In einer systematischen Förderung demokratischer Kompetenzen beim Projekthandeln sieht der Autor einen wirkungsvollen Ansatz, um aktuellen Problemen wie der Gewaltbereitschaft, der Radikalisierung von politisch, religiös oder weltanschaulich beeinflussten Gruppierungen oder einer weiteren Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen vorzubeugen oder vor Ort durch ein handlungsorientiertes Erfahrungslernen entgegenzuwirken.
Es werden unter anderem der pädagogische Begriff „Demokratie“ in Anlehnung an John Dewey gekennzeichnet und das Projekthandeln im Hinblick auf das Leben von demokratischen Werten sowie Möglichkeiten praktischer Umsetzung einer Demokratiepädagogik an den Schulen thematisiert.
Auch zur Lösung von Problemen schulischer Inklusion zeigt der Verfasser einen Weg auf; er entwirft Grundlinien für ein Inklusionskonzept. Für ihn gehören zu den wichtigen Elementen einer inklusiven Lerngemeinschaft die Bildung von festen kleinen Lerngruppen unter entwicklungspsychologischen Aspekten und deren Zusammenspiel bei Projekten, die Sicherstellung der Qualität des Lernens auf der Grundlage neurowissenschaftlicher Erkenntnisse durch ein handlungsorientiertes Erfahrungslernen sowie ein reflektiertes Handeln, das sich an demokratischen Werten und Regeln orientiert.
Inhalt
1. Demokratie leben lernen
1.1 Zum Begriff „Demokratie“
1.1.1 „Demokratie“ als Staatsform
1.1.2 „Demokratie“ als pädagogischer Begriff
1.1.3 Demokratische Werte
1.2 Kompetenzen für das demokratische Zusammenleben
1.2.1 Förderung der motorischen und kognitiven Fähigkeiten
1.2.2 Förderung der Selbstkompetenz
1.2.3 Förderung der sozial-emotionalen Kompetenzen
1.3 Wichtige Kompetenzen für das politische Handeln in einer Demokratie
1.3.1 Toleranz, Kompromissfähigkeit und Kritikfähigkeit
1.3.2 Konflikt- und Friedensfähigkeit
1.3.3 Aktive Solidarität
1.3.4 Handlungskompetenz, Eigeninitiative und Kreativität
2. Demokratie leben lernen beim Projekthandeln
2.1 Zum Begriff „Projekt“
2.2 Kennzeichnung des Projekthandelns
2.2.1 Merkmal „Offenheit“
2.2.2 Lernen durch Tun und Handlungsorientierung
2.2.3 Orientierung an demokratischen Werten und Regeln beim Handeln
2.2.4 Überdenken des Handelns im Hinblick auf demokratische Werte
2.2.5 Erfahrungslernen in Kleingruppen
2.3 Pädagogische Intentionen und Wege zum Projekthandeln
2.3.1 Pädagogische Intentionen
2.3.2 Verändertes Rollenverständnis der Lehrerinnen und Lehrer
2.3.3 Strukturelle Hilfen
2.3.4 Erlernen von Projekttechniken
2.4 Zum Projektverlauf
2.4.1 Initialphase
2.4.2 Explorationsphase
2.4.3 Informationsauswertung und Planung
2.4.4 Vorbereitung und Durchführung der Aktion
2.4.5 Reflexionsphasen
2.4.6 Dokumentationsphase
2.4.7 Projektabschluss
3. Demokratie leben an den öffentlichen Schulen
3.1 Zur pädagogischen Konzeption „Inklusionstag“
3.2 Bedürfnisorientierte Programmgestaltung
3.3 Interkulturelles Lernen
3.4 Ökologisches Lernen
3.5 Inklusives Lernen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit zielt darauf ab, die Bedeutung einer systematischen Demokratieerziehung an öffentlichen Schulen hervorzuheben und konkrete, handlungsorientierte Wege aufzuzeigen, wie Schülerinnen und Schüler zu demokratischem Verhalten befähigt werden können, um den Fortbestand einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft zu sichern.
- Die Förderung von Selbst-, Sozial- und Handlungskompetenzen als Basis für Demokratiefähigkeit.
- Die Implementierung von Projekthandeln als wirkungsvolles pädagogisches Instrument.
- Die Bedeutung von Erfahrungslernen in Kleingruppen für die Identitätsbildung und Werteerziehung.
- Die Rolle der Lehrerinnen und Lehrer als pädagogische Begleiter in offenen Unterrichtsformen.
- Die Umsetzung von Inklusion und interkulturellem Lernen im Schulalltag.
Auszug aus dem Buch
1.2.3 Förderung der sozial-emotionalen Kompetenzen
Soziale Kompetenzen sind von großer Bedeutung für das Leben von Demokratie. Die Förderung der sozialen Fähigkeiten beginnt ebenfalls bereits in den Familien, und sie ist nicht von der Förderung der Selbstkompetenzen zu trennen.
