Aushängeschild oder Fossil? "Das Wort zum Sonntag" in der aktuellen Medienlandschaft


Hausarbeit, 2010
11 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung:

1. Geschichte und Aufbau der Sendung:
1.1 Einführung:
1.2 Gestaltung:

2. Der menschliche Faktor:
2.1 Einbindung des Publikums:
2.2 Rolle des Sprechers:

3. Nutzung des Internets:
3.1 Präsentation auf ARD-Homepage:
3.2 „Blog zum Sonntag“:

Fazit:

Bibliographie:

Textquellen:

Internetquellen:

Einleitung:

Nicht zuletzt bedingt durch den theologisch begründeten Anspruch eines Verkündigungsauftrags der Kirche[1] werden in Deutschland, wie auch in vielen anderen Ländern, christliche Programme in öffentlichem und privatem Fernsehen und Rundfunk ausgestrahlt. Anders als zum Beispiel bei der christlichen Medienpräsenz in den USA[2] handelt es sich in Deutschland dabei in der Regel um Programme, die von der evangelischen oder katholischen Landeskirche, oder beiden gemeinsam autorisiert worden sind.[3]

Eines dieser "Verkündigungsprogramme"[4], das so genannte "Wort zum Sonntag", fällt dabei dadurch auf, dass es seit fast 56 Jahren durchgehend und ohne hervorstechende konzeptionelle Änderungen auf dem selben Sendeplatz ausgestrahlt wird. Also beinahe ebenso lang, wie das Medium Fernsehen selbst in deutschen Haushalten vertreten ist.[5]

Aber eben diese Kontinuität und programmatische Schlichtheit - die Sendung besteht im Grunde aus einer mehrere Minuten langen Ansprache, gehalten von einer Person, die durchgehend frontal und aus nur einer Einstellung gefilmt wird - führt nicht nur unter Theologen und Kommunikationswissenschaftlern zu der Debatte, ob das "Wort zum Sonntag" heutzutage ein überholtes Relikt mit fehlender massenkommunikativer Wirkung, oder aber die kirchliche Sendung mit dem größten Potential sei.[6]

Eben dieser Diskurs, ob oder ob nicht, beziehungsweise in wie weit, sich das "Wort zum Sonntag" in die moderne Medienlandschaft einfügt, soll in der folgenden Seminararbeit aufgearbeitet werden. Dazu werde ich die Sendereihe auf ihre Gestaltung und Präsentation hin untersuchen, aber auch auf Entwicklung und Rezeption zu sprechen kommen. Zudem werde ich, wenn zu Illustrationszwecken dienlich, ein anderes kirchliches Verkündigungsprogramm, die für den Privatsender RTL produzierten "Bibelclips" als Vergleich heranziehen.

1. Geschichte und Aufbau der Sendung:

1.1 Einführung:

Das "Wort zum Sonntag" wurde zum ersten Mal am 8. Mai 1954 im öffentlichen Fernsehen ausgestrahlt und hatte den letzten Sendeplatz vor Programmschluss am Samstagabend inne.[7]

Inzwischen hat das „Wort zum Sonntag“ seinen festen Sendeplatz zwischen den Nachrichten und dem Spätfilm und wird damit zu der Tageszeit mit der durchschnittlich höchsten Einschaltquote des Tages gesendet[8] und kann zudem auch von der Popularität der vorherigen und nachfolgenden Sendung nutznießen.[9] Die ARD gibt eine durchschnittliche Zuschauerzahl von 2 Millionen pro Folge an.[10]

Laut der Selbstbeschreibung der Sendung wechseln seit der Erstausstrahlung evangelische und katholische Beiträge sich wöchentlich ab, allerdings zeigt das Archiv der Sendung, dass immer wieder auch zwei oder drei Sendungen hintereinander von demselben Sprecher oder derselben Sprecherin[11] gestaltet wurden.[12]

1.2 Gestaltung:

Außer, dass die Sendezeit von ursprünglich zehn auf knapp vier Minuten verkürzt wurde, hat sich im Aufbau des Formats scheinbar kaum etwas geändert. Eine kurze Jingle kündigt zusammen mit einer blauen Auf- bzw. Ablende Beginn und Ende einer Folge an. Während der Sendung wird die Sprecherin in der Regel frontal vor einem blauen Hintergrund[13] aus einer gleich bleibenden Einstellung gezeigt, und hält eine an die Fernsehzuschauer adressierte Ansprache, die Ähnlichkeit mit einer Predigt aufweist.[14]

