Wie manifestiert sich das Böse in Patrick Süskinds Roman "Das Parfum" anhand der Figure Jean-Baptiste Grenouille?


Hausarbeit, 2015
17 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung und Fragestellung

2. Definition „Das Böse“

3. Das Parfum und das Böse

4. Manifestation des Bösen anhand von Jean-Baptiste Grenouille
4.1. Philosophische Aspekte
4.2. Theologische Aspekte

5. Schluss

Bibliographie

1. Einführung und Fragestellung

„MEPHISTOPHELES. Ich bin der Geist, der stets verneint!

Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,

Ist wert, dass es zugrunde geht;

Drum besser wär’s, dass nichts entstünde.

So ist denn alles, was ihr Sünde,

Zerstörung, kurz das Böse nennt,

Mein eigentliches Element.“[1]

Das wahrhaft Böse ist vieles, wenn sogar der Teufel selbst sich dessen Namen bedient. Hass, Zerstörung, Sünde, Vernichtung - kurz, das Böse, in Gestalt des Teufels, Mephistopheles, Beelzebub oder Satan. Aber so viele verschiedene Namen das Böse auch trägt, so vereint es in sich vor allem eines: Es ist das Gegenteil, die Negation sogar, des Guten. In Faust I, nennt Mephistopheles das Böse als sein eigentliches Element, das Element des Teufels, und fasst dessen Bedeutung mit den Worten Sünde und Zerstörung zusammen. Und so, wie sich das Böse in Goethes Werk im Teufel selbst zeigt, so manifestiert es sich auch in vielen anderen berühmten literarischen Werken. Unter anderem scheint es sein Gesicht auch in Patrick Süskinds Erfolgsroman Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders zu zeigen. Ein Mörder, geboren am wohl abscheulichsten Ort der Welt, dem Hafen von Paris, totgeglaubt zuerst und von allen stets verstossen, entwickelt er sich zu einem Monster, getrieben von seiner überaus feinen Nase, um zu erreichen, was sein Herz begehrt; Das beste Parfum der ganzen Welt erschaffen. Dass die Hauptfigur dafür wortwörtlich über Leichen geht und seinen Mitmenschen nur Unglück hinterlässt, zeichnet ihn als Teufel aus. Das Böse tritt in diesem Roman in

Form einer, von seinem Geruchsorgan getriebenen, Gestalt in Erscheinung, dessen Übel so facettenreich ist, wie die Welt der Gerüche selbst. Der Protagonist Jean-Baptiste Grenouille, dessen Gratwanderung zwischen Mensch, Animal und Teufel beschrieben wird, steht im Mittelpunkt der Analyse, wie sich das Böse anhand einer Figur manifestieren kann. Von der Geruchswelt zu Unmoralität, gar Satanischem getrieben, scheint er das Böse, wie es allgemein bekannt ist, zu personifizieren. Ziel dieser Arbeit ist, die vielseitige Erscheinung des Bösen anhand der Figur Jean-Baptiste Grenouille zu erläutern.

2. Definition „Das Böse“

Nach der Definition eines Lexikons ist das Böse:

„Kategorie der Philosophie und der Theologie, die im weitesten Sinne alles Negative wie Leid, Krankheit, Tod, Verderben, Schuld, Krieg, Gottferne usw. umfasst, besonders aber die moralisch verwerfliche Gesinnung und Handlung. Das Böse steht im Gegensatz zum Guten und ist ein universelles, zerstörerisches und Unheil bringendes Prinzip.“[2]

Das Böse lässt sich in dieser Definition zu allem Negativen zusammenfassen, egal, ob dies körperliches Übel wie Krankheit und Tod, religiöses Übel wie Gottesferne oder moralisches Übel wie Schuld und Verderben ist. Folglich ist das Böse das Gegenteil des Guten. Anhand dieser Definition des Online Lexikons scheint es vor allem in der theologischen und der philosophischen Sichtweise umfasst zu sein. Viele verschiedene Philosophen haben bereits Abhandlungen zur Definition des Bösen verfasst und es auf moralischer Ebene zu erklären versucht. Immanuel Kants Lehren werden von Christian Schäfer folgendermassen zusammengefasst:

„Der Mensch ist moralisch gesehen das und nur das, was er willentlich aus sich macht, und das, was er aus sich macht - im Sinne von gut oder böse -, entspricht gänzlich seiner grundsätzlichen Denkungsart, dem also, was er moralisch ist.

Kants radikal Böses sei ein „natürlicher Hang des Menschen zum Bösen“[3] [4], welcher anhand dreier Stufen erklärt wird. Die erste Stufe sei die „Gebrechlichkeit der menschlichen Natur“[5], die zweite Stufe wird definiert als „Hang zur Vermischung unmoralischer Triebfedern mit den moralischen“[6] und die letzte Stufe als „Hang zur Annehmung böser Maximen, d.i. die Bösartigkeit der menschlichen Natur“. Das Böse ist in jedem Menschen von Anfang an verankert, also radikal, weil der Mensch gebrechlich ist und sich von unmoralischen Trieben verleiten lässt. Es geht um die Möglichkeit, gut oder böse sein zu können und sein zu wollen. Denn auch wenn diese Neigung zum Bösen jedem Menschen angeboren sei, hat der Mensch doch die Möglichkeit, danach handeln zu wollen oder eben nicht. Selbst wenn also in dieser Lehre das Böse bereits von Natur aus dem Menschen zugeschrieben wird, so hat er stets die Freiheit sich dagegen zu entscheiden und dem Übel entgegen handeln zu wollen und zu können. Eine weitere philosophische Theorie, entgegen dem radikalen Bösen, beschreibt Hannah Arendt. Sie bezeichnet das Böse als banal:

