Öffentliche Wahrnehmung von Climate Engineering. Wie kann die Salienz von Climate Engineering erklärt werden?


Hausarbeit, 2014
31 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Forschungsstand

3. Ansatz von Cobb & Rocheford

4. Historischer und wissenschaftliche Hintergründe des Climate Engineering
4.1. Begriffsbestimmung
4.2. Historische und jüngste Entwicklungen
4.3. Deutsche Anwendung von Climate Engineering
4.4. Maßnahmen und Risiken des Climate Engineering

5. Analyse: Kann der Ansatz von Rocheford und Cobb die Salienz des Climate
Engineering erklären?
5.1. Kausalzusammenhang des Climate Engineering
5.2. Ernsthaftigkeit des Climate Engineering
5.3. Menge der Betroffenen des Climate Engineerings
5.4. Neuartigkeit der Technologie
5.5. Betroffenheit persönlicher Interessen
5.6. Krisenartiger Charakter der Technologie
5.7. Eigenschaften der maßgeblich betroffenen Gruppe

6. Defizite des Modells und Forschungsmöglichkeiten

7. Fazit: Modell bietet Erklärungen für geringe Salienz

8. Literaturverzeichnis
8.1. Internetquellen

1. Einleitung

Der Klimawandel ist ein viel diskutiertes Thema auf politischer wie gesellschaftlicher Ebene. Regelmäßig finden internationale Konferenzen statt, bei denen sich Länder gemeinsame Ziele setzten, um den Klimawandel aufzuhalten. Wissenschaftler prognostizieren Szenarien und Auswirkungen des Klimawandels oder schlagen Lösungsmöglichkeiten vor. Hauptsächlich beziehen sich diese auf die Reduktion der Treibhausgase. Climate Engineering ist auch ein Lösungsvorschlag, allerdings soll mit Hilfe dieser Technologie, überschüssiges CO2 nicht reduziert, sondern z.B. gesondert gelagert werden. Andere Vorschläge beziehen sich auf die Reduzierung der Strahlungswirkung der Sonne auf die Erde, um die Erderwärmung zu vermindern. Das Climate Engineering, ist trotz seines aktuellen Bezuges zum Klimawandel, nicht auf der Agenda. Es wird weder von den Medien, noch in der Wissenschaft intensiv diskutiert (Renn 2011: 3). Das erscheint als verwunderlich, da es eine Technologie ist, die zur Bekämpfung des Klimawandels dienen soll. Dies soll Gegenstand der Hausarbeit sein. Die leitende Frage ist: wie die Salienz des Climate Engineering in Deutschland erklärt werden kann? Dazu wird der Ansatz der Problemdefinition von Rochefort und Cobb verwendet. Das Modell wird zunächst erläutert, da es die Basis für die Analyse ist. Im Anschluss werden grundlegende Informationen über das Climate Engineering vermittelt. Die Technologie wird definiert und es folgt ein Rückblick in die historische Entwicklung. Für ein besseres Verständnis der Thematik werden zudem Anwendungsbereiche des Climate Engineering erläutert und möglichen Risiken. Zusätzlich wird in Kapitel 4.3. diskutiert, ob Climate Engineering in Deutschland angewendet wird. Im Anschluss folgt das Analyse-Kapitel indem, auf Basis des Ansatzes von Rochefort und Cobb, Erklärungen für die Salienz in Deutschland heraus gearbeitet werden sollen. Der Ansatz ist leitend für die Struktur der Analyse. Anhand dessen ist davon auszugehen, dass das Climate Engineering wenig wahrgenommen wird, da es keinen kausalen Zusammenhang zwischen Ursache und Problem gibt. Zudem gibt es keine Gruppe, die speziell von der Technologie und dessen Auswirkungen betroffen ist. Als letzte These wird angenommen, dass es keinen expander gibt, der das Thema voran treibt und der breiten Öffentlichkeit nahe bringt. Die Arbeit ist relevant für den Themenbereich Risk Governance, da die Wahrnehmung einer risikohaften Technologie untersucht wird.

