Jugendgerechte Kommunen und politische Beteiligung. Wie kann die Soziale Arbeit die Partizipation von Jugendlichen fördern?


Hausarbeit, 2016
22 Seiten

Leseprobe

Jugendgerechte Kommune: Aufgabe der Sozialen Arbeit?

1.Einleitung

2. Jugend

3. Partizipation

4. Normative Grundlagen

5. Der Politische Rahmen
5.1. Die EU Jugendstrategie
5.2. Die Jugendstrategie des Bundes
5.3. Der Entschließungsantrag in Niedersachsen

6. Handlungsfeld Kommune

7. Projektbeispiel: Jugendegerechte Kommune Hannover

8. Ein Instrument der Jugendbeteiligung: der Jugend Check

9. Qualifizierungsvorhaben für Jugendliche und erwachsene Akteure der Jugendbeteiligung

10. Peer Education - Ein Ansatz für die Soziale Arbeit

11. Fazit

12. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Jugend ist ein wichtiger Teil in der Gesellschaft, da sie auch die Zukunft dieser bildet. Durch den demografischen Wandel1, kommt auf die Jugend eine hohe Verantwortung zu. Sie muss in Zukunft fähig sein politische und gesellschaftliche Aufgaben und Probleme zu lösen. Um demokratische Strukturen frühzeitig zu stärken ist es dabei sinnvoll die politische Partizipation der Jugend in ihrer unmittelbaren Umwelt, der Kommune in den Fokus zu nehmen und zu fördern.

In dieser schriftlichen Arbeit wird der Frage nachgegangen, inwieweit und in welcher Form politische Jugendpartizipation durch die Soziale Arbeit gefördert werden kann. Welche Rolle kann Soziale Arbeit im Prozess zu mehr Jugendgerechtigkeit in der Kommune einnehmen? Dabei wird ein Schwerpunkt auf Hannover, als „Referenzkommune der jugendgerechten Kommune“ gelegt.

Als Erstes wird auf die Jugendphase und den Begriff Partizipation eingegangen, um eine Grundlage für weitere sinnvolle Überlegungen zu schaffen. Wichtig ist auch die Verortung der Jugendpartizipation in den Normen und in der Politik. Hierfür werden exemplarische Beispiele genannt, die auch Relevanz für die Soziale Arbeit haben. Das Handlungsfeld von Partizipation stellt in dieser Arbeit die Kommune dar. Sie wird aus der partizipativen Perspektive beleuchtet. Auf dieser Grundlage werden zwei Beispiele von Jugendpartizipation dargestellt: Der „Jugend Check“ und das Projekt „jugendgerechte Kommune“ in Hannover. Insbesondere die Qualifikation von Jugendlichen und beteiligten Akteuren, wie Fachkräfte der Jugendarbeit, werden als Handlungsfeld der Sozialen Arbeit anhand dem Beispiel der Qualifikation von „Demokratie Scouts-„ und „Peers“ dargestellt. Die Qualifikationsmaßnahmen und die Entwicklung eines „Jugend Checks“ könnten dabei innerhalb des Gesamtkonzeptes der „jugendgerechten Kommune“ eingebunden werden. Da die Beteiligung Jugendlicher an dem Prozess zu mehr Jugendgerechtigkeit eine wichtige Voraussetzung bildet, wird der Ansatz der Peer Education, welcher auch ein wichtiger Ansatz in der sozialen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist, dargestellt.

2. Jugend

Das Jugendalter bildet eine eigenständige Phase2 mit eigenen Bedürfnissen und Interessen. In der Jugendphase müssen Entwicklungsaufgaben, wie z. B. die Ablösung von den Eltern und die Entwicklung einer eigenen Identität bewältigt werden.3 Sie setzt sich von der Kindheit und der Erwachsenwelt ab und wird in eigenen Sozialgruppen erlebt, deren Ziel nicht mehr einzig das Erwachsen werden ist. Dabei entstehen eigene Jugendkulturen. In der Gesellschaft haben Jugendliche eine marginale Stellung. Sie werden nicht als gleichwertiger Status von der Erwachsenenwelt akzeptiert und ist aus der Perspektive der Erwachsenen meist Problem und Defizit behaftet.4 20 % der 12 bis 29 jährigen geben in einer Studie zu Diskriminierung in Deutschland5 an, aufgrund ihres zu jungen Alters Diskriminierungserfahrungen gemacht zu haben.

