Hedge Accounting umfasst die Bilanzierung zweier oder mehrerer Verträge (auch sog. Finanzinstrumente), die in einem Sicherungszusammenhang stehen. Daher sind die dahinterstehenden Gestaltungen auch im IFRS-Abschluss gesondert darzustellen.
Somit ist der Bereich Hedge Accounting ein derart umfangreiches Thema aus dem Bereich der Finanzinstrumente, dass dessen Darstellung nach IFRS 9 einer gesonderten Betrachtung bedarf. Dieses Werk geht daher zunächst auf einige der häufigsten Finanzprodukte ein, die zum Verständnis Erst- und Folgeansatz von Finanzinstrumenten nach IFRS dargestellt. Daraus werden die Ansatz- und Bewertungsvorschriften der verschiedenen Hedge-Arten dargelegt.
Der im Juli 2014 vom International Accounting Standards Board (IASB) publizierte neue Standard IFRS 9 «Financial Instruments», wird die bisherigen Regeln in IAS 39 «Financial Instruments: Recognition and Measurement» ersetzen und enthält auch Neuerungen im Bereich Hedge Accounting. Der neue Standard ist ab 1. Januar 2018 verpflichtend anzuwenden, darf jedoch ab sofort freiwillig (frühzeitig) umgesetzt werden. Beim IFRS 9 stellt die stufenweise Erarbeitung in der Entwicklung des Standards eine Besonderheit dar. Der 1999 lediglich als Zwischenlösung konzipierte IAS 39 wurde führte daher schon lange vor der letzten Finanzmarktkrise 2009 zu umfangreichen Überlegungen und Vorbereitungen zur Bearbeitung dieses Standards. Die durch die Finanzkrise 1999 ausgelöste erhöhte Dringlichkeit führte zu einer Überarbeitung in mehreren Phasen anstatt einer en bloc-Fassung, um so frühzeitig anwendbare Regeln einsetzen zu können. Auch zukünftig lässt sich Hedge Accounting nicht ganz ohne Aufwand betreiben. Da alle Ansprechgruppen einer Jahresrechnung daran interessiert, dass die Finanzberichterstattung die ökonomische Leistung eines Unternehmens bestmöglich abbilden, ist es wünschenswert, dass Unternehmen ihre Absicherungsgeschäfte nach denselben buchhalterischen Prinzipien verbuchen wie die abgesicherten Grundgeschäfte (Hedge Accounting).
Viele Unternehmungen werden eine Vielzahl ihrer vormals existierenden Sicherungsbeziehungen bei Umstellung von IAS 30 auf IFRS 9 unverändert weiterführen können. In IAS 39 wurden einige Regeln jedoch als willkürlich und praxisuntauglich kritisiert, sodass entsprechend der Zielsetzung des IASB der neue Standard künftig mehr ökonomische Sicherungsbeziehungen unter Anwendung des weiterhin optionalen Hedge Accounting in der Buchführung reflektiert werden können.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
I.1 Phase 1: Klassifizierung und Bewertung (Classification and Measurement)
I.2 Phase 2: Ausserplanmässige Abschreibung (Amortised Cost and Impairment)
I.3 Phase 3: Sicherungsbeziehungen (Hedge Accounting)
II. Hedge Accounting (Phase 3) - Allgemeines
II.1 Ziele des Standards im Überblick
II.2 Die wichtigsten Änderungen im Überblick:
II.2.1 Beurteilung der Wirksamkeit der Sicherungsbeziehungen
II.2.2 Risikokomponenten
II.2.3 Kosten der Absicherung