2. Forschungsstand

Climate Engineering ist eine sehr neue Thematik der Wissenschaft. Erst in den letzten fünf Jahren, ist die Aufmerksamkeit auf das Climate Engineering gestiegen (Uther 2014: 36). Die Technologie wird zunehmend interdisziplinär erforscht. Für die Naturwissenschaften, steht vor allem die Erforschung möglicher Risiken, Auswirkungen und Anwendungsmöglichkeiten im Vordergrund. Aber auch andere Disziplinen nehmen sich dem Thema an.

„Inzwischen sind in der englischsprachigen, aber in erster Linie auch in der deutschsprachigen Forschungslandschaft zahlreiche Publikationen erschienen, die sich der menschengesteuerte Klimamodifikation aus philosophischer, psychologischer, ökonomischer sowie politik-, sprach- und rechtswissenschaftlicher Perspektive annehmen.“ (Uther 2014: 37) Innerhalb der Politikwissenschaft werden unter anderem das mögliche Konfliktpotenzial und Risiken des Climate Engineering diskutiert (Amelung et. al 2012) Auch die ethischen Aspekte der Technologie werden untersucht. Ein weiterer Forschungszweig ist die internationale Kooperation und Governance von Climate Engineering (Bodansky 2013). Hierbei wird vor allem analysiert wie Climate Engineering reguliert werden kann (Victor 2008).

3. Ansatz von Cobb & Rocheford

Der Ansatz von Rochefort und Cobb versucht zu erklären, wie Probleme definiert werden. Die Definition hat Einfluss darauf ob der Sachverhalt auf die Agenda kommt. Der Faktor Aufmerksamkeit nimmt innerhalb des Ansatzes eine zentrale Position ein. Aufmerksamkeit ist eine knappe Ressource. Das politische System kann sich nur bis zu einem gewissen Grad mit Themen auseinander setzten. Nur eine begrenzte Anzahl an Sachverhalten schafft es auf die Agenda. Nur ein Sachverhalt, der Aufmerksamkeit bekommt, kann wahrgenommen werden.

Laut den Autoren bestimmen sieben Faktoren, ob ein Sachverhalt bzw. ein Problem Aufmerksamkeit erhält. Dazu gehören die Kausalität des Sachverhaltes, die Ernsthaftigkeit sowie die Neuartigkeit. Des Weiteren sei noch die Nähe zu den Betroffenen wichtig oder ob es einen krisenartigen Charakter hat. Auch die Eigenschaften der betroffenen Gruppe seien ausschlaggebend. Die Autoren unterscheiden zwischen zwei Akteuren innerhalb ihres Ansatzes. Es gibt zum einen die expander-Gruppe, die darauf abzielt das Problem in den Vordergrund zu rücken. Ihnen entgegen gesetzt steht die container-Gruppe, deren Ziel es ist die Thematisierung des Problems zu vermeiden. Die expander versuchen den Grad der Aufmerksamkeit auf das Problem zu steigern. Im folgenden Kapitel soll näher auf die Grundzüge dieses Modells eingegangen werden, da es die Basis für die Analyse der Wahrnehmung des Climate Engineering in Deutschland darstellt.

Kausalität

Kausalität ist ein wichtiger Faktor für die Aufmerksamkeit auf ein Problem. Es läge in der Natur des Menschen, die Ursache oder den Verursacher eines Problems zu finden. Hier spielt vor allem die Schuldzuweisung eine wichtige Rolle. Also wer oder was ist Ursache für das Problem? Der Unterstützer oder Vertreter des Problems versucht, durch die Beschuldigung einer gesellschaftlichen Gruppe, die Aufmerksamkeit auf das Problem zu lenken. Die Beschuldigten wiederum widersprechen und versuchen sich aus dem Sachverhalt heraus zu ziehen.

„The pattern of causality for the expander is to blame the perpetrator for problem;for the container, it is to argue that the expander fails to identify links to the alleged problem. This often results in both sides attempting to attain a „victim status“ in the eyes oft he public to elicit a sympathetic response.“ (Cobb 1998:418)

Die Autoren differenzieren die Kausalität noch weiter aus. Sie unterscheiden zwischen individuellen und „impersonal“ Ursachen oder beabsichtigten und unbeabsichtigten Ursachen (Rochefort, Cobb 1995: 63).