Das Jugendalter ist Teil des Lebenslaufes, begleitet durch institutionalisierte Lebensbereiche wie Schule und Berufsausbildung sowie einer alterstypischen Alltagskultur. Diese Phase des Jugendalters ist bestimmt durch „somatischer Veränderung (→Pubertät)“6, psychischer Veränderungen und soziokulturelle Entwicklungsaufgaben. Sie beginnt zwischen zehn und zwölf und reicht bis zum 20. Lebensalter.7

Das Jugendalter bildet zunächst eine Zeit der Unsicherheit und Desorientierung. Es bedeutet den Übergang vom Kind zum Erwachsenen. Die_der Jugendliche verliert den (biosozialen) Status als Kind und das kindliche Bezugssystem.8 Es finden körperliche, soziale und kognitive Veränderungen statt und eine Überflutung mit neuen Impulsen.9 Dies stellt ihre bisherige Identität in Frage.10 Dabei werden verschiedene Erwartungen an die Jugendlichen gestellt, die zum Teil widersprüchlich sind. Einerseits müssen sie sehr früh im Medien-, Konsum- und Freizeitverhalten die Erwachsenenrolle einnehmen und in anderen Bereichen wie der Familiengründung und Berufsfindung geschieht dies dagegen sehr spät.11

Die Jugendlichen müssen in ihrer Identitätssuche ein Spannungsfeld bewältigen. Einerseits wird das Jugendalter durch Institutionen wie Schule und Ausbildung und den Medien „vergesellschaftet“ und transportiert allgemeine Jugendbilder. Andererseits muss der_die Jugendliche, aber in diesem Rahmen auch seine individuelle, biographische Identität bilden.12 Dabei können der Austausch und die Entwicklung von Werten und Normen, in der Peer Group,13 unterstützen.

Die Lebenssituation von Jugendlichen hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Jugendliche haben mehr Freiheiten in vielen Lebensbereichen und sie müssen zahlreiche Entscheidungen treffen, die z.B. ihren Bildungsweg, ihre Berufswahl und ihre Werte betreffen. Diese Freiheiten stellen eine hohe Anforderung bezüglich ihrer selbständigen Lebensführung dar. Zusätzlich müssen sie verschiedene Rollenerwartungen erfüllen Jugendliche leben in dieser Zeit auch in einem Spannungsfeld verschiedener Umwelten und Entwicklungsaufgaben fordern sie heraus. Diese Phase ist letztendlich „die Zeit der Identitätssuche, nur ausnahmsweise der Identitätsfindung“14 Die Identitätsbildung ist ein zentrales Thema in der Jugendphase. Sie wird aber in dieser Phase nicht abgeschlossen, sondern findet lebenslang satt.15 Eine weitere wichtige Entwicklungsaufgabe stellt die Ausbildung von eigenen Werten und Normen dar, die an die Identitätsbildung anknüpft.

Die Ausbildung von eigenen Werten und Normen kann durch politische Partizipation gefördert werden. Insbesondere werden demokratische Werte unterstützt. Jugendliche sind fähig sich politisch einzubringen. Ab 14 Jahren haben sie die „ Fähigkeiten, Strukturen zu abstrahieren (...) und sie können „ in subjektiven und allgemeinen Kategorien denken “ . Das heißt, sie können zwischen subjektiven und allgemeinen Interessen unterscheiden. Jugendliche haben sogar oft, höhere kreative und innovative kognitive Fähigkeiten, als Erwachsene. 16

Für die meisten der Jugendlichen ist das Jugendalter eine „ (…) abwechslungsreiche, hoffnungsvolle und glückliche Zeit (…)“17, trotz der Unsicherheiten und teilweise schwierigen Auseinandersetzungen mit der Umwelt.

