Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Fragestellung, ob und inwieweit Grundschulkinder ein historisches Bewusstsein und im Besonderen, ob sie ein Verständnis für historischen Wandel besitzen und welche Gründe sie für diesen nennen. Zu diesem Zweck wurde ein Interview mit einem siebenjährigen Zweitklässler geführt, welches kombiniert wurde mit der Aufforderung an den Schüler, eine Zeichnung zu einem bestimmten Thema anzufertigen und diese zu erläutern.
Das Thema des Interviews konnte von der Verfasserin selbst gewählt werden. Nach reiflicher Überlegung wurde das Thema "Berufe und Berufsvorstellungen früher - heute” ausgewählt. Die Gründe hierfür sollen nun kurz aufgeführt werden:
Zum einen handelt es sich dabei um ein Thema, welches aus dem unmittelbaren Lebensumfeld eines Grundschulkindes stammt; auch sie werden schon seit frühester Kindheit mit allen möglichen Berufen konfrontiert, sei es in Form von Spielzeug (Bauarbeiter, Lokomotivführer, man denke nur an die unzähligen Ausführungen von Barbiepuppen in unterschiedlichen Berufen von Tierärztin bis Krankenschwester), oder in Form von Gesprächen mit Erwachsenen bis hin zum Fernsehen. Viele Kinder wissen, was ihre Eltern “arbeiten” und die meisten Kinder haben auch schon eine Vorstellung von dem, was sie später mal machen wollen, wenn sie “groß sind”.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Gegenstand und Gliederung dieser Arbeit
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Grundlagen zur Entwicklung eines Geschichtsbewusstseins und zum historischen Lernen
2.1.1. Geschichtsbewusstsein als Begriff
2.1.2 Entwicklungsstadien des historischen Lernens
2.2 Zusammenfassung und Vorstellung weiterer Studien mit ähnlichem Schwerpunkt
3. Methodik
3.1. Untersuchungsinstrument: Interview kombiniert mit Zeichnung
3.2 Datenerhebung: Auswahl des Schülers
3.3 Weitere Maßnahmen der Qualitätssicherstellung der Ergebnisse
4. Empirie: Zusammenfassung des Interviews und Beschreibung der Zeichnung
5. Analyse und Interpretation
5.1 Inhaltsanalyse: Hat das Kind ein Geschichtsbewusstsein und erkennt es einen historischen Wandel?
5.2 Kritisches Fazit
5.2.1 Relevanz der Erforschung des Geschichtsbewusstseins
5.2.2 Kritik an der eigenen Konzeption des Interviews
5.2.3 Schlussfolgerung und Fazit
6. Literaturverzeichnis
6.1 Monografien
6.2 Sammelbände
6.3 Zeitschriften
7. Anhang:
7.1 Transkription Interview
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer qualitativen Einzelfallanalyse mit einem siebenjährigen Grundschüler, inwieweit bei Kindern bereits ein Geschichtsbewusstsein vorhanden ist und ob sie historische Wandelprozesse wahrnehmen und begründen können.
- Grundlagen des Geschichtsbewusstseins (Theorien von Pandel und von Börries)
- Entwicklungsstadien historischen Lernens (Piaget, Rüsen, Noack)
- Methodik der qualitativen Einzelfallanalyse (Leitfaden-Interview und Schülerzeichnung)
- Empirische Analyse kindlicher Vorstellungen zu Berufen früher und heute
- Interpretation kindlicher Erklärungsmodelle für historischen Wandel (Fortschritt, Innovation, technischer Wandel)
Auszug aus dem Buch
5.1 Inhaltsanalyse: Hat das Kind ein Geschichtsbewusstsein und erkennt es einen historischen Wandel?
Zunächst lässt sich feststellen, dass Khalani durchaus erkennt, dass es einen Zustand “früher” gab, er unterscheidet also zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Seine Vorstellungen sind vor allem bildlich geprägt. So zögert er bei der Beschreibung von Vergangenem, als ein bloßer Zeitraum von 100-200 Jahren genannt wurde, bei der kurzen Beschreibung durch den Begriff “Mittelalter” und Ritter hat er jedoch direkt eine Idee (“Ritter - ja!”). Auf die Frage, woher er sein Wissen über diese Zeit habe, antwortet er neben Fernsehen, dass es “vor allem aus Büchern” stamme. Interessant ist hier, dass er seine Vergangenheitsvorstellungen scheinbar nicht in der Schule aufgebaut hat oder zumindest nicht im wesentlichen.