„One important distinction whether attibution is made to individual versus impersonal causes. (…) Consider, for example, the poverty problem. Those on the left highlights failures of the economic and cultural system, while those on the right commonly cite the lack of individual or group effort (…).“ (Rochefort, Cobb 1994:15)

Eine andere Unterscheidung für Kausalität sind beabsichtigte oder unbeabsichtigte Ursachen.

„Intended causes are describes as some purposive human action designed to bring about a particular result. In the case of public policymaking, if the action is perceived to be successful, it is labelled as „rational“, if unsucessful, a search for the source of failure ensues, often associated with such notions as „victims“ and „conspiracies“.“ (Rochefort, Cobb 1995:63)

Unbeabsichtigte Ursachen bzw. Gründe sind mehr eine Art natürlicher Intervention. Sie werden mehr als das Ergebnis von Unfällen oder als Schicksal angesehen. Folglich ist Kausalität ein wichtiger Faktor, um das Problem zu definieren und um Aufmerksamkeit zu erlangen.

Severity: Ernsthaftigkeit

Ein weiterer Faktor für die Aufmerksamkeit auf ein Problem, ist die Ernsthaftigkeit. Wie sehr wird das Problem ernst genommen und auch dessen Konsequenzen (Rochefort, Cobb 1994 :17)? Wie ernst ein Sachverhalt schließlich gesehen wird ist abhängig von der kontroversen Debatte, in der er auftaucht. Als Beispiel wird die globale Erwärmung genannt, dessen Debatte von zwei Gruppen bestimmt worden ist. Auf der einen Seite, standen Umweltschützer, die das Thema sehr ernst nahmen und vor den Gefahren warnten.

„Opponents of this view, however, including the former Bush administration and many industry groups, tend to characterize the problem as far from catastrophic, and they resist any corrective steps that could harm the economy.“ (Rochefort, Cobb 1994: 17)

Die Ernsthaftigkeit kann somit auch beeinflusst werden und ist abhängig von der politischen Lage. Die Vertreter des Problems haben Einfluss darauf, als wie dringlich der Sachverhalt angesehen wird. Sie müssen deutlich machen, welche Auswirkungen das Problem hätte und auch zeigen wen es betrifft. Damit hängt die Ernsthaftigkeit auch mit der Inzidenz zusammen. Im Gegenzug werden die Gegner des issues wiederum versuchen die Ernsthaftigkeit des Problems aufzulösen (Cobb 1998: 418). Schlussendlich ist es für die Aufmerksamkeit auf ein Problem wichtig, wie ernst es genommen wird bzw. ob es ein dringlicher Sachverhalt ist. Erscheint es als nicht ernst zunehmendes Problem, dann wird die Aufmerksamkeit geringer sein.

Inzidenz: Menge der Betroffenen

Als nächsten Faktor nennen Rochefort und Cobb die Verbreitung des Problems bzw. die Menge der Betroffenen. Hier spielen Zahlen und Statistiken eine große Rolle, um das Problem zu erfassen. Daten schaffen Objektivität und machen das Problem glaubwürdiger. Wichtig ist auch hier wie die Information vermittelt wird.

„The expander must demonstrate that large numbers of individuals are harmed in some way by particular policy (or lack of same) and must produce supporting studies from scholars or impacted bureaucrats, while the container must provide contrary statistical device.“ (Cobb 1998: 418)

Informationen können gezielt genutzt werden, um einen Sachverhalt darzustellen.

„Yet much depends on the way information is aggregated and presented for such situations, as shown by the latter issue in which one sees a growing absolute number of airline accidents but a falling rate per overall number of flights.“ (Rochefort, Cobb 1995: 65)

Die Verbreitung des Problems ist somit ein wichtiger Faktor der Problemdefiniton und kann die Wahrnehmung des Problems beeinflussen.