3. Partizipation/Teilhabe

Mit dem Begriff Partizipation wird die Beteiligung und Mitwirkung an Entscheidungsprozessen beschrieben. Dabei sollen die Betroffenen von Entscheidungen in Politik, Staat und Gesellschaft als gleichberechtigte Subjekte beteiligt werden. Sie sollen ebenfalls an den öffentlichen Diskussionsprozessen beteiligt werden und das Gemeinwesen aktiv mitgestalten können.18 Partizipation kann in soziale und politische Partizipation unterschieden werden. Die soziale Partizipation bildet dabei die Beteiligung an familialer, peergruppenähnlicher und schulischer Entscheidungen im Alltag. Politische Partizipation bedeutet Beteiligung an politischen Prozessen, die über den Alltag hinausgehen.19

Bei der Partizipation in der Kommune handelt es sich, um politische Partizipation. Entscheidungen innerhalb dieser Beteiligungsform haben Öffentlichkeitscharakter, bedeuten die Beteiligung an Macht, zeigen Wirkung, die über eine kleine Bezugsgruppe hinausgeht und sie bedürfen Auseinandersetzung und Mut sich für Rechte einzusetzen.20

Knauer und Sturzenhecker nennen Partizipation als Recht der Gesellschaftsmitglieder_innen auf öffentliche Teilhabe an allen Diskussions- und Entscheidungsprozessen in der Gesellschaft, im Staat und in den Institutionen. Partizipation ist Teil der Demokratie und stellt die „ aktive Praxis von Demokratie durch die Subjekte“ 21 dar. Jugendliche sind ein Teil der Gesellschaft und haben nach Knauer und Sturzenhecker das Recht und auch die Fähigkeit sich am demokratischen Prozess, in den für sie betreffenden Themen und Feldern beteiligt zu werden.

4. Normative Grundlagen

Die Rechtsgrundlagen bezüglich der Jugendbeteiligung sind ziemlich komplex und unterschiedlich auf internationaler, europäischer, bundesweiter und kommunaler Ebene verortet. Diese im Einzelnen zu erörtern würde hier den Rahmen sprengen. Es werden Beispiele der internationalen Ebene (UN-KRK), der nationalen (SGB VIII) und der kommunalen Ebene (niedersächsische Gemeindeverordnung) dargestellt.

Die UN-Kinderrechtskonvention (KRK) stellt eine wichtige internationale rechtliche Grundlage für Kinder- und Jugendrechte dar. Maßgeblich für die Jugendpartizipation ist der Artikel 12 der UN- KRK. Dort wird das Recht auf Mitsprache und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen als aktive Mitglieder der Gesellschaft zum Ausdruck gebracht. Die Vertragsstaaten, darunter auch die Bundesrepublik, sichern ihnen zu, ihre „ Meinung in allen das Kind berührenden Angelegenheiten frei zuäußern “ und sie muss von den Vertragsstaaten angemessen nach Berücksichtigung von Alter und Reife berücksichtigt werden.22 Weitere Artikel der UN -KRK, wie Art. 13, die Meinungs- und Informationsfreiheit und Art.15, das Recht auf Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit sind für die Jugendpartizipation in der Kommune relevant. Eine Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist damit völkerrechtlich verbindlich formuliert und bildet ein Menschenrecht.23.

Im §11, Abs.1, SGB VIII wird die Mitbestimmung von jungen Menschen in der Jugendarbeit festgelegt. Jugendarbeit soll dabei zur Selbstbestimmung befähigen und die gesellschaftliche Mitverantwortung und das soziale Engagement von Jugendlichen fördern.24 Gemäß §11 Abs.3 SGB VIII gehört auch die politische Bildung zu den Schwerpunkten der Jugendarbeit.