II.2.4 Gruppen von Posten
II.2.5 Angabepflichten
III. Ausgewählte Begriffe zu Finanzinstrumenten, ausserhalb des IFRS-Standards
III.1 Grundlagen von Optionen
III.1.1 Long und Short
III.1.2 Call und Put
III.1.2.1 Allgemeines
III.1.2.2 Call-Option
III.1.2.2.1 Long Call
III.1.2.2.2 Short Call
III.1.2.3 Put-Option
III.1.2.3.1 Allgemeines
III.1.2.3.2 Long Put-Option
III.1.2.3.3 Short Put-Option
III.1.2.4 Zusammenfassung
III.1.2.5 Amerikanischer und Europäischer Stil
III.1.2.6 Moneyness
III.2 Grundlagen von Swaps
III.2.1 Allgemeines
III.2.2 Rohstoff-Swap zur Absicherung von Marktpreisrisiken für Rohstoffproduzenten
III.3 Derivatives Finanzinstrument/ Derivat
III.4. Eingebettetes Derivat
III.4.1 Allgemein
III.4.2 Bewertung von Derivaten
IV. Definitionen aus IFRS
IV.1 Finanzinstrument nach IFRS
IV.2 Finanzielle Verbindlichkeit
IV.3 Fair Value Option
IV.4 Geschäftsmodell
IV.5 Kreditrisiko/ erwarteter Kreditverlust
IV.6 Effektivzinsmethode
V. Anwendungsbereich des IFRS 9
V.1 Allgemein
V.2 Negativabgrenzung
V.3 Wesentliche Inhalte des IFRS 9
V.3.1 Erstmalige Erfassung von Finanzinstrumenten
V.3.2 Folgebewertung von finanziellen Vermögenswerten
V.3.2.1 Folgebewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten
V.3.2.2 Folgebewertung erfolgsneutral über Rücklagen (OCI) zum beizulegenden Zeitwert (Fair Value)
V.3.2.3 Folgebewertung erfolgswirksam über GuV zum beizulegenden Zeitwert (Fair Value)
V.3.2.3.1 Inhalt
V.3.2.3.2 Bewertung:
V.3.2.3.3 Folgebewertung finanzieller Verbindlichkeiten:
V.3.2.3.4 Abbildung des unternehmenseigenen Kreditrisikos:
V.3.2.3.5 Wertminderung durch Kreditrisiken
V.2.2.3.5.1 Grundgedanke der Risikokonzeption
V.3.2.3.5.2 Umgliederungsmöglichkeiten von Finanzinstrumenten (Reklassifizierung)
VI. Abbildung von Absicherungsbeziehungen (Hedge Accounting)
VI.1 Allgemeines
VI.2 Die drei Arten von Absicherungsbeziehungen
VI.2.1 Absicherung des beizulegenden Zeitwerts (Fair Value Hedge)
VI.2.2 Absicherung von Zahlungsströmen (Cash Flow Hedge)
VI.2.3 Absicherung der Nettoinvestition in einen ausländischen Geschäftsbetrieb (Hedge of a net investment in a foreign operation)
VII. Neuerungen im Hedge Accounting durch IFRS 9
VII.1 Allgemeines
VII.2 Risikomanagement
VII.3 Grundgeschäfte
VII.3.1 Allgemeine Vorschriften
VII.3.2 Aggregierte Risikopositionen
VII.3.3 Risikokomponenten
VII.3.3.1 Allgemeines
VII.3.3.2 Vertraglich festgelegte Risikokomponenten
VII.3.3.3 Nicht vertraglich festgelegte Risikokomponenten
VII.3.4 Komponenten von Nominalbeträgen
VII.3.4.1 Definition
VII.3.4.2 Vorschriften für die Bilanzierung von Sicherungsinstrumenten in IAS 39
VII.3.4.3 Vorschriften für die Bilanzierung von Sicherungsinstrumenten in IFRS 9
VII.3.5 Gruppen von Posten (sog. Portfolios)
VII.3.5.1 Allgemeine Vorschriften
VII.3.5.2 Absicherung von Komponenten einer Gruppe
VII.3.5.3 Cash Flow Hedge einer Nettoposition
VII.3.5.4 Null-Nettoposition
VII.3.5.5 Bilanzielle Abbildung von Makro Hedges
VII.3.5.6 Anwendung der Sicherungsbilanzierung auf Makro-Hedging Strategien nach IFRS 9