Die Reihe der „Bibelclips“ besteht als Vergleich dazu aus einem 30 Sekunden langen Zusammenschnitt von Bildern aus Boulevard- oder Nachrichtenmagazinen, die thematisch durch einen vorgetragenem Bibelvers verbunden sind. Außer Ein- und Abblende lassen sich pro „Bibelclip“ durchschnittlich fünf bis sieben schnell getaktete Schnitte zählen und die Jingle wird durch die ganze Sendung weitergespielt. Die Gestaltung ist damit an die Werbeästhetik des Privatsenders angelehnt[15] und kann als auffälliges Gegenbeispiel für den Aufbau eines Verkündigungsprogramms betrachtet werden. Sie verdeutlicht auch, warum Kritiker die Gestaltung des „Wort zum Sonntag“ als nicht mediengerecht und überholt bezeichnen.[16]

2. Der menschliche Faktor:

Eine weitere Auffälligkeit des Programms scheint in der Gewichtung des personalen Faktors zu liegen, die sich zum einen in dem Umgang mit den Zuschauern, zum anderen in der Nutzung der Person des Sprechers äußert. In den folgenden Punkten werden diese beiden Kriterien besonders im Hinblick auf ihre Medienwirksamkeit erläutert.

[...]


[1] Vgl. Zöller, Stephan: Mit der Soutane auf Quotenjagd. Die kirchlichen Sendereihen im deutschen Privatfernsehen, München 1999, 25.

[2] Biener, Hansjörg: Aus der Frühzeit der "electronic church", in: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 44 (4/1992), 345–355.

[3] Einen Überblick über die aktuellen Programme der katholischen Fernseharbeit und archivierte Sendungen finden sich auf deren offizieller Homepage: http://kirche.tv (letzter Zugriff 20.04.10).

[4] http://kirche.tv/Default.aspx?tabid=161 (letzter Zugriff 20.04.10).

[5] http://daserste.de/wort/kulageschichte.asp (letzter Zugriff 20.04.10).

[6] Vgl. Ayaß, Ruth: Vom Dunkel ins Licht. Das "Wort zum Sonntag" als kommunikative Gattung, in: Hartmann Tyrell, Volkhard Krech, Hubert Knoblauch (Hrsg.): Religion als Kommunikation, Würzburg 1998, 417–445, hier: 417f.

[7] http://daserste.de/wort/geschichte.asp (letzter Zugriff 20.04.10).

[8] Zöllner Soutane 1999, 294.

[9] Vgl. Albrecht, Horst: Kirche im Fernsehen. Massenkommunikationsforschung am Beispiel der Sendereihe „Das Wort zum Sonntag“, Hamburg 1974, 59.

[10] http://daserste.de/wort/kulageschichte.asp (letzter Zugriff 20.04.10).

Wobei bei derartigen Erhebungen natürlich nicht ersichtlich ist, wie viele Zuschauer tatsächlich die Sendung aufmerksam verfolgen im Gegensatz zu solchen, die nur nicht um- oder ausschalten.

[11] Um weder durch ausführliche Genderung die Lesbarkeit zu beeinträchtigen, noch auf das generische Maskulinum zurückgreifen zu müssen, werde ich im Folgenden zwischen femininer und maskuliner Form alternieren.

[12] http://daserste.de/wort/archiv_dyn~jahr,2009~cm.asp (letzter Zugriff 20.04.10).

[13] Zu besonderen Anlässen werden auch Sendungen außerhalb des Fernsehstudios vor Ort aufgenommen, z.B. am 05.12.2009 anlässlich des Nikolaustags vor einer Nikolauskirche. http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/3465540 (letzter Zugriff 20.04.10).

[14] Vgl. Ayaß Dunkel 1998, 417f.

Ob es sich tatsächlich um eine Predigt handelt, darüber scheinen die Meinungen geteilt. Trotz der Übereinstimmung nach sprachwissenschaftlichen Kategorien, ist nach theologischer Definition eine echte Predigt an Gottesdienst und den Schriftkanon der Kirche gebunden. Daher erscheint die korrekte Bezeichnung für die im „Wort zum Sonntag“ verwendete Redeform die Gattung „Verkündigung“, da hierbei eine größere inhaltliche und formale Freiheit im Vergleich zur Predigt möglich ist. Vgl. Schmid, Gerhard: Zur rhetorischen Analyse der kirchlichen Fernsehsendungen „Das Wort zum Sonntag“. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München, München 1971, 21–44.

[15] http://apg-online.de/fernsehen/kategorie01/509446963b0b6dc24.html (letzter Zugriff am 20.04.10).

[16] Vgl. Ayaß Dunkel 1998, 417f.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Aushängeschild oder Fossil? "Das Wort zum Sonntag" in der aktuellen Medienlandschaft
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Interfakultärer Studiengang Religionswissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V367039
ISBN (eBook)
9783668456884
ISBN (Buch)
9783668456891
Dateigröße
932 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Religionswissenschaft, Medien, Fernsehen, Kirche, Verkündigung, Das Wort zum Sonntag, Bibelclips, Religion, Christentum
Arbeit zitieren
Naomi Rechel (Autor), 2010, Aushängeschild oder Fossil? "Das Wort zum Sonntag" in der aktuellen Medienlandschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367039

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