Gemäß § 1 Abs. 1 SGB VIII hat jeder junge Mensch „ ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit. “ Um dieses Recht zu verwirklichen soll die Jugendhilfe nach Abs. 3 Nr. 1 und 4 derselben Norm „ junge Menschen in Ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und dazu beitragen, Benachteiligungen zu vermeiden und abzubauen, “ und „ dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen. “ Dies bedeutet, dass auch im Prozess der Jugendbeteiligung darauf geachtet werden sollte, dass Benachteiligungen von Jugendlichen abgebaut werden.

In Nr.4 des §1 Abs.3 SGB VIII sind die Begriffe „ positive Lebensbedingungen “ und „ kinder- und familienfreundliche Umwelt “ allgemein gehalten. Der kommunale Raum stellt für Kinder und Jugendliche ihre Umwelt dar und unter „positive Lebensbedingungen“ können jugendgerechte Strukturen verstanden werden. Die Jugendhilfe stellt einen direkten Bezug zur Sozialen Arbeit her, da sie ein bedeutendes Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit darstellt.

Auch in der Niedersächsischen Gemeindeverordnung ist in §22e die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Planungen und Vorhaben, die die Interessen von Kinder- und Jugendlichen berühren, festgeschrieben. Sie muss hierzu gemäß §22e „ geeignete Verfahren entwickeln und durchführen “ . 25

5. Der politische Rahmen

Die politischen Rahmenbedingungen für die Jugendpartizipation bilden eine wichtige Grundlage, auf der anhand der politischen Zielsetzungen Beteiligungsmodelle entwickelt werden können. Die größte Hürde zur Durchführung von Beteiligungsformen für Träger der Sozialen Arbeit stellt meistens die Finanzierung dar. Durch die Verankerung der Jugendpartizipation in politischen Rahmenbedingungen wie z. B. in Entschließungen werden die Realisierungen von Beteiligungsmodellen erleichtert. Entschließungen in der Politik bilden „allgemeine Absichtserklärungen zu politischen Zielen“, die nicht rechtsverbindlich sind. Sie haben aber eine Orientierungsfunktion.26

Folgend werden verkürzt drei wichtige Beispiele politischer Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene, Bundesebene und Landesebene erläutert.

5.1. Die EU- Jugendstrategie

Die EU Jugendstrategie basiert, auf einer gemeinsamen Entschließung der Jugendminister_innen der EU-Mitgliedstaaten aus dem Jahr 200927, die von 2010 bis 2018 gelten soll.

Zentrale Ziele der Entschließung des europäischen Rates sind:

- mehr Möglichkeiten und mehr Chancengleichheit für alle jungen Menschen im Bildungswesen und auf dem Arbeitsmarkt zu erreichen und

- sie soll das gesellschaftliche Engagement, die soziale Eingliederung und Solidarität aller jungen Menschen fördern. “ 28

Dabei soll auch die Teilhabe junger Menschen an der repräsentativen Demokratie und auch explizit an der nationalen Jugendpolitik gefördert werden. Hierfür soll auch der Erwerb von Partizipationskompetenz unterstützt werden. Die Entschließung enthält noch eine Reihe weiterer Ziele wie z. B. die Bekämpfung von sozialer Ausgrenzung und Diskriminierung.29

5.2. Die Jugendstrategie der Bundesregierung

Die Jugendstrategie der Bundesregierung ist eine Umsetzung der EU Jugendstrategie, die folgende Ziele hat:

„ - die Integration sozial benachteiligter junger Menschen in das Regelsystem von Bildung, Ausbildung und Arbeit durch die Ermöglichung neuer Lernfelder und Kompetenzen für Jugendliche und Fachkräfte;
- die wirksame Beteiligung Jugendlicher durch die Ansprache neuer Zielgruppen und die Implementierung neuer Formate;
- die Aufwertung und Anerkennung informeller und nicht formaler Bildung unter Wahrung der Standards und Konzepte der Jugendarbeit. “ (Fact Sheet - Die EU-Jugendstrategie 2010- 2018, (2011), S.3)

Die Umsetzung soll, durch eine enge Kooperation des Bundes und der Länder erfolgen und es soll eine gemeinsamer Umsetzungsprozess entwickelt werden. Hierfür sollen weiter „jugendpolitische Akteure“ gewonnen werden. Jugendliche sollen an den Prozess beteiligt werden und dieser soll transparent stattfinden.30

Gleichzeitig entwickelt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) auf der Grundlage des Koalitionsvertrages von 2009 ein Konzept für eine sogenannte „eigenständige Jugendpolitik“.

