Diese Hausarbeit setzt sich mit Judith Butlers Theorien aus erziehungswissenschaftlicher Sicht auseinander und zielt darauf ab, sie auf Handlungsspielräume für die Praxis zu untersuchen. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, welches veränderte Subjektverständnis mit Butlers Theorien einhergeht und wie sich dieses auf erziehungswissenschaftliche Fragestellungen auswirkt.
Zu Beginn wird der feministische Diskurs des 20. Jahrhunderts, mit besonderer Berücksichtigung der Frage nach der Analyse der Geschlechterkonstruktion, betrachtet, um Butlers Wirken theoretisch einordnen zu können und um einen theoretischen Bezugsrahmen zu ihren Überlegungen zu bieten, welche im darauf folgenden Kapitel näher beleuchtet werden. Hierfür wird nicht chronologisch vorgegangen, sondern thematisch-problemzentriert die verschiedenen Strömungen des feministischen Diskurses aufgegriffen, welche relevant in Bezug auf die Fragestellung dieser Hausarbeit sind.
Der folgende Abschnitt widmet sich Butlers Subjektverständnis, indem zunächst zentrale Begriffe und Gedanken erläutert werden und anschließend das Verhältnis sowie die Relevanz von Geschlecht und Subjektivierung(spraktiken) in ihren Theorien untersucht werden. Abschließend wird analysiert, in welchem Rahmen Subjekte laut Butler handlungsmächtig beziehungsweise -ohnmächtig sind. Im dritten Kapitel werden die Ergebnisse in einen erziehungswissenschaftlichen Bezugsrahmen gesetzt und auf ihren Nutzen für die pädagogische Praxis untersucht. Im letzten Abschnitt werden konkrete Handlungsanweisungen für Pädagog*innen ausgearbeitet, welche sich aus den vorangegangenen Ausführungen ergeben. Zuletzt folgt ein Fazit, welches die Ergebnisse zusammenfasst und überblickartig darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Judith Butler
2.1. Die Kategorie Geschlecht im Diskurs
2.1.1. Überblick über relevante Richtungen der feministischen Debatte
2.1.1. Pluralisierung von Gender
2.1.2. Entnaturalisierung von Sex
2.2. Butlers Subjektverständnis
2.2.1. Diskursive Subjektkonstitution
2.2.2. Geschlecht und Subjekt
2.2.3. Handlungsmacht des Subjektes
2.3. Zwischenfazit
3. Folgerungen für die pädagogische Praxis
3.1. Pädagogische Praxis als Bezugsrahmen
3.2. Geschlecht und Subjekt in der Erziehungswissenschaft
3.3. Handlungsanforderungen an Pädagog*innen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht Judith Butlers Subjektverständnis vor dem Hintergrund poststrukturalistischer Theorien, um zu ergründen, welche Handlungsspielräume sich für die pädagogische Praxis ergeben, wenn Identität und Geschlecht nicht als naturgegeben, sondern als diskursive Konstruktionen begriffen werden.
- Analyse des Subjektbegriffs im Kontext poststrukturalistischer Ansätze
- Diskursive Konstruktion von Geschlecht (Sex und Gender) bei Judith Butler
- Kritische Reflexion der Rolle von Pädagog*innen in der Reproduktion von Geschlechternormen
- Entwicklung von Handlungsanforderungen für eine kritisch-feministische Pädagogik
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Diskursive Subjektkonstitution
Butler führt in ihren Überlegungen aus, wie Subjekte als Folgeerscheinungen von Diskursen hervorgebracht werden und welche Rolle sie, in ebendieser diskursiven Hervorbringung, einnehmen. Um dies zu erläutern, werden zunächst Butlers Diskursbegriff sowie ihr Verständnis von Subjekten erläutert. Butler verwendet Diskurs, angelehnt an Foucault als Instanz, die Sprechweisen sowie Definitionen und Begriffe bereithält, welche konstitutiv für die jeweilige Zeit sind. Diskurse beziehen sich auf Objekte (z.B. Wissenschaft, Körper oder Sexualität) und stellen die Möglichkeit zur Verfügung mit bestimmten Begriffen über ebendiese Objekte zu sprechen. Infolgedessen haben sie eine wirklichkeitserzeugende Wirkung und stellen Orte dar, an welchen die soziale Wirklichkeit erzeugt wird (vgl. Villa 2012, S. 174). Hier wird deutlich, dass Diskurse in Butlers Verständnis nicht nur deskriptiv über bestimmte Sachlagen berichten, sondern dass ihnen eine gewisse Produktivität innewohnen, welche soziale Tatsachen hervorbringen und Wahrheiten konstruieren. In dieser Produktivität liegt, laut Butler, die Macht des Diskurses: Diesen Vorgang der produktiven Erzeugung von sozialer Wirklichkeit erläutert sie mithilfe des Performativitätsbegriff, mit welchem sie deutlich macht, dass performative Sprechakte erst die Materialisierung diskursiver Inhalte erzeugen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz poststrukturalistischer Theorien für die Erziehungswissenschaft ein und umreißt die Fragestellung zur Handlungsfähigkeit des Subjekts in der pädagogischen Praxis.
2. Judith Butler: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung zu Butlers Subjektverständnis, indem es die diskursive Konstruktion von Geschlecht und die Mechanismen der Subjektwerdung beleuchtet.
3. Folgerungen für die pädagogische Praxis: Hier werden die theoretischen Überlegungen auf den pädagogischen Alltag übertragen und Strategien für eine kritische Pädagogik diskutiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, festgefahrene Geschlechternormen in der Erziehungspraxis aktiv zu dekonstruieren.
Schlüsselwörter
Judith Butler, Subjektverständnis, Poststrukturalismus, Gender, Sex, Diskurs, Performativität, Erziehungswissenschaft, Pädagogische Praxis, Heteronormativität, Subjektivation, Geschlechterkonstruktion, Handlungsmacht, Identitätsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Relevanz der Theorien von Judith Butler für die erziehungswissenschaftliche Praxis und hinterfragt, wie das Subjektverständnis pädagogisches Handeln beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Zentrale Themen sind die soziale Konstruktion von Geschlecht, die Rolle von Diskursen bei der Subjektbildung sowie die kritische Reflexion von Machtverhältnissen im pädagogischen Raum.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet, welche Handlungsspielräume sich für Pädagog*innen aus Butlers Theorien bezüglich Subjekt und Geschlecht ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen diskursanalytischen Zugang und setzt sich theoretisch-problemzentriert mit poststrukturalistischen Konzepten auseinander.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung Butlers und eine Übertragung dieser Thesen auf die pädagogische Praxis, inklusive Anforderungen an professionelles pädagogisches Handeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Subjektivation, Performativität, Heteronormativität und kritisch-feministische Pädagogik.
Inwiefern beeinflusst die "heterosexuelle Matrix" die pädagogische Praxis?
Sie wirkt durch unhinterfragte Identitätszuschreibungen und binäre Ordnungen, die den Raum für vielfältige Lebensentwürfe innerhalb pädagogischer Institutionen einschränken können.
Wie definiert Butler die Handlungsmacht des Subjekts?
Handlungsmacht entsteht laut Butler nicht außerhalb von Macht, sondern gerade durch die ständige Wiederholung und mögliche Verschiebung diskursiver Normen innerhalb des Spannungsfeldes von Unterwerfung und Widerstand.
- Quote paper
- Michelle Dailey (Author), 2017, Judith Butlers Subjektverständnis. Welche Handlungsspielräume ergeben sich aus Butlers Theorien bezüglich Subjekt und Geschlecht für die pädagogische Praxis?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369118