Seit Mitte des 20. Jahrhunderts kann das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Wahl und anderen Autoren als DER Leitindikator zur Darstellung des gesamtgesellschaftlichen Wohlstands angesehen werden. Aufgrund immer größer werdender gesellschaftlichen Herausforderungen, wie dem Klimawandel und den damit einhergehenden Umweltproblematiken für Mensch und Natur stellt sich allerdings die Frage, ob das BIP in der Lage ist solche Kriterien abzubilden.
Die vorliegende Arbeit versucht dies nicht nur herauszufinden, sondern versucht eine (neue) ökoligische Dimension innerhalb eines Indikatorenbüdels zur Darstellung der ganzeinheitlichen Lebensqualität zu schaffen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Teil
2.1 Ausgangssituation
2.2 Stand der Forschung
2.2.1 Indikatorenbündel oder Indikatorenindizes?
2.2.2 Alternative Modelle zur Darstellung von Lebensqualität
2.2.3 Wohlstand
3. Methodischer Teil
3.1 Gütekriterien bei der Verwendung von Daten
3.2 Voraussetzungen für Indikatoren
3.3 Auswahl
3.3.1 Auswahl der Methodik und anderer Kriterien
3.3.2 Auswahl der Länder zum Ländervergleich
3.3.3 Auswahl der Indikatoren mit gegenwärtigen Aussagen
3.3.4 Auswahl der Indikatoren mit Trendaussagen
3.3.5 Auswahl des Indikators zur subjektiven Wahrnehmung
4 Ergebnisse
4.1 Indikator Nichtmineralische Abfälle
4.2 Luftqualität
4.3 Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch in %
4.4 Treibhausgasemissionen
4.5 Anteil der ökologischen Fläche
4.6 Indikator zur subjektiven Wahrnehmung
5 Diskussion der Ergebnisse
5.1 Ökologischer Wohlstand?
5.2 Estland
5.3 Finnland
5.4 Frankreich
5.5 Malta
5.6 Portugal
5.7 Deutschland
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Erstellung und Auswertung einer ökologischen Dimension als Bestandteil eines ganzheitlichen Wohlstandsindikators. Die Forschungsfrage untersucht, ob das BIP in der Lage ist, den ökologischen Wohlstand einer Nation abzubilden, und ob auf Basis der gewählten Indikatoren von ökologischem Wohlstand gesprochen werden kann.
- Kritische Analyse des BIP als Wohlstandsindikator
- Methodische Auswahl und Erhebung eines Indikatorenbündels für ökologischen Wohlstand
- Empirische Sekundärdatenanalyse zur ökologischen Dimension
- Internationaler Vergleich ausgewählter EU-Staaten (Deutschland, Frankreich, Finnland, Portugal, Estland, Malta)
- Diskussion der Ergebnisse im Hinblick auf Lebensqualität und ökologische Kriterien
Auszug aus dem Buch
2.1 Ausgangssituation
Nach aktuellen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2011 bei 2,5708 Billionen Euro, was eine Steigerung von 3 Prozentpunkten gegenüber dem Jahr 2010 darstellt. Daraus lässt sich ein Durchschnittswert von 31.436 Euro pro Einwohner für die Bundesrepublik Deutschland errechnen (vgl. Statistisches Bundesamt 2012, 321). Das BIP stellt dabei den Wert der im Inland erwirtschafteten Leistung einer Volkswirtschaft in einer Periode dar. Es wird mithilfe der sogenannten Entstehungs-, Verwendungs- und Verteilungsrechnung ermittelt. Eine schematische Übersicht über die verschiedenen Berechnungen und Darstellungen ist im Anhang auf Seite 63 einsehbar. Des Weiteren erfolgt die Berechnung des BIPs mit und ohne Preisbereinigung. Die preisbereinigte Quote der Veränderung gegenüber dem Vorjahr gilt „... üblicherweise als Indikator für das Wirtschaftswachstum“ (Deutscher Bundestag 2012, 7). Seit Mitte des 20. Jahrhunderts kann das BIP nach Wahl und anderen Autoren auch als Leitindikator zur Darstellung des Wohlstands einer Gesellschaft angesehen werden (vgl. Wahl et al 2010, 9).
