Diese Arbeit lässt sich in zwei Bereiche (I und II) untergliedern. Der erste überwiegend theoretische Teil verfolgt den Zweck, den Islam als gesellschaftlichen Gegenstand zu betrachten, um herauszuarbeiten, weshalb eine Behandlung des Islams in der Schule überhaupt notwendig ist.
Der erste Teil stellt folglich die theoretische Grundlage dieser Arbeit dar, indem der Leser einen Einblick in die Entwicklung des Islams in Deutschland bis in die Gegenwart erhält. An diese Grundlage soll im zweiten Teil „Der Islam in der Schule“ angeknüpft werden, der sich im Wesentlichen damit befasst, die Potentiale der fremdsprachlichen Fächer Spanisch und Französisch der gymnasialen Oberstufe bezüglich ihrer Integrationsfähigkeit des Islams zu untersuchen.
In einem ersten Schritt wird dazu in Kapitel 3 eine Lehrwerksanalyse der besagten Fächer durchgeführt. Diese bezieht sich lediglich auf Lehrwerke der Unter- und Mittelstufe, da in der Regel im Oberstufenunterricht kein Lehrwerk mehr herangezogen wird. Die Analyse soll dementsprechend aufweisen, inwiefern in den anfänglichen Lernjahren eine erste Auseinandersetzung in Hinblick auf den Islam geleistet wird. Mit der anschließenden Betrachtung der Kerncurricula (Kapitel 4) für die Oberstufe wird das Ziel verfolgt, die vorhandenen An-knüpfungspunkte für eine Thematisierung des Islams hervorzuheben. Auf Grundlage der aus dem theoretischen Teil gewonnenen Erkenntnisse sowie der Untersuchungsergebnisse der Lehrwerke und Kerncurricula wurde im fünften Kapitel ein Unterrichtskonzept entwickelt, durchgeführt und kritisch reflektiert. Die Ergebnisse der Untersuchungen sowie der Unterrichtsdurchführung werden in Kapitel 6 zusammengeführt und unter dem Aspekt der Herausforderungen und Chancen diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
I Der Islam als gesellschaftlicher Gegenstand
2 Deutschland und der Islam – Zahlen, Fakten, aktuelle Situation
2.1 Deutschland – das neue Einwanderungsland?
2.2 Definition Migration
2.3 Der Islam in Deutschland
2.3.1 Muslime in Deutschland
2.3.2 „Muslimische Infrastruktur“ in Deutschland
2.4 Integration und Exklusion von Muslimen in Deutschland
2.4.1 Integration muslimischer Menschen in Deutschland
2.4.2 Diskriminierung muslimischer Migranten (im Vergleich zu Migranten anderer Religionszugehörigkeiten)
2.4.3 Der Islam in den Medien
II Der Islam in der Schule
3 Lehrwerksanalyse
3.1 Lehrwerke Französisch
3.2 Lehrwerke Spanisch
3.3 Zusammenfassung
4 Betrachtung der Kerncurricula
4.1 Kerncurriculum Hessen Französisch für die Oberstufe
4.2 Kerncurriculum Hessen Spanisch für die Oberstufe
4.3 Vergleich mit anderen Bundesländern
4.4 Zusammenfassung
5 Unterrichtsentwurf
5.1 Die Lerngruppen- und Bedingungsanalyse
5.2 Tabellarischer Überblick
5.3 Sachanalyse
5.4 Kompetenzformulierung und Stundenziele
5.5 Unterrichtsbetrachtung
5.5.1 Didaktische Analyse und Begründung
5.5.2 Curriculare Begründung
5.5.3 Methodische Analyse
5.6 Stundenreflexion
5.7 Feedback der Lerngruppe
5.8 Alternative Umsetzungsmöglichkeiten des Unterrichts
6 Herausforderungen und Chancen
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Potenziale des Fremdsprachenunterrichts in der gymnasialen Oberstufe für die Integration des Islams. Ziel ist es, auf Basis einer Lehrwerksanalyse und der Betrachtung aktueller Kerncurricula aufzuzeigen, wie Vorurteile gegenüber dem Islam durch Aufklärung und Sensibilisierung abgebaut werden können und wie dieses Thema fächerübergreifend in den Unterricht integriert werden kann.
- Entwicklung des Islams in Deutschland und aktuelle gesellschaftliche Situation
- Integration und Exklusion muslimischer Migranten sowie deren Darstellung in den Medien
- Analyse des Islams in Lehrwerken für Französisch und Spanisch
- Untersuchung von Anknüpfungspunkten in den Kerncurricula verschiedener Bundesländer
- Entwicklung und Reflexion eines Unterrichtsentwurfs zur Islam-Thematisierung
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Integration muslimischer Menschen in Deutschland
Das vorausgehende Kapitel (2.3.2) erörtert, dass Muslime seit ihrer Ankunft in den 60er Jahren mittlerweile eine gut ausgebaute Infrastruktur in Deutschland erlangt haben. Dennoch mangelt es ihnen vor allem an Akzeptanz und einer endgültigen Integration von Seiten der nicht-muslimischen Gesellschaft, wie im weiteren Verlauf zum Ausdruck gebracht wird.