Bereits im ersten Lebensjahr kommt es zur nonverbalen Kommunikation zwischen dem Säugling und der Mutter. Über Laute, Gestik und Mimik drückt beispielsweise das Kleinkind sein Wohlbehagen oder sein Bedürfnis nach Nahrung aus. Indem die Mutter beziehungsweise der Vater – meist intuitiv – den Säugling imitiert, erwirbt dieser durch den ständigen Austausch des Verhaltens unbewusst die ersten kommunikativen Fähigkeiten und erfährt allmählich die Wirkungen seiner Handlungen, die dann auch zielgerichtet eingesetzt werden können.
Fuisz-Szammer und Samonig (2011, S. 10 ff.) weisen darauf hin, dass beim Prozess der Entwicklung kommunikativer Fähigkeiten das Erreichen der Aufmerksamkeit des Kindes bedeutungsvoll ist. Durch das Deuten mit dem Zeigefinger erfährt das Kind „gegen Ende des ersten Lebensjahres, dass außen stehende Objekte durch die Aktivität der Mutter eingebunden werden. (…) Durch diese Verknüpfung können kommunikative Gesten und sprachliche Äußerungen mit Bedeutung versehen werden“ (vgl. S. 12).
Über gemeinsame Handlungen (Geben und Nehmen, Zeigen und Benennen von Gegenständen etc.) erwirbt das Kind allmählich ein „situationsgebundenes Sprachverständnis“ (vgl. S. 12) und gelangt im zweiten Lebensjahr vermehrt vom nonverbalen zum verbalen Ausdruck. Dabei ist für die Begriffsbildung das Spielen mit dem Gegenstand unter Einsatz aller Sinne (sehen, begreifen etc.) bedeutsam; über das Begreifen gelangen Kinder zum Begriff.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Demokratie leben lernen: Dieses Kapitel klärt den Begriff der Demokratie in theoretischer und pädagogischer Hinsicht und erörtert grundlegende Kompetenzen für ein demokratisches Zusammenleben und politisches Handeln.
2. Demokratie leben lernen beim Projekthandeln: Der Hauptteil erläutert das Projekthandeln als Handlungsform zur Förderung demokratischer Lernprozesse, geht auf dessen Merkmale wie Offenheit und Handlungsorientierung ein und beschreibt den methodischen Ablauf eines Projekts.
3. Demokratie leben an den öffentlichen Schulen: Dieses Kapitel überträgt die theoretischen Grundlagen in die schulische Praxis, insbesondere durch die Konzeption eines „Inklusionstages“ und Ansätze für interkulturelles, ökologisches und inklusives Lernen.
Schlüsselwörter
Demokratiepädagogik, Projekthandeln, Selbstkompetenz, Sozialkompetenz, Handlungsorientierung, Erfahrungslernen, Inklusion, Demokratiefähigkeit, Gruppenarbeit, Werteerziehung, politische Bildung, Schulentwicklung, Kleingruppen, Partizipation, Medienkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Notwendigkeit einer systematischen Demokratieerziehung an öffentlichen Schulen, um Kinder und Jugendliche zu demokratiefähigen Persönlichkeiten zu entwickeln, die Verantwortung für sich, andere und die Mitwelt übernehmen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung von Sozial- und Selbstkompetenzen, die Bedeutung von Projekthandeln als offene Lernform, sowie Ansätze für inklusives, interkulturelles und ökologisches Lernen in der Schule.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, Lehrkräfte und pädagogische Begleiter zu motivieren, Demokratie als Lebensform im Schulalltag zu verankern und durch gezielte methodische Ansätze wie das Projektlernen eine demokratische Werteverinnerlichung zu fördern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse pädagogischer Fachliteratur, lerntheoretische Konzepte (insbesondere von John Dewey) und die Zusammenführung von Erkenntnissen aus der Entwicklungspsychologie, Hirnforschung und Schulpädagogik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die terminologische Bestimmung und methodische Kennzeichnung des Projekthandelns, die pädagogischen Voraussetzungen sowie die detaillierte Strukturierung und Durchführung von Projekten an Schulen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Demokratiepädagogik, Projekthandeln, Inklusion, Handlungsorientierung und die Förderung von Selbst- sowie Sozialkompetenzen.
Was ist der „Inklusionstag“?
Der Inklusionstag ist ein vom Autor vorgeschlagenes Konzept eines wöchentlich stattfindenden Nachmittags an allen öffentlichen Schulen, der ganz im Zeichen von „Leben von Demokratie“ steht und besonders die Integration aller Schüler fördern soll.
Warum ist das Rollenspiel für die Demokratieerziehung relevant?
Das Rollenspiel dient als wirkungsvolles Instrument des Verhaltenstrainings in Konfliktsituationen, da es Schülern ermöglicht, Perspektivwechsel zu üben, Empathie zu entwickeln und alternative Handlungsstrategien in einem geschützten Rahmen zu erproben.
- Citation du texte
- Dr. phil. Hans E. Gerr (Auteur), 2024, Demokratie leben lernen und Projekthandeln. Anregungen zur Umsetzung einer Demokratiepädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366984