Bei der Auseinandersetzung mit der These „Sozialmanagement zerstört die professionelle Identität Sozialer Arbeit“, die Inhalt dieses Essays ist, kommt es darauf an, von welchem Standpunkt aus man die Begriffe „professionelle Identität“ und „Sozialmanagement“ betrachtet und wie sie inhaltlich verstanden werden.
Im ersten Schritt wird der zentrale Begriff der professionellen Identität in der Sozialen Arbeit betrachtet und kurz inhaltlich dargestellt. Danach werden Kernargumente beleuchtet, die einerseits für und andererseits gegen die o.g. These sprechen. Dabei werden unterschiedliche Auffassungen von Sozialmanagement berücksichtigt. Im dritten Schritt wird dann aus dieser Diskussion ein Fazit abgeleitet und eine Anpassung der These formuliert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriff der professionellen Identität in der Sozialen Arbeit
3. Sozialmanagement als Herausforderung für die professionelle Identität
4. Sozialmanagement als Chance zur Weiterentwicklung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der These auseinander, dass Sozialmanagement die professionelle Identität in der Sozialen Arbeit zerstört. Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen ökonomischen Steuerungsansätzen und dem Selbstverständnis der Profession zu analysieren, um die These zu prüfen und gegebenenfalls neu zu formulieren.
- Grundlagen und Definition der professionellen Identität in der Sozialen Arbeit
- Einfluss des New Public Management auf soziale Organisationen
- Kritik an betriebswirtschaftlichen Steuerungsinstrumenten im sozialen Bereich
- Potenziale einer fachlich fundierten Integration von Management und Sozialer Arbeit
Auszug aus dem Buch
Sozialmanagement als Herausforderung für die professionelle Identität
Über viele Jahre hinweg wurde professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit aus dem Berufsstand heraus definiert und es wurden eigene Erfolgskriterien entwickelt. Mit dieser Steuerungslogik gingen die Begriffe Professionalismus, Wohlfahrtsbürokratie und Subsidiaritätsprinzip einher. Die Erreichung von Sachzielen stand im Fokus und die Aspekte Wirtschaftlichkeit, Effizienz und Ressourcenorientierung waren eher zweitrangig. Zur Bekämpfung steigender Ausgaben bei gleichzeitigem Kostendruck in den öffentlichen Haushalten wurde Anfang der 1990er Jahre das „Neue Steuerungsmodell“ oder auch „New-Public-Management“ (kurz: NPM) eingeführt, bei dem managementorientierte Steuerungsansätze und Outputorientierung im Vordergrund stehen.
Das bisherige, professionalitätsbasierte und sachzielorientierte Handeln wurde als ineffizient betrachtet. Mit Managementkonzepten und betriebswirtschaftlichen Instrumenten sollten nun Effektivität und Effizienz in der Sozialen Arbeit gesteigert werden. Fachfremde Begriffe wie Ressourcenverwaltung, Controlling, Budgetierung und soziale Dienstleistung als „Produkt“ gewannen an Bedeutung. Das Subsidiaritätsprinzip trat schrittweise in den Hintergrund und wurde von Wettbewerb und „Vermarktlichung“ der sozialen Dienstleistungen abgelöst. Somit wurden freie, gemeinnützige Träger und private Anbieter (sowohl non-profit als auch for-profit) zunehmend gleichgestellt, die auf einem marktähnlichen Feld konkurrieren und Leistungsreserven aktivieren sollten. Diese Entwicklung stellte die bisherigen Rahmenbedingungen für Soziale Arbeit auf den Kopf und die Sozialmanagementdebatte wurde als „externe Zumutung“ verstanden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Arbeit und Vorstellung der zentralen Fragestellung bezüglich des Einflusses von Sozialmanagement auf die professionelle Identität.
2. Begriff der professionellen Identität in der Sozialen Arbeit: Erläuterung des instabilen Konstrukts professioneller Identität und der Herausforderungen durch fremddefiniertes Wissen aus anderen Disziplinen.
3. Sozialmanagement als Herausforderung für die professionelle Identität: Analyse der Einführung des New Public Management und der damit verbundenen kritischen Sichtweise auf die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit.
4. Sozialmanagement als Chance zur Weiterentwicklung: Aufzeigen, wie eine fachlich fundierte Ausgestaltung von Sozialmanagement die professionelle Identität stärken und die Professionalität erhöhen kann.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der These und Formulierung einer angepassten Position, die Sozialmanagement als Chance zur aktiven Gestaltung versteht.
Schlüsselwörter
Sozialmanagement, Professionelle Identität, Soziale Arbeit, New Public Management, Ökonomisierung, Professionalisierung, Fachlichkeit, Ressourcenorientierung, Steuerungsinstrumente, Dienstleistung, Sozialwirtschaft, Berufsbild, Wettbewerb, Managementkonzepte, Effizienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch die Behauptung, dass durch das Eindringen von Sozialmanagement-Methoden die professionelle Identität von Sozialarbeitern gefährdet oder zerstört wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themenfelder umfassen das Selbstverständnis der Sozialen Arbeit, die Auswirkungen betriebswirtschaftlicher Steuerungsmodelle (NPM) sowie die Entwicklung eines professionellen Managements im sozialen Bereich.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die kritische Reflexion und anschließende Neuformulierung der eingangs aufgestellten, provokanten These unter Berücksichtigung aktueller Anforderungen an soziale Organisationen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der theoretischen Auseinandersetzung mit Fachbeiträgen zur Steuerungstheorie und Professionalitätsdebatte in der Sozialen Arbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Wandel der Steuerungslogik, die Kritik an einer rein technisch-rationalen Anwendung von Managementmethoden sowie das Potenzial einer fachlich begründeten Managementausbildung erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Soziale Arbeit, Sozialmanagement, Professionelle Identität, Ökonomisierung, NPM, Professionalität und Steuerungsinstrumente sind zentrale Begriffe dieser Studie.
Inwiefern beeinflusst das "doppelte Mandat" die Argumentation?
Das doppelte Mandat zwischen Hilfe und Kontrolle wird als ein Aspekt gesehen, der die Komplexität professionellen Handelns verdeutlicht und die Anfälligkeit gegenüber einer rein ökonomischen Steuerung begründet.
Was ist die zentrale Schlussfolgerung des Autors?
Der Autor schlussfolgert, dass Sozialmanagement nicht per se zerstörerisch wirkt, sondern eine Chance bietet, wenn es durch Fachkräfte mit fundiertem Wissen aus der Sozialen Arbeit selbst gestaltet wird.
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- Dennis Rothstein (Autor), 2014, "Sozialmanagement zerstört die professionelle Identität Sozialer Arbeit"? Diskussion der These, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367441