Die Strategie der EU und die Strategie der Bundesregierung sollen dazu beitragen, für Jugendliche in ihrer Vielfalt, unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, ethnisch- kultureller Zugehörigkeit, Religion oder Behinderung umfassende Teilhabemöglichkeiten in der Politik und Gesellschaft zu schaffen. Jugendliche und ihre Vertretungen sollen an allen sie betreffenden Vorhaben auf kommunaler, aber auch auf Landes- und Bundesebene beteiligt werden.31

5.3. Entschließungsantrag zur Jugendbeteiligung in Niedersachsen

Der niedersächsische Landtag hat mit einer Entschließung die Landesregierung aufgefordert die Partizipation von Jugendlichen zu fördern und auszubauen. Einige inhaltliche Punkte der Entschließung sind die Umsetzung des bundesweiten Prozesses zu einer eigenständigen Jugendpolitik zu unterstützen, die Einführung eines Jugend Check und die Qualifikation von Fachkräften der Jugendhilfe und Kinder- und Jugendliche für den Prozess der Jugendbeteiligung.32

6. Handlungsfeld Kommune

Die Kommune ist der unmittelbare öffentliche Lebensraum von Jugendlichen und bildet das wichtigste Handlungsfeld der politischen Partizipation von Jugendlichen. In den politischen und normativen Rahmenbedingungen ist das Recht auf Beteiligung von Jugendlichen festgeschrieben. Die Partizipation der Jugend findet ansonsten hauptsächlich nur im pädagogischen Raum statt, z. B. in der Schule oder in der Jugendhilfe.33

Dies stellt einen Unterschied zu den anderen Handlungsfeldern der Partizipation dar. „ Damit wird Partizipation „ entpädagogisiert “ : Jugendliche werden zu Subjekten in einem nicht Pädagogischen Raum “ (Knauer, u. Sturzenhecker, (2005), S. 90)

Junge Menschen treten in der Kommunalpolitik als aktive politische Akteure auf und sind zum großen Teil den dortigen Strukturen unterworfen. Dabei besteht die Gefahr, dass Jugendliche ihre Interessen nicht angemessen durchsetzen können und in „ Aushandlungsprozessen “ (Knauer, u. Sturzenhecker, (2005), S. 90) nicht genügend ernst genommen werden. Deshalb ist eine Begleitung von z.B. Sozialarbeiter_innen, die für diesen Bereich geschult sind, notwendig. Dabei geht es nicht darum die politische Partizipation zu pädagogisieren. Dies würde auch dem Recht von Jugendlichen als politische Akteure zu agieren widersprechen. Sozialarbeiter_innen haben viel mehr die Aufgabe politische Teilhabe zu „ initiieren und abzusichern “. Sie fungieren als Prozessbegleiter_innen, die Jugendliche coachen und ihnen politisches „Handwerkzeug“ vermitteln können.34

In der Bertelsmann- Studie35 über Kinder- und Jugendpartizipation in Deutschland wurde deutlich, dass Kinder und Jugendliche in der Kommune im Durchschnitt wenig mitwirken. In der Familie ist die Partizipation dagegen hoch und in der Schule liegt sie im Mittelfeld. Auch werden angebotene Partizipationsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen in der Kommune wenig genutzt.

. „ Als Gründe für ihr Nicht-Mitwirken geben die Kinder und Jugendlichen am häufigsten an, sie hätten am Thema kein Interesse und ihnen fehle das Vertrauen in die Politiker, zumal diese sie nicht respektierten. Hinzu kommt, dass sichüber die Hälfte der Kinder und Ju gendlichenüber die Partizipationsmöglichkeiten in der Kommune unzureichend informiert fühlen “ (Bertelsmann (2005), S. 44).

