sprachlichen und kulturellen Wurzeln der Akadier wach, die bis ins Frankreich des Ancien Régimes zurückreichen. Es reflektiert zum anderen, so die Interpretation von POIRIER, die besonderen Lebensumstände in ihrer neuen Heimat Akadien. Das «Je pluriel» ist eine von vielen Eigenheiten des français acadien, die von Sprechern des français standard bzw. des français québécois als antiquiert und provinziell bezeichnet werden. Äußerungen, auf die Akadier mit Scham reagieren und die die Ursache für deren Sprachkomplex sind:

«Certaines expressions dont on se sert, en Acadie, font sourire les Canadiens [les Québécois, A.d.V] et les "Français de France". Nos gens n'aiment pas qu'on se moque d'eux. Plutôt que de s'exposer à la risée des étrangers, ils se tairont, ou parleront anglais; ou bien, s'ils parlent français, leur français, ce sera avec gêne, presque en rougissant.»[90]

Bei der Entstehung des français acadien spielten verschiedene Faktoren eine Rolle. Es hat seinen Ursprung im Französisch des Mittelwestens, welches von den ersten Siedlern mehrheitlich gesprochen wurde (siehe Kap. 2.2.2). Durch wechselseitige Kontakte war es dann Einflüssen aus verschiedenen indianischen Sprachen ausgesetzt (siehe Kap. 2.2.1). Als Folge der Deportation bildeten sich weltweit viele kleine und voneinander isolierte „akadische Sprachinseln“ (siehe Kap. 2.2.2). Nach der Rückkehr der Akadier in die Maritimen Provinzen lebten diese entweder weiter isoliert von der englischsprachigen Bevölkerungsmehrheit, was zur Verfestigung bestehender Sprachvarietäten führte (siehe Kap. 2.2.4), oder in engem Kontakt zu ihr, was mit einem hohen Assimilationsdruck[91] verbunden war (siehe Kap. 2.2.5). Das français acadien entwickelte sich jahrhundertelang ohne jegliche Sprachnormierung und –pflege und ist heute reich an sprachlichen Varietäten.[92] Die sprachlichen Unterschiede können innerhalb einer Provinz sehr groß sein. So ist z. B. das in Neubraunschweig gesprochene Akadisch durch den Einfluß des français québécois im Norden und die Dominanz des Englischen im Süden besonders variantenreich.[93]

Wie in jeder anderen Kultur, so sind auch bei den Akadiern Sprache und Identität eng miteinander verbunden. Im Gebrauch der Sprache zeigt sich das Selbstwertgefühl der Sprecher. Auf eine Störung dieses Verhältnisses und die damit verbundenen negativen Folgen für die Akadier weißt POIRIER im Vorwort seines Essai de réhabilitation du français acadien hin:

«La crainte qu'éprouve le paysan acadien de parler sa langue devant les étrangers et même en présence de toute personne "éduquée", est chose dangereuse pour lui, au point de vue national. Elle ouvre une écluse à la marée montante de l'anglicisme, qui déjà déborde. Et puis, il ne faut pas qu'un enfant soit exposé à rougir de sa mère. Pour un Acadien, rougir de sa langue maternelle, c'est un peu rougir de la France.»[94]