„Ich bin in der Tat heute der Meinung, dass das Böse immer nur extrem ist, aber niemals radikal, es hat keine Tiefe, auch keine Dämonie. [...] Es widersetzt sich dem Denken, wie ich gesagt habe, denn das Denken versucht in die Tiefe, zu den Wurzeln zu gehen, und in dem Augenblick, in dem es sich mit dem Bösen befasst, wird es vereitelt, denn da ist nichts zu finden. Das ist seine Banalität.“[7]

Hannah Arendt erklärt in diesem Abschnitt die Banalität des Bösen als Abwesenheit der geistigen Fähigkeiten eines Menschen und nicht dessen Moral oder Verstand. Moralisches Betragen verstehe sich nicht von selbst, das Wissen über Recht und Unrecht jedoch schon.[8] Arendts Ansicht über die Banalität formt sich aus der Unzulänglichkeit menschlichen Wissens. Anhand beider Lehren von Kant und Arendt belaufen sich die philosophischen Aspekte auf Recht und Unrecht, verankert im Menschen und begründet durch menschliches Unwissen.

Die verschiedenen Ansichten des Bösen in der Theologie haben den Beginn im Monismus, der „Lehre, die jede Erscheinung auf ein einheitliches Prinzip zurückführt“[9]. Diese Erscheinung des Bösen lässt sich auf die Unzulänglichkeit und Begrenztheit des menschlichen Wissens und somit auf die Fehler der Menschen zurückführen. In der dualistischen Ordnung jedoch kann das Böse als die radikale Abwesenheit oder Verneinung des moralisch Guten bezeichnet werden.[10] Die reinste Inkarnation des Bösen aus theologischer Sicht ist der Teufel, auch als Beelzebub oder Satan bekannt. Ein religiöses Geschöpf, das alles Negative in sich vereint und die Negation des Guten, von Gott, ist. Er ist Erschaffer der Krankheiten und der bösen Tiere und verkörperte die Schlange im Sündenfall.[11] Somit ist der Teufel Ursprung der Bosheit im Menschen. Der Teufel, oftmals animalisch mit Hörnern und gespaltenen Hufen dargestellt, bringt Sünde, Not und Unheil in die Welt, angefangen beim Sündenfall, dem Ursprung des Niedergangs der menschlichen Rasse. Aus der theologischen Sicht manifestiert sich das Böse einerseits anhand des Teufels und dem damit verbundenen Animalischen, andererseits anhand der Fehlerhaftigkeit der Menschheit. Diese Fehlerhaftigkeit lässt sich philosophisch auf die angeborene Böshaftigkeit des menschlichen Wesens zurückführen, dessen moralische Werte und Vorstellungen gegen unmoralische ankämpfen.

3. Das Parfum und das Böse

Patrick Süskinds Erfolgsroman Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders entführt den Leser in das Frankreich des 18. Jahrhunderts, einen Protagonisten begleitend, dessen Ambiguität zwischen Scheusal und Genie nicht grösser sein könnte. Dieser Protagonist ist Jean-Baptiste Grenouille, geboren am „allerstinkendsten Ort des Königreichs“[12], dem Cimetière des Pickerodt-Uthleb, Erdmute J.; Pickerodt, Gerhart: Faust I - Klassische Schullektüre. Berlin: Cornelsen Verlag, 22009. S. 57f.

[...]


[1] Goethe, Johann Wolfgang von; Mittelberg, Ekkehard (Hrsg.);

[2] „Böse“: Lexikon. http://www.wissen.de/lexikon/boese (eingesehen am: 27.07.2015).

[3] Schäfer, Christian (Hrsg.): Was ist das Böse? - Philosophische Texte von der Antike bis zur Gegenwart. Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH &Co. KG, 2014. S. 197.

[4] Ebd. S. 204.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Young-Bruehl, Elisabeth (Hrsg.); Holl, Hans Günther: Hannah Arendt - Leben, Werk und Zeit. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 42004. S. 50.

[8] Arendt, Hannah; Kohn, Jerome (Hrsg.), Augstein, Franziska, Ludz, Ursula: Über das Böse - Eine Vorlesung zu Fragen der Ethik. München: Piper Verlag, 2006. S. 27.

[9] „Monismus“: Dudenredaktion: Duden - Die deutsche Rechtschreibung. Band 1. Berlin: Dudenverlag, 262013.

[10] Bohrer, Karl Heinz: Imagination des Bösen - Zur Begründung einer ästhetischen Kategorie. München: Carl Hanser Verlag, 2004. S. 7.

[11] Hoffman-Krayer, E. (Hrsg.); Bächtold-Stäubli, Hanns: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Band 8. Berlin: Walter De Gruyter & Co, 1937. S. 741.

[12] Süskind, Patrick: Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders. Zürich: Diogenes Verlag AG, 1994. S. 7.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Wie manifestiert sich das Böse in Patrick Süskinds Roman "Das Parfum" anhand der Figure Jean-Baptiste Grenouille?
Hochschule
Universität Bern
Note
2.0
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V368598
ISBN (eBook)
9783668478558
ISBN (Buch)
9783668478565
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
böse, patrick, süskinds, roman, parfum, figure, jean-baptiste, grenouille
Arbeit zitieren
Sarah Kunz (Autor), 2015, Wie manifestiert sich das Böse in Patrick Süskinds Roman "Das Parfum" anhand der Figure Jean-Baptiste Grenouille?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368598

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Wie manifestiert sich das Böse in Patrick Süskinds Roman "Das Parfum" anhand der Figure Jean-Baptiste Grenouille?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden