Täglich haben Menschen bahnbrechende und weltverändernde Ideen. Doch längst nicht alle schaffen es auf den Markt. Denn für die Umsetzung einer Idee braucht es vor allem eines: Geld. Wer davon nicht genug hat, muss es sich leihen. Heutzutage, in einer Welt des Internets und der Vernetzung, werden jedoch zunehmend auch im Finanzsektor Wege ermöglicht, die die monopolhaltenden Banken bei der Kreditvergabe umgehen.
Der Schuhhersteller Heinrich Staudinger aus Österreich hat sich beispielsweise vor einigen Jahren, nach abgelehnten Kreditanträgen bei seiner Bank, dem Internet zugewandt und sich dort über 3 Mio. Euro via "Crowdlending" von Privatpersonen geliehen. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) in Österreich schritt jedoch ein und deklarierte das Kreditgeschäft ab einem Volumen von 100.000 Euro, gemäß den Basel II und Basel III Vorschriften, als Hoheitsgebiet der Banken. Auch wenn in diesem speziellen Fall das Aufsichtsrecht den Rahmen für private Darlehen stark begrenzt, werden Internet-Plattformen zur Finanzierung von Start-ups und sonstigen Projekten immer häufiger genutzt. Kein Wunder also, dass sich auch namhafte Kreditinstitute wie die Deutsche Bank in ihrer hauseigenen Research-Abteilung dem Thema widmen, um den Anschluss an diese Finanzierungsformen – wenn diese sich langfristig als konkurrenzfähig erweisen – nicht zu verpassen.
In dieser Arbeit wird das Konkurrenzpotential durch die Crowdfinanzierungen für Banken, ebenso wie die Möglichkeiten zur etwaigen Partizipation an diesem Geschäftsmodell, dargestellt und kritisch betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Motivation
1.2 Themenabgrenzung und Problemstellung
1.3 Zielsetzung der Arbeit
1.4 Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit
2 Crowdinvesting als Bestandteil der Schwarmfinanzierungen
2.1 Begriffliche Abgrenzung
2.1.1 Crowdsponsoring
2.1.2 Crowdlending
2.1.3 Crowdinvesting
2.2 Beteiligungsformen in Deutschland
2.3 Beteiligungsformen in Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika
2.4 Rechtliche Einordnung
2.4.1 Regulierung in Deutschland
2.4.1.1 Schutz der Crowd-Anleger
2.4.1.2 Anforderungen an Plattformbetreiber
2.4.1.3 Rechtliche Bestimmungen für Emittenten
2.4.2 Regulierung in den USA und in Großbritannien
3 Marktanalyse
3.1 Marktüberblick in Deutschland
3.1.1 Plattformen für Immobilienfinanzierungen
3.1.2 Plattformen für Unternehmensfinanzierungen
3.1.2.1 Life-Time-Beteiligung
3.1.2.2 Venture-Debt
3.1.3 Plattformen für Energie- und Filmfinanzierungen
3.2 Anforderungen an die Unternehmen
3.3 Kosten
3.4 Marktüberblick in Großbritannien
3.5 Marktüberblick in den Vereinigten Staaten von Amerika
3.6 Aktuelle Entwicklungen
4 Bedeutung für die Sparkasse Lörrach-Rheinfelden
4.1 Bewertung der Konkurrenzsituation
4.2 Herausforderungen einer Umsetzung
4.2.1 Bereitstellung der Plattform
4.2.2 Außenwirkung
4.2.3 Auswirkungen auf das Kreditgeschäft
5 Fazit
5.1 Zusammenfassung
5.1.1 Gesetzliche Rahmenbedingungen
5.1.2 Derzeitige Marktsituation
5.1.3 Projektion auf die Sparkasse Lörrach-Rheinfelden
5.2 Ausblick
5.2.1 Crowdfunding
5.2.2 Crowdinvesting
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Konkurrenzpotenzial von Crowdinvesting für die Sparkasse Lörrach-Rheinfelden und evaluiert die Möglichkeiten einer strategischen Partizipation oder der eigenen Etablierung einer entsprechenden Plattform unter Berücksichtigung regulatorischer Rahmenbedingungen.
- Analyse der regulatorischen Rahmenbedingungen für Crowdinvesting in Deutschland, Großbritannien und den USA.
- Untersuchung der aktuellen Marktsituation und relevanter Plattformanbieter.
- Kritische Prüfung der Anforderungen an die Sparkasse Lörrach-Rheinfelden bei einer potenziellen Umsetzung.
- Darstellung von Chancen und Risiken bezüglich Reputation und Kreditgeschäft.