Louise PERONNET greift dieses Problem in La situation du français en Acadie - L’éclairage de la linguistique auf. Sie fordert eine Institutionalisierung der Sprachpflege und schlägt dazu konkrete Maßnahmen vor.[95] Für die Sprachwissenschaftlerin ist die Zukunft des français acadien eng mit folgenden drei Punkten verbunden: dem Sprachunterricht in Französisch als Muttersprache, der Standardisierung des Französischen und der Assimilierung mit dem Englischen.[96] Für viele Akadier entstehe das ambivalente Verhältnis zu ihrer Sprache bereits in der Schule. Das dort gelehrte Französisch entspreche nicht dem im Alltag gesprochenen. Darauf werde mit dem programme de rattrapage an der Universität nur unzureichend und viel zu spät reagiert. Erforderlich sei vielmehr die Anpassung von Bildungspolitik und Lehrplänen an die sprachliche Situation der verschiedenen akadischen Siedlungsgebiete. PERONNET fordert in Anbetracht des staatlich geförderten projet d'immersion für anglophone Kanadier ein programme d'envergure de développement de la langue minoritaire für die Akadier.[97] Um in Akadien das Überleben und die Weiterentwicklung des Französischen als Minderheitensprache zu gewährleisten, sei zunächst eine offizielle Institution der Sprachpflege erforderlich. Die Standardisierung des français acadien müsse dann unter Berücksichtigung verschiedener Sprachebenen erfolgen. Erst innerhalb Akadiens mit seiner großen sprachlichen Vielfalt zwischen einzelnen Regionen und sozialen Gruppen, dann in Bezug auf das français québécois und schließlich auch mit Blick auf das français standard. Dabei komme es darauf an, gut zwischen der Bewahrung der sprachlichen Identität und Schaffung einer gemeinsamen Sprache abzuwägen. Hauptanliegen sei die «libération linguistique», d. h. eine objektive Beschreibung des aktuellen Sprachgebrauchs und damit eine Entstigmatisierung der Sprecher. Bei der Schaffung von Strukturen, die sowohl die Sprachpflege als auch die Ausbildung von Sprachwissenschaftlern sichern können, komme der Universität Moncton eine Schlüsselrolle zu. Deren Centre de recherche en linguistique appliquée sei Vorreiter auf diesem Gebiet, derzeit aber die einzige Institution, die die sprachwissenschaftliche Forschung plant und koordiniert. PERONNET fordert in diesem Zusammenhang die Schaffung eines sprachwissenschaftlichen Zweiges an der Universität Moncton. Die Verantwortlichkeit für Sprachpflege müsse letztlich bei den Akadiern selbst liegen, da nur diese die dafür nötige Motivation und Kompetenz aufbringen können.[98]

[...]


[1] In Anlehnung an den Film J’avions 375 ans von Phil COMEAU anläßlich des 375. Jahrestags der Erstbesiedelung Akadiens im Jahr 1979.

[2] Es umfaßte in seiner größten Ausdehnung ein Territorium von Maine – dem nordöstlichsten Bundesstaat der heutigen USA - bis zur Gaspésie - südlich des St.-Lorenz-Stroms.

[3] Siehe entsprechende Kapitel bei KOLBOOM et al.: Handbuch Französisch. Sprache, Literatur, Kultur, Gesellschaft. Berlin, Schmidt, 2002.

[4] Im Gegensatz zum Film in Québec. Siehe dazu: STRICKRODT: Filmszene Québecs. Ebda. S.539-542.

[5] BASQUE et al.:1999, S.9

[6] Lateinisch idem für Gleichheit, Übereinstimmung, Wesenseinheit.

[7] Vgl. CHRISTMANN:2002, S.50

[8] Vgl. HALBWACHS:1991, S.55f

[9] Vgl. CHRISTMANN:2002, S.67

[10] Vgl. CHRISTMANN:2002, S.68

[11] Griechisch für Wort, Rede, Erzählung, Fabel, Sage.

[12] Vgl. RÖSEBERG:2001, S.33

[13] Vgl. RÖSEBERG:2001, S.34

[14] Vgl. RÖSEBERG:2001, S.36

[15] Lateinisch natio für Geburt, Geschlecht, Art, Stamm, Volk.

[16] THIESSE:1999, S.11

[17] CUVILLIER zit. nach: Le Grand Robert Électronique

[18] PILON:1969, S.158

[19] MAILLET:1971, S.2

[20] FOREST: 1997, S.23

[21] COURSON:1994, S. 37

[22] COURSON:1994, S. 36

[23] COURSON:1994, S. 37

[24] Vgl. HALBWACHS, Maurice: Das kollektive Gedächtnis. Frankfurt a. Main, Fischer, 1991.

[25] Vgl. ELLWEIN, Thomas; MITTELSTRAß, Jürgen: Regionen, Regionalsimus, Regionalentwicklung. Oldenburg, Isensee, 1996.

[26] Vgl. THÉRIAULT, Joseph Yvon: Francophonies minoritaires au Canada. L’état des lieux. Les Éditions d’Acadie,moncton,1999.