VII.3.5.7 Kreditrisiken
VII.4 Sicherungsinstrumente
VII.4.1 Qualifizierende Kriterien
VII.4.1.1 Designation
VII.4.1.2 Ökonomischer Zusammenhang
VII.4.2 Auswirkungen des Kreditrisikos
VII.4.2.1 Kreditrisiko aus dem Sicherungsinstrument
VII.4.2.2 Kreditrisiko aus dem Grundgeschäft
VII.4.3 Festlegung des Absicherungsverhältnisses (Hedge Ratio) des Kreditrisikos
VII.5 Effektivitätstest
VII.5.1 Messung der Effektivität
VII.5.2 Beurteilung der Effektivität
VII.5.3 Adjustierung der Sicherungsbeziehung (Rebalancing)
VII.5.3.1 Definition
VII.5.3.2 Pflicht zur Adjustierung
VII.5.3.3 Durchführung des Rebalancing
VII.6 Rekalibrierung von Sicherungsbeziehungen
VII.7 Beendigung von Sicherungsbeziehungen
VII.8 Messung der Ineffektivität
VII.8.1 Auswirkung des Zeitwerts des Geldes
VII.8.2 Hypothetische Derivate zur Messung der Ineffektivität
VII.9 Weitere Neuerungen von IFRS 9
VII.9.1 Zeitwert von Optionen
VII.9.2 Terminbasis von Termingeschäften
VII.9.3 Anpassung in der IT-Landschaft
VII.9.4 Änderungen und Handlungsbedarf aus der Umstellungsphase 3
VII.10 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit erläutert die wesentlichen Neuerungen und Regelungen des Hedge Accountings im Rahmen des Standards IFRS 9. Das primäre Ziel ist es, dem Leser ein tiefgreifendes Verständnis für die stufenweise Implementierung sowie die bilanziellen Auswirkungen von Sicherungsbeziehungen zu vermitteln und dabei insbesondere die Flexibilisierungen im Vergleich zum Vorgängerstandard IAS 39 aufzuzeigen.
- Grundlagen des Hedge Accounting unter IFRS 9
- Klassifizierung und Bewertung von Finanzinstrumenten
- Methoden zur Beurteilung der Effektivität von Sicherungsbeziehungen
- Umgang mit Risikokomponenten und Nettopositionen
- Herausforderungen bei der Umstellung der IT-Landschaft
Auszug aus dem Buch
III.1.1 Long und Short
Beim Aktien-, Options- und Futureshandel trifft man auf die Begriffe Long und Short. Bei einer Long-Position spekuliert der Anleger auf eine Steigerung des Preises, wohingegen er bei einer Short-Position auf fallende Kurse des jeweiligen Produktes setzt. Letzteres geschieht, wenn der Anleger bspw. Aktien verkauft, die sich nicht in seinem Besitz befinden (Shorten von Aktien), mit dem Ziel, diese Aktien später zu einem geringeren Preis zurückzukaufen.
In Verbindung mit Optionen kommt bei den Begriffen Long und Short eine weitere Dimension hinzu. Hat ein Anleger eine Long Call Option in seinem Portfolio, so hat er diese Call-Option gekauft. Gleiches gilt für Long-Put-Optionen. Allerdings wird bei der Long-Put-Option indirekt darauf spekuliert, das die zugrundeliegenden Werte fallen.
Für Short Call- und Short Put-Optionen gilt genau das Gegenteil. Hat ein Anleger eine Short Call-Option in seinem Portfolio, dann wurde diese Option geschrieben. Das bedeutet, dass diese Titel gekauft wurden, ohne dass man ihn besessen hat. Mit diesen wird indirekt auf eine Preissteigerung des zugrundeliegenden Wertes spekuliert.