Auszug aus dem Buch
2.4 Rechtliche Einordnung
Die Regulierung von Schwarmfinanzierungen befindet sich in Deutschland in einer Entwicklungsphase. Über die Rechte und Pflichten der Plattformbetreiber, der Investoren aus der Crowd sowie der Unternehmen, die sich über Crowdinvesting refinanzieren, wurde in den letzten Jahren stark diskutiert und entsprechende Bestimmungen in Gesetzen verankert. Dabei wurden die eben dargestellten Beteiligungsformen im Anlegerschutz und im Aufsichtsrecht teilweise stark voneinander abgegrenzt und mit deutlichen Diskrepanzen in der rechtlichen Behandlung versehen.
In anderen Ländern – insbesondere in Großbritannien und den USA – gelten für Crowdfinanzierungen wiederum andere Gesetze und Aufsichtspflichten. In diesem Abschnitt sollen diese Rahmenbedingungen, die für die aktuelle Marktsituation und die Zukunftsaussichten von entscheidender Bedeutung sein können, näher betrachtet und erläutert werden.
Neben den Regulierungsvorschriften der Plattformen gilt es ebenso zu klären, welche Rechte und Pflichten sich jeweils für die drei beteiligten Parteien (Unternehmen, Plattform und Investoren) ergeben. In einem weiteren Schritt können daraus wiederum das Potenzial und die Konkurrenzsituation aus Sicht der klassischen Kreditinstitute abgeleitet und interpretiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Motivation und thematische Einordnung des Crowdinvestings als Finanzierungsalternative in Deutschland und international.
2 Crowdinvesting als Bestandteil der Schwarmfinanzierungen: Begriffliche Definitionen der Schwarmfinanzierung sowie eine detaillierte Analyse der regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland, Großbritannien und den USA.
3 Marktanalyse: Untersuchung des deutschen Marktes, unterteilt in Immobilien-, Unternehmens-, Energie- und Filmfinanzierungen sowie Vergleich internationaler Märkte.
4 Bedeutung für die Sparkasse Lörrach-Rheinfelden: Kritische Bewertung der Konkurrenzsituation und Herausforderungen für das Institut bei der Implementierung eigener Lösungen.
5 Fazit: Zusammenfassung der rechtlichen und marktspezifischen Erkenntnisse sowie Ausblick auf die zukünftige Entwicklung und Handlungsoptionen der Sparkasse.
Schlüsselwörter
Crowdinvesting, Schwarmfinanzierung, Sparkasse, Unternehmensfinanzierung, Finanzmarktaufsicht, BaFin, VermAnlG, Crowdsponsoring, Crowdlending, Mezzanine-Kapital, Nachrangdarlehen, Anlegerschutz, FinTech, Digitalisierung, Risikomanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Crowdinvesting als alternative Finanzierungsform und dessen Relevanz für klassische Banken, insbesondere für die Sparkasse Lörrach-Rheinfelden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der rechtlichen Regulierung, der Marktanalyse und den strategischen Handlungsoptionen für Kreditinstitute im Hinblick auf dieses neue Geschäftsmodell.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erarbeitung von Zukunftsaussichten für das Crowdinvesting sowie die Klärung, ob und wie die Sparkasse Lörrach-Rheinfelden von dieser Entwicklung profitieren oder darauf reagieren sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine deskriptive und analytische Literaturrecherche, kombiniert mit der Untersuchung regulatorischer Texte und Marktdaten, um eine kritische Bewertung der Marktsituation vorzunehmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die regulatorische Einordnung, eine tiefgehende Analyse der deutschen und internationalen Märkte sowie eine gezielte Projektion auf die spezifische Situation der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Crowdinvesting, VermAnlG, FinTech, Mezzanine-Kapital, Nachrangdarlehen und die aufsichtsrechtlichen Pflichten gegenüber Anlegern und Emittenten.
Wie unterscheidet sich Crowdinvesting von klassischem Crowdfunding?
Crowdinvesting beinhaltet eine finanzielle Beteiligung am Unternehmenserfolg, während klassisches Crowdfunding meist auf nicht-monetäre Gegenleistungen oder rein altruistische Spenden ausgerichtet ist.
Warum ist das Thema für eine Sparkasse relevant?
Da FinTechs das Kundenverhalten verändern und Crowdinvesting eine zusätzliche Quelle für Unternehmensfinanzierungen darstellt, muss die Bank ihre Positionierung und Konkurrenzfähigkeit in einem digitalisierten Marktumfeld hinterfragen.
Welche Rolle spielt die BaFin bei diesem Geschäftsmodell?
Die BaFin ist die Aufsichtsbehörde, die regulatorische Anforderungen vorgibt, wobei Crowdinvesting-Plattformen häufig in den Bereich des "Grauen Kapitalmarktes" fallen, sofern sie spezifische Ausnahmeregelungen nutzen.
Was sind die größten Risiken beim Crowdinvesting für Investoren?
Das größte Risiko ist der Totalverlust des eingesetzten Kapitals, da Beteiligungen im Insolvenzfall meist nachrangig gegenüber Fremdkapitalgläubigern behandelt werden.
- Arbeit zitieren
- Benjamin Koch (Autor:in), 2017, Crowdinvesting in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369449