Neuartigkeit

Die Neuartigkeit eines Themas ist ein wichtiger Faktor für die Aufmerksamkeit. Ist ein Sachverhalt noch neu und unbekannt, so ist das öffentliche Interesse daran groß. Neue Themen werden gerne von den Medien thematisiert. Zusammen steigert dies die Aufmerksamkeit auf einen Sachverhalt. Ein weiteres Charakteristikum neuer Sachverhalte ist, dass es für sie noch keine bekannten Lösungen gibt. Die Autoren nennen hier als Beispiel ein neues Medikament.

„For example, when a new drug appears with promise for treating a serious public health problem like AIDS, the public and elected officials alike are understandably excited. However, new drugs carry potential risks as well as benefits which must be carefully assessed through a process that many critics find too time consuming (…).“ (Rochefort, Cobb 1995: 65) Somit kann ein neuer Sachverhalt, durch seine Unbekanntheit und Neuartigkeit, Aufmerksamkeit erlangen und dadurch auf die politische Agenda kommen.

Proximity : Betroffenheit der Interessen

Als einen weiteren Aspekt für die Aufmerksamkeit, nennen Rochefort und Cobb die Nähe des Problems. Damit meinen sie, dass „(…) it hits close to home or directly impinges on a person´s interest. If the case can be made successfully, members oft he audience will become concerned and may express this politically.“ (ebd.)

In diesem Sinne, zielen Vertreter oder Anhänger des Sachverhaltes darauf ab, die personelle Nähe herzustellen. Als Beispiel nennen die Autoren einen Bericht über Kinderarmut in den USA. Die gestiegene Armut wurde als eine persönliche Tragödie deklariert, aber auch als eine nationale Tragödie. Durch solche Begriffe werden Probleme persönlicher und erlangen mehr Aufmerksamkeit. Die Gesellschaft fühlt sich von dem Problem „direkt“ betroffen. Dadurch hat der Sachverhalt bessere Chancen thematisiert zu werden. Folglich ist es für die Aufmerksamkeit auf ein Thema relevant, inwieweit es den Interessen der Öffentlichkeit entspricht.

Krisenartiger Charakter

Krisen oder die Krisenhaftigkeit eines Problems, können hilfreich sein, damit es Aufmerksamkeit bekommt. Schließlich ist eine Krise eine ernst zu nehmende Sache. Krisen kann man nicht ignorieren. Auch hier ist es ausschlaggebend, wie der Sachverhalt dargestellt wird. Ein krisenartiger Charakter kann auch angehängt werden.

„The national deficit is an example of an issue that has frequently been associated with the term crisis, although not all politicians or economists agree the label is appropiate.“ (ebd.)

Die Vertreter oder Anhänger des Problems bzw. Sachverhaltes werden versuchen, es als eine Krise oder Notfall dar zu stellen. Die Gegner wiederum werden sich gegen die Formulierung stellen und sich bemühen es nicht als „Krise“ gelten zu lassen.

Eigenschaften der maßgeblich betroffenen Gruppe Außerdem die Art der Gruppe, welche vom Problem betroffen ist, auch ausschlaggebend für den Faktor Aufmerksamkeit. Das Bild dieser betroffenen Gruppe kann auch hier manipuliert werden, durch den expander. Bestimmte Gruppen wirken hilfloser als andere Gruppen.

„(…) a group must also appear „deserving“ or vulnerable tob e tob e helped, fitting into such categories a sage, disability or a victim of an unforeseen circumstances.“ (Cobb 1998:419)

Sind Kinder betroffen oder andere Gruppenarten die hilfloser erscheinen, so steigt die Chance, dass das Problem wahrgenommen wird. Kinder oder alte Menschen gelten generell als hilfsbedürftiger. Hier Hilfe zu unterlassen oder das Problem zu ignorieren wäre ethisch nicht vertretbar.

4. Historischer und wissenschaftliche Hintergründe des Climate Engineering

Im diesem Kapitel wird nun näher auf die Technologie Climate Engineering eingegangen. Zunächst wird das Climate Engineering definiert. Im Anschluss folgt ein kurzer Überblick über die historische Entwicklung. Zudem werden einige der Climate Engineering Maßnahmen genannt und auch dessen absehbare und nicht absehbare Risiken.