Nach Jeismann zeichnet das Geschichtsbewusstsein unterschiedliche Vorstellungen der Zeitebenen aus, sodass hiernach Khalani ein solches zumindest in Ansätzen ausgebildet hat; er erkennt, dass früher Dinge “noch nicht erfunden waren”, sich also etwas verändert hat. Dies kann als Erkennen von historischem Wandel bezeichnet werden. Er sieht, dass es zum Beispiel “Fußballer nicht” gab und dass Mädchen früher weniger, zum Beispiel keine Ritter, werden durften. Märkte seien verändert worden und heute in Form von Supermärkten zu finden. Wie oben bereits erwähnt, nennt er für den historischen Wandel sogar Gründe: die Menschen hätten einen Drang nach Innovation (“die wollten was neues”), erfanden aus diesem Grund und zur Vereinfachung von Arbeitsprozessen neue Gegenstände (“Computer zum Rechnen”), die wiederum auch die Berufsbilder veränderten. Bei den Verkäufern veränderte sich vor allem die Warenpräsentation (früher auf dem Markt - heute “im Aldi”), bei den Rittern verstrickt er sich in einen Widerspruch: hier führt er aus, dass diese heute “nicht mehr gebraucht werden”.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Gegenstand und Gliederung dieser Arbeit: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich des Geschichtsbewusstseins bei Grundschülern und Erläuterung der methodischen Vorgehensweise.
2. Theoretische Grundlagen: Darstellung relevanter Theorien zum Geschichtsbewusstsein (Pandel, von Börries) sowie Entwicklungsmodellen (Piaget, Rüsen, Noack).
3. Methodik: Begründung für die Wahl einer qualitativen Einzelfallanalyse mittels Leitfaden-Interview und Zeichnung zur Untersuchung der Fragestellung.
4. Empirie: Zusammenfassung des Interviews und Beschreibung der Zeichnung: Narrative Zusammenfassung des geführten Gesprächs mit dem Schüler und Beschreibung der angefertigten Zeichnungen.
5. Analyse und Interpretation: Analyse der Interviewergebnisse auf Basis der theoretischen Modelle, inklusive kritischem Fazit zur Relevanz und zur eigenen Methodik.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen, unterteilt in Monografien, Sammelbände und Zeitschriften.
7. Anhang:: Vollständige Transkription des durchgeführten Interviews.
Schlüsselwörter
Geschichtsbewusstsein, Grundschule, Historisches Lernen, Leitfaden-Interview, Schülervorstellungen, Historischer Wandel, Qualitative Forschung, Einzelfallanalyse, Zeitverständnis, Geschichtsdidaktik, Kognitive Entwicklung, Empirie, Zeichnung, Berufsbilder, Kindliche Wahrnehmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, ob Grundschüler bereits über ein Geschichtsbewusstsein verfügen und ob sie historischen Wandel in Bezug auf Berufsfelder wahrnehmen können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die theoretischen Konzepte des Geschichtsbewusstseins, die kognitive Entwicklung von Kindern im historischen Kontext sowie die empirische Erhebung mittels Interviews und Zeichnungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist herauszufinden, ob ein siebenjähriger Zweitklässler Unterschiede zwischen Vergangenheit und Gegenwart erkennt, wie er sich Zeit und Wandel vorstellt und welche Rolle dabei sein bisheriges Wissen spielt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine qualitative Einzelfallanalyse durchgeführt, bei der ein halbstrukturiertes Leitfaden-Interview mit der Analyse einer vom Schüler angefertigten Zeichnung kombiniert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil analysiert die konkreten Aussagen und Zeichnungen eines siebenjährigen Schülers zum Thema "Berufe früher und heute" und gleicht diese mit etablierten Theorien der Geschichtsdidaktik ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Geschichtsbewusstsein, Historisches Lernen, Schülervorstellungen, Historischer Wandel, qualitative Forschung und Grundschuldidaktik.
Welche Bedeutung hat die angefertigte Schülerzeichnung für die Analyse?
Die Zeichnung dient als unterstützendes Medium zur Visualisierung der Schülervorstellungen; sie untermauert das Detailverständnis des Schülers für das Mittelalter und zeigt, welche Berufe für ihn heute zentral sind.
Wie reagiert der Schüler auf das Konzept des historischen Wandels?
Der Schüler erkennt den Wandel an, indem er Veränderungen in Berufen (z. B. Ritter vs. Fußballer) benennt und eigenständige Begründungszusammenhänge wie technischen Fortschritt, geänderte Bedürfnisse und Innovation anführt.
- Arbeit zitieren
- Jana Kiese (Autor:in), 2017, Entwicklung eines historischen Bewusstseins bei Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366755