[27] Vgl. MAGORD, André: L’Acadie plurielle. Moncton, CEA, 2003.

[28] NADEAU:1992, S.32

[29] VERNEX:1978, S.198

[30] Le Grand Robert Électronique

[31] NADEAU:1992, S.87

[32] Der römische Dichter Vergil (70-19 v.Chr.) machte das Gebirgshochland der griechischen Halbinsel Peloponnes, südlich der Landenge von Korinth, zum Schauplatz seiner „arkadischen“ Hirtengedichte („Bucolica“, 42-39 v.Chr). Der Mythos von „Arcadia“ erreichte im Europa der Renaissance durch das gleichnamige Buch (1489) von Jacopo Sannazzaro große Popularität. In der Malerei entstand daraus ein Topos, der in Renaissance und Barock häufig ins Bild gesetzt wurde( z.B. von Giorgione, Tizian oder Poussin).

[33] WILKINS:1957, S.6. Die Bezeichnung „Arcadie“ findet sich erstmals im Jahr 1534 auf einer topographischen Karte der „Neuen Welt“. Vgl. BASQUE et al:1999,S.16

[34] WILKINS, Ernest Hatch: Arcadia in America. In: Procceedings of the American Philosophical Society, Vol.101, No.1, February, 1957.

[35] Vgl. BASQUE et al:1999,S.16

[36] Université de Moncton, CEA, fonds d'archives no 2 -François-Edme-Rameau de Saint-Père, boîte 13.

[37] Titel eines Artikels von Jean-Claude DUPONT, erschienen1972 in der Zeitschrift Culture Vivante.

[38] CORMIER, Yves: Les Aboiteaux en Acadie. Hier et aujourd’hui. Moncton, Chaire d’études acadiennes, 1990.

[39] Beschreibungen dieser Art der Salzgewinnung finden sich bei Raymond REGRAIN: Les marais charentais: vu du ciel, un cadre de vie. Annales de l’Université francophone d’été, Saintogne-Québec, 1979 und Michel DELAFOSSE: Le Commerce du sel de Brouage aux XVIIe et XVIIIe siècles, Paris, Armand Colin, 1960.

[40] Vgl. RAMEAU:1889(I), S.115

[41] Vgl. POIRIER:1995, S.28

[42] Vgl. POIRIER:1995, S.35

[43] DUPONT:1972, S.6f

[44] DIÉREVILLE:1990, S.47f

[45] LEBLANC:1993, S.625

[46] Diese ersten Gemüsegärten sind auf historischen Karten noch an ihrer Einzäunung erkennbar.

[47] CORMIER:1990, S.73

[48] CORMIER:1990, S.14

[49] Vgl. CORMIER:1990,S.66f

[50] CORMIER:1990, S.67

[51] Vgl. LEGER:1962, S.65f. Ein Überblick über die im Laufe eines Jahres zu verrichtenden Arbeiten findet sich bei LEBLANC/LEBLANC: La culture matérielle traditionnelle en Acadie. In : L’Acadie des Maritimes. Etudes thématiques des débuts à nos jours. Université de Moncton, Chaire d’études acadiennes, 1993, S. 601-624.

[52] DUPONT:1972, S.7

[53] BRUN: 2003, S.114

[54] Vgl. CORMIER:1990:67

[55] Die Höhe der Ablöse belief sich auf 1 bis 2 $ pro Tag. Bei einer Nutzfläche von 1 arpent waren ca. 1,5 Tage, bei 2 arpents ca. 3 Tage Gemeinschaftsarbeit zu leisten. Vgl. CORMIER:1990, S.76

[56] CORMIER:1990, S.62

[57] CORMIER:1990, S.16

[58] CORMIER:1990, S.73

[59] Vgl. BASQUE et al:1999, S.19

[60] Maritime Dykelands:1987, S.21

[61] WYNN:1979, S.85

[62] Memorial of the inhabitants of Kings County to Governor Wilmot, 23 March 1765. Zitiert nach: WYNN:1979, S.85

[63] BRUN:2003, S.35

[64] Vgl. CORMIER:1990, S.79f

[65] CORMIER:1990, S.83

[66] DUGUAY:1975:97

[67] VOLTAIRE, Candide, Kap.XXIII

[68] Das heutige Annapolis-Royal. In Florida hatte Spanien bereits seit 1565 mit St. Augustine einen eigenen Stützpunkt errichtet.

