In dieser Hausarbeit geht es um die sozialräumliche Segregation und verschiedenste Folge-Ursachen. Dabei wird genauer beleuchtet, ob Ghettoisierung in Deutschland eine Folge dieser Segregation ist oder ob dies ein eigenständiges Phänomen darstellt.
Endlich, die Zusage für den Studienplatz in Jena ist endlich angekommen. Jetzt steht dem Studium nur noch eine Sache im Weg: Ein Zimmer zum Wohnen. In verschiedenen Portalen wird im Internet gesucht und schnell wird klar, dass es eine Unmenge an Angeboten gib, aber die Preisspanne ziemlich groß ist. Schnell lesen sich Worte wie: “Lobeda ist zwar billig, aber ziemlich unbeliebt“ oder „das Damenviertel ist sehr teuer, aber beliebt bei Studenten“. Aber wie kann es sein, dass sich diese Viertel bilden und so einen unterschiedlichen Immobilienwert aufweisen? Das Stichwort lautet sozialräumliche Segregation. Beginnend mit einem kurzen Überblick über die Stadt und den Raum folgt eine Definition und die verschiedenen Formen der Segregation. Es schließt sich ein pro und contra der Segregation an. Die Hausarbeit beschäftigt sich danach mit Quartieren und dem Begriff des Ghettos. Schlussendlich soll die Frage beantwortet werden ob die Ghettoisierung eine Folge der sozialräumlichen Segregation ist oder nicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Die Stadt
3. Der Raum
4. Sozialräumliche Segregation
4.1 Definition
4.2 Formen
4.3 Pro und Contra Segregation
5. Quartiere – Entstehung von Armutsgebieten
6. Moderne Ghettos
6.1 Definition
6.2 Entstehung
6.3 Formen von Ghettoisierung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Ghettoisierung im städtischen Raum und prüft kritisch, ob diese als direkte Folge der sozialräumlichen Segregation betrachtet werden kann oder ob sie als eigenständiges Konzept zu verstehen ist.
- Soziologische Definitionen von Stadt und Raum
- Mechanismen und Formen der sozialräumlichen Segregation
- Prozess der Entstehung von Armutsgebieten
- Differenzierung zwischen modernen Ghettos, Slums und Gated Communities
- Vergleich der Segregationsphänomene zwischen den USA und Deutschland
Auszug aus dem Buch
6.2 Entstehung von Ghettos
Als problematisch stellt sich die Konzentration von ökonomisch schwächeren und benachteiligten Haushalte, sowie die Abwanderung ökonomisch besser gestellten Haushalten, heraus. Dieser Fakt, verbunden mit Betriebsschließungen oder dem generellen Verlust der Arbeit, führt abgesehen von der Arbeitslosigkeit dann auch zur Armut und sind häufig Ursachen für psychosoziale Problematiken, wie zum Beispiel die Alkoholabhängigkeit. Die Wohnungen sind oftmals renovierungsbedürftig und die Infrastruktur ist nur sehr gering ausgebaut, was folglich zu einem Negativimage eines Stadtteiles führt. Dieses wird nicht nur nach außen präsentiert, sondern ist auch in den Köpfen der Bewohner verankert. Die vorherrschende Isolation, ganz gleich ob diese freiwillig oder durch Ablehnung hervorgerufen wird, führt zu einer Verkleinerung des sozialen Umfeldes und es kommt immer mehr zu Konflikten zwischen ethnischen Minderheiten, sowie zu einer erhöhten Vandalismus- und Kriminalitätsrate. Bezogen auf die Kriminalität steht zumeist die Beschaffungskriminalität im Vordergrund. Hauseigentümer in solchen Vierteln befürchten, dass wenn der Anteil der einkommensschwächeren Bevölkerung in ihrem Stadtteil zunimmt auch ihre Immobilie zeitnah an Wert verlieren wird. (Franke 2002: Wohnen und Ghettobildung)
Die räumliche Konzentration von Armut verursacht weitere Kosten, denn die Depopulationsrate wächst an, das Aufwachsen geschieht in einer meist unerträglichen Umgebung und es hat Spätfolgen für die soziale Entwicklung und den ökonomischen Werdegang. (Häußermann et all 2004: 131ff) Beispielhaft kann Milwaukee in Wisconsin betrachtet werden. Von 1970 – 1990 hat sich das Ghetto ausgebreitet und wie ein Ring um das ursprüngliche Ghetto gelegt. Das hatte zur Folge, dass die Bevölkerung im inneren ursprünglichen Ghetto lebte schrumpfte, der Ring drum herum aber an Bevölkerung gewann. Das Problem an der Ghettobildung ist, dass die Bevölkerungsverluste zur Ghettobildung beitragen, wobei eine gleichzeitige Ausdehnung dieser Ghettos die Bevölkerung zum Wegzug verleitet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung führt in die Problematik der ungleichen Verteilung von Wohnraum in Städten ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Zusammenhang von Segregation und Ghettoisierung.