Dr. Kurz erläutert, dass es „zynischerweise […] die Terroranschläge des 11. September [waren], die dem Islam eine breite öffentliche Aufmerksamkeit eröffneten“ und kritisiert, dass seitdem eine negative Haltung „die öffentliche Wahrnehmung des Islam dominiert“ (S.5). Auch die unzähligen Konflikte, die aufgrund von Bauvorhaben von Moscheen entstehen und thematisiert werden, zeugen von einer mangelnden Akzeptanz, Skepsis sowie Ignoranz gegenüber dem Islam und seinen Glaubensanhängern und führen zwangsläufig zu einer wenig zufriedenstellenden Integrationssituation (vgl. Schmitt 2003, S.88f.)
Während 2006 im Rahmen einer Befragung von knapp 500 türkischen Muslimen ab 14 Jahren in Deutschland zum Vorschein kam, dass sich etwa 60% von ihnen als Muslime in Deutschland akzeptiert fühlen, vertraten zum gleichen Zeitpunkt etwa die Hälfte der Teilnehmer, dass sich das Verhältnis zwischen ihnen und anderen Bevölkerungsgruppen zum Negativen gewandt habe (vgl. Brettfels/ Wetzels 2007, S.27).
Haug et al. (2009) haben dennoch zutage gebracht, dass die Mehrheit der Muslime in den Bereichen der strukturellen und kognitiven sowie der sozialen und identifikatorischen Integration gut eingegliedert ist. Unter struktureller Integration verstehen sie die Indikatoren Schulbildung im Herkunftsland sowie in Deutschland, aber auch die Stellung im Beruf und unter anderem die Einkommensquelle. Die kognitive oder auch kulturelle Integration misst sich überwiegend an den Sprachkenntnissen in Bezug auf das Hörverständnis, die Schreib- und Sprechfähigkeiten sowie die Lesekompetenzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Relevanz des Islams als gesellschaftliches Thema dar und erläutert die Notwendigkeit der Thematisierung im schulischen Kontext, um Vorurteilen entgegenzuwirken.
2 Deutschland und der Islam – Zahlen, Fakten, aktuelle Situation: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Migrationsgeschichte und die Entwicklung der muslimischen Infrastruktur in Deutschland sowie über Aspekte der Integration.
3 Lehrwerksanalyse: Es wird untersucht, inwieweit das Thema Islam in aktuellen Lehrwerken für Französisch und Spanisch bereits behandelt wird und wo Potenziale für eine stärkere Einbindung liegen.
4 Betrachtung der Kerncurricula: Dieses Kapitel prüft, welche Anknüpfungspunkte die Lehrpläne und Kerncurricula verschiedener Bundesländer für eine Thematisierung des Islams im Fremdsprachenunterricht der Oberstufe bieten.
5 Unterrichtsentwurf: Hier wird ein konkretes Konzept für eine Doppelstunde in einem Französisch-Leistungskurs entwickelt, durchgeführt und kritisch reflektiert, um islamische Aspekte in den Unterricht zu integrieren.
6 Herausforderungen und Chancen: Dieses Kapitel diskutiert die Chancen und Schwierigkeiten, die bei einer Thematisierung des Islams im schulischen Rahmen auftreten können.
7 Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bestätigt die These, dass im Fremdsprachenunterricht weitreichende Potenziale für die Thematisierung des Islams vorhanden sind.
Schlüsselwörter
Islam, Migration, Deutschland, Frankreich, Lehrwerksanalyse, Kerncurriculum, Interkulturelle Kompetenz, Integration, Exklusion, Vorurteile, Islamophobie, Fremdsprachenunterricht, Unterrichtsentwurf, Muslime, gesellschaftliche Partizipation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet die Rolle des Islams in unserer Gesellschaft und untersucht, wie dieses Thema in den Fremdsprachenunterricht integriert werden kann, um Vorurteile abzubauen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Migration, die aktuelle Situation von Muslimen in Deutschland und Frankreich, die Analyse von Lehrwerken und Curricula sowie die praktische Umsetzung einer Unterrichtseinheit zum Islam.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass der Islam nicht nur im Religions- oder Politikunterricht Platz finden sollte, sondern dass auch der Fremdsprachenunterricht eine wichtige Rolle bei der Förderung interkultureller Kompetenz spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden Lehrwerksanalysen, eine Untersuchung curriculärer Vorgaben sowie ein erprobter Unterrichtsentwurf angewandt, um die Thematik multiperspektivisch zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, Analysen von Lehrbüchern und Lehrplänen sowie die Darstellung und Reflexion eines Unterrichtsprojekts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Interkulturelle Kompetenz, Islamophobie, Integration, Lehrwerksanalyse und gesellschaftliche Partizipation.
Wie wurde die praktische Umsetzung im Unterricht bewertet?
Der Unterrichtsentwurf wurde in einem Französisch-Leistungskurs durchgeführt. Das Feedback der Schüler war überwiegend positiv, auch wenn Zeitmangel bei der abschließenden Besprechung als Kritikpunkt genannt wurde.
Warum ist eine Einbettung des Themas Islam in Französisch und Spanisch sinnvoll?
Da viele Muslime aus Ländern stammen, die mit diesen Sprachen und Kulturen (z. B. Maghreb-Staaten oder Spanien) verbunden sind, bietet sich hier ein natürlicher Kontext für interkulturelles Lernen.
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- Ann Wagner (Autor), 2016, Islam in der Schule. Herausforderungen und Chancen (Französich Oberstufe Gymnasium), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366725