[69] Wo er im Jahr1608 die Stadt Québec gründete.

[70] Vgl. LEBLANC, P.E.:1999, S.132

[71] Diese bestanden aus Militärs und Handwerkern verschiedener Metiers. La Gazette, zitiert nach: VENNIN :1994, S.17

[72] Vgl. ROY, M. J.: Peuplement et croissance démographique en Acadie. In: Les Acadiens des Maritimes. CEA, Moncton, 1980.

[73] In diesen Regionen lagen die Besitzungen von Charles de Menou d’Aulnay (1604-1650), einem Cousin Isaac de Razillys (1587-1635) und nach dessen Tod zweiter Gouverneur Akadiens (1635-1650), der dort 300 Handwerker zur Auswandereung nach Akadien bewegte. Vgl. MASSIGNON, Geneviève: Les Parlers français en Acadie. Paris, Librairie Klincksieck, 2 Bände, 1962.

[74] MASSIGNON:1962, S.31

[75] Vgl. LEBLANC, P.E.:1999, S.132f

[76] Siehe MAGORD, André: L‘Acadie plurielle. Dynamiques identitaires collectives et développement au sein des réalités acadiennes. Moncton, CEA, 2003.

[77] Émile LAUVIÈRE benutzte 1924 zum ersten Mal den Begriff Nation zur Beschreibung der akadischen Gesellschaft während der französischen Kolonialzeit. Vgl. LEBLANC, P.E.: 1999, S.134

[78] WEINMANN:2002, S.433

[79] Vgl. LEBLANC, P.E.:1999, S.135f

[80] GRIFFITHS:197, S.59

[81] Ein Film von Eva und Georg Bense. Arte/ZDF, 1998.

[82] La Déportation des Acadiens. Publication du Ministère des Approvisionnements et Services Canada,1986.

[83] Ebda.

[84] WEINMANN:2002, S.434

[85] Die Ziffern 1-7-5-5 sind übrigens der meistgewählte PIN-Code bei den Akadiern.

[86] LEBLANC,P.E.:1999, S.138

[87] Le Moniteur acadien, 8 juillet 1867

[88] POIRIER:1928, S.56

[89] POIRIER:1928, S.56

[90] POIRIER:1928, S.7

[91] Unter Assimilation wird hier im soziologischen Sinne die Angleichung von Sprache, Kultur und Lebensform der Akadier an die der Anglokanadier verstanden.

[92] BASQUE et al.:1999, S.101f

[93] BASQUE et al.:1999, S.104

[94] POIRIER:1928, S.7

[95] Siehe DAIGLE, Jean: L’Acadie des Maritimes. Etudes thématiques des débuts à nos jours. Université de Moncton, Chaire d’études acadiennes, 1993, S.467-503.

[96] PERONNET:1993,S.498

[97] PERONNET:1993,S.500

[98] PERONNET:1993, S.501

Ende der Leseprobe aus 171 Seiten

Details

Titel
J'avons 400 ans - Akadische Identität im Spiegel des akadischen Films
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Romanistik)
Note
Sehr gut (1.0)
Autor
Jahr
2003
Seiten
171
Katalognummer
V36604
ISBN (eBook)
9783638361798
Dateigröße
1541 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
J'avons 400 ans - Der Titel dieser Arbeit reflektiert eine sprachliche Besonderheit des in Akadien gesprochenen Französisch und nimmt Bezug auf ein künstlerisches Medium, das wie kein anderes nationale Identität reflektieren kann: der Film. In dieser Arbeit sollen am Beispiel des akadischen Films jene kommunikativen Prozesse beschrieben werden, die zur (Re-)Konstruktion akadischer Identität führen. Dabei wird ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt. !! Sehr langer Anhang !!
Schlagworte
Akadische, Identität, Spiegel, Films
Arbeit zitieren
Thomas Scheufler (Autor), 2003, J'avons 400 ans - Akadische Identität im Spiegel des akadischen Films, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36604

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