Als besonders förderlich für die Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen in der Kommune werden folgende Faktoren beschrieben (Bertelsmann 2005, S. 6):

„ - frühere Partizipationserfahrungen am Wohnort, die zur Zufriedenheit mit dem Ergebnis und dem Prozess geführt haben
- zufriedenstellende Partizipationserfahrungen in der Schule
- adäquate Informationüber vorhandene Mitwirkungsmöglichkeiten
- eigener ausgeprägter Wunsch, selbst etwas zu verändern
- Zutrauen zur eigenen Fähigkeit, sich einzubringen
- Freundeskreis, der ebenfalls in der Kommune mitwirkt
- bereits bestehende (Sport-)Vereinsaktivitäten “ 36

[...]


1 Vgl. Bundesministerium des Innern, Demografiebericht, (2011), S.1-2.

2 vgl. Böhnisch, (1992), S. 160.

3 vgl. Havighurst, (1956), S. 215 zit. in Flammer, (2011), S. 56.

4 vgl. Ausubel, (2003), S, 116.

5 Vgl. Beigang; Fetz; Foroutan; Kalkum; Otto; (2016), S.8.

6 vgl. Flammer, F. A. (2011).

7 vgl. Fürsorge Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge. (2002), Fachlexikon der sozialen Arbeit, S. 507.

8 vgl. Ausubel, D., (2003), S. 116.

9 vgl. Kolip, P., (1993), S.75.

10 vgl . Universität Hildesheim, S. 33.

11 vgl. Palentien, C.; Harring, Marius, (2010), S.367.

12 vgl. Böhnisch,L., (1992), S. 151.

13 Anm.: Gruppe von Gleichaltrigen

14 vgl. Fürsorge Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge. (2002), S. 507.

15 vgl. Erikson, (1966), S. 151.

16 vgl. Stange, (2008), S. 77.

17 vgl. Fürsorge Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge ( 2002), S.507.

18 vgl. Moser, S, (2010), S.72.

19 vgl. Stange, W., (2008), S.18.

20 vgl. Oser, Ullrich, Biedermann (2000), In Stange, S. 18.

21 Vgl. Knauer u. Sturzenhecker, (2005), S.68

22 vgl. Moser, S, (2010), S. 105, S.106.

23 vgl. Stange, W. , (2008), S.131.

24 vgl. ebd., S.133.

25 vgl. Stange, W., (2008), S.151.

26 vgl. Seeger : In Große Hüttmann/Wehling (Hg.): (2013).

27 vgl. Amtsblatt der Europäischen Union, (2009).

28 vgl. ebd.

29 Vgl. ebd.

30 vgl., Fact Sheet - Die EU-Jugenstrategie 2010-2018, (2011), S.3.

31 vgl. Koordinierungsstelle „Handeln für eine jugendgerechte Gesellschaft“, Über uns.

32 vgl. Der Präsident des Niedersächsischen Landtages, Drucksache 17/2972, (2015), S.1-2.

33 vgl. Knauer, u. Sturzenhecker, (2005), S. 89.

34 vgl., Knauer, u. Sturzenhecker, (2005), S.90.

35 vgl. Bertelsmann, ( 2005), S. 23.

36 vgl. Moser, S. 244.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Jugendgerechte Kommunen und politische Beteiligung. Wie kann die Soziale Arbeit die Partizipation von Jugendlichen fördern?
Hochschule
Hochschule Hannover
Autor
Jahr
2016
Seiten
22
Katalognummer
V367972
ISBN (eBook)
9783668463899
ISBN (Buch)
9783668463905
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jugendgerechte, kommune, jugendpartizipation, aufgabe, sozialen, arbeit, Jugend Politik
Arbeit zitieren
Adelaide Catalano (Autor), 2016, Jugendgerechte Kommunen und politische Beteiligung. Wie kann die Soziale Arbeit die Partizipation von Jugendlichen fördern?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367972

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