4.1. Begriffsbestimmung

Unter dem Begriff Climate Engineering oder Geo-Engineering werden allgemein technische Eingriffe in das Klimasystem der Erde verstanden. Ziel ist es das Klima, zum Vorteil der Menschen, zu ändern. Die Zwecke und Absichten haben sich im geschichtlichen Verlauf geändert. Aktuell wird die Nutzung des Climate Engineering im Rahmen des Klimawandels diskutiert. Mit der Technologie sollen negative Effekte des Klimawandels behoben oder gemildert werden. Es gibt verschiedene Definitionen des Climate Engineering.

„Geoengineering proposals aim to intervene in the climate system by deliberately modifying the Earth’s energy balance to reduce increases of temperature and eventually stabilise temperature at a lower level than would otherwise be attained (…).“ (Royal Society Report 2009: 1)

Eine ähnliche Definition stammt von Hannes Fernow.

„Mit dem Terminus Climate Engineering werden technikgestützte und großskalig angelegte Eingriffe in den Energiehaushalt bezeichnet.“ (Fernow 2014: 56)

Eine etwas andere Definition stammt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Es beschreibt das Climate Engineering als, „Technologien zur ursächlichen Rückführung als auch Technologien zur symptomatischen Kompensation des anthropogenen Klimawandels. Die ersten werden als Carbon Dioxid Removal (CDR) bezeichnet, da die atmosphärischen CO2 Konzentration gesenkt wird; die zweiten werden als Radiation Management (RM) bezeichnet, da die Strahlungsbilanz und damit die Temperatur beeinflusst wird.“ (Sondierungsstudie Climate Engineering 2011)

Allen Definitionen gemein ist, dass Climate Engineering eine Technologie ist, um das Klima bzw. Energie zu ändern, mittels größerer Maßnahmen. Die gegenwärtige Forschung unterteilt das Climate Engineering in zwei Bereiche, wie schon in der Definition des BMBF angedeutet wurde. Auf der einen Seite stehen Maßnahmen, welche die Reflexion der Sonneneinstrahlung vermindern. Im Fachjargon spricht man von Solar Radiation Mangement (SRM). Auf der anderen Seite stehen Techniken, welche den Anteil der Treibhausgase in der Atmosphäre verringern bzw. wieder entfernen. Hier spricht man von dem Carbon Dioxide Removal oder auch CDR.

„Ihr Ziel ist es, in großem Umfang aus der Umgebungsluft Kohlenstoff zu filtern und diesen in leere Erdgasfelder oder salzwasserführende Gesteinsschichten zu pressen beziehungsweise in tiefe Meeresströmungen unter tausend Meter abzusenken.“ (Fernow 2014: 57)

Beide Typen des Climate Engineering zielen darauf ab, den Klimawandel zu vermindern und auch die damit einhergehenden Probleme.

4.2. Historische und jüngste Entwicklungen

Climate Engineering ist keine neue Technologie. Erste erfolgreiche Experimente gab es schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Den Ursprung hat das Climate Enginnering mit dem Wunsch der Menschheit, das Wetter zu beeinflussen. In den 1940er Jahren entwickelte der amerikanische Chemiker und Nobelpreisträger Irving Langmuir die Methode der Wolkenimpfung, die zu einem Abregnen der Wolke führte (Uther 2014: 42). Dies waren die ersten Anfänge des Climate Engineering. Die Manipulation des Wetters wurde dann auch zu Kriegszwecken genutzt. Im Zweiten Weltkrieg, experimentierten die Nationalsozialisten mit künstlichem Nebel. Dadurch sollte feindlichen Piloten von Kriegsflugzeugen, die Sicht genommen werden. Nicht nur die Deutschen machten von der Technologie Gebrauch. Auch die US-Amerikaner nutzten die Wolkenimpfung zu Kriegszwecken.