2. Die Stadt: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Stadt anhand soziologischer Ansätze von Denkern wie Wirth und Simmel und beleuchtet die Stadt als komplexen Knotenpunkt.
3. Der Raum: Hier wird der Raum als dynamisches Zusammenspiel von Prozessen und sozialen Konflikten dargestellt, anstatt ihn als statisches Objekt zu betrachten.
4. Sozialräumliche Segregation: Es werden Grundlagen, Formen und die positiven sowie negativen Auswirkungen der räumlichen Trennung von Bevölkerungsgruppen erläutert.
5. Quartiere – Entstehung von Armutsgebieten: Das Kapitel analysiert die Faktoren Getrification und Rückzug des Staates als Verstärker für die Entstehung sozialer Brennpunkte.
6. Moderne Ghettos: Es erfolgt eine Auseinandersetzung mit der Begriffsgeschichte sowie der Entstehung und den spezifischen Erscheinungsformen von Ghettos, Slums und Gated Communities.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Ghettoisierung eine eigene Ausprägung und keine zwangsläufige Folge sozialräumlicher Segregation darstellt.
Schlüsselwörter
Sozialräumliche Segregation, Ghettoisierung, Stadtsoziologie, Armutsgebiete, Gentrifizierung, urbane Räume, soziale Ungleichheit, ethnische Segregation, soziale Brennpunkte, residentielle Segregation, Gated Communities, Slums, urbane Entwicklung, soziale Kohäsion, Stadtplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der sozialräumlichen Segregation in Städten und der Frage, ob das Phänomen der Ghettoisierung als direkte Folge dieser Segregation verstanden werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die soziologische Definition von Stadt und Raum, die Prozesse der Segregation, die Entstehung von Armutsquartieren sowie die Abgrenzung von Begriffen wie Ghettos, Slums und Gated Communities.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Analyse soziologischer Theorien zu klären, ob die Ghettoisierung eine unvermeidliche Konsequenz der Segregation ist oder ob es sich um ein eigenständiges Phänomen handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse soziologischer Fachliteratur, um Begriffe zu definieren und urbane Prozesse wissenschaftlich einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Stadt, Raum), eine Erörterung der Segregationsmechanismen und eine detaillierte Untersuchung der Ghettoentstehung und -definitionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Sozialräumliche Segregation, Ghettoisierung, Gentrifizierung, soziale Ungleichheit und Stadtsoziologie.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen deutschen "Ghettos" und US-amerikanischen Ghettos?
Die Autorin betont, dass der Begriff im deutschen Kontext mit Vorsicht zu gebrauchen ist, da in Deutschland soziale Brennpunkte eher sozioökonomisch definiert werden, während US-Ghettos stark ethnisch geprägt sind.
Warum wird der "Fahrstuhleffekt" in der Arbeit erwähnt?
Der Fahrstuhleffekt beschreibt die Abwärtsentwicklung von einkommensschwachen, aber ehemals stabilen Arbeitervierteln zu sozialen Brennpunkten aufgrund von Arbeitslosigkeit und Wegzug.
Welche Rolle spielt die Gentrifizierung für die Ghettoisierung?
Gentrifizierung wird als einer der verstärkenden Faktoren für Segregation genannt, da sie durch Aufwertungsprozesse zu einer Verdrängung einkommensschwacher Bewohner führt, die wiederum in andere Quartiere abwandern müssen.
- Citation du texte
- Nicole Fries (Auteur), 2017, Die Ghettoisierung. Eine Folge der sozialräumlichen Segregation?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369583