Allerdings wird auch Kritik an der Aussagekraft des Indikators geäußert wird. So stellte schon der US–Ökonom John Kenneth Galbraith Anfang der 70er Jahre fest, dass die Tage des BIP zu Ende seien: „The day of the GNP is over...“ (Simonis 2011, 953). Weitere Kritik folgte auch durch international tätige Organisationen, wie beispielsweise durch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD: „In recent years, concerns have emerged that standard macro-economic statistics, such as GDP, which for a long time have been used as proxies to measure well-being, failed to give a truth account of people´s current and future living conditions“ (OECD 2011, 14). Van Suntum und Lerbs weisen in ihrer Studie zur Bewertung alternativer Methoden der Wohlfahrtsmessung ebenfalls hierauf hin. So orientierte sich die Wachstumskritik „...an der Erkenntnis, dass es wohlfahrtsrelevante Kontexte gibt, in denen das Bruttoinlandsprodukt als zentrale Kennzahl der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) allein nicht aussagekräftig ist“ (van Suntum, Lerbs 2011, 2).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas, Herleitung der Forschungsfrage und Erläuterung des Zieles, eine ökologische Dimension für Wohlstand zu entwickeln.
2 Theoretischer Teil: Analyse der Kritik am BIP sowie Darstellung aktueller Forschungsansätze und Definitionen von Wohlstand und Lebensqualität.
3 Methodischer Teil: Festlegung methodischer Gütekriterien wie Objektivität und Validität sowie Auswahl der spezifischen Indikatoren und Vergleichsländer.
4 Ergebnisse: Empirische Darstellung der Daten zu Nichtmineralischen Abfällen, Luftqualität, erneuerbaren Energien, Treibhausgasen, ökologischer Fläche und subjektiver Wahrnehmung.
5 Diskussion der Ergebnisse: Interpretation der gesammelten Indikatoren pro Nation, um den ökologischen Wohlstand im Vergleich zum EU-Durchschnitt zu bewerten.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Ergebnisse der Forschungsfrage, kritische Reflexion des methodischen Vorgehens und Empfehlungen für weitere Forschung.
Schlüsselwörter
Ökologischer Wohlstand, BIP, Indikatorenbündel, Lebensqualität, Nachhaltigkeit, Treibhausgasemissionen, Erneuerbare Energien, Nichtmineralische Abfälle, Luftqualität, Umweltpolitik, EU-Ländervergleich, Subjektive Wahrnehmung, Ressourcenverbrauch, Umweltindikatoren, Sekundärdatenanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Messung des ökologischen Wohlstands und der Frage, ob das bisherige Bruttoinlandsprodukt (BIP) als alleiniger Indikator ausreicht, um die ökologischen Herausforderungen einer Nation abzubilden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Kritik am BIP, die Entwicklung alternativer Wohlfahrtsmaße und die Erstellung eines Indikatorenbündels für ökologische Nachhaltigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob das BIP den ökologischen Wohlstand messen kann und ob anhand eines neu zusammengestellten Indikatorensystems eine Bewertung des ökologischen Wohlstands innerhalb europäischer Nationen möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse kombiniert mit einer empirischen Sekundärdatenanalyse, bei der vorhandene statistische Daten internationaler Organisationen für ein Indikatorenbündel ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auswahl von Indikatoren, deren empirische Erhebung für sechs Vergleichsländer sowie eine anschließende Diskussion dieser Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen ökologischer Wohlstand, BIP-Kritik, Nachhaltigkeit, Indikatorenbündel, Lebensqualität und diverse Umweltindikatoren wie Treibhausgasemissionen und Ressourcenproduktivität.
Warum wurden gerade diese sechs Länder für den Vergleich gewählt?
Die Auswahl erfolgte nach einem objektiven Kriterium auf Basis des BIP zu Marktpreisen, um die zwei leistungsstärksten, die zwei leistungsschwächsten und zwei mittlere Länder der EU zu erhalten und somit eine breite Sichtweise sicherzustellen.
Was bedeutet "Ökologischer Wohlstand" in dieser Studie?
Der Autor definiert diesen als Erreichung bestimmter Grenzwerte oder Durchschnitte bei den ausgewählten Indikatoren (Abfälle, Emissionen, Erneuerbare Energien etc.), um Lebensqualität im Sinne guter Lebensbedingungen mit positivem subjektiven Wohlbefinden zu beschreiben.
- Quote paper
- Aref Jazmati (Author), 2013, Ökologischen Wohlstand messen. Auswahl, Erhebung, und internationaler Vergleich eines Indikatorenbündels, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368153