„Durch die Impfung von Kumuluswolken mit Silber- und Bleijodid durch die US-Luftwaffe entstanden massive Regenfälle, welche die Versorgungsroute des Ho-Chi-Minh-Pfads abschnitten und ihn für gegnerische Truppen unpassierbar machten.“ (Uther 2014:42) Es zeigt sich, dass das Climate Engineering keine vollkommen neue Technologie war und, dass Forscher schon früher versuchten, das Wetter zu beeinflussen. In der Vergangenheit wurde dies hauptsächlich für kriegerische Auseinandersetzungen und nicht gegen die Klimawandel verwendet, so wie es heute diskutiert wird (Kössler 2012:12).

Die Idee CE als Klimaschutzmaßnahme zu verwenden, kam zum ersten Mal 1965 auf. Das US-amerikanische Presidential Science Advisory Committee schlug technikgestützte Interventionen vor, um gegen die stetige Erwärmung der Erde vorzugehen (Keith 2000: 254).

Im Jahr 2006 stieg die Aufmerksamkeit auf Climate Engineering an, aufgrund des Vorschlages von Paul Crutzen. Er befürwortet die Nutzung von Climate Engineering-Technologien und sieht sie als „die womöglich einzige Option zur Bekämpfung des durch den Klimawandels verursachten Temperaturanstieges sein könnte“ (Uther 2014:44). Seitdem ist die Thematik populärer geworden. Höhepunkt stellt die Climate Engineering Konferenz im Jahr 2010 in Kalifornien dar, bei der über hundert Wissenschaftler über die Erforschung und Richtlinien der Technologie diskutierten. Auch auf deutscher Ebene hat das Thema mehr Relevanz bekommen. Im Oktober 2011 wurde eine interdisziplinäre Studie des Kiel Earth Institute veröffentlicht. Auftraggeber war das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Ziel der Studie war es, den aktuellen Wissenstand über Climate Engineering zusammenzutragen, Wissenslücken zu ermitteln und Kontroversen zu diskutieren. (Sondierungsstudie 2011). Die Thematik scheint in Deutschland auf politischer Ebene teilweise angekommen zu sein. Doch in der Öffentlichkeit, scheint das Thema weniger wahrgenommen zu werden. Zwar gibt es einen Anstieg in der medialen Berichterstattung (Uther 2014: 28). In der Bevölkerung ist Climate Engineering dennoch nicht relativ unbekannt. Um diesen Sachverhalt erklären zu können, soll die Theorie von Rochefort und Cobb auf die deutsche Sachlage angewendet werden.

4.3. Deutsche Anwendung von Climate Engineering

In Deutschland wird das Climate Engineering nicht angewendet. Zumindest gibt es keine Maßnahmen, die unter die zuvor genannte Definition passt. Somit gibt es keine großskaligen Maßnahmen in der Bundesrepublik Deutschland, welche in den Energiehaushalt eingreifen, um die Nebeneffekte des Klimawandels aufzuhalten. Es gibt lediglich eine Art Wettermanipulation in Süddeutschland. Sogenannte Hagelflieger werden eingesetzt, um Hagelschäden an Autos oder Obstplantagen zu vermeiden. Hagelflieger sind Flugzeuge, die bei Hagelgefahr in das Gewitter fliegen und Silberjodid versprühen. Damit sollen sich nur kleine, weniger schädliche Hagelkörner bilden oder im Idealfall nur Regen (Hohenloher Tagblatt 2011). In Bayern und Baden-Württemberg sind die Flieger stationiert wo sie auch

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Details

Titel
Öffentliche Wahrnehmung von Climate Engineering. Wie kann die Salienz von Climate Engineering erklärt werden?
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Risiko-Governance im internationalen Vergleich
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
31
Katalognummer
V367940
ISBN (eBook)
9783668460157
ISBN (Buch)
9783668460164
Dateigröße
649 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Risiko-Governance, Risk, Risiko, Salienz, Climate Engineering, Cobb&Rochefort, Klimawandel, climate change
Arbeit zitieren
Katharina Genç (Autor), 2014, Öffentliche Wahrnehmung von Climate Engineering. Wie kann die Salienz von Climate Engineering erklärt werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367940

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