«Long» (Käufer) und «Short» (Verkäufer) bezieht sich nicht auf den Warenverkehr, sondern auf Kauf/Verkauf von Optionen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die IFRS-Regelungen für Finanzinstrumente ein und beleuchtet die stufenweise Entwicklung von IFRS 9 als Nachfolger von IAS 39.
II. Hedge Accounting (Phase 3) - Allgemeines: Das Kapitel gibt einen Überblick über die Zielsetzungen und die wichtigsten Änderungen, wie die neue propektive Effektivitätsprüfung im Rahmen des Hedge Accountings.
III. Ausgewählte Begriffe zu Finanzinstrumenten, ausserhalb des IFRS-Standards: Hier werden grundlegende Finanzbegriffe wie Optionen, Swaps und Derivate definiert, die für das Verständnis der Bilanzierung unter IFRS unerlässlich sind.
IV. Definitionen aus IFRS: Dieses Kapitel liefert die formale Definition von Finanzinstrumenten, finanziellen Verbindlichkeiten sowie Geschäftsmodellen innerhalb der IFRS-Systematik.
V. Anwendungsbereich des IFRS 9: Die Erläuterung konzentriert sich auf den Anwendungsbereich, die Negativabgrenzung sowie die wesentlichen Prinzipien der erstmaligen Erfassung und Folgebewertung.
VI. Abbildung von Absicherungsbeziehungen (Hedge Accounting): Das Kapitel behandelt die drei Arten von Sicherungsbeziehungen und deren bilanzielle Abbildung, inklusive praktischer Anwendungsbeispiele.
VII. Neuerungen im Hedge Accounting durch IFRS 9: Dies ist der Hauptteil, der detailliert auf die Neuerungen bei Grundgeschäften, Sicherungsinstrumenten, dem Effektivitätstest und dem Rebalancing eingeht.
Schlüsselwörter
IFRS 9, Hedge Accounting, Finanzinstrumente, Sicherungsbeziehung, Fair Value Hedge, Cash Flow Hedge, Derivate, Kreditrisiko, Effektivität, Risikomanagement, Risikokomponente, Rebalancing, Bewertung, Bilanzierung, Nettoposition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Publikation primär?
Die Arbeit befasst sich mit der bilanziellen Behandlung von Sicherungsbeziehungen (Hedge Accounting) unter dem Standard IFRS 9.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die Klassifizierung von Finanzinstrumenten, die Anforderungen an Grundgeschäfte und Sicherungsinstrumente sowie die Messung der Ineffektivität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Unterschiede und Neuerungen beim Übergang von IAS 39 zu IFRS 9 im Hedge Accounting detailliert aufzuzeigen und deren praktische Implikationen für Unternehmen zu erläutern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine systematische Auswertung und Analyse der IFRS-Standards sowie einschlägiger Fachliteratur und erläutert diese anhand zahlreicher Praxisbeispiele und Buchungssätze.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich intensiv den Neuerungen durch IFRS 9, insbesondere der flexibleren Designation von Risikokomponenten und der Einführung von Rebalancing-Methoden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
IFRS 9, Hedge Accounting, Finanzinstrumente, Fair Value, Cash Flow Hedge, Ineffektivität und Risikomanagement sind die prägenden Fachbegriffe.
Wie verändert sich die Effektivitätsmessung durch IFRS 9?
IFRS 9 ersetzt die starre, quantitative retrospektive Bandbreiten-Prüfung (80-125%) durch eine prinzipienbasierte, prospektive Beurteilung, die auch qualitative Elemente zulässt.
Was ist unter dem "Rebalancing" zu verstehen?
Rebalancing ermöglicht es Unternehmen, das Absicherungsverhältnis (Hedge Ratio) an veränderte Marktbedingungen anzupassen, ohne die gesamte Sicherungsbeziehung vorzeitig beenden zu müssen.
- Quote paper
- Marcus Lotz (Author), 2017, Hedge Accounting nach IFRS 9, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369456